Transkript zu: Noch eisigere Expedition

2025-11-05

Transkript zur Episode: Noch eisigere Expedition

Daniel: Hallo Philipp.

Philipp: Hallo Daniel.

Daniel: Da bist du ja wieder.

Philipp: Ja, Mensch, du auch. Lang nicht gesehen.

Daniel: Lang nicht gesehen, lang nicht gehört.

Philipp: Lang nicht gehört vor allem, ja, in erster Linie das.

Daniel: In der ganzen Zeit, wo wir weg waren, ist einiges passiert scheinbar. Da hat man hier irgendwie Heldendumm übernommen, habe ich gehört.

Philipp: Ja, du, da kommst du, das ist so wie wenn dein Vermieter Wohnungsbesichtigung bei dir macht, obwohl du noch da wohnst.

Daniel: Mhm.

Philipp: Das ist das ist unangenehm, aber aber es waren nette Leute. Nette Leute waren das.

Daniel: Habe ich gehört, habe ich gehört. Und ich habe gehört, irgendwas von Franchisenehmer ist irgendwie gefallen. Ich weiß auch nicht.

Philipp: Ja, aber das war dann in in dem Fall waren das ja unsere Franchisenehmer.

Daniel: Ja, ja.

Philipp: Wir gründen Außenstellen auf der ganzen Welt. Seid bereit für unsere Machtübernahme. Wir haben es ja schon mal geteased, bis es jetzt passiert ist.

Daniel: Das Imperium kommt.

Philipp: Und schlägt zurück. Das Imperium, das Imperium muss ja erstmal, also wir sind im Moment sind wir noch die dunkle Bedrohung. Aber wer weiß.

Daniel: Wer weiß.

Philipp: Wer weiß.

Daniel: Aber dunkle Bedrohung ist sehr, sehr gut, passt ein bisschen ins Thema. Denn ähm, wenn ich so richtig auf den Kalender gucke, sind wir gerade so an Halloween vorbeigeschrammt. Kann das sein?

Philipp: Ganz knapp, ganz knapp. Es ist, glaube ich, letzte Woche gewesen. Am Freitag.

Daniel: Am Freitag, ja. Deswegen machen wir heute so ein bisschen was in Richtung Mystery, habe ich mir gedacht.

Philipp: Ah, fantastisch. Also, äh da bin ich, da bin ich sehr für zu haben. Ich habe jetzt in letzter Zeit wahnsinnig viel äh Mystery Content irgendwie konsumiert. Insofern bin ich dafür jetzt sehr, sehr äh zu haben.

Daniel: Du hattest ja schon mal DB Cooper gemacht, du hast den Somerton Man gemacht und äh ja, ich habe mir immer gedacht, ich mache sowas auch in die Richtung und äh wer weiß, wie heldendumm es sein wird, vielleicht gar nicht, vielleicht sehr viel. Mysteriös wird’s dennoch.

Philipp: Also, mein meine Idee war ja immer, wir machen mal irgendwie so eine so eine Folge, wo wir auch so einen Unidentifizierten haben. Es gibt nämlich noch welche und den nenne ich dann Mysteriös, so als als Name Mysteriös. Äh vielleicht kommt er ja heute ins Spiel.

Daniel: Also, es kommen einige Misters, die U heißen könnten äh vor, aber wir fangen erstmal bei dir an.

Philipp: Ja.

Daniel: Denn du bist nicht Us, du bist aber Juri.

Philipp: Ah, ist ja gar nicht so weit weg. Juri, also Juri im im Sinne von äh so wie Juri Gagarin, ja, also.

Daniel: Genau. Das das Land passt schon mal. Du bist Juri Jefimowitsch Judin.

Philipp: Juri Judin.

Daniel: Juri Judin, geboren am 19. Juli 1937 in Solikamsk. Das ist die Sowjetunion.

Philipp: Mhm. Wo wo ist das in der Sowjetunion? Also äh welcher Teil?

Daniel: Solikamsk liegt am Uralgebirge, also quasi heutzutage Russland, also tief in den Bergen, sage ich jetzt einfach mal, oder um Berge herum.

Philipp: Mhm.

Daniel: Und äh ja, wie gesagt, es ist halt ein bisschen bergig dort, also ein bisschen extrem bergig, wie es halt so in den Bergen ist.

Philipp: Durchaus.

Daniel: Durchaus. Und ja, im Sommer ist es eine wunderschöne grüne Landschaft mit Tälern und Flüssen und im Winter eine extrem lebensfeindliche Umgebung. So ein bisschen wie wir letztens schon hatten im hier in in in äh im Yukon.

Philipp: Ja, aber wir hatten ja auch schon häufiger lebensfeindliche Umgebungen, insbesondere was Berge angeht, z.B. als wir mal einen Bergrauf gestiefelt sind mit einem radioaktiven Koffer in der Hand.

Daniel: Auch das war auch nicht unbedingt angenehm.

Philipp: Nee.

Daniel: Jedenfalls, du kommst da in der Gegend zur Welt, was man halt so macht.

Philipp: Ja gut, also da kann man ja jetzt erstmal auch nicht viel gegen tun.

Daniel: Nee.

Philipp: Das ist keine freie Entscheidung. Das passiert einfach.

Daniel: Ist ein bisschen erzwungen, das stimmt schon. Und vor allem, was du halt, wo du auch keinen Einfluss drauf hattest, ist leider, dass man bis auf bis darauf, dass du einen mit einem Herzfehler auf die Welt gekommen bist und mit rheumatischen Erkrankungen von Anfang an, weiß man gar nicht so viel über dich oder zumindest über deine Kindheit.

Philipp: Okay.

Daniel: Also, es ist, es startet unangenehm in einer unangenehm Gegend, könnte besser laufen. Und diese Erkrankungen, die machen dir halt immer wieder zu schaffen, aber du schaffst das, du wirst, du überlebst, sagen wir mal, deine Kindheit, du überlebst deine Jugend, du ähm gehst irgendwann mal studieren.

Philipp: Schön. Gut, körperlich wird auch schwierig dann wahrscheinlich, ne?

Daniel: Du hast dir gedacht, ich gehe an das Polytechnische Institut des Urals in Swerdlowsk, Swerdlowsk. Heutzutage einfacher Jekaterinburg.

Philipp: Ist mir, ist mir ein Begriff, keine Ahnung, wo es ist, aber ist mir ein Begriff. Im Ural wahrscheinlich.

Daniel: Genau. Abgekürzt Upi und ich glaube Upi ist ein bisschen einfacher.

Philipp: Am Upi, wir sind am Upi.

Daniel: Wir sind am Upi und du studierst Geologie. Gut, passt ja zu den Bergen, ein bisschen Steinchen.

Philipp: Ja. Das das macht so, das macht so nichtig irgendwie.

Daniel: Das wertet es zwar ziemlich ab, aber ich es aber absolut, ich stimme dir vollkommen zu.

Philipp: Berge und Felsen.

Daniel: Berge und Felsen. Du studierst nebenbei auch noch Wirtschaft und Ingenieurswesen.

Philipp: Okay, studiere ich auch noch Wirtschaftsingenieurwesen? Das ist wahrscheinlich so. Weil das, was ist eigentlich, was ist eigentlich, wenn man Wirtschaft und Ingenieurwesen studiert hat und dann einen Kurs belegt in Wirtschaftsingenieurwesen, darf man den dann überhaupt noch machen?

Daniel: Entweder kennst du schon alles, vielleicht ist das so eine Kombination aus beiden oder vielleicht völlig was anderes. Fragen wir unsere Ingenieure.

Philipp: Schreibt’s doch mal in die Kommentare, sage ich als 2011er Youtuber.

Daniel: Na ja, jedenfalls, du gehst immer wieder und dort lernst du ein paar Leute kennen. Unter anderen die Ludmila Dubinina.

Philipp: Ludmila.

Daniel: Die Ludmila studiert ebenfalls Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften.

Philipp: Guck mal.

Daniel: Und ihr kommt ins Gespräch und ihr befreundet euch. Und es passt eigentlich so ganz gut. Also jetzt nichts romantisches, aber ihr studiert zusammen, ist gut.

Philipp: Okay, wir mögen uns.

Daniel: Ihr mögt euch. Und sie erzählt dir, dass sie gerne wandert. Sie erzählt dir auch, dass die bei einer äh Bergsteigung vor einem Jahr unterwegs war und sie zeigt dir so eine kleine Narbe, wo sie von einem Jäger angeschossen wurde.

Philipp: Ach du Scheiße.

Daniel: Weil sie für Beute gehalten wurde.

Philipp: Okay. Für was denn? Für einen Bär?

Daniel: Ich weiß nicht, wie Ludmila äh doch, ich weiß, wie sie aussah, ich werde sie dir gleich zeigen. Ähm ich würde sagen, nee. Kein Bär.

Philipp: Sie war kein Bär.

Daniel: Jedenfalls hat sie einfach so ein Loch im Bein. Das ist aber gut verheilt. Und ähm Okay. Sie konnte diese äh Bergbesteigung auch noch fortsetzen und abschließen mit dem Loch im Bein.

Philipp: Natürlich, was man, was man halt so macht, ne? Man läuft dann einfach weiter.

Daniel: Ja, die Leute da im Ural, die sind ein bisschen aus anderem Fleisch gemacht quasi.

Philipp: Ja, ich merke das schon.

Daniel: Es ist mittlerweile 1958, du bist 21 Jahre alt und um dich und die Ludmila hat sich so eine Art Klicke gebildet. Ihr habt Freunde an der Uni und sagen wir mal so drum rum.

Philipp: Mhm.

Daniel: Und ich gehe so ein bisschen die Leute durch, denn jede dieser Personen wird heute wichtig, aber ich sag mal so, es ist ein bisschen viel. Ich hoffe, du kannst dich drauf einstellen. Ich schicke dir vielleicht ein paar…

Philipp: Brauche ich Notizen?

Daniel: Nee, ich schicke dir ein Bild, dann hast du Gesichter zu den zu den Leuten. Eine Sekunde. Das findet man natürlich dann auch in den Shownotes.

Philipp: Äh, okay, ich bin äh äh bereit. Soll ich sagen, wen ich sehe?

Daniel: Äh nee, ich ich glaube, ich würde die Leute durchgehen und dann guckst du die Leute an.

Philipp: Okay.

Daniel: So, wir fangen mit dem Nikolai Tybi…

Philipp: Ja, ich sehe ihn. Der mit den Segelohren.

Daniel: Der mit den Segelohren. Wobei, da gibt’s ja mehrere.

Philipp: Das stimmt. Also Juri ist auch hart unterwegs, muss man sagen.

Daniel: Das stimmt. Aber wir sind erstmal bei Nikolai. So, Nikolai ist, wie der Name schon sagt, kein äh ja, kein Vollblutrusse, würde ich sagen.

Philipp: Nein, Tibo Brinol klingt für mich nach Franzose.

Daniel: Sein Vater war französischer Kommunist und ist in die Sowjetunion geflohen.

Philipp: Vor den, vor wem?

Daniel: Vor allen, die die Kommunisten nicht so mochten.

Philipp: Verstehe.

Daniel: Stalin hat ihn quasi direkt in den Gulag gesteckt. Er war ja schließlich Franzose.

Philipp: Ja, genau. Scheiß Kapitalisten Franzosen. Am Ende hat er noch ein Baguette mitgebracht.

Daniel: Na ja, seine Mutter ist mit den Kindern in die Nähe des Gulags geschickt worden und das ist in der Nähe vom Upi. So. Und Nikolai ist zu dem Zeitpunkt ähm, wo ihr quasi eine Klicke seid, ein Absolvent des Upis und äh oder des Upi und er hat wie du auch Ingenieurwesen studiert und er wird beschrieben als sehr humorvoll und äh ja, ein lustiger Kerl, obwohl er halt solchen Hintergrund hat. Also eigentlich hat was aus sich gemacht, würde ich sagen.

Philipp: Der hat was daraus gemacht. Ja, dafür, dass er im Gulag gesessen hat.

Daniel: Sein Vater.

Philipp: Ach, sein Vater war im, Ach so, sein Vater ist im Gulag gelandet und er ist da aufgewachsen mit seiner Mutter nebenan. Okay, jetzt habe ich es verstanden.

Daniel: Genau. Dann hast du den Georgi Kriwonischenko.

Philipp: Äh, nee.

Daniel: Hast du nicht? Warte.

Philipp: Ach so, Juri. Juri Kriwonischenko habe ich, ja, aber nicht Georgi.

Daniel: Genau, Entschuldigung, die die Bilder, die ich dir geschickt habe, die da sind ja die Spitznamen, die heißen alle, also alle heißen komischerweise Juri, weil die alle Judi genannt werden, aber eigentlich heißt der gute Georgi, Georgi, Georgi, irgendwie sowas in der Art.

Philipp: Wieso mache ich denn, wieso mache ich denn, wenn ich in der Gruppe schon einen Juri habe, jemand anderen noch mal den Spitznamen Juri? Ja, aber ja, Kriwonischenko, das ist der mit den mit den Segelohren, aber das Geld ab bei 2000.

Daniel: Genau, bei ihm war der Regler auf jeden Fall turned up to eleven.

Philipp: Weil mein Spitzname bei ihm wäre nicht Juri gewesen, das kann ich schon mit Sicherheit sagen.

Daniel: Na ja, ähm der Georgi ist jedenfalls auch Absolvent des Upi. Er hat Bau- und Wasserbau-Ingenieurwesen studiert.

Philipp: Nicht schlecht.

Daniel: Also Häuser und Dämme, würde ich sagen.

Philipp: Ja, er weiß Bescheid. Er kann, wollte ich gerade sagen, er kann entweder Atlantropa bauen oder dafür sorgen, dass man, dass man gefahrlos am Mississippi ein Schäferstündchen äh ausführen kann.

Daniel: Definitiv. Und äh falls du dich fragst, was man sonst mit diesem Studium anfangen kann, quasi in der Sowjetunion, er hat in der geheimen sowjetischen Nuklearanlage Mayak Plutonium für sowjetische Atombombenprogramme hergestellt.

Philipp: Natürlich, als Wasserbauer ist das für mich völlig logisch. Vielleicht schweres Wasserbauer.

Daniel: Wahrscheinlich. Äh die Anlage ist am 29. September 57 in Luft geflogen übrigens.

Philipp: Aber Juri nicht?

Daniel: Ähm nebenbei der dritt schwerste Atomunfall der Weltgeschichte bis heute nach Chernobyl und Fukushima.

Philipp: Oh! Okay.

Daniel: Und er war Liquidator in diesem Gebiet und war deswegen komplett kontaminiert. Er scheint aber Glück gehabt äh zu haben und hat keine langfristigen Schäden davon getragen.

Philipp: Das ist aber wirklich mal Glück.

Daniel: Ja. Bergsteigen ist sein Hobby.

Philipp: Da hätten die Chinesen doch auch einfach mal bei ihm anrufen können. Er hätte auch alles durch. Ja.

Daniel: Dann hast du den Rustem Slobodin.

Philipp: Ja, habe ich, den dort. Rustem Slobodin.

Daniel: Rustem Slobodin ist auch Absolvent des Bauingenieurstudiums und er war nicht bei einem Atomprogramm dabei. Er soll ein ruhiger Typ gewesen sein und er spielte sehr gut und gern eine Mandoline.

Philipp: Mhm, mhm, mhm.

Daniel: Und auch er besteigt gern.

Philipp: Verstehe. Er ist okay.

Daniel: Berge.

Philipp: Ich dachte schon, er hätte was mit Ludmila und Sinaida gehabt.

Daniel: Äh, dazu kommen wir noch.

Philipp: Ah, okay, alles klar, natürlich.

Daniel: Dann haben wir noch Slavik Bienko. Er ist jetzt nicht auf dem Bild. Dazu kommen wir noch, warum nicht. Er studiert ebenfalls am Upi und er kennt sich gut mit Fotografie aus, sagt man ihm nach.

Philipp: Er kennt sich so gut mit Fotografie aus, dass es von ihm kein Foto gibt.

Daniel: Ja, er hat die Bilder gemacht wahrscheinlich.

Philipp: Wahrscheinlich. Das war noch bevor wir Selbstauslöser hatten am Handy. Von den anderen zehn war aber keiner in der Lage, den zu den den zu bedienen, den Auslöser. Kann man nicht sagen.

Daniel: Er war der einzige, der einzige, der sich mit Fotografie auskannte im ganzen Uralgebirge. Fotoautomat im im Hauptbahnhof von äh, wo sind wir? Äh Jekaterinburg. Steigen Sie in Slavik Bienko ein.

Philipp: Steigen Sie in Slavik Bienko ein und machen Sie sich Slaviks Fotostube. Slavik digital und analog.

Daniel: Slavik digital und analog, sehr schön. Als nächstes haben wir den Alexander Kolevatov.

Philipp: Alexander Kolevatov äh sehe ich auch, ja.

Daniel: Alexander ist so ein ernster Typ und sein Vater ist Finanzdirektor im lokalen Gulag.

Philipp: Was gibt’s da an Finanzen denn zu dirigieren? Also, aber gut, okay.

Daniel: Seine Familie, also dadurch, dass sein Vater im Gulag halt Finanzdirektor ist, ging seiner Familie sehr, sehr gut. Ähm also ihm, seinen Eltern wohlgemerkt halt und seinen fünf Schwestern, die er hatte. Und da dachte man sich so, also kann man sich so denken, wenn es den so gut ging bei so vielen Kindern, dann muss sein Vater vielleicht irgendwas verbrochen haben, wenn er schon der Finanzdirektor ist. Also, das ist meine Theorie.

Philipp: Moment, deine Theorie ist jetzt genau was? Das musst du jetzt noch mal erklären.

Daniel: Meine Theorie, meine Theorie ist, diese Familie ist reich und hat fünf Kinder, also der Vater oder die Eltern haben, anders, sechs, Entschuldigung, noch mal von vorne. Meine Theorie ist folgende: Die Eltern von Alexander haben sechs Kinder, also quasi Alexander und seine fünf Schwestern. Und denen geht’s verdammt gut. Also, die ich würde jetzt nicht sagen, dass die reich sind, aber die kommen sehr, sehr gut über die Runden und der Vater ist Finanzdirektor im Gulag. Und ich kann mir halt gut vorstellen, dass du nicht so gut verdienen tust im Gulag oder wie auch immer das in äh in der Sowjetunion funktioniert hat mit, wie wie viel man dir gibt, äh dass du da die Familie so gut über die Runden bringst.

Philipp: Na ja, gut, als Finanzdirektor hat man ja vielleicht den ein oder anderen Hebel.

Daniel: Ich Ich sag dir, warum ich dir das sage. Ähm meine Theorie stützt sich quasi auf dem Ergebnis des Ganzen, denn der Vater von Alexander wurde von einem Zug erfasst. Der Vater von Alexander wurde komplett von einem Zug mitgenommen und zwar nicht ähm als als Passagier.

Philipp: Passagier. Also, das war, das war quasi die Zeit, als als äh man in Russland noch nicht aus dem Fenster gefallen ist, ist man halt mit dem Zug erfasst worden.

Daniel: Genau das. Und dann hat man plötzlich den ganzen Status, den er hatte, äh ja, ist der Status war plötzlich weg, weil die Mutter war alleine mit sechs Kindern. Der Vater, der Finanzdirektor war, war nicht mehr da und somit gab es kein ja, kein Luxus mehr für die Familie.

Philipp: Ja, sah dann schlecht aus, ja.

Daniel: Und als Alexander dann alt genug war, zog er nach Moskau und da wurde er der Leiter der Schießsportgruppe der kommunistischen Partei.

Philipp: Schießsport oder Schießsport?

Daniel: Schießsport, der Schießsportgruppe.

Philipp: Der Leiter der Schießsportgruppe. Das ist, glaube ich, ein sehr relevanter Job.

Daniel: Äh ja, ich glaube schon, gerade in der Partei. Also ich vielleicht wollte er sich beweisen, vielleicht wollte er sagen, pass auf, mein Vater war nicht so schlimm. Ich weiß es nicht. Ist alles alles Spekulation äh von mir aus, ja? Aber Alexander kam irgendwann mal wieder zurück zum Upi, weil er sich gedacht hat, Kernphysik wäre interessant.

Philipp: Natürlich.

Daniel: Möchte ich studieren.

Philipp: Ja, das denke ich mir auch, dann mache ich das einfach.

Daniel: Ja. Und außerdem liebt er das Bergsteigen.

Philipp: Natürlich, natürlich. Ich sehe uns schon irgendwo in so einem in so einer scheiß Hütte auf so einem scheiß Berg bei -40° und äh sehe uns da irgendwie jämmerlich erfrieren.

Daniel: Dazu kommen wir noch.

Philipp: Natürlich.

Daniel: Dann gab es eine weitere Frau in der Gruppe neben äh Luliana. Es gab die Sinaida Kolmogorova.

Philipp: Ja, ich sehe sie, ich sehe sie.

Daniel: Sinaida hat Funktechnik studiert. Und ihre Mutter hatte eine Behinderung, ihr Vater war eine Kriegsverletzung, also musste sie sich sehr früh um ihre Schwestern kümmern und deswegen war sie so eine Powerfrau. Sie liebte es zu wandern.

Philipp: Ach was? Und Berg zu steigen.

Daniel: und Berg zu steigen und sie hatte auch eine eigene Bergsteiger Story. Ähm sie wurde mal von einer Viper gebissen.

Philipp: Natürlich. Was einem im Moral so passiert.

Daniel: Wollte aber der Gruppe nicht zur Last fallen, also zog sie die Bergsteigung einfach komplett durch und kümmerte sich dann um ihre Wunde.

Philipp: Stirbt man da nicht irgendwie?

Daniel: Ich glaube schon. Sie ihre Eltern konnten sich nicht um sie kümmern, sie musste sich um die Schwestern kümmern, also ist sie nicht gestorben. Ganz einfache Mathematik.

Philipp: Ich Google jetzt, ich Google jetzt Viperbiss. Was tun?

Daniel: Was tun?

Philipp: Viperbiss, was tun?

Daniel: Durchhalten, sage ich dir, durchhalten.

Philipp: Nicht immer tödlich, aber ein ernster Notfall, der sofort ärzt der sofort ärztliche Hilfe erfordert.

Daniel: Ach, da war es nicht so schlimm.

Philipp: Ich Google noch, ich ich nehme noch mal Ural in die in die Google Suchanfrage. Ja, die europäische Viper ist nicht tödlich.

Daniel: Ach, gucke mal. Dann ist es einfach eine Bergsteiger Story, die du beim Lagerfeuer erzählst.

Philipp: Ja, ich habe jetzt äh ich habe jetzt tatsächlich lustig, weil äh ich habe heute tatsächlich exakt heute die neue Gifttierverordnung gelesen.

Daniel: Oh. Aber die europäische Viper ist nicht mit drin, ne?

Philipp: Die europäische da ist die Frage, ist die europäische Viper ein Gifttier? Das wüsste ich jetzt nicht. Wahrscheinlich.

Daniel: Wahrscheinlich.

Philipp: Ist jetzt verboten.

Daniel: Ist jetzt auch irrelevant.

Philipp: Ja.

Daniel: Na ja, das war auf jeden Fall Sinaida und Sinaida, die war mit Juri Doroshenko zusammen, der nächste in der Gruppe.

Philipp: Ja, ich sehe ihn, Juri. Der andere Juri.

Daniel: Der andere Juri. Der Juri verließ sie aber für ein anderes Mädchen und das führte so ein bisschen Spannungen in der Gruppe ein.

Philipp: Ach was?

Daniel: Er studiert ebenfalls wie seine Ex Funktechnik und auch natürlich er mag das Bergsteigen.

Philipp: Leidenschaftlicher Bergsteiger.

Daniel: Natürlich, leidenschaftlich. Und er braucht natürlich eine krasse eine krassere Story als die beiden Frauen, weil die eine wurde angeschossen, die andere von der Viper gebissen.

Philipp: Er er wurde von der Schlange angeschossen.

Daniel: Nee, oh, das wäre nicht schlecht. Das wäre nicht schlecht. Äh nee, bei einer Bergsteigung, da war er mit der Sinaida zusammen unterwegs. Da waren die aber beide scheinbar noch nicht ganz in love. Da sind sie an einen Bären geraten.

Philipp: Ah, da kommt der Bär.

Daniel: Da kommt der Bär und äh Juri Doroshenko hatte natürlich einen Hammer dabei und er schlug auf den Bär ein und der Bär ist in Flucht geschlagen worden im wahrsten Sinne des Wortes. Äh das ist meine Love Story, oder?

Philipp: Still a better love story than Twilight. Ja, aber also ich würde, also meine Idee wäre jetzt nicht, ich hole meinen Hammer raus, aber gut, er hat dann ja später bei Sinaida, glaube ich, doch noch mal seinen Hammer rausgeholt, insofern war das glaube ich okay.

Daniel: Möglich, möglich. Wir haben aber noch einen Studenten der Funktechnik dabei und zwar Igor Diatlov.

Philipp: Igor. Ja, ich sehe ihn.

Daniel: Und der Igor soll einen unheimlich guten Orientierungssinn haben, was ihn natürlich, wie eigentlich den Rest der Gruppe auch, zu einem leidenschaftlichen Bergsteiger.

Philipp: Bergsteiger macht, natürlich. Natürlich.

Daniel: Natürlich. Ich glaube, du ahnst schon, in welche Richtung das geht.

Philipp: Ich ahne dezent, in welche Richtung es geht. Ja, doch, doch. Ich bleibe dabei, wir werden alle jämmerlich erfrieren.

Daniel: Die ganze Gruppe hat eine Grad 2 Zertifizierung. Ähm das bedeutet, sie sind ausgezeichnete Bergsteiger. Also, sie sind wirklich sehr, sehr gut. Und äh die gehen auch, also die ganze Gruppe, inklusive dir, äh ihr geht zusammen immer wieder Bergsteigen halt, was man halt so macht als Bergsteiger liebende Bergsteiger liebende Gruppe auch, unter anderem auch.

Philipp: Ja, aber im Ural gibt’s ja auch genug Optionen. Das ist glaube ich das größte, ist es das größte Gebirge Europas? Auf jeden Fall eines ein ein Riesengebirge.

Daniel: Ich ich glaube schon. Jedenfalls, äh da wart ihr im Sommer irgendwann mal unterwegs und da sagte der sagte der Igor, ja, was wäre, wenn wir so eine Grad 3 Zertifizierung holen? Das war so die höchste Auszeichnung, die man als Amateurbergsteiger erhalten konnte. Also, besser geht’s nicht.

Philipp: Mehr geht nicht.

Daniel: Mehr geht nicht. Und die Voraussetzung ist aber eine Strecke von mindestens 300 km unter schwierigsten Bedingungen.

Philipp: 300 300 km was? Bergsteigen?

Daniel: Ja.

Philipp: Wie soll das gehen?

Daniel: Also jetzt nicht nicht nach oben, sondern generell durch durch extrem schwierige Bedingungen, durch extrem schwierige Bergpässe 300 km wandern.

Philipp: Ach du Scheiße, 300 km, weißt du wie viel 300 km sind? Das ist ja extrem. Das ist ja irre. Das ist ja irre, das ist ja von, das ist ja von von äh äh weiß ich nicht, aber weit.

Daniel: Es ist schon einiges. Es ist schon und dann äh ja. Es ist schon einiges. Igor schlägt auch noch vor, Gora Otorten zu besteigen.

Philipp: Gora Otorten. Lass uns doch mal Gora Otorten besteigen. Fangen die an, wer ist das? ein paar Freiwillige direkt.

Daniel: Äh nee, Gora Otorten ist äh eine Spitze…

Philipp: Das wäre aber auch das wäre aber auch ein geiler Name, muss man wirklich sagen, Gora Otorten.

Daniel: Gora Otorten ist eine Spitze im Norden des Uralgebirges.

Philipp: Ja, ist ja Spitze.

Daniel: Und Igor sagt, pass auf, Februar 59. Lass uns einfach mal dahin, weil dann haben wir die Bedingungen, schwerer Schneefall, unglaublich krasser Wind und Temperaturen um die -30°.

Philipp: Das ist genau, was man will.

Daniel: Das ist, was man braucht für die Grad 3 Zertifizierung.

Philipp: Ach so, es muss also auch noch die möglichst äh katastrophale ähm Bedingung äh sein. Also nicht nur das Gelände muss schwierig sein und es muss unfassbar weit sein, sondern es muss auch noch alles scheiße sein.

Daniel: Genau.

Philipp: Ja, prima.

Daniel: Das ist die Scheiße 3 Zertifizierung.

Philipp: Die Scheiße 3 Zertifizierung.

Daniel: So, ihr beantragt jedenfalls eine 10 Personen Expedition bei der städtischen Kommission von Swerdlowsk. So, das muss man halt, ihr könnt nicht einfach los, ne? Das muss erst genehmigt werden, es muss überprüft werden, habt ihr die die Fähigkeiten, habt ihr die Grad 2 Zertifizierung, damit ihr das überhaupt quasi, damit ihr überhaupt den Aufstieg im wahrsten Sinne des Wortes schaffen könnt. Ja. Und ihr schreibt noch dazu, so als kleiner Motivator, damit das genehmigt wird, dass ihr diese Expedition am 21. Parteitag der kommunistischen Partei macht und ihr dem Parteitag diese Expedition noch widmet. Das ist so ein Ding.

Philipp: Der Parteitag geht geht 300 km weit oder?

Daniel: Der Parteitag geht tatsächlich mehrere Tage lang, aber äh nee, es es geht einfach nur darum, dass ihr an dem Tag oder um den Tag, um den Parteitag herum wandert und die einen Tagen und die anderen wandern.

Philipp: Das heißt, damit man sagen kann, und hier sie sind auch wieder für uns unterwegs und sie laufen sinnlos rum und das ist gut. Anstatt anstatt ordentlich zu arbeiten, läuft man sinnlos durch durch durchs Gehölz und dann ist das super wichtig für die Kommunisten. Verstehe.

Daniel: Ich dachte, du sagst, sagst du, statt einmal richtig saufen.

Philipp: Ja, da bin ich mir sicher, das findet auf dem Parteitag statt. Da bin ich mir ganz sicher.

Daniel: Ganz sicher. Na ja, die Expedition wird genehmigt. Am 8. Januar 1959 kriegt ihr die Genehmigung und das bedeutet, dass ihr am 23. Januar starten müsst. Das ist während des Parteitages. Äh, wo war die Stimme gerade hin? Das ist während des Parteitages, der vom 27. Januar bis zum 5. Februar andauern soll, ungefähr den Gipfel erreicht. Das heißt, ihr könnt mittendrin sagen, jo, die Gruppe, die für uns läuft, die hat den Gipfel erreicht, hier die Helden von jetzt Jekaterinburg.

Philipp: Es ist cool, das erinnert mich so ein bisschen an Spendenlauf in der Grundschule.

Daniel: Ja, nur halt bei -30° Wind, Wetter und Berg.

Philipp: Na gut, das ist wiederum nicht so cool.

Daniel: Geht so. Aber das ist kein Problem. Das schafft ihr. Ihr habt aber ein anderes Problem und zwar euer Problem ist Slavik Bienko. Slavik Bienko darf nicht mitmachen. Er ist zwar ein super Fotograf, aber er hat weder die Grad 2 Zertifizierung noch Erfahrung.

Philipp: Ja, ich habe aber Erfahrung, obwohl ich da so äh geplagt bin von meinen ganzen Krankheiten.

Daniel: Ja, ja, ja, das du hast das im Griff.

Philipp: Okay, ich habe das im Griff. Aber aber Slavik hat es nicht im Griff.

Daniel: Slavik hat es nicht im Griff und also Slavik hätte es im Griff, aber er darf nicht. Slavik darf nicht. Er wäre ein toller Fotograf gewesen für die äh ja, für die Geschichte, aber leider ist er raus und äh ihr bekommt aber zehn Personen genehmigt, das heißt, ihr, es wäre sinnvoll, wenn ihr eine zehnte Person hättet. Na ja, um die zehnte Person kümmert ihr euch aber später, weil erstmal ist es wichtig, die ganze Bergsteiger Ausrüstung vorzubereiten und äh ihr braucht da so ein bisschen, ja, bisschen richtig krasses Equipment. Ihr habt so ein selbstgebasteltes selbstgebasteltes Zelt, was ihr da quasi für zehn Leute, nee, es sind so ein Ding aus mehreren Zelten zusammengenäht und zwar wirklich professionell gemacht. Also, es ist schon wirklich gute Ausrüstung. Ihr organisiert euch Skier, ihr organisiert euch warme Kleidung, einen Ofen organisiert euch, Tagebücher und Kameras für die Dokumentation.

Philipp: Ich bin sehr skeptisch.

Daniel: Brauchst du nicht.

Philipp: Ich bin sehr, treffen wir Chinesen auf dem Weg, die ins Himalaya wollen, sich verlaufen haben, falsche Richtung. Irgendwelche Verbrecher, die die Pfähle umgestellt in den in den Bergen.

Daniel: Alles, alles. Ihr kümmert euch ungefähr zwei Wochen um die Ausrüstung und langsam nähert sich der 23. Januar, wo ihr los müsst und ihr habt immer noch keine zehnte Person, bis sich bei euch Semyon Solotaryov, so, Solo Solotaryov meldet.

Philipp: Der Solotaryov. Semyon, der gibt auch noch seinen Semyon dazu.

Daniel: Der gibt sowas von seinen Semyon dazu, denn er ist der Sportlehrer am Upi und er ist gar nicht, er gehört gar nicht zu zu eurer Truppe, aber er ist Veteran aus dem Zweiten Weltkrieg, er sagt, er kennt sich aus.

Philipp: Und das muss reichen. Das muss reichen. Wer einmal, wer einmal äh mit dem Holzgewehr ins äh ins Nazifeuer geschickt wurde, der kann auch einen Berg besteigen.

Daniel: Absolut. Das Problemchen, eure Gruppe ist im Durchschnitt 23 Jahre alt, er ist 38, aber er bringt Erfahrung mit.

Philipp: Heutzutage ganz normale Beziehung.

Daniel: Alles ganz normal. Na ja, und dann kommt irgendwann mal der 23. Januar. 23. Januar 1959 und eure Expeditionsgruppe sitzt im Abteil 531 eines Zuges und packt hektisch noch Proviant in in eure, also ihr packt alles ein, was ihr da irgendwie äh noch nicht wirklich in die in die großen Taschen gepackt habt, die ihr dann später auf dem Rücken mitnehmen möchtet.

Philipp: Ja, schnell noch schnell noch Bahnhof Rewe to go reingesprungen.

Daniel: Genau, ein bisschen Dosenfleisch, Konserven, Haferflocken.

Philipp: Champagne.

Daniel: Champagne, wie bei der Ballonfahrt. Es passt aber nicht alles in die Taschen. Es ist alles ein bisschen, na ja, ihr wollt viel mitnehmen, ihr habt ein bisschen wenig Platz und wenig Platz zurecht, weil das muss ja, ihr müsst ja mobil bleiben können. Ja. Und euch fällt auf, ihr habt gar kein Salz mitgebracht.

Philipp: Das ist doch egal.

Daniel: Und ihr müsst noch ein paar Decken nachkaufen, weil es wird doch ein bisschen kalt.

Philipp: Okay, das ist wiederum wichtig.

Daniel: Ludmila hat ihren Pulli am Upi vergessen.

Philipp: Auch das noch, ich glaube es ja nicht.

Daniel: Und was ihr auch habt, ihr habt einfach zu wenige Zigaretten eingepackt.

Philipp: Ja gut, aber die nehmen ja wenigstens, also die sind ja weder schwer noch groß.

Daniel: Das stimmt.

Philipp: Also das ist okay, die die kriegt man schon noch mit. So ein Pulli ist glaube ich, das ist ein Problem, wenn du keinen Pulli dabei hast, bei -30°. Äh, aber ähm am am problematischsten finde ich, dass man, also zu wenig Decken dabei hat. Das finde ich äh am schwierigsten.

Daniel: Das ist schlecht, aber das kann man auch am Bahnhof nachkaufen, wenn ihr irgendwo gerade angekommen seid, ne? Es gibt ja immer noch die Möglichkeiten.

Philipp: Hollister.

Daniel: Daran soll es nicht scheitern. Jedenfalls die Zigaretten, ihr habt zu wenige Zigaretten, also ihr Männer tut euch zusammen und ihr schwört. Ihr schwört, dass auf der gesamten Expedition nicht geraucht wird.

Philipp: Für alle, die das Gesicht gerade nicht sehen konnten, es ist, es ist ungefähr, wie wie, was ist denn das für ein Meme, wo dieser Typ einfach nur so steht und dem anderen so ganz genau in die Augen guckt?

Daniel: Ich weiß, was du meinst.

Philipp: Ja, dieses Meme, das das sollten wir irgendwo verlinken. Genau das, genau das wäre ich in dem Moment gewesen. Mhm. Oder hier, The Rock, wie er wie er schaut. Mhm.

Daniel: Jedenfalls, äh wie gesagt, er sagt, ihr werdet nicht rauchen, vielleicht, weil es keine Zigaretten gibt, vielleicht einfach um so ein bisschen die Stimmung zu heben. Und äh im Zug fährt auch eine Jagdgruppe mit. Die fährt in dieselbe Richtung ungefähr. Und äh die Stimmung ist ganz gut eigentlich. Rustem holt seine Mandoline raus.

Philipp: Geil.

Daniel: Spielt ein bisschen.

Philipp: Für die war Platz.

Daniel: Für die war Platz. Salz und Decken nicht. Äh jedenfalls alle haben gute Laune und äh ihr legt euch so gegen 3 Uhr nachts schlafen und der Zug fährt weiter.

Philipp: In in in dem Zug, ja, also der Zug der Zug fährt über Nacht.

Daniel: Genau.

Philipp: Und und gut, mhm.

Daniel: Am 24. Januar kommt ihr so gegen 7 Uhr in der Stadt Serow an. Da wollt ihr umsteigen.

Philipp: Nach 4 Stunden Schlaf. Das sind beste Voraussetzungen.

Daniel: Ist super. Äh jedenfalls, ihr steigt aus und da sind direkt so ein paar Leute, die euch ganz, ganz schräg angucken, weil die Jagdgruppe steigt aus, weil die steigen auch dort um, ihr steigt aus zu zehnt, ihr habt diese ganze Ausrüstung mit dabei und diese ganzen Leute, die da stehen, gucken euch sehr, sehr misstrauisch an. Und der Georgi verlässt den Zug und fängt fängt an laut zu singen. Kaum gibt er quasi ein paar Töne, wird er von zwei Uniformierten umgehauen.

Philipp: Oh! Das geht schnell.

Daniel: Das geht sehr schnell. Ähm denn laut Paragraph 3 an darf man an Bahnhofsgebäuden äh keine anderen Bahnhofsgäste belästigen.

Philipp: Das ist natürlich äh verständlich.

Daniel: Und der gute Georgi wird erstmal gepackt und nur verwarnt.

Philipp: Na ja, immerhin, also, da hätte man auch direkt eigentlich Gulag äh verordnen können.

Daniel: Eigentlich Gulag, diesmal kein Gulag. Ihr werdet aber des kompletten Bahnhofsgebäudes verwiesen.

Philipp: Das ist ein Problem, wenn ich in einen anderen Zug steigen muss.

Daniel: Das ist, also ich sag mal so, ihr dürft, das ist quasi, muss ja vorstellen, wahrscheinlich ein großes Gebäude und außen sind die äh die die Gleise. Genau, also es ist aber halt nur kalt und ihr habt ein paar Stunden bis der Zug kommt, bis der nächste Zug kommt. Und äh ihr verlasst den Bahnhof, geht so ein bisschen spazieren und ihr findet eine Schule und fragt, ob ihr da kurz eure Sachen umpacken könnt, also, ne, ein bisschen sortieren könnt und die Schulleitung ist begeistert von eurer Präsenz und organisiert kurzerhand ein Treffen mit den Schülern.

Philipp: Mhm.

Daniel: Die finden das toll und äh ihr dürft so ein bisschen erzählen, was ihr vorhabt, wo ihr hingeht, wer ihr seid. Und danach geht ihr wieder zum Bahnhof. Ihr dürft, wie gesagt, das Gebäude nicht betreten, aber so um 18:30 Uhr soll euer Zug kommen. Kaum seid ihr im Zug, passieren zwei Dinge. Erstens, euch fällt auf, dass ihr ein Ticket zu wenig gekauft habt.

Philipp: Oh Gott, ey, was ist das für eine Chaostruppe?

Daniel: Da Ludmila ja ihren Pulli vergessen hat, ist sie ja so ein bisschen kompakter und man kann sie gut irgendwie im ganzen Gepäck verstecken, also zwischen den zwischen den Taschen.

Philipp: Ja, verstehe.

Daniel: Äh sie wird auf jeden Fall dort versteckt, sobald ein Kontrolleur in Sicht ist. Und ich habe ja zwei Probleme erwähnt und das zweite Problem ist, dass ein Betrunkener irgendwie durch euer Abteil wandert und fängt an zu schreien. Und Paragraph 3 nicht vergessen.

Philipp: Ja.

Daniel: Keine keine Bahngäste belästigen, nicht nur im Bahnhofsgebäude, sondern auch in den Zügen. Und er schreit rum und er beschuldigt euch des klassischen Wodka Diebstahls.

Philipp: Ah! Ein großes Problem, glaube ich, im äh Russland der 50er äh oder der Sowjet in der Sowjetunion der 50er. Das Problem ist, der ist doch besoffen da reingekommen. Ich weiß doch genau, wo der Wodka ist. Ich weiß ganz genau, wo der Wodka ist. Da braucht er sich nicht wundern.

Daniel: Nee, da braucht er sich wirklich nicht wundern. Jedenfalls, äh das rückt euch zum zweiten Mal so ein bisschen in den Fokus der Polizei.

Philipp: Aber das sind ja jetzt andere Polizisten, oder?

Daniel: Das sind andere Polizisten, aber äh es ist trotzdem unangenehm und das quasi in Kombination mit Gepäcktarnung, weißt du so Tarnindex 70.

Philipp: Hatte aber wahrscheinlich noch so einen so einen Oberteil an, wo so ganz viele Koffer drauf abgebildet sind.

Daniel: Das macht wahrscheinlich nicht so viel Spaß. Und ihr müsst diesen Zug quasi wieder eine ganze Nacht nehmen. Es ist schon wieder Nachtzug und gegen Mitternacht am 25. Januar kommt ihr in Ivdel an. Das ist quasi nächste Station, die ist ein bisschen näher an eurem Startpunkt der Expedition.

Philipp: Mhm.

Daniel: Dort müsst ihr in der Wartehalle bis 5 Uhr nachts warten oder 5 Uhr morgens eher. Und ähm in der Wartehalle ist kalt, es windig, ich weiß nicht, ob die Türen hatte, jedenfalls baut ihr dort euer Zelt auf.

Philipp: Okay. Ja, gut, wenn es kalt ist und man schlafen muss.

Daniel: Ja, und vor allem habt ihr 5 Stunden äh rumzukriegen.

Philipp: Ich hoffe, jemand hat einen Wecker dabei.

Daniel: Ich hoffe eher, jemand hat ein bisschen Geld dabei, denn der Georgi wurde von der Polizei verschleppt.

Philipp: Oh! Oh! Schon wieder, ist er schon wieder singend aus dem Zug gestiegen oder was ist los?

Daniel: Nee, er er wusste ganz genau, singen darf ich nicht, aber er hatte irgendwie Bock auf Süßigkeiten. Er hatte aber irgendwie, er hatte kein Geld dabei, weil ihr habt da alles ausgegeben, habt nicht mal ein Ticket gekauft, also nicht nicht mal vollständig äh genügend Tickets, also hatte er gebettelt.

Philipp: Ah, und das ist verboten.

Daniel: Der Paragraph 3.

Philipp: Was? Das ist verboten. Dieser scheiß Paragraph 3, der verfolgt uns.

Daniel: Der verfolgt uns auf jeden Fall. Um 5:30 Uhr so ein bisschen Verspätung kam ein Bus. Und dieser Bus soll euch weiterfahren.

Philipp: Schienenersatzverkehr.

Daniel: Schienenersatzverkehr. Äh ihr habt aber diesen Bus so mit eurer Ausrüstung vollgeladen, dass hätte, dass keiner mehr hätte einsteigen können. Das heißt, also ihr seid drin, eure Ausrüstung ist drin, die Jagdgruppe, die noch quasi mit euch reist, die ist auch mit in die Richtung, äh und es kann niemand mehr einsteigen.

Philipp: Mhm.

Daniel: Und na, ihr fahrt mehrere Stunden Richtung quasi euren Startpunkt, das ist so ein bisschen weiter in den Bergen und ihr macht irgendwann mal Pause. Ludmila und ein paar andere steigen aus und du und der Rest bleibt drin.

Philipp: Oh je.

Daniel: Die wollen sich halt ein bisschen die Beine vertreten.

Philipp: Der Bus fährt weg.

Daniel: Die vier sehen so ein Kraftwerk in der Nähe und das sind alles Ingenieure, dachten sie so, komm, gucken wir uns mal an. Sie gehen hin, der Busfahrer entscheidet sich, Pause ist vorbei. Und der Busfahrer gibt Vollgas.

Philipp: Natürlich.

Daniel: Und ihr protestiert, also ihr, die drin sind. Äh ihr protestiert, aber trotz des Protestes fährt der Busfahrer weiter und ihr seht nur so quasi durch das Hinterfenster, wie eure Freunde da dem Bus hinterher rennen. Ihr hattet aber Glück, der Busfahrer ist stehen geblieben. Nicht für euch, nicht für eure Freunde, sondern für ein junges Mädchen, welches einsteigen wollte.

Philipp: Ja, aber ist ja kein Platz mehr.

Daniel: Ja, es ist egal. Es ist ein junges Mädchen, sie darf ja, die kann doch nicht hier im im Kälte stehen.

Philipp: Nein, nein, nein, sie kommt aufs Dach.

Daniel: Sie kommt aufs Dach. Nein, sie kommt auf jeden Fall rein und die Gruppe kann wieder vollständig weiterfahren und euer nächstes Zwischenziel ist quasi 30 km entfernt.

Philipp: Das werden ein langer Marsch auf jeden Fall für die Leute, die zu Fuß.

Daniel: Das wäre ein sehr langer Marsch, aber wir sind ja für 300 vorbereitet, ne? Ja, aber Kräfte sparen, würde ich sagen.

Philipp: Ja, Kräfte sparen, ey, die Anreise ist alleine schon, das würde mich schon, da hätte ich schon, danach hätte ich schon äh gesagt, allein für die Anreise habe ich schon meinen äh äh Gulag 3 oder wie dann dieser Grad heißt, verdient.

Daniel: Ja. Na ja, jedenfalls, ihr kommt in der Stadt Wischai an. So, das ist ungefähr, na, wir haben 14 Uhr und äh die Jäger verabschieden sich von euch, weil die Jäger gehen quasi jetzt dort, wo ihr angekommen seid, die gehen da irgendwo in die Berge jagen.

Philipp: Mhm.

Daniel: Und äh ihr habt dort Unterkünfte. Ihr könnt ein bisschen schlafen.

Philipp: Das ist gut. Das ist gut. Endlich mal ausruhen nach dieser ganzen Scheißreise da.

Daniel: Ein bisschen ausruhen. Äh, aber die Hälfte eurer Gruppe entscheidet sich, ach, schlafen brauchen wir nicht, hier gibt’s ein Kino.

Philipp: Auch nicht schlecht.

Daniel: Also seid ihr ins Kino.

Philipp: Was läuft? Läuft irgendwie äh Schlächter äh schlechter der der Arbeiterbewegung 3 jetzt?

Daniel: Rocky 4.

Philipp: Rocky 4. Aber umgeschnitten. Rückwärts.

Daniel: Genau. Rückwärts, genau. Erst erst wird er geschlagen und dann gewinnt er. Genau. Am Ende stirbt einer.

Daniel: Genau, nee, ihr guckt euch einen Film an, wahrscheinlich sowjetische Propaganda, nehme ich mal an. Und ihr geht ins Bett und dann kommt der 26. Januar. Ihr wacht auf, es ist 13 Uhr und äh es kommt ein Bus.

Philipp: Lockeres Studentenleben, ey.

Daniel: Lockeres Studentenleben, wie du es sagst, ne? Na, es kommt ein Bus und der fährt zu der sogenannten Siedlung 41. Das ist ein militärisches Ausbildungslager. Und das ist quasi der letzte Punkt der Zivilisation.

Philipp: Mhm.

Daniel: Bis es in die Berge geht. Von da aus gibt’s nur noch Schnee, Wälder und tatsächlich Stämme von Eingeborenen.

Philipp: Ureinwohner.

Daniel: Ureinwohner, genau. Mhm. Aber erstmal für euch das letzte Mal Federbett, das letzte Mal eine vernünftige Mahlzeit für diese Expedition und ihr könnt euch da ausruhen im Militärlager. Und der Plan für morgen ist, Ausrüstung auf dem Pferd laden und dann zu einer Nordsiedlung auf Skiern laufen. Das ist keine Zivilisation mehr, das ist im Endeffekt irgendwo eine Hütte in der Nordsiedlung. Du hast aber ein Problem.

Philipp: Durchfall.

Daniel: Schlimmer. Es ist ein Problem, dass du, Philipp, sehr gut kennst. Du kannst nicht mehr sitzen, du kannst nicht mehr stehen.

Philipp: Ja, Scheiße. Ja.

Daniel: Und erst recht nicht 300 km auf Skiern laufen. Mir hat’s den Rücken zerstört.

Daniel: Es hat dir den Rücken zerstört.

Philipp: Ach je.

Daniel: Wie fühlst du dich?

Philipp: Also, ich ähm, wenn ich jetzt aus persönlicher Erfahrung berichte, ich kann nicht mehr aufstehen, ich also nur noch, wenn ich irgendwie, also die dringendsten menschlichen Tätigkeiten verrichten muss, dann quält man sich irgendwie hoch, aber man muss schon 20 Minuten einplanen dann auch dafür. Ähm es äh ist so, dass man quasi sich nicht mehr aufrichten kann, sondern man läuft in so einem gebückten Zustand und kriecht dann so da erbärmlich durch die Wohnung und äh man freut sich jeden Tag, dass man nicht in der Villa oder in dem Herrenhaus wohnt, sondern in so einer kleinen Klitschenbude, wo quasi du jetzt nicht in den Westflügel laufen musst, um irgendwas zu machen. Und ich glaube, so ging es äh so ging es Juri in der Situation auch, nur halt mit dem Unterschied, äh ich muss nicht Berg steigen, Juri schon und deswegen würde ich ganz locker sagen, ich sag ab.

Daniel: Du sagst nicht ab. Du sagst eine Runde schlafen, morgen wird’s besser.

Philipp: Natürlich. Vielleicht noch ein bisschen Wodka, dann tut’s nicht so weh.

Daniel: Mit Pfeffer habe ich gehört. Das heilt alle Krankheiten.

Philipp: Ja, das Salz haben wir ja vergessen, muss du Pfeffer nehmen.

Daniel: Jedenfalls, äh ja, dein Rücken macht dich fertig, du legst dich schlafen und hoffst, dass er morgen besser ist. Und dann kommt der nächste Morgen, der 27. Januar und du wachst mit noch schlimmeren Schmerzen als am Vortag auf.

Philipp: Ja, natürlich. Ich habe ja auch auf dem Boden geschlafen. Was ist da zu erwarten?

Daniel: Juri, es geht nicht mehr. Es tut mir leid. Du bist raus.

Philipp: Also, in in meinem Charakter bin ich natürlich am Boden zerstört. Ich persönlich würde sagen, prima, sehr gut.

Daniel: Aber du bist nicht nur am Boden zerstört, du bist wahrscheinlich auch am Boden zerstört.

Philipp: Ja, genau, also im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin zerstört am Boden und am Boden zerstört.

Daniel: Es ist alles ganz ganz schlimm. Du hast richtig schlechtes Gewissen. Du musst deine Last und Ausrüstung quasi auf die anderen der Gruppe verteilen. Du musst dich verabschieden und du musst vor allem die ganze Strecke, die du hergekommen bist, jetzt alleine zurückreisen.

Philipp: Das wiederum ist dann richtig scheiße.

Daniel: Aber

Philipp: Aber solange ich nicht anfange zu singen, dürfte es gehen.

Daniel: Aber die Jungs und Mädels haben ein paar geologische Proben für dich gesammelt, die kannst du mitnehmen. Da hast du zumindest was zu tun, wenn du zu Hause bist. Hier schlepp, weißt du, da steigst du dann in so einen in in in den Bus ein und dann hiefst du dein Gepäck da rein, was haben Sie denn da drin? Steine? Ja, ja, es sind Steine, in der Tat. Man hat mich gebeten, die mit zurückzunehmen. Ich war auf einer Bergsteigerexpedition und habe keinen Berg bestiegen. Mir hat sie Rücken zerstört, aber sie Steine gegeben. Auf die Idee muss man erstmal kommen. Ja, super.

Daniel: Du machst noch mit der Gruppe aus, dass die Gruppe sich äh meldet, sobald die quasi den Berg gestiegen, also den Gipfel bestiegen haben und dann wieder zurück in Wischai sind, da wo man Telegrafen hat. Und das müsste, boah, roundabout allerspätestens am 12. Februar passieren.

Philipp: Darf ich, darf ich eine Prognose abgeben zum weiteren Verlauf?

Daniel: Bitte, ich werde sie nicht kommentieren.

Philipp: Okay. Ich äh meine Prognose ist, jetzt spielen wir hier 4D Schach. Meine Prognose ist, dass ich der Protagonist dieser Geschichte bin, weil ich der einzige bin, der überlebt hat, weil ich nicht mit darauf konnte und alle anderen sind jämmerlich erfroren, wie ich es schon seit einer halben Stunde prophezeie. Weiter im Text, bitte.

Daniel: Dazu kommen wir noch. 12. Februar 1959. Du bist in den Räumlichkeiten des Sportvereins des Ubis und wartest auf dein Telegramm.

Philipp: Also, ich bin bei bei Semyon im Büro quasi.

Daniel: Genau. Dein Telegramm kommt nicht.

Philipp: Na ja, gut, man könnte sich ja einen Tag verspätet haben, es kann immer was sein.

Daniel: Geht alles.

Philipp: Vielleicht 13..

Daniel: Du guckst, warte, was war, was war der 13. Februar? Warte. Ha! Freitag der 13. 1959.

Philipp: Natürlich.

Daniel: Erst passiert nichts.

Philipp: Ja, aber manchmal ist es auch nicht Freitag der 13., wo die Dinge passieren. Manchmal ist es halt auch Samstag der 14.. In der sechsten Klasse hätte ich gesagt, das ist mein Unglückstag.

Daniel: Hm. Wie du schon sagst, nicht unüblich alles, ne? Also, Expedition kann sich schon mal verzögern. Ich meine, du geht ja für über drei Wochen. Ja. Also du denkst dir, ach komm, das dauert noch ein bisschen. Du widmest dich deinen Steinen.

Philipp: Sehe ich gerade vor mir, wie er da so sitzt mit so einem Hämmerchen, klopft er da drauf rum, guckt zur Telegrafiermaschine, guckt zurück, guckt auf den Kalender. Weißt du, so einen richtig, so einen klassischen, wo einfach nur so eine riesige 14 zu sehen ist. Und dann dann reißt er die ab am nächsten Morgen, macht wieder auf, denkt sich, hm, Sonntag der 15., immer noch nichts.

Daniel: Mhm. Auch der 16. nicht.

Philipp: Tja.

Daniel: Und so langsam machst du dir ein bisschen Sorgen und du bist ja auch in Kontakt mit der Familie oder mit den Familien der ganzen Leute, weil man kennt sich.

Philipp: Man kennt sich.

Daniel: Und die warten auch. Und wir springen bis zum 20. Januar, Entschuldigung, 20. Februar, wo immer noch kein Lebenszeichen von der Gruppe gekommen ist und du tust dich mit den Familien zusammen und sagst, Leute, Such- und Rettungsaktion wäre mal langsam angebracht.

Philipp: Ja. Glaube ich eigentlich auch.

Daniel: Sie wird ziemlich zügig genehmigt und auch eingeleitet.

Philipp: Nach 8 Tagen.

Daniel: Ja.

Philipp: Ja, ist natürlich dann auch immer die Frage, gerade, wenn man dann an dem Punkt ist, hätte man nicht schon früher was machen müssen. Vielleicht, man weiß es ja nicht. Man weiß es ja nicht.

Daniel: Man weiß es nicht, aber wie gesagt, es ist alles nicht unüblich. Es ist schweres Gelände, es ist schweres Wetter.

Philipp: Schwierig.

Daniel: Es ist am Ende, am Ende ist das alles vielleicht auch ein bisschen blöd.

Daniel: Vielleicht. Jedenfalls, Such- und Rettungskräfte starten. Es vergeht ein Tag, zwei Tag, zwei Tag. Zwei Tage.

Philipp: Aber bin jetzt ich nicht dabei, sondern das sind andere dann.

Daniel: Nein, nein, ihr organisiert wirklich professionelle Leute.

Philipp: Mhm.

Daniel: Jedenfalls wird gesucht und gesucht und gesucht, bis am 26. Februar 300 m vom Gipfel des Berges Kolat

Philipp: Aha.

Daniel: ein teilweise eingestürztes und von Schnee bedecktes Zelt entdeckt wird.

Philipp: Das ist ein schlechtes Zeichen.

Daniel: Das Zelt steht an einem Hang, aber dieser Hang ist sehr sehr flach. Also da kannst du keine Lawine erwarten oder sowas, was hätte irgendwas.

Philipp: Ja, vor allem 300 m äh am Gipfel entfernt ist ja auch eine Lawine jetzt noch nicht so kritisch.

Daniel: Ja und wie gesagt, also hauptsächlich hat man sich gedacht so, okay, hier kann nichts passiert sein. Ja, ein bisschen Schnee auf dem Zelt, weil es schneit. Und wie gesagt, Lawine nicht zu befürchten, also den Leuten dürfte es eigentlich gut gehen.

Philipp: Aber warum haben sie das Zelt 300 m vom Gipfel zurückgelassen?

Daniel: Das ist die Frage. Und man untersucht ja das Zelt natürlich, man findet Schnittspuren. Und das Zelt wurde aufgeschnitten. Aber von innen.

Philipp: Das kann man, das kann man sehen, von welcher Seite?

Daniel: Das kann man, das kann man sehr gut sehen. Und im Inneren war sauber verstaute Kleidung, zurückgelassene Ausrüstung, Essen, welches gerade noch geschnitten wurde offensichtlich. Mhm. Jedenfalls scheint das Zelt sehr schnell, sehr plötzlich und sehr überstürzt.

Philipp: Überstürzt.

Daniel: Überstürzt, genau, das ist das richtige Wort, verlassen zu sein. Verlassen worden zu sein. Und obwohl es geschneit hat, konnte man im Schnee Fußspuren erkennen und die ging äh so 500 m nach Nordosten.

Philipp: Von, also so, also von einer Person jetzt oder von neun?

Daniel: Nee, schon mehrere. Also nicht nicht neun, aber nicht eine.

Philipp: Mhm.

Daniel: Seltsam ist, dass die Spuren darauf hindeuten, dass die Personen größtenteils gar keine Schuhe anhatten.

Philipp: Okay, das wiederum ist tatsächlich sehr komisch.

Daniel: Entweder barfuß oder in Socken.

Philipp: Warum ziehst du dir die die Schuhe aus in dieser Situation? Also, da muss ja dann schon in dem in dem Zelt etwas gewesen sein, wo du sagst, jetzt muss ich hier aber sowas von schnell raus, dass ich nicht mal mehr Zeit habe, mir die Schuhe anzuziehen.

Daniel: Man konnte sogar erkennen, dass eine Person nur einen Schuh anhatte. Das heißt, irgendwie vielleicht halb überstürzt, halb noch vorbereitend, ich es ist schwer zu sagen.

Philipp: Ja.

Daniel: Eine eine der Personen schien gerannt zu sein, der Rest ging relativ normal, also jetzt nicht langsam oder irgendwie angeschlagen oder sowas. Und da hat man erstmal sich gedacht, ja, es könnte gute Chancen haben, dass die Gruppe wohl auf ist und irgendwo einfach sich irgendwie anders äh ja versteckt hat oder vielleicht irgendwo mit jemanden mitgegangen ist oder so. Die Spuren hörten aber irgendwann mal auf, einfach mitten drin, mitten im Schnee.

Philipp: Schnee bedingt oder äh also, dass man sie nicht gefunden hat oder dass man feststellen konnte, die Leute sind da stehen geblieben?

Daniel: Nee, die Spuren hat man einfach nicht mehr weiter gefunden, die wurden immer weniger. Also es war jetzt kein Schnee Adler, der von oben kam und alle gepickt hat quasi, ne? So wie dieses Bild von diesem armen Kanickel, kennst du vielleicht? Da gibt’s so Kanickelspuren und dann äh so Flügelspuren und dann gibt’s plötzlich keine Spuren mehr. Äh das nicht, aber es scheint durch das Wetter, durch die Witterung quasi die Spuren äh na ja, sollen scheinbar.

Philipp: Sind verwischt.

Daniel: Sind verwischt, genau. Man ging einfach mal weiter 1 Kilometer in die Richtung, wo die na ja, wo die Fußspuren halt hingezeigt haben und man fand da so einen kleinen Wald, also Wald ist vielleicht das falsche Wort, so ein so ein Wältchen halt.

Philipp: Auf der Höhe noch?

Daniel: Ja, ja. Und äh dort fand man die Überreste eines kleinen Feuers.

Philipp: Okay.

Daniel: Also,

Philipp: Was auch komisch ist.

Daniel: Ist komisch, aber sie waren scheinbar da. Und äh abgebrochene Äste an einem der Bäume in der Nähe, ähm Spuren vom Klettern. Also jemand scheint nach oben geklettert zu sein, vielleicht schaute er sich irgendwie von oben um. Und äh man hat sich dann diesen Ort noch mal genauer angeguckt und man ist so ein bisschen, sag mal herumgekreist um dieses Lagerfeuer und da passiert es, wovon man so ein bisschen Sorge hat.

Philipp: Man findet Leichen.

Daniel: Man findet Leichen. Juri Doroshenko und der Georgi Kriwonischenko waren ziemlich stark vom Schnee begraben. Man hat sie eigentlich nur zufällig gefunden, dass da irgendwie ein Stück Stoff raus, nee, Lüge, ein Stück Körper raushing. Ähm und beide hatten nur Unterwäsche an.

Philipp: Deswegen hing auch kein Stück Stoff raus. Wenn da ein Stück Stoff raushinge und sie beide nur Unterwäsche an hätten, dann wird das was implizieren, was ich nicht implizieren möchte. Aber, also die Frage ist doch die, da oben sind jetzt irgendwie, da ist jetzt irgendwie -28° oder sowas, ne? Da gibt es doch keine Situation, da gibt es doch keine Situation, in der ich mich nur in Unterwäsche befinde. Keine.

Daniel: Also, ich habe, ich habe bei der Bundeswehr gelernt, äh wenn man warm schlafen möchte, zieht man sich bis auf die Unterwäsche, bis auf die Unterwäsche aus, man legt seine Kleidung tief in den Schlafsack rein, äh legt sich in den Schlafsack und zieht eine Mütze über, dann kann die Hitze weder nach oben noch nach unten entweichen.

Philipp: Okay, das ergibt für mich jetzt nicht so viel Sinn, aber okay, es wird stimmen. Das heißt, äh vielleicht sind die aufgeweckt worden und weggerannt und haben dann da ein Feuer gemacht, aber gut, also dafür haben sie ja noch vergleichsweise lange überlebt scheinbar. Also, wenn ich da draußen wäre in Unterwäsche, dann würde ich ja wahrscheinlich, dann würde ich eine halbe Minute überleben oder so.

Daniel: Ja, wird hochkommen wahrscheinlich, ja. Na ja, auf jeden Fall, man findet die Leichen nur in Unterwäsche, alles bisschen schräg. Und am nächsten Tag, also es ist irgendwann mal abends, klar, dann kannst du nicht mehr weitersuchen. Ähm die Leute gehen zurück nach Hause, die zweite Suchaktion quasi oder die folgenden Suchaktion am nächsten Tag startet und man kreist weiter um die Lagerfeuerstätte quasi rum. Erstmal 300 m und dann später 600 m findet man zwei weitere Leichen.

Philipp: Mhm.

Daniel: Igor Diatlov und die Sinaida Kolmogorova. Es sah so aus, als ob beide auf dem Rückweg vom Wald Richtung Zelt unterwegs waren und dort gestorben sind.

Philipp: Mhm. Okay.

Daniel: Einfach so? Also, weiß man denn, woran?

Daniel: Kann man noch nicht sagen, die Leichen sind noch da, die müsste man erstmal vom Berg bringen.

Philipp: Genau.

Daniel: vom Berg bringen und dann äh eine Obduktion machen. Jedenfalls äh vier Tote, Chancen für die Rest der Gruppe, dass man sie lebendig findet, puh.

Philipp: Eher gering.

Daniel: Eher sehr gering. Aber man ging davon aus, dass sie irgendwo in der Gegend sein müssten, weil

Philipp: Ja, das

Daniel: die anderen haben es ja auch nicht weit geschafft. Mittlerweile ist es auch jetzt bei dir Juri quasi angekommen, dass äh ja, dass vier, mindestens vier von deinen Freunden gestorben sind. Mhm. Was dich natürlich völlig fertig macht und du wirst gebeten, die Leichen zu identifizieren, sobald die vom Berg sind.

Philipp: Ja, was sollst du machen, ne?

Daniel: Ja. Und äh man bittet dich herzukommen und du machst wieder den ganzen Spaß mit den Zügen und äh ja, du kommst an und siehst deine Freunde und du brichst zusammen und du machst dir Vorwürfe.

Philipp: Das, also Vorwürfe vielleicht nicht, aber ich würde schon, also äh also ich wäre schon hart mir bewusst, wie glücklich ich bin, dass ich da quasi, also, wie viel Glück ich gehabt habe, dass ich offenbar nicht dabei war, weil das waren ja neun sehr erfahrene Bergleute und ich glaube, wenn da einer mehr bei gewesen wäre, hätte das die Situation wahrscheinlich jetzt auch nicht groß verbessert, aber ähm ich wäre halt auch noch gestorben wahrscheinlich.

Daniel: Möglicherweise, aber vielleicht hättest du auch irgendwie helfen können. Also, das ist zumindest, das kann ich tatsächlich sagen, Juri macht sich Vorwürfe. Mhm. Juri macht sich definitiv Vorwürfe. Er denkt, er hätte helfen können. Vielleicht wäre es anders gekommen. Aber man bittet dich aus dem Leichenschauhaus, sobald du die Leute identifiziert hast, äh und man fängt mit den Obduktionen an. Und da fallen so einige, sagen wir mal, ungewöhnliche Dinge auf. Juri Doroshenko starb an Unterkühlung. Macht Sinn.

Philipp: Gut, das macht jetzt erstmal Sinn, ja.

Daniel: Er hatte nur Unterwäsche an. Was er aber hatte, was er aber auch hatte, waren Prellungen an Armen und Beinen und der hatte grauen Schaum im Mund und das ist normalerweise ein Hinweis auf Gewalteinwirkung auf die Lungen.

Philipp: Mhm. Ja gut, aber das kann ja damit zusammenhängen, dass er irgendwo auf diesen scheiß Baum rauf geklettert ist.

Daniel: Stimmt, er könnte runtergefallen sein. Ja.

Daniel: Georgi ist auch an Unterkühlung gestorben und auch er hatte seltsame Prallungen, Prellungen und er hatte Verbrennungen.

Philipp: Okay, Verbrennungen sind, obwohl vielleicht beim Feuermachen.

Daniel: Äh ein Stück seiner Hand fehlte.

Philipp: Das ist nicht normal.

Daniel: Also quasi so ein Stück vom Handballen. Mhm. Äh das hat man in seinem Mund gefunden.

Philipp: Das ist ganz komisch. Das ist ganz, also da da kommt wieder die Viper ins Spiel.

Daniel: Die gute.

Philipp: Äh, aber aber das ist ja eigentlich ein bisschen extrem. Normal ist das nicht.

Daniel: Es ist schon seltsam. Äh Igor ähnliches Bild, Unterkühlung als Todesursache, Prellungen an den Händen und im Gesicht. Es sieht so aus, als ob er auf Eis gestürzt sei.

Philipp: Auch das kann ja durchaus sein. Vielleicht haben die sich aber auch einfach so einen harten äh Fistfight geliefert, die drei. Also, kann ja sein, dass die sich gegenseitig verprügelt haben, weil die waren ja auch nicht an der gleichen Stelle.

Daniel: Das stimmt.

Philipp: Vielleicht haben sie, vielleicht haben sie sich zerstritten und haben gesagt, nee, dann gehen wir halt alleine weiter und äh sind dann deswegen auch an unterschiedlichen Orten gestorben.

Daniel: Ähm, behalt das mal im Hinterkopf. Sinaida ist auch an Unterkühlung äh gestorben und hat auch Prellungen, wie alle anderen auch, ne? Soweit so.

Philipp: Aber gut, ich glaube, du kriegst auch einfach ein paar Prellungen, wenn du, wenn du ein paar Wochen Bergsteigen gehst.

Daniel: Ich glaube auch, ja. Ähm, am 5. März quasi ist man immer noch während der Obduktion der vier Leichen und es wird eine fünfte eingeliefert.

Philipp: Ach, Mensch, die hat man die ganze Zeit übersehen.

Daniel: Nee, diesmal hat man Rustem gefunden und wie Sinaida und Igor auch, war er scheinbar auf dem Weg zurück zum Zelt und auch er ist an Unterkühlung gestorben. Auch er hatte Prellungen, aber er hatte auch Schürfwunden im Gesicht, die wie vor einer Schlägerei aussahen.

Philipp: Ah, ja.

Daniel: Und er hatte auch einen Riss im Schädel, der zwar nicht zum Tod geführt hat, aber trotzdem seltsam.

Philipp: Ja, also, äh meine Theorie ist, die haben sich gegenseitig verkloppt.

Daniel: Die Theorie ist eine mögliche, ja. Fünf deiner Freunde sind tot, vier sind verschollen und so bleibt es erstmal.

Philipp: Mhm, also die anderen vier findet man erstmal nicht.

Daniel: Nee, man findet die nicht. Man sucht in den nächsten Wochen und Monaten, man findet keinen einzigen Hinweis darauf, wo sie abgeblieben sein könnten.

Philipp: Mhm.

Daniel: Äh man hat aber nicht nur gesucht, sondern auch in allerlei Richtungen ermittelt. Es äh wie nach wie vor, es gab keine Anzeichen einer Lawine, man hätte sonst umgeschmissene Bäume gesehen, man hätte sonst äh offene Wunden an den Körpern der Bergsteiger gesehen, weil so eine Lawine ist ja nicht nur Schnee, da ist Holz, da sind Steine dabei, das sieht ganz ganz anders aus.

Philipp: Ja.

Daniel: Da fängt’s an. Das Ureinwohnervolk der Mansi.

Philipp: Das ist das, das ist das normalste. Das ist das normalste. Wir haben einen, wir haben einen ungeklärten Todesfall, es müssen die Ureinwohner gewesen sein.

Daniel: Na ja, noch nichtmals das. Man hat mit denen gesprochen, einfach um zu fragen, habt ihr was von der Lawine mitbekommen? Sie sagen, nee, aber Feuerbälle sind vom Himmel gefallen am Berg des Todes.

Philipp: Oh!

Daniel: Der Todesberg hat einen Namen in der Mansi Sprache, er nennt sich Kolat.

Philipp: Mhm.

Daniel: Und da sind Feuerbälle vom Himmel gefallen, genau an dem Abend. Man hat viele Leute befragt, die in der Gegend waren, eine Wandergruppe, die quasi sogar mit den Jägern unterwegs war.

Philipp: Mhm.

Daniel: Die waren irgendwie 50 km südlich von euch oder von von eurer von deiner Truppe, die du halt verlassen musstest. Äh die hat im Norden orangene Lichter am Himmel gesehen. Über dem Berg von Kolat.

Philipp: Ja, das werden äh wird der Versuch gewesen sein, ein Notsignal zu senden wahrscheinlich oder so.

Daniel: Möglich. Man hat den Wetterdienst der lokalen Militärbasis drauf angesprochen und auch sie haben Lichter gesehen am Himmel.

Philipp: Also wirklich Lichter am Himmel oder äh Lichter quasi

Daniel: Lichter, rote, glühende Lichter über dem Gipfel des Berges.

Philipp: Wo man die Leichen gefunden hat in der Nähe.

Daniel: Wie wie wie habe ich mir das vorzustellen? Wie hoch jetzt, also äh 3 m oder 3 km?

Daniel: Im im Himmel. Ich kann es dir nicht besser sagen, als das, was die Leute gesagt haben.

Philipp: Okay, verstehe.

Daniel: Und äh was man, also man hat weiter gesucht und man hat das Zelt sich noch mal natürlich angeschaut und man hat Tagebücher von euch gefunden oder von eurer Gruppe.

Philipp: Mhm.

Daniel: Und da gibt es viele unscheinbare Fotos von der Expedition von ganz normal hier, guck mal, wir sind da unterwegs, wir sind hier auf Skiern unterwegs. Guck mal, da haben wir Schnee gesehen, guck mal, da haben wir Berge gesehen, da haben wir einen Gipfel gesehen, da haben wir Bäume gesehen. Also alles, was eine Gruppe halt dokumentiert. Man kann aber natürlich bei den alten Kameras, kennst du es ja selber, man hat meistens auch einen Zeitstempel drauf auf den Fotos. Und man kann ja gucken, welches Fotos, bzw. das war ja ein Film im Endeffekt, ne? Man kann auf dem Film gucken, welches, also wann die Fotos gemacht worden sind, mehr oder weniger, aber auch was das letzte Foto war.

Philipp: Ja, mindestens mal die Reihenfolge, wenn kein Zeitstempel drauf ist, ne?

Daniel: Genau. Und das letzte Foto zeigt einen verwackelten Himmel mit einem hellen, undefinierbaren Kreis.

Philipp: Mhm. Kann man das sehen? Das Foto? Ist das ein gibt’s ein Foto, das es gibt?

Daniel: Ich kann dir das zeigen, müsste ich nur jetzt raussuchen. Warte mal. Ich mache dir einfach mal jetzt einen Screenshot, okay?

Philipp: Das macht glaube ich am meisten Sinn.

Daniel: Das sind die letzten Fotos, die aufgenommen wurden und du sagst mir einfach mal, was du davon hältst.

Philipp: Okay, also drei Köpfe, ja, Woven Mesh, okay. Ja gut, das ist ja, das ist ja quasi gar nichts. Da ist Nummer 8 ist das Batman Zeichen.

Daniel: Ja, so du sagst, ein bisschen.

Philipp: Und sie haben ein Flugzeug gesehen.

Daniel: Ja, wahrscheinlich.

Philipp: Sieht aus wie ein Flugzeug jedenfalls.

Daniel: Irgendwas in der Luft mit Licht.

Philipp: Nummer 6 Mushroom with the face, ich sehe das Face nicht. Ich sehe nur, ach doch. Ja. Na ja. Komische Fotos.

Daniel: Wir wissen auf jeden Fall, welchen Film die gesehen haben im Kino. Das ist nämlich Nummer fünf.

Philipp: Ja, wirklich. Aber was haben die denn da fotografiert? Den den Himmel oder was?

Daniel: Das scheint der Himmel zu sein, ja. Man hat den Himmel fotografiert. Und ja, man kann es mehr, besser kann man es nicht deuten als das, was ich dir gerade gesagt habe.

Philipp: Mhm, okay, verstehe.

Daniel: Das ist ja dann schon komisch. Das ist ja dann schon, das gibt ja schon in so eine UFO Richtung.

Philipp: Wo ist äh Fox Mulder?

Daniel: Fox Mulder ist gerade wahrscheinlich äh ja, irgendwo in Amerika unterwegs und untersucht andere Sichtungen. Vielleicht ist er in der Kanalisation mit so einem Schleimball irgendwo auch drin.

Philipp: Ja, das das ist er ja meistens, das ist er ja meistens.

Daniel: Äh die Tagebücher hat man gesichtet und alles ist eigentlich alles, was ich dir erzählt habe, ist so ein bisschen aus den Tagebüchern entnommen, ne? Wir haben hier, wir haben uns im Gepäck versteckt, wir haben mit dem Besoffenen zu tun gehabt. Ach, äh hier der Rücken ist so schlimm, wir mussten den Juri nach Hause schicken. Und im Endeffekt äh sind in den in den Tagebüchern auch noch so ähm Hinweise drauf, dass man von den Mansi äh Schriftzeichen gefunden hat, Schilder, da standen halt unterschiedliche Dinge drauf, jetzt nichts wildes halt, ne? Man hat ähm ich glaube, die Ludmila hat ähm so ein so so so ein Rosetta Stone quasi für sich dahin geschrieben, weißt du, so Übersetzungs äh Geschichten für Mansi und Russisch und so weiter. Also ist wirklich absolut nichts in irgendeiner Weise seltsames. Und der letzte Eintrag, den man hat oder bzw. die letzten Einträge handeln davon, dass es gleich was zu essen gibt.

Philipp: Mhm. Na ja gut, das hat man ja, die haben ja was geschnitten.

Daniel: Igor war wohl schlecht gelaunt, Juri Doroshenko hatte Geburtstag gefeiert und äh sie haben das Zelt aufgebaut und Essen vorbereitet.

Philipp: Also äh also man man kann dem jetzt nicht entnehmen, dass die alle durchgedreht werden.

Daniel: Nichts. Nichts deutet darauf hin. Wie gesagt, es gab sag mal unterschiedliche, diese Geschichte mit zwei Leute waren zusammen, Beziehung ist beendet, da gibt’s so ein bisschen Streitigkeiten, dann wie gesagt, einfach schlechte Laune, weil kalt, aber nichts, was irgendwie darauf hindeutet, dass es schlimm enden wird. Mhm. Und dann vergeht ein bisschen Zeit nach der Analyse der Tagebücher. Wir sind am 4. Mai 59 angekommen. Mittlerweile ist der Schnee ein bisschen geschmolzen. Und man findet eigentlich unmittelbar an der Feuerstelle ein bisschen bisschen weiter entfernt, findet man die restlichen vier Leichen.

Philipp: Ach Mensch, die hat man die ganze Zeit übersehen.

Daniel: Nee, man ist quasi drauf gelaufen. Mhm. Ludmila, Semyon, Alexander und Nikolai lagen unter 4 m Schnee in so einer kleinen Schlucht. Sie waren alle angezogen, sie hatten Kleidung, die man den anderen Mitgliedern zuordnen konnte.

Philipp: Okay, also sie haben die Sachen von den anderen Leuten anhabt.

Daniel: Sie haben die Sachen von den anderen Leuten angehabt, wahrscheinlich, weil die davor gestorben sind. Mhm. Und man hat sich gedacht, komm, wir nehmen jetzt einfach irgendwas, damit wir nicht erfrieren. Und man hat in dieser Schlucht ein bisschen Schlutz, man hat in dieser Schlucht Schutz gesucht. Und dieser Schlucht ist so ein kleiner Bach geflossen. Also hat man, haben sie sich wohl überlegt, wie man am längsten überleben konnte und man hat am Endeffekt so eine Art Höhle aus Schnee gebaut. So ein wie so ein Iglu, nur halt wirklich über diese Schlucht, dass man da am Wasser bleiben konnte, dass man da Frischwasser hatte und man hat wahrscheinlich abgewartet, bis äh das Wetter sich beruhigt.

Philipp: Verstehe. Sich selber vergraben.

Daniel: Verstehe. Gut, aber das scheint mir ja für erfahrene Bergsteiger, scheint mir das ja gar nicht so blöd zu sein. Das scheint mir ja ein ein vergleichsweise rationales äh Verhalten zu sein im Gegensatz zu den anderen Vieren.

Daniel: Absolut. Aber auch da, man kann nicht alles direkt äh ja, zuordnen. Man hat ein Bergungsteam geschickt, weil auch da, da müssen so schnell wie möglich die Obduktionen stattfinden, damit man nachvollziehen kann, was geschehen ist. Und die Leichen werden untersucht. Und es fallen folgende Dinge auf: Nikolai hatte eine heftige Fraktur am Kopf, dass Teile seines Schädels in sein Gehirn eingedrungen waren.

Philipp: Aua!

Daniel: Ludmila und Semyon hatten beide sehr symmetrisch gebrochene Rippen und das ist normalerweise etwas, was man von einem Autounfall zu erwarten hat.

Philipp: Na ja, gut, der wird ja da nicht passiert sein.

Daniel: Dann wird’s ein bisschen explizit. Ludmila fehlen Teile der Lippen, die Augen und die Zunge waren nicht mehr da.

Philipp: Hm.

Daniel: Semyon hatte auch keine Augen mehr und bei Alexander waren es nur die Augenbrauen, die weg waren.

Philipp: Hm, also, das ist ja ganz komisch.

Daniel: Und äh bei Alexander konnte man äh nachvollziehen, okay, er ist erfroren, die anderen drei sind aber an Folgen der Verletzung gestorben, also, wie gesagt, die Rippen und Schädel Fraktur und so weiter.

Philipp: Mhm. Was ist mit, also, befinden wir uns da in einem Bereich, wo es noch wilde Tiere gibt, wahrscheinlich, ne? Also, wir befinden uns jetzt nicht so weit oben, dass man sagt, hier gibt’s nur noch schroffe Felsen, sondern da gibt’s schon noch, da kann auch schon noch mal so ein Bär vorbeikommen.

Daniel: Auf jeden Fall. Also, davon ist auszugehen, plus sie lagen quasi in diesem Bach, der da in dieser kleinen Schneehöhle durchging. Und auch Wasser und Tiere, würde ich sagen, sind die Faktoren, die quasi, sag mal, die Weichteile weggemacht haben.

Philipp: Mhm. Das glaube ich allerdings auch.

Daniel: Was glaubst du aber oder was sagst du dazu, dass an der Kleidung der vier Strahlung gemessen wurde?

Philipp: Äh, dazu sage ich, das hängt mit den mit den roten Lichtern zusammen. Wobei meine meine Theorie zu den roten Lichtern hast du damit jetzt gerade so ein bisschen, ein bisschen unwahrscheinlicher gemacht, weil meine Theorie zu den roten Lichtern war, die haben ja ein Flugzeug fotografiert.

Daniel: Mhm.

Philipp: Und es gibt doch, wenn Flugzeuge, wenn so, wenn so Kampfflugzeuge fliegen, gibt’s doch diese Täuschkörper, diese roten Täuschkörper. Das war meine Theorie bis gerade eben, weil ich glaube nicht, dass die radioaktiv sind. Wobei, in den 50ern, wer weiß? Vielleicht doch noch.

Daniel: Nicht aus, ja, gute, gute Idee. Ja.

Daniel: Die Behörden eröffnen eine Mordermittlung.

Philipp: Na ja, okay, das hätte ich jetzt vielleicht nicht gemacht, aber okay.

Daniel: Die Rippen, die Schädelfraktur, irgendwas scheint da gewesen zu sein. Sie schließen die Ermittlung aber auch schnell wieder und sagen, Zitat, äh vom Schlussvermerk der Ermittlungsakte, überwältigende Naturgewalt, die die Wanderer nicht überwinden konnten.

Philipp: Na ja, ich hätte einfach gesagt, also sehr unwahrscheinlich, dass da oben noch einer war. Das heißt, wenn einer da war und einen anderen umgebracht hat, dann ist das Ding, das Thema jetzt nun auch durch.

Daniel: Das stimmt.

Philipp: Den findest du auch nie wieder.

Daniel: Nee. Jedenfalls, die Dokumente landen in einem Archiv unter Verschluss und das Gebiet wird zur Sperrzone für drei Jahre erklärt.

Philipp: Das ist aber, da da würde man normalerweise sagen, das ist verdächtig, aber das halte ich für absolut normal in in äh der Sowjetunion.

Daniel: Ja, im, ja, in der Sowjetunion, genau. Der der der das Endstück des Satzes ist halt sehr relevant. Und wie du schon, also, wo keine Transparenz ist, da gibt es Theorien und du hattest ja schon eine. Was hast du noch für äh Theorien? Erzähl, was, was fällt dir ein?

Philipp: Also, ich rekonstruiere jetzt den Ablauf in vollständiger, so wie es passiert ist, weil ich recht habe. Ja? Pass auf, die gehen, die laufen da rauf, so, es läuft gut. Man äh ist sich einig, aber das geht einem körperlich dann schon so an die Substanz, so eine so ein Gewaltmarsch bei diesem äh Gewitter äh äh nicht Gewitter, bei diesen Witterungsbedingungen. Und ähm dann äh äh sitzen die da und dann wollen sie was zu essen machen und plötzlich hören sie irgendwie ein lautes Geräusch, weil da kommt dieses Flugzeug. Und dieses Flugzeug fliegt da so lang und dann fotografieren sie das Flugzeug, Mensch, was ist denn hier los und so. Und äh dann macht dieses Flugzeug diese Täuschkörper da, weil es irgendwie auf einer Militärübung ist und diese Täuschkörper testet, äh die es vielleicht damals noch gar nicht gab, sondern die gerade so in der Entwicklung waren oder sowas. Und äh dann passiert irgendwie was, dass die Dinger äh entweder fallen die direkt auf das Zelt drauf, äh weshalb die schnell da raus müssen, äh oder äh aber die denken sich, weil sie schon so durch sind wegen der Höhe und wegen ihrer körperlichen, dass sie jetzt irgendwie von von von UFOs angegriffen werden, rennen aus dem Zelt raus und äh die einen laufen in die eine Richtung, die anderen laufen in die andere Richtung und die anderen denken sich, seid ihr denn bescheuert und bleiben da. Und dann in den nächsten Tagen geht man dann mal so ein bisschen gucken, was ist denn aus denen geworden. Die einen haben versucht ein Feuer zu machen, sind gestorben, weil sie nichts anhatten. Äh bei den anderen beiden weiß ich schon gar nicht mehr, was was mit denen war, aber die sind, glaube ich, auch an Unterkühlung gestorben. Und ähm ja, die anderen vier haben dann so überlegt, na gut, was machen wir jetzt? Wetter ist scheiße, wir können nicht absteigen. Wir äh retten uns in diese Schneehöhle hier, weil unser Zelt ist zusammengestürzt, äh weil da jemand einfach ein Loch reingeschnitten hat von innen, weil er blöd ist und dann nackt aus dem Zelt gerannt ist. Und ähm die sind dann äh einfach vom vom Meister Petz äh äh durchgenudelt worden und dann war vorbei mit mit lustig.

Daniel: Ja, das klingt sogar sehr realistisch. Ich weiß nicht, ob es so war, aber wahrscheinlich hat man es nicht rausgefunden.

Daniel: Kann ich dir gerade nicht sagen. Ich kann dir sagen, dass äh Aliens ein Thema sind, Kugelblitze, ähm der der russische Yeti, äh Atomwaffentests, alles wurde durchgekaut, denn seit eigentlich seitdem gab es so gut wie keine Infos. Mhm. Und keine Ideen und keine realistischen Ideen vor allem.

Philipp: Verstehe.

Daniel: Und 1960 wird das ganze Gebiet benannt, weil es hatte vorher keinen richtigen Namen, das war einfach nur Loch im Uralgebirge gefühlt. Äh man nennt das Ganze den Diatlov Pass nach dem Igor Diatlov, der im Endeffekt die Expedition geleitet hat, weil das war ja seine Idee, der ganze Bums.

Philipp: Ja.

Daniel: Und wie ich schon sagte, ne, erst mal 60 Jahre passiert nichts. Entschuldigung, erst mal 30 Jahre passiert nichts. Äh bis zu 1990er ungefähr, als die Sowjetunion so ein bisschen bröckelt, zusammenbricht vielleicht. Und die Archive der Sowjetunion werden geöffnet. Mhm. Und die Akten tauchen wieder auf. Aber die Akten sind unvollständig.

Philipp: Natürlich.

Daniel: Teile fehlen und natürlich heißt es dann, es wurde vertuscht.

Philipp: Ja, natürlich, weil Oberst Rujov Medrov hat irgendwie was mitgenommen in sein Privatarchiv, weil er nicht wollte, dass er irgendwie herauskommt, dass er irgendwen keine Ahnung, zu Tode geprügelt hat bei den bei den Ermittlungen oder so, was auch immer.

Daniel: Ja, alles nicht auszuschließen. Es ging weitere Jahre ins Land, ne? Es äh es spricht sich so ein bisschen rum, es entsteht eine Webseite, muss gucken, wie sie heißt. Ah ja, es entsteht eine Webseite https://www.google.com/search?q=Diatlovpass.com nennt sie sich, da kann man sich all diese Informationen zu diesem Fall äh anschauen, die Tagebücher, die Bilder, alles mögliche. Es gibt sogar eine Doku äh über die ganze Geschichte mit äh Laurence Fishburne, äh der die moderiert. Und es gibt halt viele Videos darüber, viele Podcasts, wie wir jetzt auch, die darüber sprechen. Es gibt sogar ein Videospiel. Colat, sagt dir vielleicht was.

Philipp: Es sagt mir was. Es sagt mir was, aber die da ist es, glaube ich, nicht so nicht so offen. Ich glaube, da da äh erklären sie es doch mit dem Yeti, meine ich, ne, mit diesem russischen

Daniel: Es sind irgendwelche russische Alien Yetis mit den Eingeborenen Kultlieder, irgendwie sowas. Das haben wir haben wir eine Zeit, das haben wir zusammen gespielt so gesehen, ne?

Philipp: Ja, mehr oder mehr oder weniger. Ich erinnere mich da dunkel dran, aber ähm äh tatsächlich ist das ja jetzt nicht so, also, das ist ja unter dem Deckmantel dieser Geschichte, aber eigentlich ist es dann doch ein recht ein recht low budget äh Horrorspiel Produktion, die sich dann auch nicht groß von anderen Spielen in dem Bereich unterscheidet. Äh der der Anfang ist da zwar interessant, aber da hinten raus wird es dann doch ein bisschen wild.

Daniel: Genau, das ist halt im Endeffekt fast alles, was es zu dieser Geschichte gibt. Ich äh ich habe mir noch ein bisschen was hier auf dem auf dem Blatt, was ich noch erzählen möchte. Äh April 2013, du stirbst, Juri.

Philipp: Ah, aber immerhin.

Daniel: Du bist 75, ohne dass man dir jemals eine plausible Erklärung geben konnte, warum deine Freunde sterben mussten.

Philipp: Das ist traurig und das ist furchtbar. Äh vom Endergebnis her kann Juri aber noch am glücklichsten sein.

Daniel: Das stimmt. Und na ja, das Ganze, ich ich wollte das Thema ja im Bereich Horror quasi für fürs Halloween Event so gesehen machen. Äh es ist jetzt mehr ein Mysterium als als eine als eine Gruselgeschichte, aber ich weiß nicht, Philipp, soll ich dich unwissend lassen oder soll ich dir auf die Sprünge helfen?

Philipp: Oh, hilf mir doch mal. Ich möchte schon, ich möchte schon informiert sein.

Daniel: 2019 wurde eine Ermittlung gestartet. Es war ja ein Cold Case bis dahin. Mhm. Und das Ergebnis ist, sie wurde wieder geschlossen.

Philipp: Natürlich. 2020.

Daniel: Das das Ergebnis ist, wird schon eine Lawine gewesen sein.

Philipp: Ah, okay, natürlich.

Daniel: Eine Lawine in Kombination mit Sicht unter 15 m führte zu Verletzungen und Orientierungslosigkeit.

Philipp: Verstehe ich nicht.

Daniel: Ich auch nicht.

Philipp: Ich verstehe gar nicht, wie es 300 m vom Gipfel eine Lawine geben kann.

Daniel: Bei einer flachen, fast flachen

Philipp: Ja.

Daniel: Steigung von irgendwie 15° oder sowas. Ja. Auch das schon wieder diese ganze Geschichte irgendwie komisch.

Philipp: Ja, aber das ist dann auch schon wieder Russland und da ist natürlich dann auch schon wieder schwierig.

Daniel: Absolut. Phillip, ich will die Perspektive wechseln. Wir gehen in das Jahr 2019 und du bist jetzt Professor Johann Gaume.

Philipp: Ja. Johann.

Daniel: Du bist Johann Gaume von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich.

Philipp: Ja, grüezi!

Daniel: Du und dein Kollege Professor Alexander Puzrin, ihr seid anerkannte Lawinenforscher und eure Meinungen werden sehr geschätzt.

Philipp: Mhm.

Daniel: Und du sitzt irgendwie irgendeinen Abend sitzt du zu Hause und dein Telefon klingelt. Dein Telefon klingelt und ein Journalist der New York Times ruft an und sagt: “Herr Gaume, ich arbeite da an einer Story über den Diatlov Pass in den 50ern.”

Philipp: Mhm.

Daniel: Haben Sie schon was davon gehört? Und du sagst: “Nein.” Und der Journalist erzählt dir die ganze Story und du sagst: “Boah, krass, ey, das das habe ich ja noch nie gehört. Das ist ja, ich bin ja begeistert.”

Philipp: Mhm.

Daniel: Und dann sagt der Journalist zu dir: “Können Sie mir ihre ihre Expertise leihen? Also, können Sie mir ein bisschen helfen?” Und du sagst: “Boah, jetzt auf Anhieb nicht, aber ich habe eine Idee.”

Philipp: Wir müssen da rauf.

Daniel: Nicht ganz. Du legst auf, nimmst das Telefon wieder und du rufst Puzrin an. Und du bittest ihn um ein Treffen. Und du sagst am Telefon, dass du einen Anwendungsfall für den sogenannten Frozen Code hast.

Philipp: Der Frozen Code.

Daniel: Der Frozen Code. Ihr legt auf und ihr trefft euch in den kommenden Tagen irgendwann. Ihr besorgt euch die sowjetischen Ermittlungsakten. Alles, was deklassifiziert wurde, natürlich, die sind unvollständig, aber alles, was man halt so bekommen hat.

Philipp: Mhm.

Daniel: Ihr besorgt euch oder ihr ruft an bei General Motors und ihr besorgt euch Crashtest Dummy Daten.

Philipp: Mhm.

Daniel: Die braucht ihr jetzt. Und dann schließt ihr euch quasi im im Labor ein für einige Monate und ihr rechnet. Ihr rechnet rum bis Ende 2020. Ihr habt ein Ergebnis, ihr habt eine Lösung.

Philipp: Okay, den der der Frozen Code hat zur Lösung geführt.

Daniel: Der Frozen Code hat zur Lösung geführt, denn am 28. Januar 2021 erscheinen eure Ergebnisse in einer renommierten Fachzeitschrift Communications Earth and Environment, in der ihr beschreibt, dass im Jahr 1959 die Gruppe von einer sogenannten Schneebrettlawine erwischt wurde. Diese Lawine ist nicht wie eine normale Lawine, ne, wie man sie kennt, wie gesagt, mit mit viel Masse und und Zeug, was mitgerissen wird, sondern es ist eine ganz ganz flache, also flach im Anführungsstrichen, sie ist ungefähr so groß wie ein Geländewagen.

Philipp: Ja, ist aber auch schon nicht so flach.

Daniel: Und sie kommt nicht angerollt, sondern die kommt angeslidet. 15 bis 20° Steigung ist hervorragend dafür.

Philipp: Mhm, verstehe. Das heißt, es ist eigentlich nur, eigentlich nur ein Batzen Schnee, der den Berg runter rutscht.

Daniel: Hart und dicht und es scheint das Zelt getroffen zu haben, als die Leute im Zelt gesessen haben.

Philipp: Mhm, verstehe.

Daniel: Einfach, als ob die Leute im Zelt gesessen haben und ein, weiß ich nicht, ein Cybertruck kommt da mit 300 Sachen angebrettert.

Philipp: Ja.

Daniel: Und das macht innere Verletzungen und Verwirrung.

Philipp: Ja, also das kann ich beides nachvollziehen, dass es zu beidem kommt. Das erklärt aber die roten Lichter nicht. Oder hatten die so eine so eine Flare Gun dabei?

Daniel: Man geht von der Flare Gun aus, tatsächlich. Das äh man geht davon aus, die Gruppe wurde, wie gesagt, erwischt, die wusste gar nicht, was passiert ist. Die reißen das Zelt von innen auf, holen die Verletzten raus, völlig verwirrt, völlig desorientiert, Panik, Orientierungslosigkeit, wie gesagt, Kälte und dann passierte halt der Rest. Sie laufen rum, sie laufen hin und her, versuchen die Leute zu retten, die Leute sterben teilweise an Unterkühlung, sie nehmen ihre Klamotten, packen sich ein, gehen zum Feuer. Der eine war, dem war schon so kalt, dass er gar nicht gespürt hat, dass das Feuer ihn verbrannt hat. Dann hat er sich wohl gedacht, ja, okay, kann ich überhaupt noch was fühlen, hat in seine, vielleicht vor Schmerzen in seine Hand gebissen, hat ein Stück Fleisch abgebissen, bei dieser Extremsituation, kalt, verwirrt, völlig desorientiert, kann sowas sehr schnell passieren. Die roten Lichter, wahrscheinlich die eigene Flare Gun, die man aber nicht gefunden hat. Und die, jetzt hat es natürlich nichts mit den mit den Professoren zu tun, aber die ganze äh Radioaktivität an den Kleidung. Man hat festgestellt, die Kleidung hat zu dem einen guten Dude gehört, der bei dieser Geschichte Liquidator war. Und das hat einfach weiter gestrahlt, ein paar Jahre später.

Philipp: Ach gut, da hat es immer noch warm gehabt nachts.

Daniel: Absolut. Und somit war das Rätsel des Todes und der Verwirrung quasi gelöst. Äh und halt eine tragische Story, eine tragische Geschichte, ein tragisches Mysterium, welches jetzt eigentlich, ja, es war gar nicht so heldendumm, oder? Es war eigentlich nur traurig im Endeffekt.

Philipp: Am am Ende ist es, ist es sehr traurig, aber es waren schon die ein oder andere dumme Stelle war schon dabei. Für mich, für mich als als, sagen wir mal, äh behütet in Nordrhein-Westfalen lebenden Menschen, ist es ja völlig, liegt es ja völlig fern, dass man überhaupt so einen Scheiß macht. Aber es gibt Menschen, die brauchen das.

Daniel: Das stimmt. Das stimmt. Aber es waren eigentlich Helden, ne? Es war nicht dumm. Es waren Helden.

Philipp: Na, sie wollten, sie wollten Expedition machen und sie wollten, also loslaufen und was was tun. Also, das ist ja nicht, das ist ja nicht falsch, das ist ja nicht schlecht. Die haben ja nichts Böses getan.

Daniel: Aber ich möchte noch ein bisschen nachlegen, weil mir war das ein bisschen zu heldenhaft von denen und ein bisschen zu wenig dumm, also die ganze Geschichte. Ich habe dir doch von den Forschern erzählt und von ihrer Simulation, die sie da errechnet haben.

Philipp: Ja.

Daniel: Wir springen noch mal ein bisschen zurück. Springen irgendwie so, boah, ich weiß gar nicht, wann 2013, 2014 vielleicht. Der gute Professor Johann Gaum sitzt vom Fernseher und er wundert sich. Er guckt sich im Fernseher an und wundert sich.

Philipp: Läuft der Fernseher denn?

Daniel: Der Fernseher läuft. Da läuft gerade was und er wundert sich, warum und wie zum Teufel man so extrem realistisch Schnee hinbekommt, auf dem Christoph, Anna, Olaf und Elsa im Film Frozen laufen.

Philipp: Das ist ja der Hammer.

Daniel: Er wundert sich so sehr, dass er im Anschluss den nächsten Flieger nach Hollywood nimmt, um mit Disney mit den Animationsexperten zusammen eine Simulation, den sogenannten Frozen Code zu erstellen.

Philipp: Das ist ja fantastisch. Das heißt, die haben im Animationsfilm Schnee animiert und die die Wissenschaft selbst war noch nicht so weit, dass sie solche Schneemodelle animieren konnte.

Daniel: Zusammen mit Disney hat der gute Johan quasi den realistischsten, die realistischste Schneesimulation der Welt quasi erschaffen.

Philipp: Und damit diesen Fall gelöst.

Daniel: Genau das.

Philipp: Bemerkenswert.

Daniel: Let it fucking go.

Philipp: Ja, aber wirklich. Aber wirklich. Let it go, let it go. Es wurde ein bisschen zu sehr going gelettet. Also zumindest was die Schneebrettlawine angeht, aber sonst fantastisch. Fantastisch. Das wusste ich noch nicht. Das ist ein toller Fun Fact.

Daniel: Ist halt ganz ganz, also ganz ganz neu nicht, nicht ganz ganz neu, ne? Schon vier Jahre alt, aber äh immerhin, ne? Das es wurde gelöst.

Philipp: Also die diese das Bild ist schon, dieses Bild von den zehn Leuten, die da unterwegs waren, ist schon sehr wichtig.

Daniel: Das stimmt.

Philipp: Das äh das könnte euch sehr helfen. Äh vielen Dank für diese Geschichte. Großartig. Ich äh habe große Freude daran. Ich kannte einen Teil davon, aber ist nicht in in Gänze. Und ich habe es auch erst am Ende herausgefunden, dass ich es kenne.

Daniel: Ist halt lustig, ne, weil wir dieses eine Spiel mal gespielt haben und mir war bewusst im Vorfeld, dass es ein Verschwinden von Menschen irgendwo in Russland gab, irgendwo wo es schneeig war und das war es auch schon. Mehr wusste ich auch nicht und ja, dann habe ich irgendwann mal gesagt, irgendwann will ich die Story machen, weil die scheint schon interessant zu sein. Sie hat aber nie in Heldendumm reingepasst bis Elsa kam.

Philipp: Bis Elsa kam, ja, völlig richtig. Und mit Elsa wird alles gut.

Daniel: Sagt man zumindest.

Philipp: Sagt man zumindest. Ja, besten Dank. Tolle Geschichte. Ganz großer äh Dank für den Rechercheaufwand, der damit natürlich auch einhergeht, weil es sind ja zehn Leute und zehn Backstories, die dann natürlich auch plus die des äh Forschers, die dann auch recherchiert werden müssen. Ganz großes Danke dafür. Und ich würde sagen, let it go.

Daniel: Let it go.