Transkript zur Episode: Good Guy Hermann
Daniel: Hallo Philipp.
Philipp: Hallo Daniel.
Daniel: Philipp, wie versprochen machen wir heute noch mal so eine nukleare Ehrenrunde.
Philipp: Die nukleare Ehrenrunde. Ich freue mich.
Daniel: Du hattest ja selbst gesagt, deine letzte Episode war so ein bisschen auf so einer dunklen und traurigen Note hat sie da geendet.
Philipp: Es war ein Downer zum Ende.
Daniel: Ja, es war ein Downer. Aber ich habe mir gedacht, was ist denn schöner und bringt uns mehr zum Strahlen als, sagen wir mal, eine Geschichte, die quasi fast vor der Haustür stattgefunden hat.
Philipp: Oha, da bin ich natürlich sehr, sehr für zu haben.
Daniel: Das Ding ist, Strahlen und direkt vor der Haustür ist immer so eine Konstellation.
Philipp: Das ist gefährlich.
Daniel: Das ist gefährlich, ne? Deswegen an dieser Stelle liebe Grüße an den Wolfgang von Digitale Anomalien, denn wir gehen nicht vor unsere Haustür, sondern vor seine. Sicherheitsabstand.
Philipp: Bisschen Sicherheitsabstand, ja. Ist auch immer ganz hilfreich. Das heißt, wir sind nicht in NRW.
Daniel: Nee, wir sind in Karlsruhe unterwegs. Und zwar, also wir sind in Baden-Württemberg unterwegs und wir sind auch ein bisschen Rheinland-Pfalz unterwegs heute. Also wir sind schon ein bisschen…
Philipp: Im klassischen Westdeutschland.
Daniel: Genau, genau. Genau, und deswegen machen wir heute erst mal einen Abstecher nach 76831 Eschbach.
Philipp: Eschbach. Ist mir nicht bekannt, aber es klingt schon nach Baden-Württemberg ein Stück weit.
Daniel: Es ist Rheinland-Pfalz. Es ist tatsächlich 30 Kilometer Luftlinie westlich von Karlsruhe. Und Karlsruhe ist ja quasi an der Grenze, da wo der Rhein entlang geht.
Philipp: Ah ja. hm.
Daniel: Da gehen wir heute hin. Wie gesagt, wir werden uns da in dem Grenzbereich so zwischen Karlsruhe und Eschbach, zwischen BaWü und Rheinland-Pfalz da unterwegs irgendwo da bewegen. Aber fangen wir erst mal mit dir an. Du bist geboren wahrscheinlich im Jahr 1954.
Philipp: Oh, das ist aber ein spätes Geburtsdatum, um das nicht zu wissen.
Daniel: Das ist richtig. Dein genaues Geburtsdatum, dein Geburtsort und auch dein Name sind nicht so ganz klar.
Philipp: Oha. Oha.
Daniel: Weil diese Informationen in allen Artikeln, die ich gefunden habe, oder zumindest in den meisten, durch die Presse geändert worden sind.
Philipp: Verstehe. Ich bin also im Zeugenschutz.
Daniel: Nicht ganz. Also du wirst geschützt, aber nicht, weil du ja…
Philipp: Also ich werde anonymisiert.
Daniel: Du bist anonymisiert. Genau, das ist der richtige Begriff dafür. In vielen Quellen wird dein Name geändert. Es gibt aber mehrere Quellen, die dich Herr M. nennen. Einfach Herr M Punkt. Und die Zeitungsartikel, die ich gefunden habe, haben daraus Hermann gemacht. Also bist du heute Hermann.
Philipp: Hahaha. Ja, fantastisch. Was darf ich tun? Darf ich das Mittelmeer trockenlegen? Darf ich mir eine 14-Jährige kaufen in Ägypten? Ich bin für alles offen.
Daniel: Das solltest du auch sein. Es wird heute spannend. Es wird, es wird ja, es wird spannend. Ich bleibe bei spannend.
Philipp: Gut, ich dann bleibe ich auch dabei. 54 geboren, Hermann. Damit kann ich arbeiten. Ich kenne sehr viele Leute, die genau diesem Typus entsprechen.
Daniel: Also, wir nehmen einfach mal an, dass du auch in Eschbach geboren bist. Und dass du auch deine Kindheit dort verbracht hast und dass du deine Jugend dort verbracht hast.
Philipp: Das kann man jetzt nicht sehen. Philipp hat sich gerade auf die Brust geklopft und Peacezeichen gemacht. Eschbach meine Hood.
Daniel: Eschbach meine Hood, genau. Du bist ein Eschbacher durch und durch.
Philipp: Mein Block.
Daniel: Was wir wissen ist, dass du eine Bäckerlehre genossen hast.
Philipp: Oh, also ich bin Frühaufsteher.
Daniel: Jawohl. Und dass du dich am Ende dieser Lehre auch irgendwann mal Bäckermeister schimpfen darfst.
Philipp: Mm, der teigige Hermann.
Daniel: Der teigige Hermann, genau. Und der teigige Hermann, der übt diesen Beruf auch vermutlich sehr lange aus. Also mindestens in die 1990er hinein. Also quasi da bist du fast oder vielleicht sogar schon über die 40. Also um die 40 herum.
Philipp: Ja, aber das ist ja doch schon mal ein ganz gutes Alter. Soweit muss man es erst mal schaffen.
Daniel: Ja, ja. Was du auch schaffst, ist eine Frau kennenzulernen.
Philipp: Auch das muss man erst mal schaffen.
Daniel: Wir wissen nicht, wie viel, also wie gut es, sagen wir mal in den 40 Jahren geklappt hat. Wir wissen nur, dass entweder in den 90ern oder Ende 80er lernst du eine Frau kennen, die, sagen wir mal, die bereits schon auch ihre Beziehung hinter sich hat.
Philipp: Mmhm.
Daniel: Es gibt keinen Namen für sie, sie wird Frau E genannt, deswegen darfst du jetzt einen Namen für sie aussuchen.
Philipp: Oh, mit E? Frauen Vornamen mit E? Oder Nachname?
Daniel: Ich weiß es nicht. Frau E.
Philipp: Äh, äh, ja Eber ist natürlich scheiße.
Daniel: War auch ein Kanonenboot.
Philipp: Das will man nicht. Also sage ich äh, Frau Eck.
Daniel: Frau Eck. Mach mal vielleicht einen Vornamen draus, ist vielleicht einfacher.
Philipp: Okay, dann nenne ich sie, was gibt es denn für Frauenvornamen mit E? Evelyn.
Daniel: Evelyn. Okay, dann bist du der Hermann.
Philipp: So heißt meine Mutter. Grüße an dieser Stelle.
Daniel: Grüße an die Evelyn. Genau. Und Evelyn hat eine Tochter aus einer früheren Beziehung. Und ja, dir macht das nichts aus, ihr lernt euch kennen, alles cool.
Philipp: Ist okay.
Daniel: Ihr plant erst mal auch nicht zu heiraten, wohnt vorerst getrennt voneinander, aber seid sehr glücklich damit, wie es läuft.
Philipp: Das ist doch, das ist also ein sympathisches Leben. Es ist ein einfaches, simple life.
Daniel: Simple Life, richtig. Ihre Tochter ist übrigens schon so alt, dass sie auch eine eigene Wohnung hat und quasi alleine auch schon arbeiten geht und so weiter. Das heißt, es ist eigentlich, also du siehst deine Freundin, Lebensgefährtin steht da in den meisten Artikeln später, ganz oft und die Tochter siehst du halt immer wieder mal und das ist halt schon irgendwie so eine Patchwork Family. Es funktioniert.
Philipp: Es funktioniert, sehr gut.
Daniel: Was aber nicht funktioniert und dich nicht glücklich macht oder nicht mehr glücklich macht, ist dein Job.
Philipp: Der Bäckerjob.
Daniel: Weißt du, du wolltest ganz große Brötchen backen wahrscheinlich. Hat vielleicht nicht ganz geklappt.
Philipp: Ich backe ungern. Es sind kleine Brötchen geworden.
Daniel: Es sind kleine Brötchen geworden. Und wir wissen, dass du diesen Job dann irgendwann mal nicht mehr ausübst. Und wir wissen nicht warum, ob du gekündigt hast, ob du gekündigt worden bist, vielleicht wegen Krankheit, was auch immer. Wir wissen nur, dass du dich nach etwas Neuem umschaust. Und vielleicht etwas, wo du bisschen mehr Geld verdienen könntest, vielleicht etwas, wo du bisschen mehr Verantwortung für was Größeres tragen könntest. Und vielleicht irgendwas, was nicht in Eschbach ist, sondern vielleicht wenn du irgendwie Richtung Karlsruhe guckst, ne? Nächste große Stadt.
Philipp: Ja, ich meine, das ist ja, manchmal ist ja kommt ja Wechselstimmung auf, dann ist auch einfach Zeit für etwas Neues und dann muss man gucken, was sind die Optionen und wenn man nicht mehr Bäcker sein will, was man gelernt hat, dann muss man ja irgendwo hin, wo man sagt, das kann ich mir vorstellen und das kann sich auch vielleicht das Unternehmen vorstellen, einen Bäcker einzustellen, der ja nicht mehr als Bäcker arbeiten will.
Daniel: Genau. Du könntest ja ein ganz klassischer Quereinsteiger sein, egal was für eine Branche es am Ende des Tages ist.
Philipp: Ja.
Daniel: Vielleicht liest du Zeitung, vielleicht fragst du Freunde und du entscheidest dich irgendwann mal bei einer Firma aus Speyer zu bewerben. Speyer ist da auch irgendwo in der Gegend, so nordöstlich von Karlsruhe, glaube ich oder nördlich von Karlsruhe ist es glaube ich sogar. Jedenfalls ist es alles, sagen wir mal, die gleiche Ecke.
Philipp: Auch am Rhein, ne? Glaube ich.
Daniel: Ja ja. Und die Firma in Speyer, die macht laut eigener Aussage Rückbauarbeiten.
Philipp: Das heißt, die reißen Dinge ab.
Daniel: Sie reißen Dinge ab, beziehungsweise auch gehen in bestimmte Gebäude rein und sagen wir mal, räumen vorher auf und reißen dann später ab. Also es ist schon ein ein…
Philipp: Gehen die in Gebäude rein, wo Bestrahlungsgeräte stehen? Um zwei bisherige Heldendumm-Folgen zu referenzieren an dieser Stelle. Eine davon könnte unter Umständen noch gar nicht so lange her sein.
Daniel: Also die Firma, bei der du dich vorstellst, die machen alles. Also die gehen überall rein. Denen ist das egal, die sind Subunternehmer. Die werden quasi beauftragt: pass auf, wir haben hier Gebäude X, geh da mal rein, mach mal weg.
Philipp: Also eine Wemsbude.
Daniel: Eine Wemsbude. Quasi Rage Room Produktion.
Philipp: Rage Room, aber bezahlt.
Daniel: Genau. Nein, und die, wie gesagt, die machen alles. Wenn es einen Auftrag gibt, die informieren sich, wie sie da rein gehen sollten, was für Sicherheitsmaßnahmen wichtig wären und machen den Bums dann.
Philipp: Wemsen.
Daniel: 1996 wirst du auch eingestellt, so zum Jahresende ungefähr. Und du wirst eingearbeitet, weil du bist ja vorher Bäcker gewesen, aber du bist ja offen für Neues und du bist bereit für Neues und ja, man arbeitet dich ein und du darfst demnächst schon bald an deinem ersten großen Projekt mitarbeiten.
Philipp: Ich finde das schön, wie das so betitelt wird, als ob es nicht einfach wäre, trag Sachen da raus und schmeiß sie in LKW. Weil wenn du nicht eine hochspezialisierte Entsorgungsbude bist, ist es genau das.
Daniel: Ja, aber die schimpfen sich hochspezialisierte Entsorgungsbude.
Philipp: Ah okay, es ist eine hochspezialisierte Entsorgungsbude. Oder tun sie nur so.
Daniel: Also sie definieren sich als das.
Philipp: Sie sind teurer als die anderen, weil sie das sagen, aber sie machen das gleiche.
Daniel: Nein, ich glaube tatsächlich, also so wie ich das jetzt verstanden habe, sind sie schon, ich sag mal so, sie sind nicht die oberste Premium-Liga, aber schon gut und teuer.
Philipp: Verstehe. Also es sind also da arbeiten Leute, wo man sagt, die können schon noch unterscheiden: ist das Sperrmüll oder gehört das noch wem.
Daniel: Genau. Die schmeißen nicht einfach alles weg. Und offensichtlich arbeiten da auch Leute, die Brötchen backen können.
Philipp: Verstehe. Wenn auch nur ganz kleine.
Daniel: Genau. So und in meiner groben Vorstellung sieht es halt so aus, dass du quasi in Eschbach morgens aufstehst, du fährst morgens nach Speyer, da steigst du in so einen, weiß ich nicht, so einen alten VW-Transporter aus den 90ern ein und ihr fahrt dann über den Rhein einmal auf die Landstraße und na runter nach Karlsruhe. Und dort angekommen steigst du aus und du stehst vor einem Gebäude. Und ich schick dir einfach mal ein Bild und du beschreibst das, ja?
Philipp: Ja. Ja, ich würde sagen, wir befinden uns an einem Ort, der, also das Wort Industriekomplex ist erfunden worden, um dieses Bild zu beschreiben. Also wir haben hier, wir haben hier so so ich würde sagen Morgendämmerung und es ist aber schon Licht an, also noch Licht an, aber es ist noch nicht hell genug, es ist so ein bisschen Morgendämmerung, so wie man sich so einen Sommermorgen um 5:30 Uhr oder so vorstellt. Und wir haben einen Industriekomplex irgendeiner Art und Weise. Wir haben vorne eine große Mauer mit Stacheldraht und allem drum und dran, mit einem fetten Tor und einer Überwachungskamera. Und dahinter ist halt das, ja ist halt große Industriegebäude. Hallen, Hallen sind dort. Mehrere Hallen, ein Turm ist da und vorne vorgelagert sind so ein paar kleine ja Container oder sowas, da brennt auch schon Licht. Also ich würde sagen, das könnte von der Fabrik von, ich weiß et nicht, Ültje, bis hin zu Coca Cola Abfülleinrichtungen oder einer Härterei oder einer Galvanik, das kann alles sein.
Daniel: Also quasi im Großen und Ganzen ein großes gelbes Feld bei SimCity.
Philipp: Exakt. Es ist generischer Industriebetrieb 4.
Daniel: Gut. Was du vor dir siehst, ist die Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe. Kurz WAK.
Philipp: Wiederaufbereitungsanlage. Was bereiten die denn auf? Brennstäbe?
Daniel: Unter anderem.
Philipp: Ja, ich hab mir sowas gedacht.
Daniel: In den 60ern taten sich unterschiedliche Unternehmen aus dem Chemie- und Kerntechnikbereich zusammen und die wollten diesen ganzen nuklearen Brennstoffkreislauf schließen, so dass quasi auch sinnvoll mit dem Abfall umgegangen wird. Und da gibt es ja genug Abfall, wenn man jetzt egal in welche Richtung quasi in Chemie und Kerntechnik unterwegs ist. Und der Chemieindustrie wurde das aber ein bisschen zu heikel und die sind dann aus diesem Projekt raus. Und dann gab’s das Kernforschungszentrum Karlsruhe und die haben die Führung übernommen und haben diese Anlage bauen lassen. Und zwar in den Ende 60er ging das Ding in den Bau und 1971 ist sie in Betrieb gegangen und hat im Endeffekt Dinge, die das Kernforschungszentrum sich ausgedacht hat, umgesetzt und ausprobiert.
Philipp: Dinge, die das Kernforschungszentrum sich ausgedacht hat, umgesetzt und ausprobiert. Wie habe ich das denn jetzt zu verstehen? Ist das so eine Rufus-Nummer oder?
Daniel: Also ich sag mal so, als ich das gelesen hatte, da hatte ich auf jeden Fall das Intro, nicht das Intro, aber sozusagen das erste Level von Half-Life 1 im Kopf. Weil da wurden nämlich auch Dinge vom Forschungsteam ausprobiert und umgesetzt.
Philipp: Ja, richtig, richtig.
Daniel: Das endete natürlich mit einem interdimensionalen Desaster. Das ist zum Glück hier nicht passiert.
Philipp: “Gordon Freeman!” Bitte bitte verlinken übrigens Half-Life in 60 seconds.
Daniel: Nein, hier wird im Endeffekt tatsächlich, man sagt, okay, wir haben jetzt irgendwelche nuklearen Brennstäbe, die möchten wir weiterverarbeiten sozusagen, also schon verbrannte Brennstäbe und generell nuklearen Abfall. Was kann man denn damit alles machen? Wie kann man diesen Kreislauf schließen und irgendwas sinnvolles draus machen, dass wir nicht irgendwie eine riesige Atommüllkippe produzieren müssen, wo wir das alles hinschmeißen, dann strahlt’s vor sich hin, sondern dass wir irgendwas sinnvolles machen.
Philipp: Verstehe.
Daniel: Und das ist im Endeffekt dann eine Art von Forschungszentrum, aber auch nicht, weil das Forschungszentrum quasi das Gebäude daneben ist. Die schieben quasi ihre Ideen zum WAK und dort wird ja ausprobiert, ob das was bringt.
Philipp: Okay, also man versucht mittels Technik irgendwie dafür zu sorgen, dass nicht alles, was nuklear irgendwie verbraucht wird, direkt Abfall wird, sondern ob man das halt wieder aufbereiten kann. Man macht so ein bisschen Recycling.
Daniel: Genau. Recycling trifft es ganz gut. Das hat man dann so gemacht bis in die späten 80er. Und in Bayern hat man auch eine Wiederaufbereitungsanlage eröffnen wollen, 1985 ging die in Bau, aber dann gab’s massive Proteste und 1989 wurde der, also quasi die bayerische Anlage wieder eingestellt und und und und dicht gemacht. Und dann hat man in Karlsruhe da, wie gesagt, rüber nach Bayern geguckt, hat sich gedacht: Puh, ey, wenn die schon in Bayern so einen Stress gemacht haben, die kommen auch zu uns irgendwann mal rüber.
Philipp: Mmhm.
Daniel: Und na ja, dann hat man sich irgendwann mal entschieden, ja okay, wir haben jetzt viel versucht, viel gemacht, bisschen was erforscht, bisschen was Neues herausgefunden. Aber zum 31. Dezember 1990 sollte das WAK stillgelegt werden. Und ja, seit dem 1. Dezember, Quatsch, seit dem 1. Januar 1991 ist die Anlage sozusagen stillgelegt und offiziell im Rückbau.
Philipp: Von wann ist das Foto denn?
Daniel: Das Foto ist aktuell. Dazu kommen wir noch.
Philipp: Das Ding ist seit 34 Jahren im Rückbau.
Daniel: Ja.
Philipp: Und zu dem Zeitpunkt damals seit fünf.
Daniel: Jawohl.
Philipp: Ich würde sagen, das überrascht mich nicht, aber ich bin gespannt, wo uns das hinführt und warum.
Daniel: Es ist zum Glück keine Pointe, die du quasi hiermit zerstörst, aber ja, auch da wollte ich noch drauf eingehen, das Ding steht noch und wie gesagt, dazu am Ende noch ein paar Wörter. Aber wir gehen erst mal in das Jahr 1991, wie gesagt, da fängt der Rückbau an. Und der geht in mehreren Phasen vonstatten. Das bedeutet, das sind mehrere, sagen wir mal, Außengebäude, die zuerst ausgeräumt werden, die jetzt wenig mit den nuklearen Brennstoffen zu tun hatten.
Philipp: Ganze Verwaltung kann weg.
Daniel: Genau, erst die Verwaltung, irgendwelche, sagen wir mal, nicht brisanten Gebäudeteile. Und man baut sich so quasi von außen nach innen, ne, von den Außenbezirken, nenn ich es jetzt einfach mal, in den Kern hinaus, hinein. Als du 1996 dort anfängst, ist man gerade in den letzten Zügen, die sogenannte Phase 2 abzuschließen. Und Phase 2 war, man hat gerade alle Kernbrennstoffe, die im Gebäude sind, herausgebracht. Und man hat die Räumlichkeiten mit so Hochdruckreinigern mit Salpetersäure gespült. Das heißt, da ging Power Wash rein und man hat das komplett einmal gespült und dann sollte der Kern des Gebäudes, quasi die Anlage, wo tatsächlich auch wirklich mit nuklearem Zeug hantiert wurde, als nächstes in den Rückbau gehen. Übrigens kein Berliner Blau im ganzen Komplex.
Philipp: Schade.
Daniel: Habs nämlich überprüft. Ich habe nämlich auch was gelernt letztes Mal.
Philipp: Also man hat man hat das quasi mit dieser Indiana Jones 4 Säure da abgesprüht und hat vorher alles rausgeholt und das dann schon mal irgendwo entsorgt oder so.
Daniel: Endgelagert im Endeffekt.
Philipp: Endgelagert. Oder zwischengelagert. Je nachdem. Ich glaube endgelagert wird, glaube ich, bei uns noch nicht. Ich glaube, es wird nur zwischengelagert. In Gorleben, glaube ich.
Daniel: Jedenfalls du arbeitest dort seit 96 und du baust bestimmte Bereiche der Anlage ab, die jetzt schon quasi freigegeben worden sind, ne? Die schon dekontaminiert und eben halt leergeräumt worden sind. Und das geht so bis 1998, denn 1998 wird der Kern der Anlage freigegeben zum Rückbau.
Philipp: Hat man da auch schon die Sachen rausgeholt?
Daniel: Ja, da ist alles alles geräumt, die heiße Ware ist raus.
Philipp: Okay, mmhm.
Daniel: Die Türen sind offen. Also was heißt offen, ne? Es gibt natürlich strenge Sicherheitsmaßnahmen. Aber du darfst da jetzt rein. Und du gehst da halt rein, trägst so einen Overall, darüber einen Papieranzug und einen Atemschutz und darüber noch mal so einen Strahlenanzug mit einer eigenen Sauerstoffflasche. Bist da halt mit so einem mit so einem Strahlenschutz-Ding unterwegs.
Philipp: Ja, ich kann mir das kann mir das bildlich sehr gut vorstellen.
Daniel: Ich schick dir gleich auch tatsächlich ein Bild, wie das aussieht. Aber warte, mach ich vielleicht jetzt, dann… Das ist auch ein Bild aus der Anlage heraus, wie es quasi im Kernbereich ausgesehen hat, als dort der Rückbau stattgefunden hat.
Philipp: Okay. Also ich sehe aus Alien 1, äh aus Aliens sehe ich den Gabelstapler Mann, wo Ripley drin steht.
Daniel: Oh ja, den Powerloader.
Philipp: Den Powerloader, genau. Der der steht da. Ansonsten sieht es ansonsten ist auch sehr Industrieanlagig, ne? Also ich glaube wir haben hier, wir haben hier einen Kran, glaube das äußere und oben ist ein Kran oder so ‘ne Bühne oder sowas.
Daniel: Ja sieht so aus.
Philipp: Und ja, dann haben wir ganz viele technische Gerätschaften, die sehr schwer zu identifizieren sind irgendwie, was das jetzt genau ist. Und dann haben wir einen Mann, der an einem Schlauch zieht in der von dir beschriebenen Verkleidung. Und der zieht irgendwie an so einem Schlauch. Und der Schlauch liegt da einmal so quer durch durch den Raum. Und ja, es sieht es sieht aber nach relativ moderner Industrieanlage aus. Wer sich viel im Schulsport aufgehalten hat als Kind, er wird auch den Boden wieder erkennen.
Daniel: Oh ja, auf jeden Fall.
Philipp: Diesen schönen 70er Jahre blaugrauen Scheißboden, wo es so geile Geräusche macht, wenn man da drauf hinfällt. Ja, das ist ungefähr so das, was wir da haben. Oder oder fehlt oder soll ich noch ein Detail nennen?
Daniel: Nee, das ist genau wie du es beschrieben hast. Ich habe noch ein zweites Bild geschickt, das ist quasi schon, also das ist nicht in dem Kernbereich, sondern ein bisschen weiter außerhalb, wo du dich vorher rumgetrieben hast. Da kannst du vielleicht auch noch mal beschreiben.
Philipp: Ich sehe Arsch. Ich sehe Arsch, Männerarsch sehe ich vermutlich. Da kniet nämlich jemand. Ja, also es sieht aus wie wie klassischerweise bei Renovierungsarbeiten zwei Männer in diesen Anzügen auch mit so Gummihandschuhen und Atemmasken und so weiter, die da zu Werke gehen und es liegt überall Zeug rum, das da rausgeräumt wird offenbar. Und da sind auch diverse Gerätschaften noch offenkundig im Einsatz. Viel mehr könnte ich dazu jetzt nicht sagen. Aber die Wände sind auch aus den 70er Jahre Turnhallen.
Daniel: Ja, da ist alles aus den 70er Jahren. Ich glaube das wurde als eine Turnhalle wahrscheinlich konzipiert und dann hat man da Atomsachen reingebaut.
Philipp: Ja reicht ja auch. Ist ja auch okay.
Daniel: Nein, aber genau wie du schon beschrieben hast, ne, das ist einfach Leute in Anzügen ziehen an Schläuchen. Und eben irgendwelche Sachen an und…
Philipp: Leute in Anzügen ziehen an Schläuchen siehst du aber auch in deiner lokalen Shisha-Bar.
Daniel: Auch das ist richtig. Was man, wenn man öfter die Shisha-Bar besucht, vielleicht tun sollte, ist das, was auch das WAK getan hat und zwar…
Philipp: Lüften!
Daniel: Lüften. Raumluftüberwachung.
Philipp: Ja.
Daniel: Raumluftüberwachung, denn es ist schon wichtig, wenn du mit irgendwelchen nuklearen Zeug arbeitest oder eigentlich sollte da nichts mehr da sein, aber man weiß ja trotzdem nie, ne? Da kann ja trotzdem irgendwo noch was sein. Es kann irgendwas strahlen, es kann irgendwas am Anzug hängen bleiben. Und dementsprechend gibt’s, wie gesagt, diese ganzen Raumluftüberwachungssysteme, es gibt Schleusensysteme und es gibt auch Routineuntersuchungen für die Mitarbeiter, denn man möchte sicherstellen, dass niemanden was passiert und auch den Subunternehmern nicht.
Philipp: Mmhm. Logisch.
Daniel: Also dein Alltag sieht folgendermaßen aus, ne? Du fährst jeden Morgen von Eschbach nach Speyer. Du wirst nach Karlsruhe gefahren, arbeitest bisschen im WAK. Du ziehst jeden Morgen diesen dreifachen Strahlenanzug an, gehst durch mehrere Schleusen und Sensoren. Du gehst an mehreren Wachposten vorbei, grüßt jeden Morgen und jeden Nachmittag auf dem Rückweg auch noch die Wache am Eingang im Erdgeschoss. Die Wache sitzt da, schaut sich die Überwachungsmonitore an, also Kameras im Endeffekt. Und neben den Monitoren sind so Drehkreuze. Und durch diese Drehkreuze wird dann halt durchgegangen. Hinter der Wache gibt’s noch so eine kleine Bank und da könnt ihr eure Schuhe umziehen, ne, weil da zieht ihr extra so Stiefel an, die unter diesen Anzug angezogen werden. Dann geht ihr ins erste OG, quasi der Eingang zum Kernbereich ist und dort werden diese ganzen Strahlenanzüge an- und ausgezogen. Und dann kommst du wieder durch so ein Drehkreuz hindurch und ja, man wird dir auch beim An- und Ausziehen des Anzugs so ein bisschen helfen, denn da ist halt ein Wachposten, der, ich sag mal so, der steht eigentlich nur da rum und guckt und es hat sich etabliert, dass er immer wieder mal ein bisschen hilft beim An- und Ausziehen.
Philipp: Das ist aber problematisch, oder? So grundsätzlich.
Daniel: Der hat auch so ein Ding an und es ist halt nichts, also aus der Erfahrung heraus ist noch nie was passiert, dürfte auch nichts passieren. Wie das halt immer so ist.
Philipp: Verstehe.
Daniel: Außerdem gibt’s noch so Ganzkörperscanner. Da gehst du halt durch, ne, sobald du den Anzug einmal ausgezogen hast, da wirst du noch mal gescannt, ob da irgendwie vielleicht irgendwelche Strahlung an dir hängen geblieben ist und durch den Anzug durchgekommen ist.
Philipp: Also man muss sagen, die sind aber sehr gut vorbereitet.
Daniel: Ja, man muss, ne? Man muss, wenn man mit sowas arbeitet…
Philipp: Ja ja sicher. Aber ich kenne das nicht aus diesem Podcast, deswegen… Deswegen bin ich eigentlich überrascht. Aber ja, ist doch prima. Da müssen keine Arme und Beine abgesägt werden, weil…
Daniel: Bleibt alles dran heute.
Philipp: Also bleibt alles dran.
Daniel: Genau. Und ja, wie gesagt, der Kernbereich, wie du schon sehen konntest, das ist halt so ein bisschen Turnhalle mit Powerloader und gemischt mit Büros außenrum, ne, da wo halt auch Leute mal an einem Schreibtisch gesessen haben und irgendwelche Notizen gemacht haben. So ein bisschen, also ich stell’s mir wie gesagt so ein bisschen vor wie der Anfang, der komplette Anfang von Half-Life 1, sobald man aus diesen aus dieser Wuppertaler Schwebebahn aussteigt.
Philipp: Ja, stimmt.
Daniel: Dass man da ein bisschen rumläuft, da gibt’s hier den Wachmann und dann gibt’s da paar Tischchen und eine Mikrowelle in der Küche und dann gehst du halt in den Forschungsbereich durch eine Schleuse und machst dein Ding.
Philipp: Verstehe sehr gut den Vibe der der ganzen Aktion. Aber wo ist jetzt die Resonanzkaskade bei der ganzen Sache?
Daniel: Erstmal gibt’s keine.
Philipp: Ja, die gibt’s in Half-Life auch nicht. Das dauert ja ein bisschen.
Daniel: Jedenfalls sobald du in die Anlage reingehst, kümmerst dich im Endeffekt ums Entfernen von allen möglichen Dingen. Irgendwelche alten Möbel, alte Geräte, irgendwelche Wandpaneele, Elektronik, weil das Gebäude muss ja schlussendlich einmal komplett weg.
Philipp: Ja ja klar. Also es muss alles erst mal von drinnen raus, bevor der äußere Bereich dann abgerissen werden kann.
Daniel: Genau. Und das machst du so acht Stunden am Tag plus Pause und…
Philipp: Wie funktioniert das denn wiederum? Also diese Sachen sind dann werden die dann auch geprüft? Also oder mache ich da diese Salzsäure Nummer mit?
Daniel: Nee nee, Salzsäure Nummer ist schon durch. Bedeutet, das ist eigentlich alles im Endeffekt, als ob du jetzt ja einen Umzug machen würdest, ne? Nur halt mit Strahlenanzug.
Philipp: Okay, ich schlepp den Scheiß raus.
Daniel: Du schleppst den Scheiß raus, da gibt’s halt einen bestimmten Bereich, der sagen wir mal für potentiell kontaminierte Sachen ja ausgezeichnet wird so gesehen und da werden die ganzen Sachen reingestellt und dann kommen andere Leute und dekontaminieren die noch mal und entsorgen sie dann quasi aus dem Gebäude heraus. Also im Endeffekt, du bist ja wirklich nur so ein so ein, so blöd das klingt, aber so ein wie so ein Kartonschlepper beim Umzug, ne? Ja, du gehst in die Wohnung rein und du schleppst die quasi Sachen in den in den Vorderbereich der Wohnung, bis jemand anderes kommt und den den Scheiß rausschleppt.
Philipp: Ja, okay. Eine eine eine Kette, so eine Tragekette.
Daniel: Mit Anzug.
Philipp: Mit Anzug.
Daniel: So, und wie gesagt, das machst du so acht Stunden am Tag und dann wie gesagt gehst du durch diese Dekontaminations-Auszieh-Schleuse heraus, grüßt noch mal den Wachmann, wünschst ihm schönen Feierabend. Verlässt das Gebäude, fährst dann entweder zurück nach Speyer um quasi in dein eigenes Auto umzusteigen und dann fährst du direkt nach Hause nach Eschbach. Oder du fährst nach 76829 Landau. Das ist ein Dorf in der Nähe. Und da lebt dein Lebensgefährtin.
Philipp: Ah ja.
Daniel: Du wohnst in diesem Dorf, sie wohnt in dieser in diesem Städtchen, es ist alles sehr klein und sehr gemütlich und sehr sehr familiär.
Philipp: Ich habe gehört in Landau gibt’s dicke Kinder.
Daniel: Das weiß ich nicht.
Philipp: Ich schon.
Daniel: Okay. Wie gesagt, du fährst zu ihr oder fährst gegebenenfalls noch direkt nach Hause nach Eschbach. Und das geht so einige Jahre lang. Du gehst dahin, du machst dein Ding und du fährst wieder nach Hause und Leben ist gut. Du verdienst dir vielleicht keine goldene Nase, aber du machst einen ehrlichen Job. Irgendwann kommt 2001.
Philipp: Uhh.
Daniel: Auch in Deutschland ein wichtiges Jahr, sage ich dir.
Philipp: Äh ja selbstverständlich. Der FC Bayern wird Deutscher Meister. Was ist noch 2001? Odyssee im Weltraum. Hahaha.
Daniel: Für dich ist auf jeden Fall der der 10. März 2001 sehr, sehr wichtig.
Philipp: Ja.
Daniel: Denn dort gehst du zu einer im Vorfeld geplanten Routineuntersuchung hin.
Philipp: Okay. Also Routineuntersuchung jetzt aber nicht im Sinne von Prostata, sondern im Sinne von nuklear.
Daniel: Äh ja, also du gehst von der Arbeit aus quasi zu der Routineuntersuchung. Das ist im Endeffekt, du gibst eine Urinprobe ab. Wirst quasi…
Philipp: Also so so Betriebsarzt mäßig.
Daniel: Genau, genau, genau. Also die gucken schon einmal im Jahr, dass es euch gut geht. Ne, deswegen muss man schon hingucken.
Philipp: Einmal im Jahr, das ist ja sympathisch.
Daniel: Ja, es ist, es ist nichts, was dich stresst, aber es ist auch nichts, was, wo man sich denkt so: Och ja, ich müsste auch mal wieder jetzt nach fünf Jahren mal gucken.
Philipp: Ja ja, verstehe.
Daniel: Und auf jeden Fall, du gehst dahin und erstmal gehst du deinen Alltag ganz normal nach. Gehst wieder arbeiten und ziehst das ganz normal alles durch, wie sonst auch immer. Und dann kommt der Freitag, der 29. Juni 2001. Du kommst arbeiten und du wirst, ich weiß nicht, ob du ausgerufen wirst oder ob man reingeht und dich abholt oder wartet, bis du quasi durch die Schleuse raus bist, denn dir wird gesagt, du sollst dich bitte beim medizinischen Dienst melden, weil der möchte sicherheitshalber noch mal eine Urinprobe von dir haben.
Philipp: Mmhm. Okay. Leuchtet mein Urin?
Daniel: Nö, also du, dir fällt nichts auf.
Philipp: Okay, mir fällt nichts auf.
Daniel: Nichts auffälliges. Also gehst du dahin, da warten irgendwelche, ich weiß nicht, ob es vielleicht gibt’s da irgendwie so ein so ein Krankenzimmer quasi, wo du reingehst, da pinkelst du einmal kurz in den Becher, sagst schönen Feierabend und gehst nach Hause.
Philipp: Ja gut, das sollte sich sollte darstellbar sein.
Daniel: Jo. Dann vergeht fast eine Woche. Und am dem Donnerstag, dem 5. Juli 2001 bekommst du wieder Besuch und es sind wieder Leute, die dich bitten, diesmal mitzukommen. Sie wirken schon sehr unruhig irgendwie.
Philipp: Sie sind ernst, sind ernste Leute.
Daniel: Ernste Leute und sie führen dich quasi in einen gesonderten Raum und bitten dich, dass du dich einmal ausziehst, weil man möchte dich genauer untersuchen.
Philipp: An diesem Punkt wäre ich ein bisschen misstrauisch. Ein bisschen, ein kleines bisschen misstrauisch wäre ich. Wenn wenn zu mir auf der Arbeit Leute kommen und sagen: Pass auf, geh mal in den Nebenraum und zieh dich mal aus. Dann würde ich erst mal checken: wie sehen die aus?
Daniel: Sie haben Strahlenanzüge an.
Philipp: Lohnt sich das? Lohnt sich das? Und dann würde ich mir denken: oh mit Strahlen, oh Gott, oh Gott. Das ist nicht gut. Mir hat das auf Arbeit noch nie jemand gesagt. Warum eigentlich nicht?
Daniel: Jedenfalls diese Leute haben Strahlenanzüge an und sie sagen, zieh dich bitte aus, Hermann. Wir möchten dich einmal messen. Und zwar nicht wirklich jetzt deine Größe, dein Gewicht.
Philipp: Bitte ganz ausziehen, wir möchten alles messen.
Daniel: Alles messen, genau. Nee, sie haben ganz, ganz viele verschiedene Geräte und eigentlich jedes dieser Geräte schlägt heftig aus und macht Geräusche.
Philipp: Solange mein Gerät nicht heftig ausschlägt und Geräusche macht, ist das okay.
Daniel: Man sagt auf jeden Fall, man müsste eine Kleidung sicherstellen und du kriegst dann, weiß ich nicht, so ein kleines Overall oder sowas noch zum zum Anziehen, damit du überhaupt damit du nicht nackt durch die durch die Anlage rennst gleich. Und es kommt eine weitere Person auch in Anzug in den Raum hinein und sagt, ja das Fahrzeug vom Harald, das äh vom Harald, vom Hermann äh das muss auch sichergestellt werden.
Philipp: Du liebe Güte, da ist aber da ist aber Holland in Not.
Daniel: Da ist Holland richtig in Not, denn man wird dich aufklären, damit du, du guckst natürlich bisschen doof aus der Wäsche. Aus der Unterwäsche wahrscheinlich.
Philipp: Verständlich, verständlich. Aus der sehr doof aus der Unterwäsche, ja.
Daniel: Und man klärt dich auf, man sagt: in der Routineuntersuchung im März hast du Urin abgegeben und diese Probe wurde Ende Juni untersucht. Das hat ein bisschen gedauert. Und man hat eine erhöhte Strahlenbelastung durch Plutonium festgestellt.
Philipp: Oh.
Daniel: Und man wollte sicherstellen, dass die Probe nicht irgendwie durch äußere Einflüsse kontaminiert wurde, verunreinigt wurde. Und man hat dich deswegen gebeten, noch mal eine zweite abzugeben. Das hast du ja auch getan und als diese überprüft wurde, wurde noch mal Plutonium nachgewiesen und man hat dann sich gedacht: oh oh, das könnte eine mögliche Verstrahlung am Arbeitsplatz sein, was nicht so gut ist.
Philipp: Oh, zahlt da zahlt das die Kasse?
Daniel: Das weiß ich nicht. Das weiß ich nicht. Ist ist ein schwieriges Thema. Vor allem schwierig, dazu kommen wir noch.
Philipp: Verstehe.
Daniel: Jedenfalls deine Kleidung ist auch kontaminiert und dein PKW auch und das ist eigentlich sehr unüblich. Aber die Leute gehen davon aus, es ist eine sogenannte Verschleppungskontamination. Bedeutet, du könntest dich mit deinem fetten Arsch irgendwo auf Rückstände auf Staub mit Plutonium gemisch irgendwo drauf gesetzt haben und dann hast du dich damit ins Auto gesetzt irgendwie und dann ist das Zeug quasi in dein Auto gekommen und an deine Kleidung. Es kann ja sein, irgendwie Staub fliegt rum, das ist ja ist alles, was da drin ist, was kontaminiert sein könnte, ist tatsächlich hauptsächlich einfach nur Staub.
Philipp: Ja, verstehe. Mmhm.
Daniel: Und man möchte sicherheitshalber dir einen Hausbesuch abstatten. Am besten so zügig wie möglich, damit man ausschließen kann, dass sich um eine größere Sache dreht.
Philipp: Da bin ich aber schwer auch dafür.
Daniel: Da bist du auch dafür und du sagst: Ja Moment, ich ruf mal meine Lebensgefährtin an, einfach nur damit die Bescheid weiß.
Philipp: Es wäre auch sinnvoll, die die Lebensgefährtin also da mal das Haus sich anzuschauen.
Daniel: Genau. Deswegen, du rufst sie an und du redest mit ihr. Und am selben Abend steht das Strahlenschutzteam des WAK vor deiner Haustür. Komplett mit allem drum und dran. Und sie messen erst außen, dann messen sie drinnen und sie stellen fest: erhebliche Kontamination durch Plutonium.
Philipp: Erheblich sogar. Ach du liebe Güte.
Daniel: Und sie sagen, wir bleiben mal über Nacht. Weil das wird hier dauern.
Philipp: Ja, verstehe. Sie gehen mal schön weg.
Daniel: Genau. Also du gehst zu deiner Lebensgefährtin, übernachtest dort. Und sie bleiben über Nacht und sie messen und am nächsten Morgen wird die Wohnung versiegelt.
Philipp: Oh, das ist ganz schlecht. Das ist ganz schlecht.
Daniel: Das WAK informiert die atomrechtliche Aufsichtsbehörde Baden-Württemberg.
Philipp: Oh oh.
Daniel: Und als die informiert wird das und na ja, es geht ja um ein offensichtlich irgendeiner Art von von Unfall am WAK, informieren sie auch die entsprechende Behörde im Rheinland-Pfalz, da wo die Wohnung in in Eschbach ist.
Philipp: Oh oh.
Daniel: Und der Stab wird weitergegeben, die Umweltbehörde wird informiert und auch die Landeskriminalämter Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Denn es ist ungewöhnlich, dass so eine hohe Strahlungskontamination außerhalb von einer nuklearen Anlage einfach so stattfindet. Und man informiert die Behörden, also die die Ermittlungsbehörden vorsorglich, damit die ja bisschen arbeiten können und gucken können, ob da vielleicht was anderes noch dran ist.
Philipp: Ich hoffe man informiert auch die Nachbarn. Das wäre ganz hilfreich, wenn die sich fragen: Wieso ist die Wohnung neben mir versiegelt und warum laufen da Leute mit Strahlenschutzanzügen rein? Also ich als Nachbar würde mir denken: Äh, das ist aber eine schräge Halloween-Party. Im mitten im Sommer.
Daniel: Das stimmt, ja. Wir sind ja, wann sind wir? Im Juli. Wir sind Anfang Juli. Ja ist bisschen früh für Halloween.
Philipp: Ja bisschen arg früh. Bisschen arg früh. Und jetzt die Wohnung auch noch versiegelt. Kein gutes Zeichen.
Daniel: Kein gutes Zeichen. Du wirst jedenfalls morgens von deiner Lebensgefährtin ja hergebracht zu deiner Wohnung, weil du wirst ja natürlich gucken, was los ist, ne? Und sobald du oder beziehungsweise sie da mit ihrem Auto irgendwo um die Ecke fährt und man sieht dich und sie, kommt sofort das Strahlungsschutzteam auf sie zugerannt und sie wird untersucht, der PKW wird untersucht, das Auto wird direkt beschlagnahmt.
Philipp: Hahahaha.
Daniel: Und man fragt sie nach ihrer Adresse, denn man möchte auch bei ihr vorbeischauen.
Philipp: Bude versiegelt.
Daniel: Man fährt direkt dahin und man merkt, auch diese Wohnung ist kontaminiert, aber sehr gering. Und da geht man aber von Verschleppung aus, ne? Das heißt, der fette Arsch saß nicht nur quasi bei dir auf der Arbeit oder bei dir zu Hause, sondern auch bei dir zu Hause und dann später bei ihr zu Hause.
Philipp: Aber er saß, er saß schon zweimal vorher woanders und deswegen ist nicht mehr ganz so schlimm.
Daniel: Genau. Und in der Wohnung der Frau findet man übrigens auch ihre Tochter, die man natürlich auch untersucht. Und auch findet man auch da eine Kontamination an ihrer Kleidung.
Philipp: Aha, das ist aber komisch. Na ja gut, vielleicht hat er mal was mitgewaschen bei denen oder so.
Daniel: Das ist der Punkt. Dazu kommen wir gleich noch. Man untersucht natürlich auch ihre Wohnung und auch den PKW und das möchte man quasi jetzt für die nächsten Tage alles alles übernehmen. Und man möchte vor allem die Strahlenwerte von dir, von der Frau und von der Tochter über Tage hinweg messen. Um zu sehen, ob das jetzt eine akute Strahlungsbelastung ist, die quasi jetzt vor kurzem passiert ist und langsam abnimmt oder ob sie hält, anhält.
Philipp: Mmhm.
Daniel: Nach fünf Tagen, also am 11.07. stellt man fest: dat wird nicht weniger.
Philipp: Okay. Habe ich immer noch die gleiche Kleidung denn an oder habe ich mittlerweile neue Sachen?
Daniel: Also du und alle haben ganz sind ganz normal fünf Tage lang haben ganz normal gelebt und ihr Ding gemacht.
Philipp: Aber wo denn?
Daniel: Ja wahrscheinlich bei der Tochter.
Philipp: Ja, okay. Irgendwo wahrscheinlich, ja. Ja ja.
Daniel: Man, wie gesagt, man hat speziell auch bei der bei der Frau und bei der Tochter, weil dadurch, dass das ja, die haben ja nicht in der Anlage gearbeitet, die haben ja mit der Anlage in Karlsruhe ja nix zu tun, deswegen hat man eigentlich hauptsächlich sich auf die fokussiert, was die Strahlungsbelastung angeht und man weiß ja bei dir, ne, Urinprobe A, Urinprobe B, da hat sich nicht viel getan zwischen, das heißt du musst ja eh schon Probleme haben. Und man wollte ausschließen, dass die beiden anderen auch Probleme damit haben. Aber man sagt: Beide müssen direkt mit einer Strahlenquelle in Berührung gekommen sein. Und zwar genauer gesagt durch die Aufnahme von kontaminierter Nahrung.
Philipp: Kontaminierte Nahrung? Bin ich noch Hobby-Bäcker?
Daniel: Möglich.
Philipp: Vielleicht vielleicht backe ich das ein oder andere, was dann wo man sagt: Na vielleicht die Hände nicht richtig gewaschen.
Daniel: Was hast du Cookies gemacht, ja?
Philipp: Hahahaha. Ja, aber eine andere also eine andere in der in in der Farbkarte anders grün codiert.
Daniel: Ja, äh, äh. Möglich. Wir wissen es nicht. Wir wissen es tatsächlich bis heute nicht.
Philipp: Okay.
Daniel: Aber man untersucht noch mal die Wohnung der Frau. Weil irgendwie, das kann doch nicht sein. Irgendwas müssen die gegessen haben. Sie muss was gegessen haben, die Tochter muss was gegessen haben. Und sie untersuchen die Wohnung der Frau ganz genau, die laufen da durch mit ihren Sensoren und sie merken: die komplette Wohnung ist verstrahlt. Alles, einfach alles. Es ist nichts, was nicht verstrahlt ist. Aber alles nur ganz leicht. Wirklich ganz ganz ganz leicht. Und ihre komplette Kleidung ist kontaminiert. Und nachdem ihr PKW ja von euch beschlag, also von von den Leuten beschlagnahmt wurde, hat sie sich einen Mietwagen geholt und auch dieser ist jetzt schon wieder kontaminiert.
Philipp: Also irgendwo ist eine Strahlenquelle, die strahlt und alles kontaminiert und die ist immer noch unterwegs.
Daniel: Dachte man oder zumindest man man hat es nicht ausschließen wollen, aber man hat festgestellt, dass die Schwester der Frau regelmäßig bei ihr ihre Wäsche macht. Und die wohnt in so einem Wohnheim oder sowas und hat keine eigene Waschmaschine. Und auch die komplette Kleidung von der Frau ist verstrahlt, also von der Schwester.
Philipp: Ja, verstehe.
Daniel: Der Beifahrersitz beim Freund der Tochter im Auto ist kontaminiert. Der Sessel in der Wohnung des Freundes der Tochter ist kontaminiert.
Philipp: Mmhm.
Daniel: Was auch immer die beiden da getrieben haben.
Philipp: Ja offensichtlich hatten sie Klamotten an.
Daniel: Es zeichnet sich auf jeden Fall so ein Bild ab, wo jeder aus dem persönlichen Umfeld irgendwie potenziell in Gefahr ist, also dass sich viel, aber es ist scheinbar überall das Zeug.
Philipp: Es ist ja, aber das sieht man wie schnell das geht, ne? Ich meine, wir haben das ja auch in der letzten Folge gesehen, wie schnell sich sowas dann verbreitet.
Daniel: Und dann kommt irgendwann mal der 12.07.2001. Und die Frau wird eingeladen zu einer Befragung vom LKA und da ist auch der Staatsanwalt dabei.
Philipp: Oh, das ist ganz schlecht.
Daniel: Man kann sich einfach nicht vorstellen, dass das alles einfach so passiert ist. Und der Staatsanwalt sagt: Puh, das ist schon unmittelbare Gefahr für Freunde und Familie. Du weißt schon, dass das, wenn da, wenn du irgendwas weißt, solltest du es jetzt sagen, weil es kann sein, dass alle sterben werden.
Philipp: Also ich weiß nicht, ob das eine zulässige Verhörmethode ist.
Daniel: Hahahaha. Ich kann’s dir nicht sagen, aber es hat sich, ich sag mal so, es hat sich gelohnt, denn die Frau liefert ein Geständnis ab.
Philipp: Ach was.
Daniel: Wir gehen noch mal eine Woche zurück. An dem Tag, wo du von den Strahlenmännern abgeholt wirst.
Philipp: Ja.
Daniel: Man sagt dir: Du, dein Pipi, den Pipi stinkt wollte ich grad sagen, äh dein Pipi strahlt.
Philipp: Da hab ich sie angerufen.
Daniel: Wir möchten zu dir nach Hause. Und du sagtest: Ja klar, warte, lass mich nur kurz meine Frau vorher anrufen.
Philipp: Ja.
Daniel: Du hast sie angerufen und hast gesagt: Schatz, du weißt doch, ich hab doch so einen alten defekten Ofen zu Hause. Den nutze ich nicht. Da drin ist so ein Gummihandschuh und so ein paar Tücher. Kannst du bitte diese diese Tücher und diesen Handschuh einfach in eine Tasche packen? Und dann fährst du einfach in Landau, da gibt’s so einen Militärflughafen, so einen alten. Kannst du da einfach diese dieses diesen Gummihandschuh einfach irgendwo wegwerfen und die Tücher dann einfach in der Tasche lassen, einfach in so einen Altkleidercontainer oder sowas? Wenn du das nicht tust, wander ich in den Knast.
Philipp: Okay. Warum sollte man einen Gummihandschuh klauen? Warum sollte man einen verstrahlten Gummihandschuh klauen?
Daniel: Gute Frage. Und vor allem müsste man wissen, was das für ein Gummihandschuh überhaupt ist.
Philipp: Ja.
Daniel: Es ist quasi ein Anruf und ein ABC-Team fährt sofort raus. Am Flughafen in Landau wir, wird komplett alles durchsucht und man findet tatsächlich einen Gummihandschuh in einem Brombeerbusch.
Philipp: Mmhm.
Daniel: In diesem Handschuh ein zerbrochenes Gläschen mit Überresten einer Plutonium- und Americium-haltigen Flüssigkeit.
Philipp: Warum? Also, ich verstehe es nicht. Verstehe den Sinn dahinter nicht.
Daniel: Zum Glück keine Kontamination des Bodens. Also es ist wirklich nur was in diesem Handschuh geblieben ist. Und man findet auch den Altkleidercontainer, den die Frau aufgesucht hat. Nur leider ist dieser bereits geleert.
Philipp: Äh, das ist schlecht.
Daniel: Das ist sehr schlecht.
Philipp: Das ist verdammt schlecht.
Daniel: Und es dauert erst mal zwei Tage, bis man herausfindet, wo der Inhalt überhaupt hingegangen ist. So dass man am, dass am 14.07. dann das ABC-Team plötzlich vor so einem Recyclinghof steht. Da drin, also auf dem Hof ist so eine Halle und diese Halle ist einfach bis zur Decke mit Altkleidern gefüllt.
Philipp: Geil. Und da müssen die jetzt alles einmal, alles einmal durchgucken.
Daniel: Einmal scannen bitte.
Philipp: Ja, wir haben eine Kasse im Rewe, wenn du einen Großeinkauf machst. Bip. Bip.
Daniel: Genauso.
Philipp: Bip. 17 Stunden lang.
Daniel: Ja, das haut sogar ganz hin, weil man sucht den ganzen Tag und man findet’s nicht. Man merkt, es strahlt, aber man weiß nicht wo.
Philipp: Ja.
Daniel: Und man holt die Frau dazu und sagt: Pass auf, du sagtest, du hast irgendwie eine Tasche da reingeworfen, wie sah sie aus? Und dann ist man zusammen mit ihr durch diese Halle durchgegangen und dann hat sie gesagt: Die Tasche da.
Philipp: Ah ja.
Daniel: Man öffnet die Tasche und da drin sind so Wischtücher. So zerknüllte, schon fast zersetzte Tücher.
Philipp: So so äh Zewa?
Daniel: Ja.
Philipp: Oder so oder so ein Papiertuch.
Daniel: Ja, so Papiernasstücher, weißt du so so zum zum Wischen. Und daraufhin sagt man: Ja okay, das kommt definitiv nicht von ungefähr. Man hat dich quasi schon mal zumindest benachrichtigt, dass man mit dir noch mal sprechen möchte.
Philipp: Ja.
Daniel: Und man ist zu deinem Arbeitsplatz gefahren, weil man sagen muss: ja okay, irgendwie dieses Zeug muss es ja irgendwie rausgeschafft haben. Und man untersucht halt deinen Arbeitsplatz. Und du hast halt neben dem ganzen Schläucheziehen im Strahlenanzug hast du auch einen Schreibtisch und du hast da halt deine Umkleide und so weiter. Und dein Schreibtischstuhl leuchtet gefühlt, weil er so hart verstrahlt ist nach Plutonium, also mit Plutonium.
Philipp: Das gleiche machen wir bei deinen bei deiner, also bei der Frau und bei der Tochter, aber da strahlt nix bei den Arbeitsplätzen.
Daniel: In der Tat. Lustigerweise so hauptsächlich dein Stuhl. Also nicht, also dein Stuhl auch, aber.
Philipp: Ich verstehe. Der der Schreibtischstuhl.
Daniel: Der Schreibtischstuhl, ja.
Philipp: Der Schreibtischstuhl. Der Schreibtischstuhl strahlt stärker als mein Stuhl.
Daniel: In der Tat. Und da fängt es nämlich an, wo man vorsorglich anfängt, die benachbarten Wohnungen und Hausflure zu dekontaminieren.
Philipp: Ich bin ich bin schwer dafür.
Daniel: Bei der bei der Frau von dir, die Wohnung lässt man sicherheitshalber noch, sagen wir mal undekontaminiert, weil da könnte es Beweise geben.
Philipp: Mmhm.
Daniel: Und du warst ja, wie gesagt, bisher noch auf freiem Fuß, weil man sich gedacht hat: ja okay, der hat wohl irgendwas gemacht, der hat irgendwas entfernen lassen, aber er hat ja zumindest aktiv ja wissen wir von nichts, was er, also was der Herrmann was du getan hast, ne?
Philipp: Ja.
Daniel: Und deswegen sagt man: Alles klar, 17.07. 2001, da steht das LKA bei dir vor der Haustür. Man klingelt oder was, ich glaube nicht vor deiner Haustür, sondern vor irgendeiner Tür, wo du wo du untergekommen bist und deine Frau, wahrscheinlich bei der Tochter. Und man klingelt und man sagt: Kommen Sie mit, Hermann. Wir möchten Sie jemand vorstellen und zwar dem Haftrichter.
Philipp: Hahahaha. Der würde gerne mal ein Gespräch mit Ihnen führen.
Daniel: Der würde ein Gespräch mit Ihnen führen. Und das hat er auch gemacht. Und er verhängt U-Haft, weil irgendwas ist da wohl vorgefallen.
Philipp: Ja scheinbar.
Daniel: Und man möchte wissen was.
Philipp: Das ist ein sehr nachvollziehbares Interesse. Aber U-Haft bedeutet ja im Umkehrschluss, es liegt ein Fluchtgrund vor, ne?
Daniel: Genau das.
Philipp: Die gehen davon aus, der setzt sich ab.
Daniel: Genau. Man geht davon aus, dass du, also ja, man nimmt’s zumindest, also man erwägt es, ne? Weil wenn wenn du schon Beweise vernichten lässt oder beziehungsweise verschwinden lässt, dann ist das relativ naheliegend, dass du dich auch selber verschwinden lässt.
Philipp: Ja, das kann ich verstehen.
Daniel: Und das wäre ja noch alles halb so wild, wenn du nicht strahlen würdest.
Philipp: Hahahaha. Das gibt aber wenigstens eine Einzelzelle.
Daniel: Kannst ja auch genau, also generell so in Einzelhaft in so ein Loch rein, weil da leuchtest du wahrscheinlich, weißt du?
Philipp: Licht brauchen wir auch nicht. Das ist super, das ist der günstigste Gefangene. Er braucht kein Licht.
Daniel: Er hat eine sehr große Halbwertszeit, er wird sehr alt. Hahahaha.
Philipp: Da wären wir wieder bei Half-Life, ne?
Daniel: Ja, genau. Ja jedenfalls, wie du schon gesagt hast, ne? Was ist da eigentlich passiert? Das wäre interessant.
Philipp: Ja also, von dem was was da was es da, also von dem was wir wissen, ja? Der hat einen Handschuh und ein paar Tücher und in dem Handschuh ist ein zerbrochenes Fläschchen mit irgendwie Plutonium Americium.
Daniel: Jawohl.
Philipp: Wieso also, das was ich mir vorstellen kann ist ja am Ende, der sitzt, der ist da unterwegs, ja, in seinem in seinem Abbruch Ding und kümmert sich darum, da Sachen zusammenzusuchen und dann findet er das. Und denkt sich aus irgendeinem Grund: cool, das tu ich in einen Gummihandschuh und nehm ich mit nach Hause. Aber den Grund verstehe ich noch nicht.
Daniel: Mmhm.
Philipp: Weil Plutonium sieht ja jetzt nicht, also das sieht ja jetzt nicht spannend aus, ne? Das leuchtet ja in der Regel dann auch glaube ich bei solchen Mengen nicht. Das ist ja jetzt auch nicht ein nuklearer Diamant oder sowas, den er da gefunden hat, sondern ist halt einfach eine zerbrochene Flasche. Und es ist wirklich extrem unspannend.
Daniel: Das ist es. Also aus unserer Perspektive jetzt.
Philipp: Ja.
Daniel: Wir können’s gerne aufdröseln. Also wie gesagt: U-Haft, U-Haft ist zum Untersuchen da und du wünschst dir oder du erhoffst dir sagen wir mal mildere Umstände, wenn du kooperierst.
Philipp: Verstehe. Also pack ich aus.
Daniel: Also packst du aus. Nicht mehr zum Messen, sondern…
Philipp: Das hatten wir ja schon.
Daniel: Das hatten wir schon.
Philipp: Ich musste schon auspacken in dieser Geschichte. Mehrmals.
Daniel: Mehrmals.
Philipp: Mehrmals auf verschiedene Arten auspacken. Zweimal zum Pinkeln, einmal zum Messen.
Daniel: Genau. Und ganz früh musstest du erst mal Sachen ausbacken, aber das hat sich auch geändert.
Philipp: Ausbacken ist auch wichtig, ja. Mit dem Nudelholz.
Daniel: Wir gehen zurück in die zweite Jahreshälfte 2000. Du kommst wie jeden Tag zur Arbeit im WAK. Du ziehst den Strahlenanzug an, gehst durch die Drehkreuze, du grüßt die Wachposten. Dann entfernst du so pö a pö diese Dinge aus dem Kernbereich und bringst sie in den dafür ausgesonderten Bereich, wo die halt dann später entweder dekontaminiert oder abgeholt werden. Und du bemerkst, dass sich manchmal verschiedene Stoffe an den Anzügen der Mitarbeiter absetzen und dass die jeweiligen Schleusen automatisch Alarm schlagen, wenn etwas kontaminiert ist.
Philipp: Dafür sind sie da, das ist ja Sinn der Sache.
Daniel: Und du bist interessiert und lässt dir erklären, wie das alles funktioniert. Beziehungsweise du lässt dir generell erklären, dass es unterschiedliche radioaktive Stoffe gibt und diese unterschiedlich strahlen und dementsprechend auch die Umgebung unterschiedlich auf sie reagiert.
Philipp: Mmhm.
Daniel: Und jetzt machen wir ein bisschen Nuklearunterricht.
Philipp: Oha, dafür bin ich bereit.
Daniel: Cäsium zum Beispiel. Das Zeug sendet Gammastrahlung aus. Und Gammastrahlen sind wellenförmig, also sind wirklich Wellen, richtige Wellen, ne, so machst du pew pew.
Philipp: Cäsium hatten wir letztes Mal glaube ich, ne?
Daniel: Genau. Die durchdringen menschliche Körper, die durchdringen Kleidung, die können sogar potenziell dünne Bleiplatten durchdringen. Das heißt, das strahlt sehr weit und sehr heftig und sie zerstören alles auf ihrem Weg was es gibt. Also Zellen, Zerstörung, pure Zerstörung. Dadurch dass die aber so laut sind, so gesehen, werden sie sehr schnell von jeglichen Sensoren erfasst und deshalb schlagen die Alarme direkt aus.
Philipp: Mmhm. Verstanden.
Daniel: Dann gibt’s Americium. Americium ist ähnlich, hat auch Gammastrahlung, also dasselbe Prozedere, dasselbe Spiel, aber die strahlen bisschen schwächer als das Cäsium. Somit ist die Strahlung, man nennt sie weich. Und die kann potenziell noch durch so ein dünnes Blech durch, aber vielleicht auch nicht, vielleicht könnte man sie damit abschirmen. Weil sie einfach schwächer ist, als jetzt die Gammastrahlung von Cäsium.
Philipp: Verstehe.
Daniel: Potenziell würden auch mehrere Schichten unterschiedlicher Materialien diese Wellen blockieren können. Und dann gibt’s Plutonium. So jetzt um quasi unser das was es im WAK gegeben hat, quasi einmal abzuschließen. Plutonium ist keine, also strahlt nicht Gamma, sondern es strahlt mit Alpha-Strahlen. Und das sind keine Wellen jetzt wie bei der Gammastrahlung, sondern es sind wirklich super dicke langsame Helium-Teilchen, die verschossen werden. Geradeaus, die sind dick, also im Vergleich natürlich, ne, sie sind riesig und die sind sehr sehr langsam. Und die schaffen’s kaum durch die einfachsten Materialien durch, wie zum Beispiel durchs Papier würden sie es nicht schaffen.
Philipp: Okay, das heißt in einem Papieranzug bin ich sicher vor Plutonium.
Daniel: Richtig. Vor Alpha-Strahlen grundsätzlich.
Philipp: Mmhm.
Daniel: Du musst dir vorstellen, diese diese Alpha-Strahlen, das ist das Plutonium verschießt so Wattebällchen mit Rasierklingen dran. Musst du dir vorstellen, ne? Es ist sehr langsam, es ist es kommt durch nichts durch, aber du es tut weh, wenn du es abbekommst.
Philipp: Abkriegst, ja.
Daniel: Und ja, du findest das total spannend. Du nimmst diese Lektion mit und du lebst ganz normal dein Leben weiter, arbeitest da. Bis du bei den Aufräumarbeiten irgendwann mal so einen verstaubten Staubsauger in die Hände bekommst. Und er ist ausgewiesen als kontaminiert und zum Entsorgen. Und ja, dann musst du halt diesen Staubsauger halt in dieses in diesen Bereich schieben.
Philipp: Ja, das kriegt man glaube ich hin.
Daniel: Eigentlich schon. Aber du denkst dir so: Boah, was wäre eigentlich, wenn dieser Staubsauger jetzt durch diese durch diese Gates durchgehen würde, durch diese Sensorgates. Wie so ein Metalldetektor im Endeffekt hier es da gab, ne? Nur halt für nukleares Zeug. Wenn du dich, wenn du diesen Staubsauger durch die Schleuse bringen würdest, würden die Sensoren ausschlagen. Und würden sie ausschlagen, wenn nur der Staub es durchschaffen würde, ohne jetzt den Staubsauger. Also quasi in einer geringen Menge.
Philipp: Na ja, das kommt halt drauf an, was drin ist im Staubsauger.
Daniel: Der Staub ist aber auch auf dem Staubsauger auch, also das Ding ist komplett eingehüllt da drin.
Philipp: Ah, okay.
Daniel: Und du denkst dir so: Ja, ich bin jetzt äh ich war früher Bäcker, jetzt bin ich quasi Atomphysiker. Ich würde gerne, ich meine das ist das WAK hier, wurden Versuche gemacht, ich würde gerne einen Versuch starten.
Philipp: Natürlich. Das kommt bestimmt super an.
Daniel: Der kommt super an, ja auf jeden Fall. Und du bringst einfach am nächsten Tag ein paar Tücher mit. So Feuchttücher.
Philipp: Aber wie aber die kriege ich rein in meinem Anzug? Das geht?
Daniel: Du schmuggelst diese Tücher einfach in dem Ärmel des Anzugs. Weil rein ist ja jetzt eigentlich gar kein Problem, weil du ziehst dich einfach an.
Philipp: Nee rein ist, nee rein ist kein Problem, aber es ist trotzdem glaube ich anstrengend, oder? Ist schwierig.
Daniel: Ja, du musst schon bisschen gucken. Du musst schon bisschen gucken.
Philipp: Ist wie ein Ganzkörperkondom.
Daniel: Ja, du wie gesagt, du musst bisschen gucken, aber wenn du dir die Fotos anguckst, die ich dir vorher geschickt habe, zum Beispiel jetzt, du siehst halt, dass die Handschuhe beziehungsweise die Ärmel, die sind ja mit so einem mit so einem Tape verbunden und potenziell kannst ja was in den Ärmel schieben, also wie so wie so ein Magier, dann machst du da das Band drum und dann musst du ja nur rausholen.
Philipp: Ja aber da musst du ja das Band auch in dem kontaminierten Bereich abmachen.
Daniel: Das ist richtig, aber du kennst doch das Ergebnis, oder?
Philipp: Ja, ich kenne das Ergebnis, das ist wohl richtig.
Daniel: Genau und jedenfalls du schmuggelst diese Tücher rein. Und sobald du im Kernbereich angekommen bist, gehst du zum Staubsauger. Und du bringst diesen Staubsauger erstmal in so einen Korridor, wo die Überwachungskameras nicht einsehbar sind. Beziehungsweise wo die Kameras diesen Bereich halt nicht einsehen können, so rum. Und du machst das Tape auf, du ziehst deinen Handschuh aus, du holst die Tücher aus deinem Ärmel heraus und dann wischst du den Sauger ab.
Philipp: Das ist sowas von unfassbar dumm und dämlich und sinnlos. Es ist so sinnlos. Du hast ja nicht mal was davon. Es ist einfach nur sinnlos.
Daniel: Ja, wir sind schließlich bei Heldendumm.
Philipp: Es ist ja sowas von dumm.
Daniel: Aber wir wir vielleicht kriegen wir den ganzen Podcast-Titel noch rein. Warte mal.
Philipp: Warte ab.
Daniel: Jedenfalls du du hast jetzt dieses Tuch, du hast diesen Staubsauger abgewischt und stehst mit diesem Tuch in der Hand. Denkst dir so: okay, was mach ich damit jetzt?
Philipp: Ja, das also wahnsinnig weit gedacht bislang.
Daniel: Das Gute ist, du hast ja gelernt, wenn das denn Plutonium sein sollte, dann reicht ja Papier, um diese Strahlen aufzuhalten.
Philipp: Dann passiert mir ja gar nichts.
Daniel: Du zerknüllst diese Tücher einfach und du hast sicherheitshalber ein paar Gummihandschuhe auch noch im Ärmel. Du bist ein richtiger Magier.
Philipp: Natürlich habe ich das. Natürlich habe ich das.
Daniel: Und du packst das alles rein. Und dann gehst du zur Schleuse. Und du gehst zur Schleuse quasi, damit du aus dem Kernbereich herauskommen kannst und du wartest, bis einer deiner Kollegen ebenfalls dort ankommt und lässt ihm vorgehen. Und der geht durch so einen Strahlendetektor durch, dann geht er zum Wachposten und der hilft ihm beim Ausziehen des Anzugs.
Philipp: Und weil er ihm hilft, bekommt er nicht mit, dass der Alarm losgeht.
Daniel: Nein. Diese Anlage wurde in den 70ern oder Anfang 70er, Ende 60er gebaut. Und ich muss noch mal auf dein Fachwissen im Videospielbereich zugreifen. Du erinnerst dich an Splinter Cell 1, CIA Hauptquartier, Metalldetektoren.
Philipp: Ja, erinnere ich mich gut.
Daniel: Wenn du durchgehst, macht’s Geräusche.
Philipp: Ja, aber laute.
Daniel: Was ist, wenn du einfach daneben durchgehst?
Philipp: Äh gar nichts, weil daneben ist daneben.
Daniel: Daneben ist einfach ein Tresen. Und der gute Hermann holt macht den Handschuh schnell auf, du holst dieses diese Tücher raus, legst sie auf dem Tresen neben den Detektor, gehst einmal durch und auf der anderen Seite holst du sie raus und steckst es wieder in den Ärmel.
Philipp: Alter. Das hat auf den Überwachungskameras keiner gesehen oder wie?
Daniel: Es hat ja keiner geguckt, weil die Wache hat ja für die Kameras zuständig war, hat sich darum gekümmert.
Philipp: Ach so, stimmt. Der hat ja beim Umziehen geholfen. Genau.
Daniel: Oh, schon er ist schon ein Fuchs. Der Hermann. Ein Fuchs ist das. Hermann Fuchs.
Philipp: Hermann Fuchs.
Daniel: Und danach ziehst du dich eigentlich einfach nur aus, weil die Wache hilft halt dem anderen, der andere ist fertig, die fragt dich: Brauchst du Hilfe? So: Nee nee, ich kann das schon. Alles gut, kein Problem.
Philipp: Klar. Und deswegen und dann mit dem Handschuh quasi nach Hause.
Daniel: Davor gibt’s noch mal ein Drehkreuz und eine Objektkontrolle.
Philipp: Mmhm.
Daniel: Aber die Wache guckt: Ah, Hermann. Schönen Feierabend.
Philipp: Keine Objektkontrolle.
Daniel: Keine Objektkontrolle.
Philipp: Ja, weil ich den immer freundlich gegrüßt hab.
Daniel: Richtig. Man kennt sich.
Philipp: Darauf kommt’s an. Darauf darauf kommt’s an.
Daniel: Du bist ein Guter. Da passiert schon nix.
Philipp: Ja der Hermann, das ist ein Netter. Das ist ein Netten. Der macht nix.
Daniel: Ja, der macht auch nix. Also du hast im Endeffekt die Ja, überhaupt nicht.
Philipp: Gar nichts gemacht.
Daniel: Gar nichts gemacht. Du nimmst die Tücher mit nach Hause und machst irgendwas damit. Das stand in keinen der Berichte, was du damit gemacht hast.
Philipp: Gibt es so irgendwie so einen kranken Nuklearfetisch oder sowas? Gibt’s das?
Daniel: Meinst du auspacken und wieder einpacken, ja?
Philipp: Ich weiß es nicht. Ich weiß es, ich weiß es nicht. Aber wo kommt denn jetzt die zerbrochene Flasche her?
Daniel: Die findest du zufällig zwei Wochen später.
Philipp: Auch da in der Bude und dann mach ich das gleiche Prozedere noch mal.
Daniel: Du machst exakt das gleiche. Du findest das Ding also scheinbar jetzt mal musst dir vorstellen, da gingen ja die Leute mit ihren mit ihren Power Wash Dingern durch durch die durch die Bude vor einigen Monaten, haben das ganze Ding weggestrahlt, die ganze Flüssigkeit ist wohl in so ein Fläschchen, was irgendwo rumgelegen hat in der Küche, offen vielleicht und Zeug wurde verstrahlt, du hast es gegessen.
Philipp: Ja oder ich hab einfach das als Gewürz verwendet.
Daniel: So ein bisschen gerieben. Bei der Frau und der Tochter ist das alles nach März 2001 passiert und extrem in einer extrem kurzen Zeitspanne.
Philipp: Okay.
Daniel: Und die Tochter hat ungefähr das 13-fache von dem aufgenommen, was du aufgenommen hast.
Philipp: Die hat viel mehr abgekriegt.
Daniel: Und die Frau hat das 500-fache von dir aufgenommen.
Philipp: Okay, langsam geht’s in die Richtung, wo ich sage, äh da können wir aber auch mal über über fahrlässige Tötung sprechen.
Daniel: Mord steht im Raum.
Philipp: Ja, oder das. Ja.
Daniel: Das Problem ist aber, man kann nicht abschließend klären, wie das passiert ist. Du sagst dazu: keine Ahnung, ich hab ich hab nur das Zeug im Ofen gehabt. Ich bin Whistleblower.
Philipp: Mmhm, ja.
Daniel: Die können dir auch nicht nachweisen, dass du den, also dass du deine Lebensgefährtin und die Tochter irgendwie vergiften verstrahlen wolltest. Die können’s dir einfach nicht nachweisen.
Philipp: Mmhm. Aber es liegt ja nah.
Daniel: Es liegt nah, aber…
Philipp: Aber es ist auch blöd. Es ist genauso blöd wie der ganze andere Scheiß, weil ganz ehrlich, wenn die vom Auto überfahren werden, ja? Nachts auf einer dunklen Straße. Ja, es ist das, dann ist das eine Sache. Dann bist du verdächtig. Sehr verdächtig. Als Freund und Stiefvater quasi. Aber wenn die radioaktiv verseucht werden. Und du arbeitest in einer Entsorgungsanlage für radioaktive Stoffe. Dann ist bist du nicht verdächtig, dann warst du’s. Das ist sehr relevanter Unterschied. Das ist das ist ist es überhaupt nicht plausibel, dass es irgendwie anders dann gekommen sein könnte. Wenn die tatsächlich daran verreckt wären, dann wäre es wirklich so gewesen, also jetzt geben sie’s halt zu. Es ist so offensichtlich.
Daniel: Ich bin voller deiner Meinung. Ich bin richtig deiner Meinung, aber das Gericht.
Philipp: Das ist doch selten dämlich.
Daniel: Das Gericht sagt am 11.06.2002: Du hast, du bekommst ein paar Jährchen und zwar für unerlaubten Umgang mit radioaktiven Stoffen, von Freisetzung ionisierter Strahlen und für gefährliche Körperverletzung.
Philipp: Geil. Diesen diesen tatsächlich diesen StGB Paragraphen Freisetzung ionisierender Strahlung, habe ich mal irgendwo in einem Quiz, als ich mal ein Quiz gemacht habe, den mal eingebaut. So welchen dieser Strafrechtsparagraphen gibt es wirklich? Und es war genau dieser, den es dann wirklich gab. Freisetzen ionisierter Strahlung. Also ich hätte nicht gedacht, dass dadurch schon mal jemand danach schon mal jemand in Deutschland verurteilt worden ist, aber in diesem Falle völlig zurecht.
Daniel: Lustigerweise, genau über diesen Artikel bin ich überhaupt auf die Geschichte gekommen, weil ich Grüße an dieser Stelle an die Kollegen von Verbrechen für Weicheier, die haben in irgend so einer Zwischenepisode mal vor einigen Wochen irgendwann mal einen Artikel gehabt irgendwie, den die einfach nur vorgelesen haben, da ging’s darum, dass bestimmte Gesetze, die es früher gegeben hat, mittlerweile eingestampft werden, weil die einfach keine Verwendung finden. Und da drunter war irgendwas in Richtung Freisetzung von Atomwaffen oder sowas. Von genau von Atomexplosionen mit Todesfolge.
Philipp: Herbeiführen einer Atomexplosion ist auch eine ein Straftatbestand, ja.
Daniel: Genau. Und finde ich sollte aber nach wie vor verboten bleiben.
Philipp: Ja, finde ich auch nicht schlecht ehrlicherweise.
Daniel: Also so grundsätzlich würde ich den jetzt vielleicht nicht abschaffen.
Philipp: Wenn ich mich recht erinnere, da unterscheidet man auch zwischen absichtige und unabsichtige und auch mit Todesfolge oder ohne. Aber dazu verlinke ich vielleicht die Episode von den Weicheiern. Das ist ganz lustig.
Daniel: Eine Atomexplosion ohne Todesfolge herbeiführen, ist also da muss ich sagen, das ist dann eine eine ein Werk, das schwer zu schaffen ist und da würde ich schon wieder meinen Hut vorziehen, wenn das einer hinkriegt.
Daniel: Und macht das auch noch unabsichtlich.
Philipp: Und das auch noch unabsichtlich. Unabsichtlich eine Atomexplosion herbeiführen ohne ohne Todesfolge, das ist für mich das Gegenteil von einer Straftat, da solltest du quasi so eine Gefängnisfreikarte kriegen wie bei Monopoly. Das ist quasi, das ist Minus mal Minus ist Plus, das muss gut rauskommen für dich.
Daniel: Ja auf jeden Fall. Und wie gesagt, genau danach habe ich gesucht, weil ich mir gedacht habe, irgendwie muss es dieses Gesetz ja geben, weil etwas passiert ist. Und darauf bin ich auf diese ionisierten Strahlen gekommen, auf auf den Paragraphen und dann auf diesen Fall.
Philipp: Verstehe. Der ist mir damals nicht untergekommen, als ich danach recherchiert habe.
Daniel: Tja.
Philipp: Sonst hätte ich den auf dem Schirm gehabt.
Daniel: Na ja, jedenfalls wie gesagt, man kann nicht abschließend klären, was du ob du an diesen ob es mit Absicht war, dass die Frau und die Tochter jeweils eine sehr sehr starke Dosis abbekommen haben und dementsprechend kriegst du nur gefährliche Körperverletzung in diesem Fall. Was sich am Ende auf 4,5 Jahre reduziert.
Philipp: Das nicht sehr viel.
Daniel: Das ist nichts und davon hast du schon ein Jahr in U-Haft gesessen, das wird dir natürlich angerechnet.
Philipp: Also sind es nur noch dreieinhalb und wahrscheinlich ein Teil zur Bewährung ausgesetzt, der hat nicht lange gesessen wahrscheinlich.
Daniel: Ich glaube nicht. Das Problem ist, ich kann’s dir nicht sagen, weil in Deutschland gilt das Recht fürs Vergessen werden oder aufs Vergessen werden.
Philipp: Ja, richtig.
Daniel: Und dementsprechend weiß ich nicht, was danach passiert ist. Also du gehst in den Knast, die Tochter und die Lebensgefährtin gehen in in in medizinische Behandlung und das ist im Endeffekt das Ende der sogenannten Plutonium-Affäre von 2001.
Philipp: Plutonium-Affäre. Ja das heißt aber der der lebt ja wahrscheinlich noch. Irgendwas mit 70 ja, wenn er nicht komplett an Krebs an an an Plutonium-Krebs verstorben ist.
Daniel: Plutonium-Krebs.
Philipp: Also Herr M, wenn Sie noch leben, outen Sie sich bitte, wir sind interessiert.
Daniel: Das ist es nämlich. Ich wollte das tatsächlich noch hier mit mit reinbringen, falls diese Geschichte, falls dieser Podcast, diese Episode den den Herrn M, den Herrn Mann, den Hermann erreicht, mich würd’s echt interessieren, ob das was ich da recherchiert habe in den Berichten, ob das so stimmt. Oder ob da noch mehr war. Oder weniger.
Philipp: Sie können gerne, also sagen Sie gerne Bescheid, wir werden das hier dann live on air klären.
Daniel: Wir arrangieren da was. Und es ist ja alles verjährt.
Philipp: Wir arrangieren da was. Es ist verjährt, es ist egal. Sie können auspacken, aber bitte nicht in Präsenz. Wir müssen nichts mehr messen.
Daniel: Wir müssen wirklich nicht messen. Wir haben wir haben auch kein Interesse an radioaktiven Zusendungen oder sowas.
Philipp: So ne Stuhlprobe.
Daniel: Genügt dann. Genügt dann wirklich.
Philipp: Ja jedenfalls wie gesagt Plutonium-Affäre. Dann noch ein zwei Worte zu dem WAK, zu der Anlage, wo du Licht gesehen hast und das Foto relativ aktuell war. Das heißt nicht mehr WAK, das heißt jetzt anders, ich habe den Namen jetzt leider nicht aufgeschrieben. Ja, das ist immer noch im Rückbau.
Daniel: Aber da die waren doch schon relativ weit, dachte ich.
Philipp: Jain. Also so wie ich das verstanden habe, ist das Ding immer wieder mal pausiert worden, weil Geld fehlt, weil die Plutonium-Affäre kam, da musste man halt mal gucken.
Daniel: Mhmm.
Philipp: Und wie gesagt, das Gebäude steht noch, das steht neben diesem Kernforschungszentrum oder zumindest damaligen Kernforschungszentrum. Ich habe ehrlich gesagt nicht überprüft, ob’s das Forschungszentrum noch gibt. Ja und das Gebäude wie gesagt oder die ganze Geschichte hat dazu geführt, dass alle Länder in Deutschland diese also alle ihre Nuklearanlagen überprüft haben, also Forschungszentren und alles mögliche, was wir hier noch alles haben. Die Sicherheitsstandards wurden angehoben und am Ende des Tages war es vielleicht sogar tatsächlich eine gute Sache, weil soweit ich weiß, ist in Deutschland sowas dann nie wieder passiert.
Daniel: Nee, mir wäre auch nichts bekannt. Wir hätten’s ja auch schon längst gemacht ehrlicherweise.
Philipp: Ja, ich glaube auch. Also ich finde auch eigentlich schade, dass wir jetzt erst mit der Plutonium-Affäre kommen, aber ja, manchmal manchmal muss es ein bisschen reifen, das alles.
Daniel: Manchmal muss es reifen. Ich danke dir sehr. Ich kannte die Geschichte nicht, ganz toll, ich freue mich und ich werde definitiv mir das noch mal durchlesen und äh Hermann, du weißt Bescheid. Call me. Call me maybe.
Philipp: Call me maybe. Liebe Grüße an der Stelle nach äh ja wo auch immer der der gute Hermann ist. Liebe Grüße aber auch an nochmals an an Wolfgang.
Daniel: Ja und liebe Grüße an Frau und Kinder, so sie denn noch unter uns weilen.
Philipp: Oh ja. An den Sessel bei dem Freund.
Daniel: Und den und den und den Freund wollte ich gerade sagen, den Freund der der Tochter von vor 29 Jahren. Wenn wenn also das wäre ja das Happy End, wenn diese Beziehung noch besteht. Nach all der Zeit. Hoffen wir mal. Also auch da, call me, wir sind interessiert, wir wollen den Gossip hören.
Philipp: Wir geben’s auch nicht an die Bild-Zeitung.
Daniel: Wir hoffen die Liebe strahlt weiter. Mindestens wie die Halbwertszeit von Plutonium ist.
Philipp: Strahlen, das tun auch die Sterne am Adventshimmel. In diesem Sinne schöne Weihnachten, guten Rutsch und äh ja, kommt gut ins neue Jahr, dann sind auch wir wieder da.
Daniel: Das hast du sehr schön gesagt. Ich habe dazu nichts weit zu fügen. Wir hören uns Anfang nächsten Jahres.
Philipp: Bye bye.
Daniel: Bis dann.
