Transkript zur Episode: Blaues Licht
Alles klar, ich habe den Fehler korrigiert und die Sprecher ab der genannten Stelle getauscht. Hier ist das angepasste Transkript:
Aktiver Erzähler: Philipp
Philipp: Hallo Daniel.
Daniel: Hallo Philipp.
Philipp: Daniel, ich brauche heute viel von dir.
Daniel: Oh.
Philipp: Und als erstes brauche ich dein Sylvester Stallone Wissen.
Daniel: Das ist irgendwo im Hinterkopf, das ist da.
Philipp: Du musst mir eine Frage stellen und ich werde sie beantworten und wir werden dann diesen Dialog weiterführen. Du musst mich fragen: Was ist das?
Daniel: Was ist das?
Philipp: Das ist blaues Licht.
Daniel: Was tut es?
Philipp: Es leuchtet blau. Lieben Gruß an unsere Folgenbeschreibung und an den Folgentitel. Ich habe die Geschichte, die ich heute hier kundtun werde, die habe ich, bevor wir aufgenommen haben, habe ich die dem Arbeitskollegen erzählt, weil der mich gefragt hat: Was machst du heute Abend? Ich hab gesagt, ich nehme einen Podcast auf. Und die erste Assoziation, die er hatte, war Rambo. Und ich habe gesagt, das ist ja unfassbar, denn das ist der Folgentitel und die Folgenbeschreibung, die ich bereits vorbereitet habe. Also: Blaues Licht.
Daniel: Sehr schön. Freut mich. Freut mich, das ist eine angenehme Farbe.
Philipp: Das kommt ganz drauf an. Wir werden also dazu kommen wir noch. Ich würde vorschlagen, dass du mal wieder eine Weltkarte zu Rate ziehst. Zumindest, zumindest für den Anfang, damit man sich ein bisschen was drunter vorstellen kann, wo wir uns befinden.
Daniel: Wo du es bei drunter sagst, meine Schreibtischunterlage ist bereit.
Philipp: Die reicht. Die reicht tatsächlich aus, weil üblicherweise ist der Ort, wo wir hingehen, ungefähr auf Schreibtischunterlagen eingezeichnet. Wir gehen nach Brasilien.
Daniel: Ja, das ist auf meiner Schreibtischunterlage sehr präsent zu sehen.
Philipp: Und welche Städte sind in Brasilien bei dir dort angegeben?
Daniel: Oh, oh, oh, oh. Also ich kann gar nichts erkennen, weil meine Schreibtischunterlage in einer sehr schlechten AliExpress-Auflösung gekommen ist und dementsprechend weiß ich nur, dass es Brasilia und Sao Paulo gibt.
Philipp: Das reicht aber, denn wir müssen nach Brasilia.
Daniel: Ah!
Philipp: Also zumindest in die unmittelbare Nähe von Brasilia. Und Brasilia liegt ja, sage ich mal, sehr zentral in Brasilien, also zumindest nicht an der Küste, sondern eben im Hinterland. Und das ist im Übrigen glaube ich auch noch nicht passiert, dass wir zweimal in einer Staffel in Brasilien waren.
Daniel: Stimmt, wir waren ja bei dem guten Günther waren wir da.
Philipp: Genau, bei Günther, der aus dem Dschungel kam, der war in Brasilien und im Übrigen auch zur gleichen Zeit, aber das hat leider nichts miteinander zu tun. Kein Klebstoff heute. Uns verschlägt es in der heutigen Folge in den brasilianischen Bundesstaat Goias. Goias ist der Bundesstaat um Brasilia herum. Also Brasilia als Hauptstadt liegt im Bundesstaat Goias. Das ist so ein bisschen wie Berlin in Brandenburg liegt, nur dass Berlin ja nicht zu Brandenburg gehört und bei Brasilia ist das so. Brasilia liegt in dem Bundesstaat Goias und wir bewegen uns ca. 200 Kilometer südwestlich von Brasilia in die Stadt Goiania.
Daniel: Goiania, ungefähr drei Autostunden von Brasilia im Südwesten gelegen. Und die Hauptstadt des Bundesstaats Goias, da leben heute ungefähr 1,4 Millionen Menschen.
Philipp: Trotzdem hat glaube ich hier fast kaum jemand von dieser Stadt jemals gehört, aber ist eine sehr, sehr große Stadt, eine Millionenstadt.
Daniel: Ja, noch nie gehört. Tatsächlich noch nie im Leben gehört. Aber klingt so ein bisschen irgendwie wie so Final Fantasy hier Zauber, weißt du? So es gibt Feuer, Feura, Feuga… Das ist Goia, Goiara, Goiga wäre dann das nächste.
Philipp: Ja, absolut. Wichtig zu wissen ist, dass Goiania eine Planstadt ist. Das bedeutet, die Stadt ist nicht gewachsen, natürlich gewachsen, sondern wurde von vorneherein groß gebaut, um möglichst viele Menschen aufnehmen zu können. Deswegen ist die auch relativ schnell gewachsen. Und sie war von Beginn an als Hauptstadt dieses Bundeslandes geplant. Und das ist wichtig, weil auch Infrastruktur bereits frühzeitig für die verschiedenen Stadtteile in der Stadt geplant worden ist. Und genau dazu kommen wir gleich noch. Wir springen erst mal in das Jahr 1977 in Brasilien, in Goiania. Und wir sind jetzt, das kann ich an dieser Stelle vielleicht schon mal sagen, kleine Triggerwarnung für alle Juristen: Das, was hier kommt, könnte kompliziert werden. Und für euch wahrscheinlich noch am besten zu durchblicken. Und kleine Triggerwarnung an alle anderen: Es wird hinten raus ein bisschen, also hinten raus könnte es passieren, dass wir das ein oder andere schwierige Thema bearbeiten.
Daniel: Oh, okay.
Philipp: Ich wollte eigentlich nicht auf so einer negativen Note die Staffel enden lassen, aber wir haben ja jetzt zwischenzeitlich mal eben beschlossen, wir machen noch eine Folge. Das heißt, sie endet da nicht, dann ist okay. Also, es stellt sich die Situation wie folgt dar: Wir befinden uns auf einem Grundstück in der Innenstadt von Goiania und da steht ein großes Gebäude.
Daniel: Ja.
Philipp: Und dieses Grundstück gehört der sogenannten Vinzenz-Gemeinschaft. Noch nie gehört, oder?
Daniel: Jain. Also ich habe den Namen schon mal gehört, aber ich glaube in einem völlig anderen Zusammenhang und ich, also es klingelt irgendwo, aber ich kann es, ich finde das Telefon nicht.
Philipp: Ein Klassiker. Die Vinzenz-Gemeinschaft ist eine Gruppe von Menschen, die sind kirchlich organisiert und wollen Menschen helfen.
Daniel: Ja.
Philipp: Ne, also das kennt man ja aus vielen Fällen, Caritas und so weiter. Kirchlich organisierte Menschen, die anderen Menschen helfen wollen. Und das tun sie auch dort in Goiania. Und den gehört eben dieses Grundstück. Und auf diesem Grundstück steht das sogenannte IGR.
Daniel: Internationale Große Raum Gemeinde?
Philipp: Nee. Nicht international, sondern Instituto.
Daniel: Ah. Instituto Großgemeinderaum.
Philipp: Das Instituto Goiano de – und herzlich willkommen am Ende einer Heldendumm Staffel – Radioterapia.
Daniel: Ah, Si. Es strahlt mich an.
Philipp: Es strahlt dich an. Das IGR, das Instituto Goiano de Radioterapia, also ein Radiotherapie-Bestrahlungsinstitut halt.
Daniel: Klassisch.
Philipp: Ein privates Institut, muss man dazu sagen.
Daniel: Noch klassischer.
Philipp: Dieses IGR, dieses private Bestrahlungsinstitut, bekommt im Jahr 1977 ein neues Bestrahlungsgerät. Und wer sich an Thailand erinnert fühlt, dem soll gesagt sein: Thailand ist ein Fliegenschiss.
Daniel: Du, ich finde es tatsächlich ganz lustig, dass unsere Nuklear-Folgen sich irgendwie an einem, ist das ein Breitengrad?
Philipp: Oh, ich glaube, oh, da sind wir aber, das sind aber ein paar Kilometer, also…
Daniel: Ja ne, ich, was ich nur sagen will, ich bin immer nördlich und du bist immer südlich.
Philipp: Das stimmt tatsächlich. Wobei Himalaya und Thailand ist ja nicht so weit auseinander.
Daniel: Ja, stimmt auch wieder.
Philipp: Jedenfalls, wir sind im Jahr 1977. Es gibt ein neues Bestrahlungsgerät für das IGR. Eine sogenannte Cesapan F-3000.
Daniel: Jawoll.
Philipp: Die F-3000, die Cesapan, ist ein Gerät für die Bestrahlung von Krebspatienten. Und es funktioniert so: Da ist, das ist so, das sieht so ein bisschen aus wie so ein, ja, das hat, ist so eine Liege und die hat oben so einen, so einen Schwenkarm. Und da ist so ein kleiner runder Kopf, ein kleines rundes Kopfstück drauf.
Daniel: Das klingt so ein bisschen wie bei Prometheus das Ding, was dich heilt.
Philipp: Oh Gott, oh Gott, oh Gott. So schlimm ist es nicht. Es sieht nicht ganz so barbarisch aus, aber es ist schon ein robustes Ding, ne? Also da ist halt so ein Kranarm oben dran und dann hängt das so über dir. Und dann ist da so eine kleine Kugel. Und diese Kugel hat ein Loch. Und aus diesem Loch kann mit einem Schalterknopf kann die radioaktive Quelle quasi gekippt werden, sodass die aus dem Loch raus strahlt, eben dahin, wo sie hin soll.
Daniel: Wer mehr Verständnis braucht, kann auch da eben in Sonnenbrand-Flavor mal reinhören, weil da wurde quasi die ähnliche Technik verwendet und ja, Dinge sind passiert.
Philipp: Dinge sind passiert. Ich habe übrigens auch überlegt, diese Folge Solarium-Flow zu nennen, weil das ist dann die nächste Zeile nach Sonnenbank-Flavor, aber ich habe mich dann doch entschieden für das blaue Licht. Warum, sehen wir gleich. Also Funktionsweise von Bestrahlungsgeräten ist jetzt auch nicht so wichtig. Bestrahlungsgeräte, das ist nur wichtig, funktionieren heute nicht mehr so. Also das Risiko, dass da irgendwelche radioaktiven Sachen austreten, ist einfach nicht mehr gegeben in der heutigen Zeit. Glücklicherweise.
Daniel: Weil Heldendumm-Episoden passiert sind.
Philipp: Weil Heldendumm-Episoden passiert sind. Ich möchte aber auch noch gar nicht zu viel verraten. Jedenfalls verwendet die Cesapan F-3000 Cäsium-137 für die Bestrahlung. Und Cäsium-137 ist ein radioaktives Präparat, das sehr stark strahlt. Sehr stark strahlt. Und dieses neue Gerät, damals neue Gerät, kommt in der Praxis dazu. Es gibt bereits ein anderes Gerät, das mit einer Strahlenquelle dort arbeitet. Also man hat quasi zwei Räume mit zwei Geräten, wo Bestrahlungen durchgeführt werden können. Und das Gerät geht 1977 dann in Betrieb. Wo das Gerät herkommt, ist nicht bekannt, weil als man es zum letzten Mal gesehen hat, war die Seriennummer ausgefräst.
Daniel: Komisch.
Philipp: Komisch.
Daniel: Hat man es etwa in Thailand, in Thailand auf dem, so einem Schrottplatz irgendwo zusammengeschustert und verkauft?
Philipp: Who knows? Who knows? Geschichte wiederholt sich. Irgendwann gerät der Standort, wo sich das IGR befindet, der der Vinzenz-Gemeinschaft gehört, aber an seine Grenzen. Man möchte umziehen in ein neues Gebäude, wo man ein bisschen mehr Platz hat, wo man ein bisschen neue Technik ansiedeln kann. Und Anfang der 80er entscheidet man sich, den Mietvertrag zu kündigen.
Daniel: Auch das kommt mir sehr bekannt vor irgendwie. Zwar andere Umstände, aber das Ergebnis ist das gleiche.
Philipp: Das Problem ist, jetzt kommen unsere Juristen zum Einsatz, denn es kommt zu einem Rechtsstreit mit der Vinzenz-Gemeinschaft. Wem gehört das denn jetzt alles? Wer vermietet das jetzt weiter? Wurde der Vertrag ordentlich gekündigt? Wem gehört jetzt das, was auf dem Gelände sich noch befindet? Es gibt da sehr viele Fragen, die nach einer gewissen Zeit dann erst mal vor Gericht geklärt werden müssen. Das heißt, es kommt zum Rechtsstreit zwischen dem IGR und der Vinzenz-Gemeinschaft. 1985 hat das IGR aber keinen Bock mehr und sagt: Wir ziehen jetzt einfach um, Rechtsstreit hin oder her, wir nehmen jetzt an unserem neuen Standort die Arbeit auf. Wir müssen ja auch irgendwie Geld verdienen.
Daniel: Ja, muss vorangehen, ja klar.
Philipp: Und so kommt es, dass nicht ganz alle rechtlichen Fragen geklärt sind, bevor man umzieht. Und man entscheidet sich: Gut, das Cesapan F-3000, das brauchen wir nicht mehr.
Daniel: Oh Gott. Ja, wer braucht das schon?
Philipp: Wer braucht das schon? Ist ja gar nicht so wichtig. Wir haben ein neues Gerät, wir brauchen das nicht. Soll sich mal die Vinzenz-Gemeinschaft drum kümmern, dass das Ding da rauskommt. Man spielt da so ein bisschen damit, dass man sagt: Leute, da ist eine radioaktive Quelle drin, vielleicht kümmert ihr euch mal. Ist euer Gebäude. Und die sagen: Nein, ist euer Gebäude.
Daniel: Das ist ein schöner Fall von “Statt A, wem gehört das? Ja mir. Nee, nee, ja mir.” Ist es genau dieses Spielchen von “Nee, ist nicht meins, ich fass das nicht an, du bist.”
Philipp: Also wir spielen hier heute hart Beamten-Mikado. Und da geht es jetzt auch noch mal, weil es kommen noch weitere Behörden hinzu, also keine Sorge. Wir gehen ein Jahr weiter. 1986 sind wir jetzt. Wir sind im September 1986. Dem ein oder anderen wird bekannt sein, dass in dem Jahr auch so vielleicht was anderes Nukleares passiert ist.
Daniel: Kleinigkeiten.
Philipp: Ne Kleinigkeit. Der Rechtsstreit ist mittlerweile vor Gericht gelandet und das Gericht wirft die Frage auf: Was ist denn noch so auf diesem Gelände eigentlich? Also worüber streitet ihr euch denn? Warum, ist da noch irgendwas, wovon wir wissen sollten? Und ja, sagt das IGR dann, da ist noch unser Cesapan, steht da noch, unser altes, unser Bestrahlungsgerät. Ja gut, das wird dann in die Akten geschrieben und es passiert nichts.
Daniel: Auch das sehr klassisch. Also nicht nur für uns, sondern so, was generell immer wieder mal in der Welt passiert.
Philipp: So. Und jetzt werden weitere Behörden eingeschaltet, weil drei reichen noch nicht. Wir sind im nächsten Jahr, wir sind jetzt in 87 und wir gehen zur IPASGO. Die IPASGO ist so ein bisschen sowas wie irgendwas zwischen brasilianische Gesundheitsbehörde und Krankenkasse.
Daniel: Mhm.
Philipp: Und Chef der IPASGO ist, der Name ist Saura Taniguti. Saura Taniguti ist, der macht wirklich seinem Namen alle Ehre, denn der ist ziemlich sauer.
Daniel: Mhm.
Philipp: Denn es hat sich der Chef des IGR bei ihm gemeldet. Und zwar Carlos Figueiredo Bezerril. Carlos hat sich bei Saura gemeldet, um ihm mitzuteilen: Hier, Gesundheitsbehörde, wir haben da noch einen Cäsium-Strahler in diesem Gebäude. Ist okay, bevor der jetzt noch länger da steht, holen wir den halt raus.
Daniel: Pragmatisch.
Philipp: Wir haben heute, ich sage das jetzt, ja, das kann man ja im Zweifel noch mal woanders reinschneiden oder am Anfang oder so. Wir haben heute keinen klassischen Charakter. Es gibt noch einen Held, aber der nimmt an so einem, an einem so großen Anteil dieser Geschichte nicht teil, dass es nicht so viel Sinn macht, dich das spielen zu lassen, weil du von diesen Ereignissen allen überhaupt nichts weißt, die jetzt folgen.
Daniel: Also bin ich heute ich selbst.
Philipp: Du bist heute du selbst und du blickst als erstaunter Beobachter auf die Dinge, die vor sich gehen.
Daniel: Das kann ich sehr gut.
Philipp: Also IGR sagt: Leute, alles gut, wir holen das Ding da raus. Und die IPASGO sagt: Ist nicht. Wir sind hier in Brasilien, ihr habt da irgendwas, was strahlt? Ne. Das darf nur eine staatliche Behörde machen. Sowas überlassen wir nicht Privaten, die hier durch unsere Stadt einen Scheiß Cäsium-Strahler tragen wollen. Ne. Das macht schön die Comissão Nacional de Energia Nuclear.
Daniel: So, da hab ich ne kritische Frage direkt. Hat die Behörde, die du gerade genannt hast, hat sie diesen, dieses Cäsium-Gerät quasi da auch hingebracht?
Philipp: Das weiß ich ehrlicherweise nicht. Ich weiß nur, dass es angeschafft worden ist, aber angemeldet worden ist bei dieser Behörde.
Daniel: Das ist ja nicht schlimm, aber das ist ja, was ich nur sagen will. So, wenn man jetzt plötzlich das große Besteck aufmacht und sagt so: “Nee, nee, das muss jetzt an der Behörde hier von uns machen und das ist ja hier Strahlzeug und so weiter und so fort.” So, ja toll. Aber wie ist es hergekommen? Und es wurde die ganze Zeit ja bedient offensichtlich in diesem Gebäude. Da jetzt das große Fass aufmachen bringt auch nichts mehr.
Philipp: Vielleicht hängt es damit zusammen, dass seit zwei Jahren nicht gewartet worden ist und einfach da rumsteht und man ein bisschen Sorge hat, da könnte vielleicht, das könnte vielleicht nicht mehr so ganz intakt sein.
Daniel: Ja, da wird Goronia schon nicht verstrahlt werden. Also es ist schon okay.
Philipp: Goronia. Brasilien ist nicht Mordor.
Daniel: Das war glaube ich bei Zelda. Aber ist egal. Aber du hast ja Sauron. Saura.
Philipp: Ich hab ja Sauron, genau.
Daniel: Ne.
Philipp: Also es kommt jetzt zum Vier-Wege-Rechtsstreit zwischen IPASGO, der Atombehörde, dem IGR und dem hier, diesem komischen, dieser Vinzenz-Gesellschaft.
Daniel: Mhm.
Philipp: Die sitzen alle an verschiedenen Tischen und sagen: Du bist zuständig, jetzt kümmert euch mal und so weiter und so fort. Und blockieren sich alle gegenseitig.
Daniel: Schön.
Philipp: Brasilianisches Recht, um das einmal kurz zusammenzufassen, ist da relativ deutlich: Die Atombehörde hätte sich um die Entsorgung kümmern müssen. Denen wurde schon 85, also zwei Jahre bevor wo wir jetzt sind, mitgeteilt: Ihr müsst euch kümmern. Die haben es nicht getan. Zwei Jahre lang. Und wir sind wieder bei Carlos, dem IGR-Chef, der sich einfach entscheidet: Jetzt reichts mir. Ich fahr da hin und ich hol das Ding da raus.
Daniel: Ich wusste es. Also ich wusste es nicht, aber ich habs gehofft. Ich hab gehofft, da fährt jetzt einer hin und macht es einfach selber. Guter, einfach guter pragmatischer Gedanke. Einfach hin, kommt da mit seinem Pick-up hin und packt das Ding einfach drauf und dann kippt’s um und dann fällt der Ball raus, der leuchtet und alles, Leben ist gut.
Philipp: Und rollt die Straße runter und alle strahlen.
Daniel: Alle strahlen.
Philipp: Also so einfach hätte es Carlos gerne gehabt. Carlos ist hingefahren in seinem, mit seinem Pick-up Truck. Wobei ich sehe auch so einen, ich sehe auch so einen Kastenwagen.
Daniel: Oh ja, so einen, aber so einen weißen Kastenwagen.
Philipp: So einen japanischen. Ja, ja, ja, genau, genau. Das, genau das sehe ich vor mir. Da tuckert er da hin und trifft auf die Polizei. Am 4. Mai 1987. Die Polizei ist angerufen worden vom IPASGO-Chef und hat gesagt: Lasst den nicht rein.
Daniel: Ja gut.
Philipp: Also fährt Carlos unverrichteter Dinge zurück und entscheidet sich: Gut, das ist ja mal richtig scheiße, weil jetzt steht das Ding da immer noch rum. IPASGO will nichts machen, die Atombehörde will nichts machen. Aber wenn die IPASGO mich schon mit der Polizei bedroht, gut, dann ruf ich halt noch mal bei der Atombehörde an.
Daniel: Ja, der einzige vernünftige Weg ist glaube ich noch.
Philipp: Er versuchts. Er versuchts. Er schreibt Briefe. Er ruft da an. Er meldet sich und sagt: Leute, das kann zum Problem werden. Wenn da irgendjemand, wenn das, wenn da irgendwas passiert, ja, dann kann das echt, also das strahlt, ne? So. Die Atombehörde antwortet auch auf seine Briefe und schreibt: Man würde das Ding gerne da rausholen, aber man darf nicht wegen der ungeklärten Eigentümerschaft, lässt einen das Gericht einfach nicht ins Gebäude.
Daniel: Ich glaube nicht, dass das Gericht da irgendwie was zu sagen hat, wenn es um Strahlung geht. Ich glaube nicht, dass der gute Richter weiß, was auf ihn und Goronia zukommt.
Philipp: Also ich würde auch sagen, dass tendenziell die Atombehörde immer Vorrang hat.
Daniel: Ja, hätte ich auch gesagt. Also ich meine, ein Richter wird schon wissen, was er tut in den meisten Fällen. Aber ich glaube, das ist so eine, so eine Sondersache. Würde ich jetzt einfach nur so behaupten, so aus Bauchgefühl.
Philipp: Aus Bauchgefühl. Carlos jedenfalls sagt sich: Okay, niemand will was tun, die lassen mich nicht rein. Ich sage, ich mache jetzt einen letzten Versuch.
Daniel: Killdozer.
Philipp: Wär geil. Wär geil, aber gefährlich. One final effort. Ich rufe an beim Vorgesetzten von IPASGO, beim Chef-Chef.
Daniel: Mhm.
Philipp: Und sage ihm, Zitat: Ab sofort ist IPASGO für alles verantwortlich, was mit der Cäsium-Bombe passiert.
Daniel: Oh, die Bombe. Da hat er die Bombe platzen lassen aber.
Philipp: Die Wortwahl ist sehr bewusst gewählt.
Daniel: Mhm.
Philipp: Ihr seid ab jetzt für alles verantwortlich, was mit dieser Cäsium-Bombe passiert. Ich hab damit nichts mehr zu tun. Ich hab alles versucht.
Daniel: Find ich gut. Also ich meine am Ende des Tages hat jetzt wirklich jeder jedem irgendwie den Stab in die Hand gedrückt, nach dem Motto: Du bist jetzt dran. Aber ich finde, das ist ein guter Weg, weil das ist auch so ein bisschen Ultimatum irgendwie.
Philipp: Ja, es hat zu nichts geführt.
Daniel: Schade.
Philipp: Es hat zu nichts geführt. Wir sind im ewigen Kreis. IGR und Vinzenz-Gesellschaft führen einen endlosen Rechtsstreit über dieses Scheiß-Gebäude. Die IPASGO hat Sicherheitsbedenken und verhindert damit die Entfernung der Radioquelle. Und die Atombehörde ist eigentlich zuständig, darf aber auch nicht ins Gebäude wegen des Rechtsstreits. Das heißt, es ist wirklich, man kommt keinen Schritt weiter so. Und deshalb, auch weil es ja durchaus Warnungen gibt von Carlos, entscheidet man sich: Wir lösen jetzt dieses Problem. Wie lösen sie jetzt dieses Problem?
Daniel: Äh, wie lösen sie das Problem? Also ich hab jetzt so radikale Ideen natürlich, ne? Einfach mal ein Bömbchen aufs Gebäude und dann gucken, was passiert. Dann hat man ganz viele Probleme, die dann national gelöst werden müssen. Und zwar sehr schnell. Aber ich glaube nicht, dass das der Weg ist. Oder einfach mal die Chefs beziehungsweise die ganzen Leute, die beteiligt waren, den Richter, den Chef von der IPASGO, Atombehördenchef und den Carlos, alle in einen Raum, Tür zu und dann gucken, was nach zwei Stunden passiert ist.
Philipp: Es ist viel einfacher als das. Wir stellen einen Wachmann vor die Tür. Dann passiert schon nichts.
Daniel: Natürlich. Ist doch klar. Hätte auch so ein gelbes Atomar-Schild oder so ein T-Shirt hat er. Weißt du, so eine gelbe Warnweste mit so einem Nuklearzeichen drauf. Achtung, es strahlt hier, bitte nicht reingehen. Dann passiert schon nichts.
Philipp: Es strahlt ja nicht, ne? Also das Ding ist ja noch safe, ne? Aber irgendwann, irgendwann muss man sich mal um dieses Thema kümmern.
Daniel: Ja, ja. Ja, ja, aber ich meine so jetzt rein von der, also jeder hat ja Angst, dass was passieren könnte, weil es ja nicht gewartet und rumsteht. Also ich sag mal so, wenn das Schrödingers Cäsium-Gerät ist, ja, da gehe ich davon aus, dass das mehr strahlt, als dass es nicht strahlt.
Philipp: So ist das. Ja. Im Zweifel tu ich das. Und Zweifel schlag ich den Job als Wachmann auch gerne aus.
Daniel: Ja. Oder so eine Blei-Warnweste. So eine schwere Warnweste, weißt du? So ein Bombenentschärfer-Outfit nur mit Blei.
Philipp: Ja. Das Problem ist, ich schlag den Job lieber aus, hat sich auch der Wachmann gedacht und war am 13. September 87 einfach dann nicht da oder war krank oder war jedenfalls nicht da.
Daniel: Ja. Nachvollziehbar. Definitiv nachvollziehbar.
Philipp: Der Weg war also frei für Roberto dos Santos Alves und Wagner Mota Pereira.
Daniel: Warum sagt mir der Name Alves was? Wir hatten doch schon mal einen Alves, oder? Hier Alves Reis.
Philipp: Alves dos Reis.
Daniel: Ja.
Philipp: Ganz genau.
Daniel: Na gut, ich hoffe, ich hoffe, wir fälschen keine Dokumente gleich.
Philipp: Nee, es, also ich spoiler jetzt, aber für das Fälschen von Dokumenten braucht man einen rechten Arm.
Daniel: Oh.
Philipp: Diese beiden, Roberto und Wagner, gehen also rein in die Bude.
Daniel: Mhm.
Philipp: Und gucken mal, was da so rumliegt. Die beiden sind so, sagen wir mal, halb Kriminelle.
Daniel: Urban Explorers.
Philipp: Urban Explorer. Lost Places gucken die sich an.
Daniel: Ja.
Philipp: Jetzt weiß ich endlich, welches Wort ich gesucht habe, denn das ist ein tolles Wort, um Menschen zu beschreiben: Sie kommen aus der Halbwelt.
Daniel: Oh. Ist es, hat die Halbwelt auch eine Halbwertszeit?
Philipp: Ja, bisschen zu viel leider.
Daniel: Ah.
Philipp: Also die beiden Herren aus der Halbwelt, Roberto und Wagner, gehen rein in die Bude und finden so ein Gerät. Eine Cesapan F-3000. Und da sie gerne Altmetall weiterverkaufen…
Daniel: Oh nein.
Philipp: …fangen sie an, das Ding noch vor Ort auseinander zu bauen.
Daniel: Es ist immer das gleiche.
Philipp: Geschichte wiederholt sich.
Daniel: Ja.
Philipp: Und alles, was wertvoll aussieht, legen sie auf eine Schubkarre, auf eine Schub-Schub-Schubkarre.
Daniel: Die Schub-Schub-Schubkarre.
Philipp: Die irgendwo da rumsteht, keine Ahnung, oder ob sie die mitgebracht haben, ich weiß es nicht. Jedenfalls legen sie die auf eine Schubkarre und rollen das Ding zu Roberto nach Hause. Und jetzt, lieber Daniel, sind wir am Heldendumm Point of no Return.
Daniel: Ja, definitiv. Definitiv. Also wenn ich so zurückdenke, ne? Energiequellen, die bewegt werden. Wir hatten die eisige Expedition. Das hat ja, das hat ja vielleicht dem ein oder anderen die Klöten weggestrahlt, aber es war noch, sagen mal, contained. Dann hatten wir David Hain. Ne, nicht David Hain.
Philipp: David Hain.
Daniel: Wie heißt der? David Hahn. Grüße an dieser Stelle.
Philipp: Hahaha.
Daniel: David Hahn hatten wir. Der hat ja die ganze Nachbarschaft verstrahlt.
Philipp: Richtig.
Daniel: Dann hatten wir ja wie gesagt die die letzten Strahleboys aus aus Thailand hatten wir. Die haben ja auch, wie war das mit Stöcken, die irgendwas geleuchtet haben, wenn es verstrahlt war? Ey, das ist ja, also bisher alles, jede Quelle, die sich zumindest ein bisschen bewegt hat, war schon unangenehm.
Philipp: War immer ein Problem, ja. Rufus.
Daniel: Rufus wurde ja nur, wurde ja nicht mal bewegt. Rufus wurde angefasst.
Philipp: Ja, richtig. Das reichte schon.
Daniel: Ja, ja.
Philipp: Ja, Daniel, an dieser Stelle kurzes Ratespiel. Wie viele Menschen wurden zumindest, wurden zumindest Strahlung ausgesetzt und und schwer gefährdet? Ich sag noch keine, noch keine Toten und Verletztenzahlen, aber ich frage, wie viele Menschen zumindest gefährdet waren und im Krankenhaus waren deswegen?
Daniel: Ich müsste nur wissen, ob wir so eine Situation haben wie bei Rufus, dass wir quasi eine, weißt ich stell mir vor, ich stell mir dieses Cäsium, das Cäsium-Ding vor, ja. Wie eine Kugel erstmal. Also kleine, ist eine kleine Ball wahrscheinlich. Und jetzt ist halt die Frage: Ist das so ein 300, haben wir eine 360-Grad-Wirkung oder haben wir eine eine Strahlenwirkung quasi ein, so wie beim beim Rufus war das ja auch der Moment, wo es wo es quasi in eine Richtung hart gestrahlt hat scheinbar.
Philipp: Weißt du, ich stell mir jetzt so einen Ball, der quasi wie so ein wie so ein Laserpointer da aber wie eine Kugel ist und dann in dieser Schubkarre, der so weißt du wie so ein wie so ein Laser.
Daniel: Na, der ist noch, also im Moment ist das Ding noch in einem größeren Teil verpackt. Das ist noch, das ist sehr gut abgeschirmt natürlich. Im Moment strahlt das noch nicht.
Philipp: Ah, okay. Strahlt es während oder nach dem Transport?
Daniel: Durchaus.
Philipp: Gut. Ich sage, einfach aus dem Bauch heraus…
Daniel: Soll ich dir sagen, wie viele Menschen in Goiania wohnen?
Philipp: Oh ja.
Daniel: Zum damaligen Zeitpunkt geht’s auf die Millionen zu. Also wir sind so bei 800.000 oder sowas Menschen.
Philipp: Weißt du, ich hätte jetzt so aus dem Bauch heraus so 7.000 Leute, die es angestrahlt hat, gesagt. Ich erhöhe aber um eine Null hinten dran.
Daniel: 700.000 Leute?
Philipp: Nee, 70.000. 70.000.
Daniel: 70.000. Okay. Die, wir halten die 70.000 mal fest.
Philipp: Ja.
Daniel: Dazu kommen wir noch. Roberto und Wagner bringen die Sachen zu Roberto nach Hause und schrauben ein bisschen dran rum.
Philipp: Ja.
Daniel: Wie man das so macht. Was soll ich sagen? Noch im Laufe des gleichen Abends fangen beide an zu kotzen.
Philipp: Ja, ist ja auch eine anstrengende Arbeit. Also es ist wirklich…
Daniel: Ich möchte übrigens an dieser Stelle einen Kalauer loswerden.
Philipp: Ja, bitte.
Daniel: Wenn Kotzen eine Sportart wäre…
Philipp: Mhm.
Daniel: Könnte man dann einen Rekord brechen?
Philipp: Stark. Könnte man. Definitiv.
Daniel: Es gibt mengen-technisch oder eher entfernungstechnisch? Das ist aber eine wichtige Frage.
Philipp: Es ist ein Wortwitz. Einen Rekord brechen.
Daniel: Ich weiß. Aber dennoch finde ich…
Philipp: Ich finde beides ist wichtig.
Daniel: Beides ist wichtig.
Philipp: Ich fand immer, ich fand immer bemerkenswert so Jackass-mäßig, wo die Leute so baaa einen rausgekotzt, direkt weiter irgendwie wieder den nächsten Hering in die Nase schieben oder sowas.
Daniel: Aquaknarre.
Philipp: Zurück zum Thema.
Daniel: Ja.
Philipp: Roberto und Wagner sind am Kotzen.
Daniel: Ja.
Philipp: Denken sich aber nix dabei.
Daniel: Denken sich generell sehr wenig bei Dingen.
Philipp: Der Hering hat nicht, der war nicht gut.
Daniel: Das denken die tatsächlich am Anfang. Ein Tag später wird Wagner zu Popeye. Denn seine Hand schwillt sehr stark an und bekommt einen starken Sonnenbrand.
Philipp: Hm. Also hat er Hering mit Spinat gegessen.
Daniel: Aber richtig Spinat und das war auch glaube ich das Problem, denn die Hand war dann so stark angeschwollen, dass ihm dann später, da sind wir noch nicht, aber ich greif das mal vor, also später war die Hand dann nicht mehr so ganz intakt. Die musste dann strategisch verkleinert werden, weil Finger abgefallen wären sonst.
Philipp: So Terminator-mäßig.
Daniel: Ja, war nicht schön.
Philipp: Ja.
Daniel: Wagner denkt sich dann: Okay, was mache ich jetzt? Meine Hand ist angeschwollen, ich bin nur noch am Kotzen, ich habe Sonnenbrand. Ich geh mal ins Krankenhaus.
Philipp: Ja immerhin. Also es ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.
Daniel: Was sagt der Arzt?
Philipp: Der Arzt sagt: Der Hering war nicht gut und schickt ihn wieder nach Hause.
Daniel: Das ist exakt korrekt. Das ist exakt korrekt. Diagnose Lebensmittelvergiftung, sie gehen sie bitte nach Hause.
Philipp: Ja, der Arm ist halt allergische Reaktion auf Kotzen. Du hast deinen Arm angekotzt.
Daniel: Säurekotzen.
Philipp: Ja.
Daniel: Es stimmt ja sogar tatsächlich. Roberto war allerdings, ich weiß nicht was, was er für besondere Kräfte hatte, jedenfalls ging es ihm noch ganz okay. Der hat nämlich am übernächsten Tag, wir sind jetzt am 15. September, zwei Tage nach dem Diebstahl, hat er noch ein bisschen weiter an der Kapsel rumgeschraubt.
Philipp: Ja, einer muss ja, show must go on.
Daniel: Schrauben, kotzen, schrauben, kotzen. Und Roberto gelingt es, jetzt tatsächlich den Schwenkkopf des Geräts, also dieses dieses etwas größere Teil, von der Cäsium-Kapsel zu trennen. Das heißt, die Cäsium-Kapsel, dieser runde Ball, ist jetzt allein. Und dabei zieht sich Roberto auch einen sehr, sehr schweren Sonnenbrand am rechten Unterarm zu, einen exorbitant schweren Sonnenbrand sogar. Was ihn trotzdem nicht aufhält und er macht am nächsten Tag weiter. Und er schafft es, ein kleines Loch in diese Kapsel reinzubohren.
Philipp: Ob das die beste Idee war, weiß ich nicht.
Daniel: Ich hab dir ne Frage gestellt am Anfang der Folge. Und Roberto ist fasziniert. Roberto ist hochgradig fasziniert, dass das Innere der Kapsel blau leuchtet.
Philipp: Wo ist die Batterie?
Daniel: Es gibt keine. Das ist ja Wahnsinn.
Philipp: Krass.
Daniel: Die erste Assoziation, die Roberto hat, ist: Das muss ja Schießpulver sein.
Philipp: Hä?
Daniel: Entschuldigung. Entschuldigung. Die erste Assoziation, die Roberto hat, ist: Das muss ja Schießpulver sein.
Philipp: Du, wenn ich, also wenn ich eine Kapsel aufmache, also ich meine, du und ich, wir sind mittlerweile, was das angeht zumindest…
Daniel: Gebranntes Kind.
Philipp: Ey. Ho ho ho, ja. Nee, wir sind zumindest, wir erkennen die Zeichen, ja? Wir erkennen, wir erkennen die Zeichen. Vor allem dieses dicke Orangene. Aber aller spätestens, wenn ich irgendwas aufmache und mir denke: Oh, warum leuchtet’s da drin? Lauf ich.
Daniel: Wieso hab ich seit Tagen Sonnenbrand?
Philipp: Warum hab ich seit Tagen Sonnenbrand? Ja, aber, ne, du weißt was ich meine. Also ich, nein. Also ich hätte mir dann nur “Oh Scheiße” gedacht und dann weiß ich nicht, Jod? Hilft das?
Daniel: Wir kommen gleich noch dazu, wie man sowas behandeln kann.
Philipp: Juhu.
Daniel: Ja, er schaut also da rein und sieht, ja, also er guckt wirklich so, durch so ein ganz kleines Loch guckt er da rein, hält sich das direkt ans Gesicht. Und erblickt ein blaues Leuchten, ein paar Gramm von einem blauen Pulver, zwar ca. 300 Gramm von einem blauen Pulver. Davon waren ca. 93 Gramm Cäsium.
Philipp: Und der Rest Backpulver, wurd gestreckt, ne? Entschuldigung.
Daniel: Ja, also er hält’s für Schießpulver und das was was macht man mit Schießpulver? Man zündet’s natürlich an.
Philipp: Nein. Nein. Nein.
Daniel: Aber das Anzünden führt tatsächlich zu nichts. Cäsium brennt nicht.
Philipp: Ja, ja. Alleine auf die Idee zu kommen. Ich meine, selbst wenn’s Schießpulver ist, sollte man es eigentlich nicht anzünden. Es macht keinen Sinn.
Daniel: Das macht gar keinen Sinn. Vor allem, wenn es konzentriert in einer Kugel drin ist. Was denkt er, das ist so ein Polenböller oder was?
Philipp: Genau, das ist ein Feuerwerk.
Daniel: Ey.
Philipp: Ja, also Roberto stellt fest: Kein Schießpulver, ich weiß sowieso nichts so richtig damit anzufangen, außer ich kotz mich nur noch. Ich verkauf den ganzen Bumser einfach an einen Schrotthändler, wollte ich ja sowieso machen. Und so verkauft er den ganzen Kram am 18. September an einen Schrotthändler namens Devair Alves Ferreira. Im Übrigen, Robertos Geschichte endet hier. Roberto musste der rechte Unterarm abgenommen werden. Aber sonst hat er das überlebt.
Daniel: Oh, ja immerhin. Also ich meine, wenn es sich dort konzentriert hat, ich weiß ja nicht, wie so eine Strahlenkrankheit sich, also wenn, ich dafür, dass wir sehr viel über Strahlen und Strahlenkrankheiten schon gesprochen haben in diesem Podcast, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, wie sich das auswirkt, wenn es quasi lokal irgendwo, weil normalerweise sagt man, du bist verstrahlt, dann bist du verstrahlt, so, ne? So ganzkörperverstrahlt, denk ich zumindest immer. Aber wenn dir so ein Arm jetzt angestrahlt wird, das klingt so falsch.
Philipp: Da geht halt alles kaputt, ne? Wir kommen, deswegen habe ich ein Trigger Warning vorgeschickt. Wir kommen gleich da noch relativ detailliert zu, weil ich finde, das muss man dann der Vollständigkeit halber auch machen.
Daniel: Ja, definitiv. Da freue ich mich schon drauf. Also, so sehr man sich drauf freuen kann.
Philipp: Wir kommen jetzt nämlich zu Devair Alves Ferreira. Und bei Devair ist dann also, die Kacke ist nicht am Dampfen, die Kacke erzeugt also richtig Qualm.
Daniel: Mhm.
Philipp: Und sie leuchtet blau.
Daniel: Aber hallo.
Philipp: Devair nimmt das gerne entgegen, was er da, was er da bekommt. Und jetzt wirklich Thailand-Throwback: Devair guckt abends auf seinen Schrottplatz und sieht was leuchten.
Daniel: Ach du Scheiße. Nicht gut. Nicht gut.
Philipp: Und er denkt, er hätte dem Roberto für einen richtigen Schnäppchenpreis ein ausländisches Artefakt abgekauft. Äh, nicht ein ausländisches, ein außerirdisches Artefakt abgekauft. Weil das was von alleine leuchtet, ohne Licht, ohne Batterie, das hat er noch nie gesehen.
Daniel: Das ist bestimmt ein Kristallschädel. Er muss nur einfach ein bisschen paar hundert Kilometer oder wahrscheinlich 1000 Kilometer einfach nach Nordwesten. Da gibt’s die. Da gibt’s die Kristallschädel. Da beim Manaus oder wie das hieß.
Philipp: Bei Günther.
Daniel: Bei Günther, ja.
Philipp: Also Devair geht abends noch mal raus im Dunkeln, geht noch mal zu dieser Kapsel, guckt sich das an. Komisch, dass das leuchtet. Verstehe ich nicht. Naja. Nehm ich mal mit ins Haus.
Daniel: Oh.
Philipp: Zeig ich mal meiner Familie.
Daniel: Oh.
Philipp: Er zeigt’s der Familie und am nächsten Tag kommt er auf eine Idee, die ihm bis zu seinem Tod sehr, sehr, sehr schwere Depressionen eingebracht hat. Der Mann hat sich wirklich zu Tode gesoffen, weil er, weil er mit dieser Schuld nicht leben konnte. Er ruft am nächsten Tag alle Freunde und Familie an und sagt: Schaut euch das an, ich hab hier was richtig Geiles. Ich hab hier so ein Pulver, das leuchtet von selbst.
Daniel: Wir sind Ende 80er?
Philipp: Wir sind 87. Wir sind ein Jahr nach Tschernobyl.
Daniel: Ah. Weißt du, ich weiß jetzt nicht, ich kenne mich mit den 80ern oder Ende 80ern nicht aus in Brasilien, ja? Ich weiß nicht wie, ja gut, nee, ich habe gerade überlegt, weißt du, man könnte das irgendwie aufnehmen und Kassettenrekorder, weißt du, so, also mit so einem Camcorder und dann die Kassette zu den Leuten bringen. Ich meine, ich glaube spätestens, wenn du das versuchst zu filmen und es ein bisschen krisselt, sollte dir auffallen, dass da irgendwas nicht stimmt.
Philipp: Nein, die Kamera ist kaputt.
Daniel: Ja und es ist ein Alien-Artefakt, das kann natürlich auch. Ja, nee, es ist, es tut mir leid für ihn und alle seine Liebsten.
Philipp: Das Problem ist, es kommen auch alle.
Daniel: Natürlich. Das ist wahrscheinlich ein Event. Ich meine, Philipp, wenn ich dich anrufen würde und sagen würde: Pass auf, ich glaube ein Ufo ist bei mir im Hof abgestürzt. Sind so ein sehr kleines Ufo, weil außerirdische sind halt sehr klein. Die leben auf einem kleinen Planeten, der ist so groß wie Kasachstan.
Philipp: So ausgerechnet Kasachstan.
Daniel: Keine Ahnung. Und das sind kleine Aliens und es ist ein Ufo abgestürzt und ich würde sagen, Philipp, komm mal rum, da würdest du rumkommen.
Philipp: Das stimmt. Das ist richtig.
Daniel: Das ist richtig. Was ich nicht machen würde, ist wahrscheinlich, ich würde mir aus dem Raumschiff nicht das leuchtende blaue Pulver auch noch mit nach Hause nehmen, weil das haben auch viele gemacht.
Philipp: Aber es leuchtet ja schön.
Daniel: Ja.
Philipp: Jeder nimmt sich ein bisschen von dem kleinen Pulver mit. Es wird eine große Feier gefeiert. Am nächsten Tag liegen alle komplett flach. Alle sind am Kotzen. Alle haben Durchfall wie Sau. Allen geht es schlecht. Und auch Devairs Frau Maria Gabriela. Und Maria Gabriela, das ist dann jetzt dann doch endlich mal die Heldin der Geschichte. Es gibt sie, die die eine Heldin. Aber noch ist sie es nicht. Noch geht’s ihr auch nur schlecht wie allen anderen auch. Wir haben jetzt den 24. September. Also seit dem Diebstahl sind jetzt 11 Tage vergangen. Die Kapsel ist durch verschiedene Hände gegangen. Das Pulver ist durch verschiedene Hände gegangen, auch im durchaus durch diverse Stadtviertel. Und es wird gearbeitet auf dem Schrottplatz ganz normal. Und Admilson und Israel, Admilson Alves de Souza und Israel Batista dos Santos, zwei Mitarbeiter von Devair, arbeiten an dieser Kapsel und wollen, ich weiß gar nicht, was sie noch wollen, weil so spannend ist es nun auch wieder nicht. Und und sind da dran am hantieren. Und da kommt Devairs Bruder rein und zwar Ivo. Und Ivo holt sich noch mal den Rest von dem Pulver, das da drin ist, ab.
Daniel: Natürlich.
Philipp: Denn Ivo ist auf eine extrem beschissene Idee gekommen.
Daniel: Lass mich raten, kleine Ampullen nehmen, ein bisschen Pulver reinmachen und dann verkaufen auf dem, weiß ich, auf dem Markt.
Philipp: Ich reiß das jetzt nur mal an, ja, weil das ist wirklich tragisch. Ivo kommt nach Hause. Pulver ist Pulver, rieselt ihm irgendwie aus der Hand, fällt auf den Boden. Kind sitzt auf Boden und isst Ei. Kind findet dieses lustige blaue Pulver interessant, reibt sich damit ein. Kind tot. Mutter schwer verstrahlt.
Daniel: Scheiße. Fuck. Ja.
Philipp: Das gesamte Pulver ist jetzt in verschiedenen Stadtteilen von Goiania verteilt. Und diese 300 Gramm sind jetzt an verschiedensten Orten und die Menschen sind ja, die sterben ja nicht sofort, sondern denen geht’s ja dann wirklich auch extrem schlecht. Aber so richtig kann kann sich keiner einen Reim darauf machen. Devair sagt: Gut, Zauberpulver ist ja jetzt raus aus dieser Kapsel, da kann ich die Kapsel ja auch weiterverkaufen, ist ja nicht mehr so wichtig. Verkauft sie an den nächsten Schrotthändler. Mittlerweile ist aber seiner Frau Maria etwas aufgefallen. Nämlich, dass alle Menschen, die irgendwie dieses Pulver sich mitgenommen haben, dass die die sind, denen es besonders schlecht geht.
Daniel: Ja, die haben die Alien-Krankheit.
Philipp: Die haben die haben so eine ganz komische, kriegen alle Sonnenbrand und sowas, ist ganz komisch. Und Maria kommt auf die Idee: Pass auf, vielleicht hängt das mit diesem Pulver zusammen und in dieser Kapsel und mit dieser Kapsel in der das Pulver drin war. Maria, als erste Person, die scheinbar sowas wie einen Verstand besitzt, kümmert sich jetzt. Als erste Person in dieser Geschichte kümmert sie sich wirklich.
Daniel: Ja.
Philipp: Und geht am 28. September, also über zwei Wochen nach dem Diebstahl, zu dem Schrotthändler, an den ihr Mann die Kapsel verkauft hat, packt sie in einen Sack. Gut, sie setzt sich dann damit in den Bus.
Daniel: Aber sie wusste es nicht besser.
Philipp: Ja natürlich. Und fährt ins Krankenhaus. Und läuft mit diesem radioaktiven Sack durchs Krankenhaus.
Daniel: Nein. Nein.
Philipp: Und dann bleibt, dann sitzt sie da im Wartezimmer mit diesem Sack und so weiter, wartet bis der Arzt Zeit für sie hat. Und der sagt ihr dann: Das ist eine sehr starke radioaktive Quelle, die sie da haben. Das wir wir schmeißen das Ding hier sofort aus dem Fenster in so einen Hinterhof, wo da keiner auch hinkommt. Also abgesperrt, ne?
Daniel: Ja.
Philipp: Stellt er weg. Und informiert umgehend alle notwendigen Behörden. Nach 13 Tagen. Und es geht den Leuten teilweise jetzt schon einfach extrem schlecht. Und sofort wird sofort werden Alarme ausgelöst. Die die Notfallmechanismen greifen in der Stadt. Und der gesamte Rundfunk verbreitet radioaktive Kontamination. Wenn sie Symptome haben, kommen sie sofort, gehen sie sofort in ein Krankenhaus und lassen sie das Pulver zu Hause.
Daniel: Und lassen sie das Pulver zu Hause und sorgen sie dafür, dass sie sich von sowas fernhalten.
Philipp: Ja. Du hast 70.000 geschätzt, ne?
Daniel: Ja.
Philipp: In den Krankenhäusern von Goiania werden in den nächsten Tagen 130.000 Personen vorstellig.
Daniel: Ach du Scheiße. Wahrscheinlich auch nur mit kleinsten Symptomen, ne?
Philipp: Also da sind sehr viele Menschen dabei, die nichts hatten. Ernsthaft verstrahlt, mit einem ernsthaften gefährlichen Wert verstrahlt, waren am Ende 249 Personen.
Daniel: Ja, 249 zu viel.
Philipp: 12 von denen mussten länger behandelt werden. Wobei man auch sagen muss, dass viele Tausend gar nicht richtig getestet werden konnten, weil man, und das ist eine wahre Begebenheit, weil man die Geigerzähler, die genutzt werden sollten, um die Leute zu messen quasi, die wurden von einem Mitarbeiter einer Geigerzähler-Firma wahrscheinlich mit dem Bus dorthin gebracht in dieses Krankenhaus. Und es war der gleiche Bus, in dem die Frau saß mit dem Sack.
Daniel: Nee.
Philipp: Und dort schlug der Geigerzähler so extrem aus in diesem Bus, dass die gesagt haben: Leute, das Ding ist kaputt, das können wir nicht verwenden.
Daniel: Ja natürlich, klar. Ja, wäre auch mein erster Gedanke. Klar, natürlich. Wenn du da…
Philipp: Ja. So, das heißt, da wurden da wurde da wurden tausende Messergebnisse komplett falsch interpretiert, weil gesagt wurde: Das Ding ist doch Schrott.
Daniel: Ey, wie also, es ist echt eine Verkettung von beschissenen Umständen, ne? Also wirklich anders kann man es nicht sagen.
Philipp: Ja. In den nächsten Tagen werden dann die Menschen behandelt. Und bevor wir jetzt quasi zum Aftermath quasi kommen…
Daniel: Mhm.
Philipp: Einmal ganz kurz. Also 250 Leute wurden ernsthaft verstrahlt, 12 wurden verletzt, 4 sind gestorben. Das ist vergleichsweise wenig eigentlich.
Daniel: Ja.
Philipp: Aber tatsächlich gibt es noch gibt es noch Langzeitschäden. Dazu komme ich gleich.
Daniel: Mhm.
Philipp: Einmal ganz kurz, um das Ding für die Juristen zu Ende aufzurollen. Natürlich wurde das alles vor Gericht noch geklärt. Die Atombehörde musste eine Million Real als Kompensation bezahlen. Heute ungefähr 162.000 Euro.
Daniel: Ja. A ist das nichts und B, was will dir, also ganz ehrlich, Geld wird dir deine Niere nicht wieder zurückgeben oder was auch immer du verloren hast dabei.
Philipp: Dazu kommen wir noch.
Daniel: Ja.
Philipp: Die IPASGO musste 100.000 Real bezahlen. Das IGR wurde freigesprochen, weil sie ja wirklich versucht haben, was zu tun.
Daniel: Ja.
Philipp: Aber der für die Bestrahlungsgeräte zuständige Mitarbeiter und einer der anderen Besitzer mussten jeweils 100.000 Real zahlen, weil sie sich nicht gut genug um das verfallene Gebäude und um diese Sache gekümmert hatten. Grundsätzlich wurde das IGR aber freigesprochen, weil sie zumindest versucht haben, was zu tun.
Daniel: Ja, ja, klar.
Philipp: Wir sind jetzt bei den bei den Menschen, die die gestorben sind. Ich habe gerade von den beiden Mitarbeitern von Devair erzählt, das sind Admilson und Israel. Sie sterben an den hohen Strahlendosen. Das Kind von Ivo ist gestorben. Und tatsächlich auch Maria, die Frau, die dafür gesorgt hat, dass das Ganze überhaupt erst aufgeklärt worden ist, und so Mini-Heldin.
Daniel: Ja gut, wenn sie das Ding mit dabei hatte und sich wahrscheinlich ‘ne volle Dosis abgeholt hat in dem Bus.
Philipp: Das war, also die ist einen Monat später gestorben und das muss ganz extrem schlimm gewesen sein. Also die Rede ist davon, dass sie alle Haare verloren hat, dauerhaft Durchfall hatte, dass sie aus den Augen geblutet hat und schließlich an einem und auch im Kopf nicht mehr klar war, völlig verwirrt und am Ende an einem Nierenversagen gestorben ist. Nach einem Monat. Es muss ein ganz schlimmer Monat gewesen sein. Und Devair, der Schrotthändler, der hat das Ganze überlebt tatsächlich. Der hat am Ende eine Strahlung von 7 Gray aufgenommen. Bei 4 stirbt man üblicherweise, wird so gesagt.
Daniel: Krass.
Philipp: Er stirbt 7 Jahre später erst. Ich habe das schon erzählt: schwere Alkoholkrankheit, schwere Depression. Stirbt an einer Leberzirrhose. Und verständlicherweise, weil er quasi für für 130.000 zumindest angeschlagene Personen und für für 4 Todesfälle verantwortlich ist. Also der stirbt 1994 dann. Und damit aber nicht genug, denn der der Personenschaden ist nicht der einzige Schaden, der entstanden ist, sondern darüber hinaus sind auch noch große Schäden an in der Stadt einfach entstanden. Also es gibt mehrere Orte, wo die Häuser komplett abgerissen worden sind. Auf dem Schrottplatz beispielsweise wurde die oberste Bodenschicht komplett weggenommen. Das heißt, man hat sogar das, wo das drauflag, hat man wegen Kontamination alles weggenommen.
Daniel: Ja, natürlich.
Philipp: Man hat Leute gehabt von der Atombehörde, die durch die Häuser gegangen sind, alles, alle Gegenstände in einem gewissen Umkreis genommen haben, in Kisten gepackt haben und weggefahren haben. Es gibt eine eigene riesige Deponie, den Parque Estadual Telma Ortegal, 166 Hektar groß.
Daniel: Ach du Scheiße.
Philipp: Wo nur Abfall von diesem Vorfall liegt.
Daniel: Der ist in der Stadt der Park, ja? Also diese diese Deponie?
Philipp: Diese diese Deponie ist ein bisschen außerhalb. Die ist im Dorf Abadia de Goias, das ist ein bisschen westlich der Stadt, südwestlich der Stadt. Aber ja, in der Nähe. Man hat also auch viele Habseligkeiten von den Leuten, die da wohnten, weggenommen, einfach weil man gesagt hat: Das kann hier nicht bleiben, das ist potenziell verstrahlt. Und man hat zum ersten Mal im großen Stil versucht, alle radioaktiven Schäden zu beseitigen. Denn man wusste nicht, was man anderes tun sollte, weil man ist ja in einer Millionenstadt.
Daniel: Ja, klar.
Philipp: Und dann hat man den gesamten Staub, den es überall gab, hat man alles mit Staubsaugern weggesaugt. Man hat alle Rohrleitungen auf Radioaktivität untersucht, weil wenn nur eine Person das im im Waschbecken runtergespült hat, ist das komplette Wasser verseucht der ganzen Stadt.
Daniel: Ja und vor allem, du wirst dir ja Hände waschen irgendwie irgendwann.
Philipp: Ja, genau. Richtig.
Daniel: Also die Wahrscheinlichkeit, dass da irgendwas ins Wasser kommt, ist eigentlich zu 100 Prozent, ne?
Philipp: Es war am Ende nicht ganz so extrem viel, aber tatsächlich wurden da ganz ganz viele Sachen gemacht. Man hat da versucht, das die Sachen mit Lauge zu binden und man hat vor allem Berliner Blau eingesetzt. Und da komme ich jetzt wieder zum Blau. Berliner Blau ist ein Stoff, der durch seine durch seine Beschaffenheit und durch seine Farbe Radioaktivität aufnimmt, insbesondere von Cäsium ausgestrahlte Radioaktivität aufnimmt und bindet.
Daniel: Okay, verstehe.
Philipp: Also ein Bindemittel quasi.
Daniel: Aha.
Philipp: Wie Sand bei Öl.
Daniel: Ja, ja, ja, ja, ja.
Philipp: Und das wurde ganz vielen Menschen gegeben und damit wurden auch Hauswände angestrichen und sowas, um quasi Cäsium zu binden.
Daniel: Lustig, das erinnert mich so ein bisschen an, was war das, dritte Staffel glaube ich oder vierte Staffel, vierte Staffel. Erinnerst du dich an Piraten wie wir an die Stadt, wo diese Piratenkönigin da irgendwo in, war das Marokko? Nee nicht Marokko, irgendwo da in der Gegend war. Und da gab’s ja diese Stadt, die komplett blau war, weil man ja damit quasi die bösen Mächte abwehren wollte, die die die dunklen Mächte abwehren wollte. Und das ist ja quasi sehr ähnlich irgendwie. Also gleicher Ansatz für zwei verschiedenen unsichtbaren Problemen.
Philipp: Das ist richtig. Es ist ein sehr unsichtbares Problem, ja.
Daniel: Ja.
Philipp: Und das das ist tatsächlich auch der Schlussstrich. Der Unfall von Goiania ist nach wie vor der größte zivile Unfall mit nuklearen Stoffen. Also es ist gab nie einen größeren nuklearen Unfall außerhalb von einem Kraftwerk oder halt von einer Bombe. Und tatsächlich ist es so, dass die das heute die radioaktive Konzentration in der Region zwar auf normalem Niveau ist, aber bis heute sterben in der Region selbst mehr Menschen an Krebs als in den anderen Regionen Brasiliens. Also die Langzeitschäden sind auch 40 Jahre später noch spürbar.
Daniel: Ja, heftig. Also du wie du schon sagtest, ne, es ist Thailand war ein Fliegenschiss.
Philipp: Es ist leider so. Ich hätte mir auch gewünscht, dass die Geschichte schöner ausgeht. Das tut sie aber leider nicht. Aber die Lektion die die Moral von der Geschicht: Hantiert mit radioaktiven Geräten nicht.
Daniel: Und vor allem mit blauem Licht.
Philipp: Oh, oh. In der Tat.
Daniel: Aber das blaue Licht wird ja glaube ich in Rambo 3 auch gar nicht verwendet.
Philipp: Ja, vielleicht im Director’s Cut. Aber aber zumindest nicht im Film selbst. Und das kann ich nur empfehlen.
Daniel: Ja, Philipp, eine eine ganz schlimme Geschichte war das.
Philipp: Ich weiß, ich weiß.
Daniel: Eine ganz ganz ganz schlimme Geschichte. Wir haben ja, wir haben ja spontan gerade eben vor der Aufnahme noch entschieden, dass ich auch noch mal eine machen darf. Ich wusste jetzt nicht, dass es auf so ner Note enden wird. Also du hast es natürlich schon so ein bisschen angekündigt, aber dennoch werde ich mich jetzt mal auf die Recherche machen, um mal eben noch mal eine eine noch radioaktivere Story wird’s für dich werden, aber vielleicht kriege ich noch ein bisschen bisschen Leichtigkeit in das nukleare Desaster rein, weißt du? Das kriegen wir vielleicht hin.
Philipp: Ich finde schön, dass wir dass wir diese Folge beenden mit “Wir brauchen mehr Leichtigkeit im nuklearen Desaster”, da bin ich auch dafür.
Daniel: Danke schön auf jeden Fall für die für die Story. Wie gesagt, ganz ganz ganz schlimme Geschichte. Wir hatten schon schlimme Geschichten, aber die ist, ich sag mal so, die ist weniger persönlich, aber trotzdem dennoch sehr sehr schlimm als so jetzt so andere schlimme Geschichten, die wir hatten.
Philipp: Ja, das ist wahr.
Daniel: Es ist, nee, macht keinen Spaß, glaube ich. Vor allem, wenn du jetzt einer von diesen, was waren das 200 irgendwas Leute hast du gesagt, die jetzt 249. 249 Leute, die ordentlich verstrahlt worden sind, da sind ganz sicher irgendwie, weiß nicht, 180 Leute, die nichts damit zu tun hatten. Da ist einer zur Arbeit mit dem Bus gefahren, der andere war der Nachbar von dem Schrottplatz.
Philipp: Ja klar.
Daniel: Und dann sitzt du da, fängst an zu kotzen, dein Arm wird braun. Das ist unangenehm. Und wie gesagt, wenn man’s so irgendwie mit wenn man sich ein bisschen blau anmalen kann und dann wird’s die Kontamination wird dann quasi gebunden, unterbunden, dann ist ja gut, aber unschön, Philipp, unschön.
Philipp: Unschön. Unschön, unschön, unschön. Nicht nachmachen.
Daniel: Bitte nicht. Und wie gesagt, in drei Wochen versuchen wir’s ein bisschen angenehmer zu gestalten, die nukleare Verseuchung.
Philipp: Also, auf bald.
Daniel: Bis denne.
