Transkript zur Episode: James der Jumper
Philipp: Hallo Daniel.
Daniel: Hallo Philipp.
Philipp: Heute sind wir wieder zusammengekommen, um uns eine tolle Geschichte anzuhören von einem legendären Helden.
Daniel: Ja, ich hoffe doch.
Philipp: Ja, es ist ein legendärer Held und zwar bist du dieser legendäre Held. Es ist der legendäre Held James Miller.
Daniel: James Miller klingt, ich weiß es nicht. Ich ich hör es mir noch mal weiter an, bevor ich einschätze, wer ich bin.
Philipp: James Miller könnte ja theoretisch jeder sein, das muss man jetzt auch mal sagen, weil James Miller ist glaube ich ein Name wie, weiß ich nicht, ein Name, den es tausendmal gibt, tausendfach gibt.
Daniel: Aber aber James ist schon mal schon mal geht Richtung Großbritannien, hätte ich jetzt geschätzt.
Philipp: Ja, Maryland.
Daniel: Okay.
Philipp: Maryland, du kommst aus Maryland, 1963 in Maryland geboren. Fünf Geschwister, also eine große Familie mit sechs Kindern an der US-kanadischen Grenze wohnt ihr eine lange Zeit, also ganz im Norden der USA. Zieht dann ein paar Jahre später, also du gehst in die Schule da und hast dort auch deine Freunde, aber ihr zieht dann irgendwann nach Alaska.
Daniel: Oh je.
Philipp: Die Motivationen dahinter sind leider nicht überliefert, aber fragwürdig dennoch. Ihr zieht nach Alaska, du gehst dann in Alaska auf die Schule, deine fünf Geschwister auch und du weißt noch nicht so ganz, was du machen sollst, aber am Ende entscheidest du dich, du möchtest gerne Programmierer werden.
Daniel: Das ist sehr realitätsnah, sage ich jetzt einfach mal, weil in Alaska hast du eh nichts besseres zu tun wahrscheinlich.
Philipp: Das kann sehr gut sein. Es sind ja die die wilden 70er. Du bist ja wie gesagt 63er Jahrgang. Du bist Computerprogrammierer in Alaska. Das ist ist das ein Leben?
Daniel: Das kann man als ein Leben ansehen, ja. Also, ich meine, Alaska verbinde ich ja normalerweise mit viel kalt und draußen und als Programmierer hast du es drinnen und warm, höchstwahrscheinlich. Deswegen finde ich es ganz okay. Also ich ich könnte mich damit anfreunden.
Philipp: James Miller kann sich damit nicht so richtig anfreunden. Du hast nicht so richtig Bock da drauf, den ganzen Tag nur drinnen zu sitzen. Dein großer Traum war schon immer das Fliegen.
Daniel: Oh.
Philipp: Du interessierst dich fürs Fliegen, für Flugzeuge, für Fallschirmspringen, für Skydiven, für all das interessierst du dich schon seit du Kind bist. Du wolltest auch als Kind immer fliegen können. Denkst dir, das kriege ich in Alaska nicht hin.
Daniel: Also, ich muss da tatsächlich fast schon sagen, James, du bist ein doofer Kerl, weil die ganzen Dokus, die ich mir immer wieder angucke über Survival in Alaska, die ganzen Leute bewegen sich nur mit Kleinflugzeugen hin und her. Also…
Philipp: Das wird auch noch ein wichtiger Teil deines Lebens, aber in den 70ern war das mit den Kleinflugzeugen vielleicht noch nicht so.
Daniel: Das stimmt, das kann natürlich auch sein.
Philipp: Jedenfalls möchtest du hinaus in die große weite Welt, aber du möchtest gerne in den USA bleiben, aber du möchtest dahin, wo das, wo das Leben ist, wo es pulsiert, wo es richtig abgeht. Wo gehst du hin?
Daniel: Nach New York.
Philipp: Ja, fast. Bisschen wüstiger.
Daniel: Las Vegas?
Philipp: Ja, du ziehst nach Las Vegas. Und in Las Vegas, da triffst du so ein paar Leute, die dieselben Ideen haben wie du und dieselben Vorstellungen haben wie du, die möchten auch Fallschirm springen und Skydiven und Flugzeug fliegen und all das. Das sind auch so Fliegerasse, würde man glaube ich sagen oder so so so Flugverrückte.
Daniel: Okay, die gibt’s, die ja, es gab auch schon Schiffverrückte bei uns.
Philipp: Richtig. Orgelverrückte. Genau. Und Tanzverrückte.
Daniel: Und Tanzverrückte, ja.
Philipp: Ja und Emus. Und du bist halt in deiner, sagen wir mal, Flieger Filter Bubble. Also du kannst noch nicht fliegen, du bist, du hast keinen keinen keinen Flugzeug, was sagt man Pilotenlizenz, glaube ich, würde man sagen. Aber du paraglidetest.
Daniel: Das kann man mal machen, ja. Das ist ja, ist ja nicht fliegen, ist ja fallen quasi, nur langsam.
Philipp: Richtig, du paraglidetest, das macht dir riesen Spaß und du wirst immer besser da drin, aber das wird natürlich auch gleichzeitig immer gefährlicher, weil du kennst das ja vielleicht, je mehr man was versucht, desto riskier wird man auch.
Daniel: Natürlich, der Adrenalinschub, der kommt ja nicht von alleine, ne? Den muss man ja immer wieder kitzeln.
Philipp: Richtig. Du paraglidetest richtig gut, du stellst auch ein paar Rekorde auf, du paraglidetest also wirklich richtig stark in der Wüste von Nevada immer, springst von so einem Berg ab, fliegst da runter und kommst unten wieder an und du machst da wirklich richtig gute, also du hältst dann Rekorde dafür, wie toll du geflogen bist und so weiter, aber es wird auch immer immer immer gefährlicher. Also du hältst vor allem diese Rekorde, muss man eigentlich sagen, weil du wirklich rücksichtslos bist. Also du passt nicht so wirklich gut auf dich auf, aber es geht immer gut und du verletzt dich auch nicht, weil du es eigentlich ganz gut kannst.
Daniel: Das das klingt alles so ein bisschen wie Teufelpakt eingegangen zu sein, weißt du, so so ein bisschen wie wie bei Ghost Rider. Nur dass dass der dass der Tod irgendwann mal kommt, um um die Seele zu holen. Ich bin gespannt, ja, ich erwarte großes von dieser Geschichte.
Philipp: Einen großen Fallschirm braucht man auf jeden Fall auch zum Paragliden. Aber du denkst dir irgendwann Paragliden, das ist so wie es ist, denn nur dass du von oben irgendwo runterspringst und dann irgendwann langsam zu Boden sinkst, das ist doch ziemlich langweilig. Und in der Nähe ist aber ein Flughafen. In der Nähe von deinem von von Las Vegas gibt’s ja in Las Vegas gibt’s einen Flughafen und da gibt’s auch so einen kleinen Flughafen, der nicht der große Flughafen von Las Vegas ist, sondern so einer für Amateurflieger. Und du kannst aber immer noch nicht Flugzeug fliegen, aber du möchtest gerne was von diesem Flugplatz haben. Was könnte das sein?
Daniel: Ich würde sagen, ich schnappe mir das nächstbeste flugfähige Objekt und versuche damit irgendwie selber zu starten.
Philipp: Das wäre eine Möglichkeit, aber das traust du dir noch nicht zu. Denk mal Science-Fiction-mäßiger.
Daniel: Also, ich sag mal so, wenn du mich jetzt dahin treibst, Nevada, Las Vegas, ich denke natürlich an Area 51, aber ich glaube, das ist ein bisschen zu weit hergeholt, oder?
Philipp: Das ist ein bisschen zu weit hergeholt. Du machst was anderes, was viel größer großartigeres. Du gehst zu diesem zu diesem Flugplatz und du holst dir dort zwei Turbinen von Flugzeugen.
Daniel: Also kein UFO.
Philipp: Nein, kein UFO. Du holst dir zwei…
Daniel: Werde ich zu einem UFO?
Philipp: Nein. Also ja, irgendwie schon, weil du nimmst diese zwei Turbinen und mit diesen zwei Turbinen, was kannst du mit diesen zwei Turbinen machen, wenn du kein Flugzeug hast?
Daniel: Ähm, wie von von wie groß sprechen wir denn bei den Turbinen?
Philipp: Sagen wir mal, ähm nicht so groß, also die, sagen wir mal, du könntest zwei davon problemlos tragen.
Daniel: Dann bau ich mir doch einen Anzug.
Philipp: Du baust den Jetpack, vollkommen richtig.
Daniel: Ich bin Iron Man.
Philipp: Und dieses Jetpack funktioniert.
Daniel: Na.
Philipp: Es funktioniert. Du kannst mit deinem Jetpack rumfliegen, aber irgendwann geht dir das Kerosin aus und da kommt man ja nicht so einfach ran.
Daniel: Aber zum Glück kann der James ja Paragliden.
Philipp: Genau, und du Powergleitest einfach weiter und du denkst dir, hm, jetzt habe ich meinen Jetpack, das funktioniert aber nicht mehr, weil kein Kerosin und ich kann gut Paragliden. Wie kann ich das möglichst kombinieren?
Daniel: Ich bin Iron Man. Ein Jetbetriebener Powergleiter, Paragleiter, Power Paragleiter.
Philipp: Tatsächlich fast, tatsächlich fast. Du baust dir aus einem Fallschirm, aus einem normalen Paragliding Fallschirm, wir befinden uns nun übrigens Ende der 80er, Anfang der 90er.
Daniel: Oh, da sind ja die erfinderischen Leute ja unterwegs, also da freue ich mich schon drauf.
Philipp: Du baust dir aus deinem Paragliding Fallschirm und einem Propeller einen, ja, einen Paragliding, eine eine Vorrichtung, eine Paragliding Vorrichtung, du paraglidetest also und du kannst dann diesen diesen diesen ja, diesen Propeller zuschalten, der ist in so einem Gitter, damit er dich nicht zerfetzt. Du kannst dann den Propeller zuschalten und der gibt dir dann noch mal Auftrieb, so dass du länger oben bleiben kannst.
Daniel: Das das klingt ja wie ein Luftkissenboot, nur nur Luftkissen, aber mit Schirm, also mit Flug, mit Flügeln, mit, also ich ich ich Luftkisse nicht, ich gleite. Ja. Ich ich bin ein UFO.
Philipp: Du bist ein, du bist eigentlich schon ein UFO, ja. Du denkst dir, was mache ich jetzt damit? So, an dieser Stelle machen wir einen Schnitt und müssen ein bisschen Kontext machen. Las Vegas in den 90ern und in den 80ern ein Ort, an dem eine Menge Sachen stattgefunden haben. Las Vegas ist ja bekannt für seine Casinos und für seine großen Hotels mit Casinos unten drin. Diese Hotels haben aber auch häufig noch Veranstaltungshallen angebaut, in denen dann häufig z.B. Boxkämpfe stattfinden. Es gibt zu dieser Zeit zwei, drei große Schwergewichtsboxer, drei große Schwergewichtsboxer vielmehr, es gibt natürlich Mike Tyson, es gibt Evander Holyfield und es gibt Riddick Bowe. Das sind die drei großen. Mike Tyson Weltmeister, Holyfield nicht Weltmeister, aber war es mal und Bowe ist Weltmeister ebenfalls wie Tyson auch nur bei einem anderen Verband. Und Holyfield und Bowe treten gegeneinander an, denn Mike Tyson wird eingeknastet, weil er wegen wegen Vergewaltigung. Holyfield und Bowe treten jetzt quasi um den vakanten Titel von Mike Tyson an, der ja sein Titel nicht mehr hält, weil er ja im Knast ist.
Daniel: Die gute Filmreife Geschichte eigentlich.
Philipp: Ja, eigentlich schon. Es soll ja glaube ich jetzt auch ein Mike Tyson Film geben. Die beiden treten gegeneinander an und der erste Kampf endet, glaube ich, mit einem Sieg für Riddick Bowe, ich bin mir nicht mehr hundertprozentig sicher und es kommt zu einem zweiten Kampf, Holyfield gegen Bowe und dieser zweite Kampf findet statt am 6. November 1993 in Las Vegas in einem ganz speziellen Hotel, denn dieses Hotel hat eine Veranstaltungshalle, die teilweise draußen ist.
Daniel: Ich ich befürchte, ich weiß, wo es hingeht. Oder ich ahne.
Philipp: Über dem Ring ist ja immer, die ist ja immer so eine eine Box, wo Lichter dran hängen, wo natürlich das Mikrofon des Ringansagers rauskommt. Es ist ja immer noch Boxen und wo wo dann der der Stand angezeigt wird, so ein Videowürfel ist da noch bei und so. Und das ist über dem Ring, aber sonst befindet sich das alles draußen. Das kannst du in Las Vegas ja problemlos machen, ist ja in der Wüste.
Daniel: Ist ja nicht so, dass irgendwas vom Himmel fällt, ne?
Philipp: Richtig, ist ja nicht so, dass irgendwas vom Himmel fällt. Diese Boxübertragung läuft nun also, der Kampf beginnt und es ist ein sehr, sehr guter Boxkampf, ist ein sehr ausgeglichener Boxkampf. Beide sind absolute Favoriten auf den Titel und beide sind wirklich starke Boxer und es ist wirklich ein wichtiger Kampf für die beiden auch um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht. Wir denken uns jetzt mal, wir wären in der in dem in dem Sendezentrum von HBO. HBO überträgt diesen Kampf. Im Sendezentrum von HBO denkt man sich, wie können wir diesen Kampf gut irgendwie vermarkten und wie können wir den gut filmen? Und da denkt man sich, okay, das ist ja halbwegs draußen, lass uns doch einen Hubschrauber da drüber positionieren und dann einen da raus filmen lassen, der von oben aus diesem Hubschrauber in den Ring reinfilmt. Das ist ja eine coole Panorama an sich, das kann man ja machen. Was dann passiert, ist quasi Geschichte und zwar befinden wir uns in der Übertragung, der Kampf läuft und der Kameramann in dem Hubschrauber sieht, da ist ein Fallschirmspringer. Ein UFO. Ja, genau, da ist ein Fallschirmspringer und der kreist gefährlich nah um diese Arena herum. Und der der Kameramann denkt sich, wie kann ich jetzt darauf aufmerksam machen? Ich habe hier irgendwie keinen Kontakt zu den Leuten im Sendezentrum, aber er hat halt das Bild und er filmt diesen diesen Fallschirmspringer, also er filmt quasi dich, James Miller, den Fallschirmspringer und er zoomt dabei immer ganz weit ganz nah ran und ganz weit raus, um den Leuten, die im Sendezentrum sitzen, klar zu machen, da passiert gerade was, guckt mal dahin. Was ich nach wie vor für eine fantastische Aktion halte, ich wäre darauf nicht gekommen. Er möchte die darauf aufmerksam machen und zoomt raus und rein und raus und rein, aber es passiert nichts. Niemand weiß erstens, wie man den aufhalten soll, wenn man ihn denn überhaupt mitbekommen hätte.
Daniel: Mit Maschinengewehren. Kurz in Australien anrufen.
Philipp: Ja, was macht man also? Man ist sich, also man weiß noch nicht so ganz genau, das ist nicht ganz überliefert, ob die Leute bei HBO es mitbekommen haben, dass der da kreist oder und nichts tun konnten oder ob sie es nicht mitbekommen haben. Ich gehe davon aus, dass die schon wissen, was ihre Hubschrauberkamera da gerade macht, vor allem, weil die ja schon nicht normal ist und ich denke, die man man die häufig einblenden wird, weil die kostet ja auch Kohle ohne Ende.
Daniel: Man man hat ja auch sowas wie Vorschaubildschirme normalerweise, ne? Das ist ja nicht so, okay, wir schalten, wir schalten jetzt auf den Hubschrauber. Mal gucken, was was er gerade filmt.
Philipp: Ja, genau. deswegen, die werden es auf dem Vorschaubild gesehen haben. Und ja, mitten während des Kampfes passiert es dann, der Ventilator fällt aus. Dein Propeller funktioniert nicht mehr. Und unweigerlich geschieht es, dass du runter trudelst. Du wirst später sagen, du hättest das mit Absicht gemacht. Man ist sich darüber nicht so sicher, aber du landest im Boxring. Du landest im Boxring auf den Seilen mit deinem Fallschirm, legst dich natürlich dabei fürchterlich auf die Nase, dein Fallschirm bleibt in irgendwelcher Veranstaltungstechnik oben hängen und du fällst zu Boden. Natürlich wird der Kampf gestoppt, der Ringrichter und die beiden Boxer gucken ein bisschen komisch, weil mitten im Kampf einer auf den auf den Ringseilen mit seinem Fallschirm gelandet ist. Es gibt davon immer noch ein großartiges Bild, das kann man sich gerne mal anschauen.
Daniel: Ja, bitte. Ich ich würde gerne auch das Video davon sehen, wenn es wenn es eins gibt.
Philipp: Es gibt natürlich ein Video davon. Es gibt natürlich ein Video davon, es gibt auch auf YouTube kann man sich das anschauen, größere Reportagen darüber.
Daniel: Wir verlinken da ein bisschen Zeug, das muss, ich muss das sehen, also.
Philipp: Du hast da deinen roten Anzug an und fliegst dahin und du dein Fallschirm hat sich verhakt und du hängst dann da so in der Luft und dann machst du dich los und fällst natürlich zu Boden und dann wirst du, dann kommen die Leute auf dich zugerannt, weil du bist ja mitten in den Zuschauern, die sind sitzen ja direkt am Ring und dann kommen die Leute und Sicherheitskräfte auf dich zu zu gerannt, einer haut dir 20 Mal ins Gesicht von den Sicherheitsleuten und du bist unmächtig und dann wirst du, wachst du am nächsten Tag auf im Krankenhaus und denkst dir so, ja, das habe ich jetzt alles mit Absicht gemacht und ich bin gegen Gewalt und deswegen bin ich da reingeflogen.
Daniel: Ja, natürlich, eine eine Botschaft muss ja hinter so so einer prominenten Aktion vor allem äh sein, ne?
Philipp: Richtig. Du landest also äh natürlich im Gefängnis danach.
Daniel: Folge richtig, ja.
Philipp: Ist ja logisch. Natürlich landest du im Gefängnis, aber nicht lange, du kommst auf Kaution raus, 200 $, glaube ich übrigens, Kaution.
Daniel: Das geht ja. Ja, das geht sogar wirklich.
Daniel: Also für für den Unsinn, also 200 $ ist totally worth it, ne?
Philipp: Vor allem, wenn dich da einer verklagt hätte, das hätte dein Leben ruiniert, aber dazu kommen wir noch. Denn, sagen wir mal, du bist auf den Geschmack gekommen. Du hast so viel Prominenz jetzt auf der Welt, man nennt dich den Fanman wegen deines Propellers. Und du hast jetzt so viel Prominenz auf der Welt und denkst dir, das mache ich noch mal, aber woanders.
Daniel: Oh Gott. Und wo geht’s hin für dich?
Daniel: Vielleicht jetzt kein Boxkampf, ich bin ja gegen Gewalt, irgendwo eine Politikveranstaltung stören oder so.
Philipp: Nee, Sport ist schon dein Gebiet.
Daniel: Ach so. weiß ich nicht, vielleicht, ich weiß nicht, irgendwo wo geschossen wird.
Philipp: Das zum Glück nicht. Es muss ja ein so großes Ereignis sein, dass du weltweite Aufmerksamkeit dafür erhältst. Also
Daniel: Olympische Spiele?
Philipp: Ne, nicht ganz. Du bleibst in den USA.
Daniel: Football?
Philipp: Super Bowl. Ja, fast Super Bowl, nicht ganz Super Bowl, ist ein normales Footballspiel. Du gehst nämlich nach Denver und fliegst da mit deinem Fallschirm übers Stadion. Vielleicht wolltest du nur einen schönen Blick aufs Spiel werfen, man weiß es nicht so recht. Jedenfalls spielen dort gerade die Denver Broncos gegen die LA Raiders und ja, du fliegst mit deinem motorisierten Fallschirm mal wieder da lang. Du landest diesmal nicht im Stadion, sondern du landest auf der Wiese davor und na ja, was passiert? Verhaftet.
Daniel: Gut, mal wieder folgerichtig. Ja.
Philipp: Was denkst du dir jetzt als nächstes? Wie geht’s weiter?
Daniel: Erstmal 200 $ auftreiben für die Kaution.
Philipp: Richtig, die hast du zum Glück noch, weil du arbeitest ja weiterhin als Programmierer.
Daniel: Natürlich parat gelegt die 200.
Daniel: Also ich ich sag mal so, ich würde jetzt erwarten, dass dass dass mir quasi Auflagen gemacht werden, dass ich nicht mehr fliegen darf, aber ich glaube, da die Geschichte ja noch weitergehen muss, würde ich noch eine Runde fliegen.
Philipp: Ja, du fliegst auch noch eine Runde. Du fliegst allerdings nicht mit deinem Fallschirm, sondern du fliegst tatsächlich mit dem Flugzeug und zwar ins Vereinigte Königreich nach England. Und in England denkst du dir, hier gibt’s doch auch Sport.
Daniel: Fußball diesmal, ja?
Philipp: Fußball diesmal, richtig. Bolton Wanderers gegen FC Arsenal.
Daniel: Und und James im Himmel, ja?
Philipp: Und James im Himmel, vierte Runde, ähm, englischer Pokal und James fliegt mal wieder ins Fußballstadion. Ich weiß nicht genau, ob es einen Unterschied zwischen diesem, äh, ob ob er hier etwas anderes gemacht hat, weil da stand nicht, er flog mit dem Fallschirm in meiner Quelle, sondern er ist da rein geskydived. Ich weiß nicht, ob es da einen Unterschied gibt, aber jedenfalls äh ist er ins Fußballstadion geskydived. Musste dann natürlich wieder ins Gefängnis, musste wieder Kaution bezahlen, ist aber auch wieder rausgekommen.
Daniel: 200 Pfund, ja?
Philipp: Ja, ich weiß es nicht, kann sein. Ja, dann ist England aber ein bisschen konsequenter als die USA und sagt, was machst du eigentlich hier, du äh komischer Amerikaner? Du hast das doch in den USA schon zweimal gemacht. Das reicht uns jetzt, wir verweisen dich der der der der der dem der Insel.
Daniel: Zurück nach Hause also.
Philipp: Genau, zurück nach Hause, aber zu Hause ist langweilig und du reist trotzdem noch mal in äh nach England ein.
Daniel: Also quasi auch wieder rein gegleitet, ja? Wenn er schon nicht normalerweise mit also wie jeder normale Mensch über Flughafen über Heathrow oder so nach London kommt er da angeskydive.
Philipp: Ich weiß nicht genau, wie er wie er da reingekommen ist. Er ist auf jeden Fall wieder reingekommen, hat sich dann aber tatsächlich die endgültige, den endgültigen Verweis aus dem Vereinigten Königreich gesichert. Denn auf Königreich liegt auch die Betonung. Diesmal war es keine Sportveranstaltung.
Daniel: Oh Gott. Was war es stattdessen?
Daniel: Hatte die Queen besucht.
Philipp: Er hat die Queen besucht, richtig. Er ist mit seinem motorisierten Fallschirm auf den Buckingham Palace drauf geflogen, hat sich aufs Dach gestellt. So, und was kannst du jetzt machen? Die ganze Welt schaut zu, könnte man denken. Du stehst auf mit deinem Fallschirm auf dem Dach von Buckingham Palace. Was ist deine erste Idee?
Daniel: Ja, also ich sag mal so, das mit gegen Gewalt kann er ja nicht noch mal bringen.
Philipp: Richtig.
Daniel: Ähm Sportveranstaltung stören. Denk nicht denk nicht rational. Es ist rational nicht zu erklären.
Daniel: Hatte seinen Arsch in Personen gestreckt vom Dach aus oder
Philipp: Das ist fast das ist fast richtig. Komplett Hose aus.
Daniel: Oh.
Philipp: Komplett Hose aus, aber und das ist jetzt das Wichtige, von der Hüfte abwärts hast du dich grün angemalt.
Daniel: Aber warum?
Philipp: Das ist eben das, was ich nicht weiß. Man weiß es einfach nicht, warum er sich von der Hüfte abwärts grün angemalt hat. Jedenfalls grün.
Daniel: Das heißt, er war auch grün hinter den Ohren.
Philipp: Nee, von der Hüfte abwärts nur.
Daniel: abwärts, ich habe aufwärts verstanden. Okay, Moment, da war er ja grün woanders. Ja ja, richtig, genau, da war er ja auch grün. Also, wie gesagt, Arsch ausstrecken, wenn ich schon auf dem Dach vom Buckingham Palace bin und die Leute gucken, kann man noch machen, ja, so einen schönen Moning den Leuten was präsentieren, aber das ist, das geht schon ein bisschen zu weit, vor allem, wenn es auch noch, weiß nicht, ist er vorher irgendwie eine grüne Farbe gefallen, hat sich gedacht, boah, das müssen die Leute sehen.
Philipp: Das müssen die Leute sehen. Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht. Jedenfalls ist es jetzt vorbei mit der Karriere. Er wird dem, er wird England verwiesen, er muss wieder zurück in die Vereinigten Staaten. In den Vereinigten Staaten wird jetzt auch ein bisschen mehr darauf aufgepasst, ein bisschen mehr Sicherheit, dass niemand irgendwo reinfliegt, weil man kennt ihn ja jetzt. Also sein Geschäftsmodell, ich fliege irgendwo rein, scheint beendet zu sein. Er kehrt nach Alaska zurück. Warum sage ich eigentlich immer er, du, du kehrst nach Alaska zurück und machst tatsächlich so einen dieser Flug Dinger auf, hast mittlerweile dein Flugschein, du fliegst dann tatsächlich so diese Versorgungsruten durch Alaska und so weiter und fliegst Touristen hin und her, machst nebenbei dein eigenes Computer Business auf, also du settelst so ein bisschen.
Daniel: Kein UFO mehr.
Philipp: Kein UFO mehr, du bist ja jetzt auch Ende 30, Mitte Ende 30, man wird ja etwas ruhiger mit der Zeit.
Daniel: Ja, natürlich, das ist ist ja schon, also ich meine, er hat die Welt gesehen, die Welt hat ihn gesehen, reicht.
Philipp: Dann irgendwann bekommt es allerdings soweit, du hast einen Herzfehler, du musst aufhören mit allem, du kannst nicht mehr nicht mehr fliegen, du kannst mit deinem Computer Business nicht mehr weitermachen, es ist alles zu gefährlich, du musst wirklich sehr kurz treten. Du hast natürlich auch, weil du dich in den USA befindest, große Schulden, weil das ist natürlich teuer so ein Herzfehler zu behandeln und mit der ganzen Behandlung und so weiter kommt dann ein ganz schönes Sümmchen zusammen und du hast du hast richtig Schulden. 2002 geht’s dann für dich nach Anchorage. In Anchorage läuft es auch erst richtig gut, du findest dort eine Freundin, du zeugst mit ihr ein Kind im Sommer. Im September 2002 bist du dann aber auch einfach weg.
Daniel: Weg vom Fenster generell oder?
Philipp: Sagen wir es mal so, du wurdest im September 2002 zum letzten Mal überhaupt von irgendjemandem lebend gesehen.
Daniel: Ach, dieser Art von Weg.
Philipp: Diese Art von Weg. Niemand weiß, wo du bist. Es werden große Suchaktionen irgendwie angestellt und so weiter, aber niemand weiß, wo du bist.
Daniel: Haben die Leute auch oben geguckt?
Philipp: Niemand findet dich. Am Himmel haben sie auch geguckt, aber sie haben dich auch da nicht gefunden. Sie haben nur dein Auto gefunden in Alaska.
Daniel: Ja gut, Alaska ist groß und äh ja, ist natürlich nicht so einfach jemanden zu finden, der nicht gefunden werden möchte wahrscheinlich, ne?
Philipp: Richtig. Du hast dich nämlich viele, viele, viele, viele, viele Kilometer von der Zivilisation entfernt erhängt.
Daniel: Oh.
Philipp: Kein Happy End diesmal. Sechs Monate nachdem du vermisst gemeldet wurdest, wirst du von Wanderern gefunden, weil es halt so weit von der Zivilisation weg ist, dass es sein könnte, dass du niemals gefunden wirst, hat auch der zuständige Mensch da gesagt, ein absoluter Glücksfall, dass sie dich überhaupt gefunden haben. Dein dein Körper war schon am sich zersetzen und ja, der Fanman, der der einen der größten Boxkämpfe der letzten 30, 40 Jahre gestört hat, der nicht ins, aber übers Footballstadion geflogen ist, ins Fußballstadion geskydived ist, der hat in Anbetracht seiner großen Schulden und so weiter, man weiß nicht genau, was da los war, aber er hat sich dann das Leben genommen und sein Kind wurde aber dann noch geboren, ne? Er hat ja noch ein Kind gezeugt. Das ist im Prinzip die Geschichte vom Fanman.
Daniel: Also, ich finde bis auf den Schluss tatsächlich eine sehr schöne Geschichte, vor allem finde ich, das ist, das macht unseren Podcast aus Geschichten, die so passiert sind, aber sie nicht so viele kennen, weil z.B. ich wusste nichts davon, davon habe ich irgendwie nie was gehört. Gut, ich bin ja auch nicht der größte Sportmensch. Vielleicht liegt es auch daran, aber eine großartige Geschichte. Also, ich meine, er ist jetzt quasi für immer im Himmel.
Philipp: Richtig, da wollte er ja hin, deswegen passt es ja irgendwie.
Daniel: Und ich finde es einfach, er war ja ein Überflieger, würde ich sagen, ne?
Philipp: Ein absoluter Überflieger. Ja, das Ende ist tatsächlich nicht so toll, aber man muss es halt mit erzählen, weil es gehört halt zur Geschichte dieses Menschen dazu. Aber man muss sich wirklich mal die Szenen anschauen aus Las Vegas von 93, wo er da in diesem Boxring geflogen ist. Es ist, es ist der Wahnsinn. Es gibt auch noch die Live Spuren, also es ist eine Live Aufzeichnung von dem Kampf von HBO Showtime, wo dann tatsächlich auch die Kommentatoren noch zu hören sind, die auch denken, was ist denn hier los und vollkommen vollkommen außer Rand und Band sind. Der Kampf geht danach übrigens noch weiter, er wird also nicht abgebrochen und also es ist wirklich ein Hammer. Also das ist wirklich auch eine Sache. Ich glaube, es wurde irgendwann mal auch auf Platz 1 der Most Outrageous Sports Events oder so gevotet in den USA. In den USA ein großes Ding, erinnert man sich heute noch dran in Deutschland nicht so und deswegen auf jeden Fall eine interessante Geschichte.
Daniel: Super Geschichte. Wie gesagt, ich bin echt, also ich, als ich am Anfang die Geschichte so sagen wir mal die ersten paar Minuten, die du erzählt hattest, als ich sie gehört hatte, dachte ich, das geht irgendwo so Evil Knievel mäßig hin.
Philipp: Der wäre auch eine gute für eine Geschichte, Evil Knievel.
Daniel: Das stimmt, aber ich glaube, der ist z.B. zu bekannt für sowas wie jetzt hier.
Philipp: Ja, das stimmt, das stimmt.
Daniel: Aber ich finde es echt echt großartig. Das war’s, mir hast mich echt berührt. Der Fanman.
Philipp: Der gute Fanman.
Daniel: Der hat auf jeden Fall jetzt ein Fan mehr gewonnen und ich hoffe vielleicht noch mehr.
Philipp: Ja, hoffentlich, hoffentlich. Vielen Dank fürs Zuhören. Wir sehen uns nächsten Monat wieder.
Daniel: Ich freue mich drauf. Bis dahin.
Philipp: Tschüss.
