Transkript zur Episode: Heuhaufen-Halunke
Daniel: Hallo Philipp.
Philipp: Hallo Daniel.
Daniel: Philipp, wir waren in den USA.
Philipp: Wie gehen wir denn in die USA? Manchmal klebt man an den Stahl.
Daniel: Klebstoff. Klebstoff – na ja, heute wird ja doch – oh, Klebstoff wird heute auch Thema sein, aber tatsächlich Klebstoff als Chemikalie, also chemisches Gemisch. Aber ist nicht so wichtig gerade, Philipp. Ich nehme dich heute mit nach Washington – nicht nach DC, in den Bundesstaat Washington auch nicht. Ich nehme dich mit in die Stadt Washington in Maine.
Philipp: Maine – in den USA, ganz nordöstlichste Ecke der Vereinigten Staaten im Endeffekt.
Daniel: Ja, ich kenne Maine, aber ich wusste nicht, dass es da noch mal n Washington gibt.
Philipp: Ja, das gibt es ja überall. Also ich glaube, da gibt es auch in Frankfurt und Warschau ohne den ganzen Zirkus – da gibt es das, dachte ich.
Daniel: Jedenfalls, wir sind fast an der Grenze Kanadas. Nach Oak Island sind wir ziemlich genau 400 Kilometer Luftlinie entfernt, nur damit du dich orientieren kannst.
Philipp: OK, alles klar. Also wir sind sehr, sehr, sehr weit am nordöstlichsten Zipfel der Vereinigten Staaten.
Daniel: Absolut korrekt. Dort starten wir heute am 1. Januar 1880.
Philipp: Oh, wir gehen weit zurück, 1880.
Daniel: Ist ja n bisschen, n bisschen, n bisschen. Und da kommst du zur Welt als Elmer McCurdy.
Philipp: Elmer, sympathischer deutscher Name, würd ich sagen.
Daniel: Irisch?
Philipp: Tatsächlich.
Daniel: Ah OK.
Philipp: Irische Vorfahren?
Daniel: Scheinbar, zumindest dem Namen nach zu urteilen. Und ja, deine Eltern George und Helen, die ziehen dich ganz normal auf. Deine Tante Sady ist oft da, auf jeden Fall – Sady, schon auch schon das ein Give-away, nordamerikanisch mittlerweile.
Philipp: Ja, ja, ja.
Daniel: Jedenfalls, deine Kindheit ist sehr unspektakulär. Nein, wie ich zu sagen pflege: Du bist Kind und machst Kinderdinge.
Philipp: Ja OK, das geht ja absolut soweit.
Daniel: So normal würd ich erst mal sagen.
Philipp: Absolut normal.
Daniel: Absolut normal. Und dann passiert was – sagen wir, normal ist das für den Podcast, weniger normal für den Otto-Normal-Menschen: Dein Vater erkrankt an Tuberkulose.
Philipp: Das passiert heutzutage nicht mehr.
Daniel: Aber damals eben.
Philipp: Damals eben.
Daniel: Und du weißt, wie solche Geschichten ausgehen. Er stirbt nach kurzer, schwerer Krankheit – da bist du gerade 10 Jahre alt – und deine Mutter und deine Tante, die entscheiden sich, also diese Schwestern, die entscheiden sich, dass es vielleicht für dich besser wäre – gut, du hast jetzt keinen Vater mehr, aber wenn deine Tante bei dir bleibt, also mit deiner Mutter, die ziehen zusammen, und dann hast du zumindest 2 Bezugspersonen, bei denen du bleiben kannst. Sie entscheiden sich, in der nächstgrößeren Stadt nach einer Wohnung zu suchen.
Philipp: Und das da wäre?
Daniel: Bangor – ein “Banger” in Maine, geschrieben B-A-N-G-O-R, ein “Banger”. 1890 ziehst du dann mit deiner Mutter und deiner Tante nach Bangor, und dort lebt ihr n bisschen, und dann passiert sehr schnell folgendes: Die beiden Frauen nehmen dich zu sich, und sie möchten dir etwas beichten.
Philipp: Sie haben den Vater umgebracht?
Daniel: Nee, kann ja nicht sein, ne – Tuberkulose ist schwierig.
Philipp: Ja du – kaltes Wasser auf die Brust gelegt nachts? Oder so Eisblöcke, weißt du? Wie bei 7 Leben, Kante geben, alles versucht, Nagelsandwich?
Daniel: Alles?
Philipp: Nein, sie haben nichts mit dem Tod deines Vaters zu tun – weil es nicht dein Vater war.
Daniel: Ah, das heißt, sie haben nichts mit dem Tod eines anderen Mannes zu tun, aber vielleicht doch mit dem Tod meines Vaters.
Philipp: Sie haben nichts mit dem Tod deines Vaters zu tun. Sie haben auch nichts mit dem Tod deines vermeintlichen Vaters zu tun.
Daniel: OK, das Problem ist: deine Mutter ist gar nicht deine Mutter und deine Tante ist gar nicht deine Tante.
Philipp: Na gut, wenn die Mutter nicht die Mutter ist, dann kann die Tante ja auch nicht die Tante sein.
Daniel: Deine Mutter ist deine Tante und deine Tante ist deine Mutter.
Philipp: Was ist das denn für ne sinnlose Unterscheidung? Warum hat man das denn gemacht?
Daniel: Das Problem ist: Sady, also deine eigentliche – deine vermeintliche Tante – sie wurde mit 17 schwanger, vermutlich von Cousin Charles.
Philipp: Cousin Charles, ja.
Daniel: Und sie wollte nicht, dass das rauskommt. Und sie hat also n Deal mit ihrer Schwester Helen gemacht, dass Helen dich zu sich nimmt und dich wie ihren eigenen Sohn aufzieht, und eben auch dein vermeintlicher Vater, der dein Onkel war.
Philipp: Ja, aber Moment mal, das funktioniert doch nie im Leben, weil du siehst doch, ob jemand schwanger ist oder nicht. So beste Kleider – die kann ja nicht für jemand anderen schwanger werden.
Daniel: Tatsächlich ist so ne Geschichte schon öfter mal vorgekommen. In der Geschichte hab ich schon etliche Geschichten gelesen, dass Kinder anderen Leuten untergeschoben wurden, nur weil die – ich sag mal – n bisschen ne längere Zeit breitere Kleidung getragen haben oder mal n paar Kilos mehr auf den Rippen hatten.
Philipp: Ja, ja, gut, das kann ich nachvollziehen, ja, aber der Fakt, dass jemand, der ne zeitlang breitere Kleider trägt und n paar Kilos mehr auf den Rippen hat und offensichtlich irgendwie nicht ganz normal ist – also es hat ja Implikationen, und dass da gesagt wird, die Person ist nicht schwanger, aber die Person, bei der man gar nicht sieht, ist schwanger – das schon komisch.
Daniel: Ja, ich weiß was du meinst, aber es ist öfter schon mal vorgekommen, und scheinbar kommen damit die Leute immer wieder durch, eben wie deine Tante-Schwester Helen und deine Tante-Mutter Sady – nee, Entschuldigung, Mutter-Tante, Tante-Mutter Helen und deine Tante-Mutter Sady. Die haben es halt wohl irgendwie durchgekriegt, und niemand in der Familie hat es mitbekommen, dass deine Mutter mit dir schwanger war und dich dann quasi deiner Tante zugeschoben hat, und deine Tante sollte sich um dich kümmern, dein Onkel auch, und deine Mutter, beziehungsweise seine vermeintliche Tante, war immer wieder da, um quasi auszuhelfen. Und du hörst das, und deine Welt bricht in sich zusammen.
Philipp: Du bist enttäuscht und du bist verletzt.
Daniel: Durchaus nachvollziehbar.
Philipp: Man hätte mir das ja auch mal früher sagen können.
Daniel: Ja gut, du bist gerade 10.
Philipp: Ja gut, viel früher hätte man es mir vielleicht doch nicht sagen können.
Daniel: Na? Ja, es – ich glaube, das ist das einzige Alter, wo du sagen kannst: Ja, OK, es ist nicht zu früh, aber es ist auch nicht zu spät, weil später möchtest du sowas auch nicht herausfinden.
Philipp: Das ist richtig. Ich nehm alles zurück, was ich gesagt habe. Es ist viel zu früh – viel zu früh für diese Zeit, in der wir gerade leben, denn du möchtest mit diesen Leuten als Zehnjähriger nichts mehr zu tun haben, so.
Daniel: Schwierig.
Philipp: Schwierig.
Daniel: Du kannst nicht abhauen.
Philipp: Klar.
Daniel: Also kannst schon abhauen, aber du wirst jetzt als Zehnjähriger schlecht zu trinken kommen.
Philipp: Was soll das bringen?
Daniel: Genau, also entscheidest du dich zu bleiben.
Philipp: Notgedrungen.
Daniel: Notgedrungen. Du bist aber so gut wie zu Hause und du treibst extrem viel Schabernack ab diesem Zeitpunkt.
Philipp: Hier sind wir wieder, hier fühl ich mich zu Hause. Was mach ich denn Nettes?
Daniel: Es ist nicht genau überliefert, aber du scheinst so n frecher, rebellischer Bengel zu sein.
Philipp: Ein Tu-nicht-gut, wie man sagt.
Daniel: Ah schön, ja, ein Ganove.
Philipp: Ein Ganove, ein Ganove wohl im – also in jeglichem Sinne.
Daniel: Denn du fängst in den jungen Jahren, mit 10, an zu trinken.
Philipp: Das ist aber gar nicht schön.
Daniel: Ist überhaupt nicht schön. Ich sag mal so, deswegen hab ich gesagt, es ist vielleicht n bisschen zu früh, dir das gesagt zu haben, weil du verfällst sehr schnell in den Alkoholismus.
Philipp: Mhm, das ist mit 10 echt hart.
Daniel: Das ist schwierig, das ist nicht gut für den Körper, nicht gut für die Psyche. Und dazu kommt noch, dass wir uns zu diesem Zeitpunkt mal wieder in einer Wirtschaftskrise befinden, und zwar in der Panic of 1893.
Philipp: Na ja, gut, aber ich bin ja also für die Wirtschaft, bin ich glaub ich bereichernd.
Daniel: Das stimmt.
Philipp: Also ich mach Umsatz.
Daniel: Ja, definitiv. Du wirst eben indirekt betroffen, im Endeffekt – ich sag mal so, Armut ballt sich an.
Philipp: Mhm.
Daniel: Und Alkohol wird teurer, und du bist ein zu diesem Zeitpunkt Dreizehnjähriger, der keine Kohle hat.
Philipp: Der keine Kohle hat, richtig, aber was du hast, ist mittlerweile, glaub ich, eine Alkohol-Toleranz – vielleicht aber auch nicht.
Daniel: Du bist 15, es ist 1895, du befindest dich in einer Bar, du bist hackevoll und du gerätst mit einem Mann in eine Kneipenschlägerei.
Philipp: Na ja, gut, das kann passieren.
Daniel: Ja, das würd ich sagen.
Philipp: Also in der Zeit, in der wir uns befinden, gehört ne Kneipenschlägerei doch zum guten Ton, oder nicht? Ich glaube auch – also da sind wir wieder bei fliegenden Stühlen, Barhocker jetzt in dem Sinne wahrscheinlich. Hat keiner den Klappstuhl ausgegraben, wie im Baseballstadion?
Daniel: Jedenfalls, die werden nach wenigen Minuten auseinandergezogen. Und dann gibt es von der Polizei einen auf den Deckel.
Philipp: Ja, wenig überraschend.
Daniel: Wenig überraschend, aber das lässt dich so n bisschen nachdenken, und mit 15 kriegst du so ne Art –
Philipp: Ich würd sagen, Erleuchtung ist vielleicht zu groß gedacht, aber –
Daniel: Epiphanie.
Philipp: Wow. Nee, du denkst dir so: Boah ey, Elmer, komm mal klar. Ermer, Junge, komm noch mal klar – komm mal über die – ich hab n Problem.
Daniel: Komm mal bei mich, sagt dein Großvater Harden, und sagt: Hör mal, ich hab da so n Klempnerkumpel, der hat hier ne so ne Klempnerfirma – kannst du bei ihm Ausbildung machen, was sagst du?
Philipp: Ich sage natürlich, ich gehe dahin, wenn ich da ne Festanstellung kriege. Ich bin am Start.
Daniel: Und das kommt genauso. Du bekommst auf jeden Fall erstmal ne Lehre für die nächsten 3 Jahre, und du verdienst da schon gutes Geld. Und du lernst viele wichtige Skills – also nicht nur die handwerklichen Skills als Klempner, sondern auch einfach mal soziale Skills. Und du gerätst immer weiter wieder zurück auf die richtige Spur im Leben.
Philipp: Verstehe – das heißt, ich werde gerade resozialisiert.
Daniel: Du wirst komplett resozialisiert. Und vor allem der Großhandel in Menger lebt auch, und dort sind gerade Klempner sehr gefragt. Klempner sind sehr gefragt, weil es gibt ne Industrie von Sägewerken, Sägemühlen und so weiter in Menger, und es gibt einen Penobscot River, wo die ganzen Abfälle halt reinfließen von den ganzen Sägemühlen. Und dieser Fluss ist extrem verdreckt, und das Wasser fließt halt in unterschiedlichste Rohre ab, und die verstopfen immer wieder, verrosten, und passieren sonstige Dinge – Klempner sind sehr gefragt.
Philipp: Für Klempner ist das natürlich n Konjunkturprogramm, sowas.
Daniel: Absolut, du lebst wirklich zu dem Zeitpunkt ein gutes Leben, weil du verdienst gutes Geld als Klempner mittlerweile und du hast immer was zu tun.
Philipp: Da kommt man auch nicht auf die Idee zu trinken.
Daniel: Also ich sag mal so, das ist schon dein Hobby – trinken, trinken. Also du trinkst.
Philipp: Das ist nicht besser geworden, ja.
Daniel: Das ist nicht besser geworden, aber du arbeitest hart und du genießt auch hart.
Philipp: Verstehe, ja.
Daniel: Das große Problem ist die Wirtschaftskrise. Die ist ja immer noch so n bisschen im Hintergrund am Rodeln, und die erreicht irgendwann mal auch Maine und Bangor, und alles inklusive deines Alkohols wird extrem teuer, und du kommst kaum noch über die Runden.
Philipp: Ein Schicksal, wie es wahrscheinlich viele teilen in diesem Land zu dieser Zeit.
Daniel: Absolut, absolut. Aber das ist nicht dein einziger Schicksalsschlag: Im Jahr 1900, da bist du mittlerweile 20, stirbt Sady, also deine echte Mutter.
Philipp: Mhm.
Daniel: Und das passiert im August, und im September danach stirbt auch dein Großvater.
Philipp: Was ist denn mit dem Cousin, oder wollte ich nichts mit dem zu tun haben?
Daniel: Mit dem hast du nichts zu tun. Das ist immer nur eine Vermutung, dass der Cousin – es waren mehrere im Rennen, sag ich jetzt mal. Cousin Charles war, sag ich mal, ganz oben auf der Liste, war Favorit.
Philipp: Ja, waren Favorit?
Daniel: Ja, ja. Es kamen scheinbar mehrere Leute in Frage zu dem Zeitpunkt, als du sagen mal 10 Monate später ungefähr auf die Welt kamst.
Philipp: Verstehe. Also jetzt ist Sady auch weg. Das heißt, ich hab jetzt nur noch den Großvater quasi, der mich da aber auch sowieso wieder zurückgeholt hat ins Leben – der stirbt direkt im Anschluss.
Daniel: Also sowohl deine Mutter als auch dein Großvater – die sterben sehr schnell hintereinander, und ja, mit deiner Tante hast du nichts mehr zu tun, also mit deiner ehemals Mutter.
Philipp: Das klingt so falsch, aber.
Daniel: Ja, es ist aber auch richtig. Also das sind natürlich Schicksalsschläge, die kommen jetzt natürlich durchaus ungünstig.
Philipp: Das ist richtig. Gut, jetzt kann man die Frage stellen, ob irgendwann mal Schicksalsschläge zu einem günstigen Zeitpunkt kommen.
Daniel: Auch das – wenn du ne Woche später im Lotto gewinnst, ist halt schon besser als wenn ne Woche später dann auch noch jemand stirbt.
Philipp: Korrekt.
Daniel: Aber du denkst dir so: Meine Mutter ist tot, mein Großvater ist tot, mich hält hier nichts mehr.
Philipp: Ja, das halt ich für ne fragwürdige Einschätzung der Situation.
Daniel: Ja, es ist – es ist nicht so schlimm, wie du denken könntest. Also du entscheidest einfach: Ich gehe jetzt weg aus Bangor, ich werde jetzt Wanderarbeiter an der Ostküste.
Philipp: Es gibt ja auch nichts Geileres, als Wanderarbeiter zu sein in der Wirtschaftskrise – da hat man es am einfachsten, na?
Daniel: Ja, also ich sag mal so, du kannst ja – ich kann mir das vorstellen, wieso ne Welle: Die Wirtschaftskrise, die bewegt sich so gesehen von Punkt A nach B, und du kannst ihr vielleicht entkommen, weil bis sie nach Bangor kam hat es ja auch gedauert.
Philipp: Ja gut, aber jetzt ist sie ja einmal durch.
Daniel: Ja, das stimmt, das stimmt.
Philipp: Ich bin ja schon außen.
Daniel: Aber du entscheidest dich: Du wirst jetzt n Wanderarbeiter, oder im Englischen gibt es n schönen Begriff dafür – der Hobo.
Philipp: Der Hobo.
Daniel: Und da hab ich heute was gelernt, als ich das gelesen habe: Der Hobo – also wir kennen das Wort Hobo eher so als n Kontext für n Obdachlosen.
Philipp: Ja.
Daniel: Der Hobo steht aber tatsächlich für Wanderarbeiter, die als blinde Passagiere auf Güterzügen von A nach B gefahren sind und quasi von A nach B sich Jobs gesucht haben und dort gearbeitet haben. Und es waren meist Feldarbeiter, die sogenannten Hoe Boys.
Philipp: Ah, da hat man sich natürlich ganz kreativ was anderes ausgedacht.
Daniel: Ja, das schreibt – ruhig von mir ab, aber benutzt nicht die gleichen Worte wie ich. Ja, die Hoe Boys waren die Gartenhackenjungen, ne – um jetzt ins Deutsche zu übersetzen – und aus Hoe Boy hat sich dann irgendwann mal der Hobo entwickelt, was daraus sprachlich wurde im Laufe der Jahre.
Philipp: Die Gartenhackenjungen – das ist auch ne super – also meine Gang sind Gartenhackenjungen, wir hacken dir richtig einen rein. Im Garten. Gartenhackenjungen – da geht Hoe Boys schon härter, muss ich sagen.
Daniel: Ja, Hoe Boys geht härter, und Hobos, was daraus irgendwann mal wurde. Also es ist immer sehr, sehr wahrscheinlich, dass sich aus Hoe Boy entwickelt hat – es gibt nur andere Theorien, aber das ist die wahrscheinlichste. Fand ich sehr interessant, wollt ich mal reinwerfen, weil wir lernen ja heutzutage in dem Podcast.
Philipp: Education, wir sind Edutainment.
Daniel: Na ja, und jedenfalls du machst genau das. Du fährst von Job zu Job, und so kommst du über die Runden. Es funktioniert also – es gibt dir jetzt nicht unbedingt super, aber du lebst. Du kannst deine Rechnungen, dein Essen und auch deinen Alkohol bezahlen.
Philipp: Ich meine, das muss reichen, das muss reichen.
Daniel: Ja, also mitten in der Wirtschaftskrise könnte es einem schlechter gehen, würde ich sagen.
Philipp: Absolut, absolut.
Daniel: Also es gibt 2 Dinge, die in der Zeit relevant sind. Wir sind mittlerweile bei 1903, also bis 1903, und du wirst in einer Zeitung erwähnt, du wirst namentlich erwähnt: Dass du und eine Misses McCurdy zusammen in einer Arbeiterunterkunft in Augusta lebt – Augusta ist auch in Maine, also wir bleiben noch in der Ecke.
Philipp: Das da, wo dieser berühmte Golfplatz ist.
Daniel: Oh, das weiß ich nicht.
Philipp: OK, aber OK.
Daniel: Ja, das heißt, ich habe sogar eine Frau an meiner Seite.
Philipp: Eine Lady, die sich zumindest Misses McCurdy nennt.
Daniel: Ob ihr geheiratet habt, ist nicht bekannt.
Philipp: Vielleicht ist das ja auch so ne Achtzigjährige, mit der ich einfach so zusammenlebe, weil wir uns das alleine nicht leisten können.
Daniel: Also ja und nein. Ich glaube nicht, dass sie 80 ist. Und ja, ihr könnt euch das alleine nicht leisten, denn ihr wohnt in dieser Arbeiterunterkunft zusammen mit 45 anderen Personen.
Philipp: Oh, OK, verstehe, ja.
Daniel: Unter anderem lebt dort die Nelly Norris.
Philipp: Aber ich hatte jetzt eigentlich gehofft, dass du irgendein US-Präsidenten, späteren, der da irgendwie – weil das wäre natürlich Heldendumm gewesen – ja, Entschuldigung, aber in dieser Arbeiterunterkunft hat auch mal irgendwie dann irgendein – Ronald Reagan, also der vielleicht am wenigsten, ja – aber irgendein Präsident gewohnt oder so.
Daniel: Nein, Nelly Norris lebt dort. Nelly Norris ist auch geschichtlich völlig irrelevant, aber für diese Geschichte ziemlich wichtig, denn sie ist n bisschen jünger als du. Sie ist 20 Jahre alt, und sie ist krank. Sie hat Symptome, und diese Symptome kann man sehr gut erkennen an ihrer Haut, denn sie hat einen Schub Windpocken bekommen.
Philipp: Bisschen schwierig für Windpocken, aber passiert. Aber immerhin nur Windpocken, ne – wobei die werden ja, je älter man wird, auch glaub ich gefährlicher.
Daniel: Das ist richtig, und deswegen hat man gedacht: Man ruft mal n Arzt, der sich zumindest n bisschen um die Linderung der Symptome kümmern kann, einfach mal die Haut n bisschen beruhigen, einfach irgendwas geben, damit es Nelly n bisschen besser geht.
Philipp: Mhm. Der Arzt kommt her und guckt – ja, sieht auf Windpocken aus. Was hast du denn, Mädel?
Daniel: Und sie sagt: Ja, ich habe Schmerzen und ich habe Schwierigkeiten zu sehen.
Philipp: OK, das ist kein klassisches Symptom bei Windpocken. Also als ich die Windpocken hatte, konnte ich geradeaus gucken.
Daniel: Richtig, denn alles was sie hat – Schmerzen und Ausschlag an der Haut – ist alles Windpocken, aber wenn dazu temporäre Blindheit dazu kommt, ist es nicht Windpocken, sondern Pocken.
Philipp: Oh, und das ist, glaub ich, hart gefährlich, ne.
Daniel: Absolut problematisch. Ihr sitzt in einem Haus mit 45 Leuten, lebt da wirklich eng auf eng – Pocken überträgt sich über Tröpfcheninfektion, über Staub, über Schleimhautkontakt, über alles Mögliche.
Philipp: Schwierig. Ich glaube, heutzutage gibt es diese Krankheit gar nicht mehr.
Daniel: Ne, ist glaub ich ausgerottet.
Philipp: Ist ausgerottet.
Daniel: Ist ausgerottet, aber dazu kommen wir noch tatsächlich. Wir werden heute ein Teil davon – denn Nelly wird sofort in das lokale Pesthaus gebracht.
Philipp: So n Kreuz an der Tür am besten.
Daniel: Noch im Pesthaus – denn wie gesagt, Windpocken wären ja OK, aber Pocken ist übelst gefährlich, übelst ansteckend und übelst tödlich. Ja, und das Haus, in dem du und Misses McCurdy und die 45 anderen Leute jetzt drin sind, wird abgeriegelt, denn man muss die Bewohner alle auf Infektionen testen.
Philipp: Das erinnert mich – also diese Folge hätten wir mal vor 5 Jahren machen sollen, das wäre mal ne spannende Geschichte gewesen.
Daniel: Ja, ja, pass auf ne. Ich glaube, wenn wir diese Folge zu der Zeit gemacht hätten, dann hätten wir ganz, ganz n falsches Publikum erwischt. Denn das Wahrscheinlichste, was als nächstes passiert: Das Haus wird zugemacht, die Polizei kommt und sagt Hallo, wir haben n Arzt, er hat Spritzen dabei, wir werden jetzt euch alle zwangsimpfen – und in dem Moment springen 4 Leute aus dem Fenster und fliehen. Sie werden von der Polizei durch ganz Augusta gejagt.
Philipp: Du musst jetzt so ne Benny-Hill-Geschichte vorstellen, wo 4 Leute rennen, dahinter n Haufen Polizisten und n Arzt mit einer Spritze. Gehen die so links durch ne Haustür rein, kommen rechts aus dem Haus wieder raus.
Daniel: Exakt, exakt. Diese Bild. Sie werden gejagt, gefunden und geimpft.
Philipp: OK. Wir sollten, wir hätten – ist es gut, dass das jetzt passiert, diese Folge? Ja, ich teile das.
Daniel: Jedenfalls, sie werden zwangsgeimpft. Später, also Jahre später, wird eine Zwangsimpfung auch durchgesetzt in den USA und auf der ganzen Welt. Denn nur durch diese Zwangsimpfung wurde Pocken als Krankheit auch tatsächlich ausgerottet.
Philipp: Zumindest stand – meine Recherche nicht, dass es – also ich meine, heutzutage kommen immer wieder irgendwelche Krankheiten, die man denkt, dass sie ausgerottet sind, und dann findet man sie plötzlich irgendwie im Abwasser wieder.
Daniel: Ja, aber ich glaube tatsächlich, das ist weg.
Philipp: Ich glaube auch. Also es gibt ja ganz viele ältere Menschen, die noch gegen Pocken geimpft worden sind, die noch so ne ganz markante Narbe davon getragen haben, glaub ich, ne – die Oberarmnarbe.
Daniel: Genau, ja. Jedenfalls du – ich konnt nicht herausfinden, ob du einer der 4 warst, aber das wäre ganz lustig gewesen.
Philipp: Das war – das war dir zu viel am Ende.
Daniel: Ich glaub, am Ende des Tages waren es 10 Leute, die nicht geimpft waren, und 2 waren infiziert. Man hat das alles irgendwie in Griff gekriegt, aber du denkst dir so: Boah, nee ey, ich hab gar keinen Bock drauf. Und dann denkst du dir: Alles klar, ich geh jetzt Richtung Westen. Und wir sind Anfang der 1900er, wir sind so gegen Ende der Zeit des Wilden Westens.
Philipp: Oh OK. Also so n bisschen Red Dead Redemption mäßig – also der Wilde Westen geht so langsam zu Ende. Oder auch hier – wie wie hieß denn noch mal diese Nummer von Quentin Tarantino – nicht Inglourious Basterds, die andere – Hateful Eight, das ist glaub ich auch ne ähnliche Zeit.
Daniel: Jedenfalls, du hast so n krassen – ja, so n Cut – in komplett den USA. Du hast eher im Osten das Zivilisierte, nenn ich es jetzt einfach mal, mit Straßen und Autos und dem ganzen Zirkus, oder zumindest aufkommend, und im Westen kommt das langsam. Die USA wird immer moderner im Westen, aber es ist noch nicht überall angekommen. Du kommst in Iola an, das ist eine Stadt in Kansas.
Philipp: Na gut, das ist ja noch nicht ganz so weit im Westen, ne – so südwestlich?
Daniel: Du gehst Richtung Westen, du kommst durch Iola, und du siehst dort eine boomende Gasindustrie, und du denkst dir so: Ey, Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätte ich vielleicht.
Philipp: Ja, weil die wahrscheinlich jeden nehmen.
Daniel: Ne, wenn die Industrie boomt – die nehmen fast jeden. Du hast so paar Gespräche, und dann heißt es so: Ja, wer bist du da eigentlich?
Philipp: Ja, also ich bin der Elmer McCurdy – McCurdy, ist das n irischer oder was?
Daniel: Den wollen wir hier nicht haben.
Philipp: Den Iren wollen wir hier nicht haben.
Daniel: Also heißt du ab sofort nicht mehr Elmer McCurdy – du heißt ab sofort Frank Curtis.
Philipp: Das ist auch wirklich – ach schön.
Daniel: Ja, Frank Curtis ist wirklich – also das ist so generisch, ne.
Philipp: Es geht doch generischer. Aber ich frage mich, warum er auch den Vornamen geändert hat. Also Elmer, okay, vielleicht zu dieser Zeit total als irisch zuzuordnen, aber dann noch nicht zu Frank.
Daniel: Fast irgendwas, was naheliegt, aber gut – wenn man sich den Namen schon mal aussuchen kann, da kommt man ja nicht so häufig im Leben zu, dann gerne so. Jedenfalls du bist Frank Curtis und du findest sofort n Job als Klempner.
Philipp: Klar, natürlich.
Daniel: Du trittst einer Gewerkschaft bei.
Philipp: Das finde ich auch so bemerkenswert, dass es in den USA von damals einfach möglich war – ich änder jetzt meinen Namen, ist ja kein Ausweis oder sowas, ist ja egal. Du heißt jetzt so – ja, OK, du hast dich einfach so vorgestellt und das war OK.
Daniel: Ja. Jedenfalls, du trittst einer Gewerkschaft bei und du trittst auch der Freiwilligen Feuerwehr bei. Also du engagierst dich in Iola, du arbeitest, und es geht dir richtig, richtig gut.
Philipp: Das ist doch schon mal klasse. Was ist denn eigentlich aus meiner Frau geworden?
Daniel: Die wird nie wieder erwähnt.
Philipp: OK, also wir wissen gar nichts über sie. Vielleicht ist sie aus dem Fenster gesprungen und – weiß ich nicht.
Daniel: Wir können es nicht sagen, ich weiß es nicht. Was ich aber sagen kann ist, dass du eine Marotte hast, die du nicht ablegen kannst.
Philipp: Das Saufen, das Saufen.
Daniel: Februar 1905 – du bist in einer Kneipe, du bist hackedicht, und du kommst ins Labern.
Philipp: Ich bin eigentlich gar nicht Frank Curtis. Ich bin eigentlich gar nicht Frank Curtis. Ich bin Elmer, Elmer McCurdy. Ja, ja, ja, Vorfahren – Iren – ja, ja, ja, ja – ach ja, ich war in nem anderen Bundesstaat, ich komm gar nicht von hier – da war ne Schlägerei, ich hab n Typen umgelegt.
Daniel: Oh.
Philipp: Da wird man aber dann hellhörig, glaub ich, relativ schnell, oder?
Daniel: Die Leute werden hellhörig, und, na ja, es ist halt im Endeffekt Gelaber – denkst du dir, oder du denkst vielleicht gar nicht dabei nach.
Philipp: Ich geh wahrscheinlich. Wahrscheinlich war ich an einem Punkt, wo man nicht mehr denken kann.
Daniel: Es kann sehr gut sein, und du gehst nach Hause, schläfst den Rausch aus, alles ganz normal. Du gehst zur Arbeit, und dein Chef kommt auf dich zu und sagt so: Francis – oder soll ich sagen, Elmer – ich hab da was gehört.
Philipp: Das ging schnell.
Daniel: Das ging sehr schnell. Es hat sich sehr schnell rumgesprochen, und du sagst: Ja, ich hab n falschen Namen benutzt, hier mit der Arbeit, das hat nicht geklappt mit meinen irischen Vorfahren oder zumindest irisch klingenden Namen. Ich weiß bis heute nicht, ob er tatsächlich irische Vorfahren hatte oder ob das einfach nur n Name war, aber wahrscheinlich schon. Und du sagst: Ja, das stimmt mit dem falschen Namen, ich bin eigentlich Elmer – aber das mit dem Totschlag, ey, das hab ich da einfach dahergelabert, ich war besoffen.
Philipp: Na ja, also es gibt ja Dinge – jetzt muss ich ausholen. Es gibt ja Menschen, die, wenn sie betrunken sind, Geschichten erfinden, ja, um interessant zu sein, um irgendwie, weiß ich nicht, was. Aber man erfindet ja normalerweise Geschichten, bei denen man denkt, da steht man gut da – und nicht schwere Straftaten. Also ich würde ja jetzt nicht besoffen – du wirst mich nicht besoffen in einer Kneipe finden, wo ich erzähle: Leute, ich hab ne Atombombe gebaut.
Daniel: Du vielleicht nicht.
Philipp: Also das wird mir jetzt nicht in den Sinn kommen, irgendwie sowas zu erzählen.
Daniel: Ja, jedenfalls. Du hast es aber erzählt, und wie man sich denken kann, dein Chef findet das nicht gut. Das mit dem Namen hätte er noch drüber gesehen, aber das ist schlechter Ruf.
Philipp: Also das kann ich aber verstehen: Wenn n Mitarbeiter von mir in der Stadt rumerzählt, er hätte Leute umgebracht, dann würde ich als Chef sagen, solche Leute möchte ich in meinem Laden eher nicht haben.
Daniel: Genau das ist es. Und dein Chef sagt: Sorry, tut mir leid, Frank beziehungsweise Elmer – es tut mir leid, ich muss dich jetzt entlassen.
Philipp: Ja, Scheiße auch.
Daniel: Ja, Scheiße auch. Du gehst zurück nach Maine.
Philipp: Ich bin ja auch der Main-Character dieser Folge.
Daniel: Ja, was bist du – bis zum März desselben Jahres, 1905, wirst du dort verhaftet wegen exzessiver Trunkenheit.
Philipp: Ja gut, auch das verwundert mich jetzt gar nicht.
Daniel: Auch das verwundert mich leider überhaupt nicht. Du bist verhaftet wegen exzessiver Trunkenheit, du gehst 30 Tage in den Bau dafür.
Philipp: Oh, das ist aber lang.
Daniel: Ja, fürs Besoffen-Sein ist das lang.
Philipp: Ja, ist – ich sag mal so, du bist ja schon öfter mal aufgefallen in der früheren Zeit, und da warst du weg, und dann kommst du wieder und machst direkt Action. Also das ist glaub ich eher so n Statement.
Daniel: Verstehe – dass man sagt, jetzt kommt hier der – jetzt kommt das Gesocks wieder an.
Philipp: Ja, die wollen wir nicht haben.
Daniel: Da statuieren wir erstmal n Exempel.
Philipp: Genau so ist es.
Daniel: Sobald du aus dem Knast kommst, denkst du dir ja OK, irgendwie hatten die schon recht, ich – es kann so nicht weitergehen. Und du denkst dir so: Ja OK, ich such mir jetzt wieder n neuen Job, aber in Maine und an der Ostküste hast du ja alles schon abgeklappert. Also denkst du dir so: OK, ich geh jetzt nach Missouri.
Philipp: Nach Missouri – da sind wir in den Südstaaten, ne.
Daniel: Nee, wir sind immer noch zentral. Also wir waren vorher in Kansas, wir sind jetzt östlich von Kansas, wir sind in Missouri.
Philipp: Ach, tatsächlich, ja, ja, ja – ich hatte Mississippi, glaub ich, im Kopf, ne.
Daniel: Ja, nicht noch da drunter irgendwo, aber es ist egal. Du gehst nach Missouri, du gehst nach Coffeyville, und in Coffeyville gibt es eine Zinkmine, und in der Zinkmine suchen die nach Bergarbeitern.
Philipp: Und denkst du so: Ja, Bergmann könnte ich machen.
Daniel: Ja, ich hab ne spannende Erwerbsbiografie, das kann man nicht anders sagen.
Philipp: Da ist ja alles dabei.
Daniel: Das große Problem ist, diese Arbeit bringt auch alles mit sich, denn sie macht dich krank – denn in so einer Mine generell ist es schon nicht schön, aber du arbeitest dort teilweise mit Sprengstoff, und du arbeitest da mit viel Staub, mit viel Feinstaub bestimmt auch, und deine Lunge macht dir zu schaffen.
Philipp: Ja.
Daniel: Deine Lunge macht dir zu schaffen. Du wirst immer, immer – sagen wir mal – kränker, und der Alkohol schmeckt auch n bisschen besser danach, um die Sorgen zu vergessen.
Philipp: Ja, verstehe. Das ist natürlich jetzt besonders mies, dass jetzt auch noch quasi körperliche Probleme eine zusätzliche Rolle spielen – ich meine, es ist schon für den Körper generell nicht gut, wenn du so viel säufst. Ja, aber wenn du jetzt auch noch quasi diese Umwelteinflüsse hast, das ist ja noch mal doppelt schlimm.
Daniel: Ja, es ist es. Ich sag mal so, du entwickelst eine – sagen wir mal – erstmal sehr leichte, aber immer schwerer werdende Tuberkulose.
Philipp: Ach ja, in guter Tradition des Familienkreises.
Daniel: Absolut. Es ist noch nicht schlimm, aber du hast mit der Lunge zu kämpfen, immer und immer wieder. Aber du denkst dir so: Alles klar, die Mine – das war jetzt 2 Jahre wirklich anstrengende Arbeit, ich möchte jetzt woanders hin. Ich möchte meinen Lebenslauf komplett umstrukturieren – du meldest dich freiwillig bei der US Army.
Philipp: Ich wusste, dass der Punkt noch kommen wird, weil er kommt immer – bei jeder Folge meldet sich jeder US-Amerikaner für die Armee oder er wird Präsident oder beides.
Daniel: Es war immer das Gleiche. 1907 meldest du dich freiwillig bei der US Army, und du dienst dort an der Waffe, und als man in deinen Papieren deinen letzten Job als Bergmann sieht, denkt man sich so: Aha, Sprengstoff ist doch ein Ding, damit kennt er sich bestimmt aus. Und du sagst so: Ja, hab ich schon mal gemacht. Also kriegst du ein – wahrscheinlich eher so n normales Gewehr – und du kriegst Nitroglycerin in die Hand, mit dem du n bisschen, sagen wir mal, üben kannst.
Philipp: Ja, hallo hier, hier hast du Nitroglycerin, n bisschen zum Üben. Du bist gerade – wie viele Stunden bist du hier? 4?
Daniel: Ja, kannst du schon mal Nitroglycerin haben?
Philipp: Ist doch gar kein Problem, gib dem Jungen – hau raus.
Daniel: Hau raus. Na also, ich sag mal so: Es gibt wohl irgendwie n Vorfall, wo du irgendwo Personalverantwortung haben solltest, und die hat man dir entzogen – hat da nichts mit Sprengstoff zu tun, ich glaub, das war eher mit deinem Alkoholproblem – aber du wirst nach 3 Jahren, 1910, ehrenhaft entlassen von der Army.
Philipp: Immerhin. Also du hast nicht so viel Scheiße gebaut, du hast halt gedient.
Daniel: Und du denkst dir so: Ja, alles klar, 3 Jahre Army, ich brauch was Neues. Ich hab noch nicht alles durch.
Philipp: Ich hab noch nicht alles durch, also geh ich nach Saint Joseph in Missouri, einer Flussstadt.
Daniel: Das ist komisch, dass es in Missouri ne Flussstadt gibt. Diese – also Saint Joseph ist im Aufschwung. Also da gibt es wirtschaftlichen Aufschwung gerade. Und du gehst dort halt arbeiten, wieder Klempnergeschichten – Hauptsache du findest n Job. Es ist aber gar nicht so einfach für dich, weil du hast ne Vorstrafe. Du bist zwar jetzt Veteran, auch wenn du im Ausland gedient hast, aber es ist schwierig für dich, n Job zu finden, vor allem weil du – ich sag mal so – immer weniger gesund aussiehst durch deine Krankheit.
Philipp: Das soll wohl sein, wenn ich ne Tuberkulose habe – sieht man nicht sehr gesund aus, man hört sich auch nicht sehr gesund an, wenn man da so rumhustet.
Daniel: Überhaupt nicht. Deswegen finanzierst du dir von deinem Veteranensold im Endeffekt einfach nur dein Hobby: Saufen.
Philipp: Das Saufen.
Daniel: Das Saufen. Und du bist eigentlich gar nicht so lange in St. Joseph, weil nach wenigen Tagen triffst du in einer Kneipe einen ebenfalls entlassenen, auch ehrenhaft entlassenen Army-Kumpel, den klassischen US-Amerikaner Walter Schopperle.
Philipp: Walter Schopperle – da, Walter Schopperle, der Schopperle-Walter.
Daniel: Der Schopperle.
Philipp: Walter.
Daniel: Walter.
Philipp: Fantastisch.
Daniel: Ihr habt euch damals in der Army schon gut verstanden, und ihr versteht euch wieder gut, und ihr trefft euch öfter mal auch nachts.
Philipp: Also ja, auch, aber ihr trefft euch auch nachts. Warum trifft man sich denn nachts?
Daniel: Das klärt die Polizei auf, die euch verhaftet.
Philipp: Ja, das glaub ich aber sofort, dass die Polizei das aufklärt. Gerade im Nordamerika der Zehner Jahre – 1910er Jahre – da ist aber der, sagen wir mal, nächtliche Verkehr auf der Straße unter Herren nicht gern gesehen von der Obrigkeit.
Daniel: Das ist korrekt, aber ich glaube, es war nicht das Problem. Es war eher das Problem, dass ihr mit Brechstangen und Schießpulver gesichtet wurdet.
Philipp: Ja, OK, das kann ich verstehen. Und man hat euch sicherheitshalber mal auf die Wache genommen.
Daniel: Ja gut, da hab ich jetzt – also dann ist doch keine Diskriminierung.
Philipp: Nee, nee. Absolut schon, also oder? Es ist ein – es gibt Bevölkerungsgruppen, da bin ich für Diskriminierung: Das sind Menschen, die mit Masken und Schießpulver und Brecheisen nachts durch die Straßen laufen – da muss ich sagen, wer das zur Nachtzeit von A nach B transportieren muss, der ist ein bisschen selber schuld. Und ich glaube in meinem Fall jetzt, dass das auch kein Zufall war – vielleicht Respekt, vielleicht aber auch nicht.
Daniel: Aber dazu kommen wir gleich noch. Auf der Wache macht man eine erkennungsdienstliche Behandlung, also man erstellt n Mugshot, den ich dir gleich schicke, und man notiert deine körperlichen Merkmale. Das Einzige, was wirklich auffällig war, sind deine Ballenzehen – das sind halt die Zehen, die so abgeknickt sind, und also ne Fehlstellung an den großen Zehen, die so n knöchernen Auswuchs haben. Man erstellt auch n Mugshot von dir, und ich zeig dir jetzt ein Bild von dir, wo du dich sehen kannst, von 1910. Kannst ja mal sagen, wen du siehst.
Philipp: Vielleicht erinnert dich dein Gesicht an eine Person, die du schon mal gesehen hast.
Daniel: Ja, das erinnert aber – an wen erinnert mich das. Warte mal, ich – also ja, es löst sofort etwas aus, so als würde ich diesen Menschen kennen, aber ich muss gerade ernsthaft überlegen.
Philipp: Nicht persönlich.
Daniel: Nein, nein, nicht persönlich, ich weiß.
Philipp: Nicht weltpolitisch.
Daniel: Ich meine, die Frisur ist schon – also kommt in Mode, sagen wir mal, in den nächsten Jahren.
Philipp: Wird in Mode kommen?
Daniel: Nein, aber ich – ich – also ich persönlich, als ich das Bild gesehen habe, hab ich an 2 – ich seh schon…
Philipp: Wladimir Putin.
Daniel: Exakt.
Philipp: Muss ich schon sagen, ich war –
Daniel: Schon gut, also er sieht schon ihm sehr ähnlich.
Philipp: Jetzt weiß ich es – ist es doch, doch, doch – er ist es. Ich – ich kann nicht. Es ist die Reinkarnation. Also Wladimir Putin ist seine Reinkarnation. Also ich weiß ja nicht, was noch passiert, aber im Moment würd ich sagen: Doch passt, also wir können jetzt schon mal feststellen: Wladimir Putin ist definitiv ein Vampir und kommt aus Amerika.
Daniel: Ja, doch, das ist die – ja gut, die Frisur ist auch n bisschen, muss ich sagen, Hitler – doch ein bisschen.
Philipp: Der frühe, der frühe – aber doch. Also es ist schon – ich sehe vor mir, denkt einfach an Wladimir Putin mit Hitlerhaaren.
Daniel: Mit Hitlerhaaren – also der Oberdekorator. Da braucht ihr nie – also das ist wirklich, weil da braucht es nicht viel. Das wäre sowas jetzt für so – was war denn das noch mal? Es gibt doch diese Verschwörungstheorie, dass in den Achtzigern, Siebzigern, Sechzigern irgendwo so n Zeitreisender dabei war, weil da so n Typ so n lockeres T-Shirt und so ne Sonnenbrille ist. Auf so einem Foto – das ist ungefähr, wenn du ihn hier auf dem Foto sehen würdest, würdest du sagen: Ah, Moment mal, da hinten ist doch Wladimir Putin.
Philipp: Ja. Ja, du bist Putin.
Daniel: Nein, du bist nicht Putin, aber du siehst dir schon sehr ähnlich. Wie ist denn deine Körpergröße? Hast du das mal gecheckt, gegengecheckt, ob die –
Philipp: Oh, das hab ich nicht überprüft, das hab ich nicht überprüft. Ich kann dir aber sagen, du wiegst irgendwas mit knapp 70 Kilo gerade – das ist tatsächlich relevant.
Daniel: Das könnte passen. Jedenfalls, wie gesagt, man macht dieses Mugshot, und danach geht es zu einer Anhörung, wie man das so hat.
Philipp: Elmer, was hast du mit Brechstangen und Schießpulver getrieben?
Daniel: Ich hatte – also der Punkt war: Es war ja Nacht. Ja, und mein Kumpel hat n Problem, und zwar hat der sich – der Walter hat sich ausgesperrt. Der Walter hat sich ausgesperrt, und deswegen haben wir überlegt: Was können wir tun? Und dann haben wir uns so n Brecheisen geholt und haben gesagt: Pass auf, du steigst jetzt in deine Wohnung ein und holst n Schlüssel, schließt von innen auf, ich komm vorne wieder rein – das war alles. Das Schießpulver ist ja logisch, dass ich das dabei hatte. Ich bin gelernter Sprengmeister – das gehört zu meinem Hausstand, das hab ich immer dabei, ich hab immer Schießpulver dabei. Und jetzt überlegen Sie sich mal: Wir wären da beim Einsteigen in die Wohnung plötzlich auf Einbrecher getroffen – da muss man auch im Zweifel in der Lage sein, mal eben durchzuladen.
Philipp: Mal die Brechstange zu verschießen.
Daniel: Und da muss man im Zweifel auch mal durchladen können.
Philipp: Ja, und wenn Sie das implizieren wollen: Wir wollten nicht durchladen, aber wer weiß, wer da so in der Wohnung ist. Also ich sag mal so – genau das.
Daniel: Ich wäre raus.
Philipp: Dazu kommen wir noch.
Daniel: Du behauptest was anderes – du behauptest nämlich, du bist Erfinder.
Philipp: Oh, auch. Nicht schlecht, auch ja, ähnliche – ich bin der Daniel Düsentrieb von Maine.
Philipp: Du bist Erfinder, und Walter auch, und ihr kommt jetzt zusammen von der Army – ihr wolltet ein neuartiges Maschinengewehrstativ erfinden.
Daniel: Mit einer Brechstange und Schießpulver.
Philipp: Ohne Maschinengewehr zu haben.
Daniel: Du, du warst gerade auf dem Weg, es patentieren zu lassen.
Philipp: Gerade in dem Moment, nachts.
Daniel: Das Patentamt hat immer geöffnet.
Philipp: Immer für dich, immer. Die kennen dich schon.
Daniel: Ja. Also der Richter ist skeptisch.
Philipp: Ja, einleuchtenderweise. Also für deine Ausrede, deine wäre besser gewesen.
Daniel: Meine Ausrede wäre deutlich besser gewesen, und die hab ich mir kurz ausgedacht – da hatte ich nicht Zeit für bis zu einer Gerichtsverhandlung. Er ist skeptisch, aber er sagt: Er will sich n besseres Bild machen von der ganzen Situation, und du kommst in U-Haft.
Philipp: Ey, immerhin keine richtige Haft.
Daniel: In der U-Haft lernst du jemanden kennen – den nächsten Walter, beziehungsweise Walter Jared. Und Walter Jared sagt von sich selbst: Also ich – ich bin ein angehender Bandit.
Philipp: Das ist doch ein ehrhafter Karrierepfad, ein ehrhafter Bandit.
Daniel: Räuber Hotzenplotz wäre glücklich.
Philipp: Mein Name ist Geibel Schröderpot, ich möchte ein Pirat werden, ein mächtiger Pirat. Ich verkaufe jetzt tolle Lederjacken. Eine dreiköpfige Brechstange.
Daniel: Ihr werdet Freunde, du und Walter. Natürlich. Walter kommt aus der U-Haft raus – warum auch immer er da gesessen hat, der kommt weg, also er wird freigelassen. Wobei, der Walter wird auch noch verhört, aber der Walter, der ist weg. So, der Walter und du, ihr müsst an einer Gerichtsverhandlung teilnehmen. Die findet statt im Januar 1911, also wir sind jetzt paar Monate nachdem du in U-Haft gekommen bist. Und es wird jemand als Zeuge geladen – nicht als Zeuge deiner Tat, deiner vermeintlichen Tat, sondern einfach als jemand, der einordnen kann, wie du so drauf bist. Und zwar dein ehemaliger Ausbilder aus der Army.
Philipp: Ich habe es mir fast gedacht, dass irgendeine von meinen ehemaligen Stationen herangezogen wird. Army ist natürlich naheliegend, klar.
Daniel: Absolut. Du stehst natürlich auch in deiner Uniform da im Gerichtssaal, jedenfalls, dein Ausbilder spricht in höchsten Tönen von dir. Er sagt: Ich kann mir nichts anderes vorstellen, als dass Elmer ein MG-Stativ bauen wollte.
Philipp: Man kann sich auch generell nichts anderes vorstellen.
Daniel: Es ist einfach grundsätzlich von sich aus schon so plausibel gewesen.
Philipp: Ja, das muss stimmen.
Daniel: Es muss stimmen. Und der Richter kauft es dir ab und er kauft es dem Army-Ausbilder ab.
Philipp: Das ist unfassbar.
Daniel: Du wirst entlassen.
Philipp: Ich würd gern mal so rückblickend – ich würd gern mal für ne Woche in dieser Zeit einfach leben.
Daniel: Für ne Woche – ja, so ne Woche würd ich gern in der Zeit leben.
Philipp: Weil die wahrscheinlich – also es gibt 2 Möglichkeiten. Entweder du wirst sofort gebracht, oder du stirbst an irgendeiner Krankheit, gegen die du nicht mehr geimpft bist, weil es sie nicht mehr gibt.
Daniel: Throwback zu den Pocken. Aber es gibt halt auch die Möglichkeit, dass du irgendjemandem einfach irgendeinen Scheiß erzählst und der dir das glaubt und dir irgendwie 10.000 schenkt, weil er denkt: Geil, der Schachtürke oder so.
Philipp: Ja, also dafür musst du ja wenigstens noch was können für den Schachtürken, aber sonst – du kannst einfach alles erzählen: Ich wollte n MG-Stativ bauen mit einer Brechstange und Schießpulver, ja, OK. Glauben Sie, ich bin Erfinder? Sie wissen nicht, wie es geht, ich hab es doch nicht patentiert. Ha, ich bin angehend – ich bin angehender Halunke.
Daniel: Das ist ein starker Ausdruck, auch ne.
Philipp: Ich bin es noch nicht, aber ich bin auf dem Messerweg – noch – ich bin in U-Haft, kannst du es sehen, Schritt 1 ist getan, ich hab einen Trackrecord. Ich bin in U-Haft, das ist wirklich so – ich möchte, ich möchte ein mächtiger Pirat werden, ja toll.
Daniel: Du wirst aus der Haft entlassen. Als Erstes, was du machst: Du organisierst n Pferd.
Philipp: Natürlich.
Daniel: Du reitest nach Oklahoma.
Philipp: Warum reite ich? Wir sind 1911 – es gibt doch die Eisenbahn, und es gibt doch mittlerweile sogar schon Automobile.
Daniel: Eisenbahn, Automobil – du bist oldschool.
Philipp: Gut, dann reite ich halt.
Daniel: Du reitest. Jetzt, wenn es der Geschichtenverlauf erfordert, reite ich auch nach Oklahoma. Du reitest von Missouri – waren wir in Missouri?
Philipp: Ich glaub schon.
Daniel: Du reitest von Missouri nach Oklahoma, das ist also – die haben ne gemeinsame Grenze.
Philipp: Oklahoma ist das mit dem langen schmalen Ding, ne.
Daniel: Weiß ich nicht.
Philipp: Ja. Doch, doch, jetzt, weil es aussieht – ja – dass du aussiehst wie Österreich.
Daniel: Ja, ja, ja, ja, du hast recht, das mit dem langen schmalen Ding. Ja, du reitest nach Oklahoma, dort wartet dein neuer Kumpel Walter Jared in einer Hütte auf dich.
Philipp: Es wirklich so cheesy, ne.
Daniel: Das ist so cheesy. Walter Jarrett ist untergekommen in einer Hütte am Cedar Creek. Walter, sein Bruder Lee und ein weiterer Mann namens Albert Connor – die warten dort auf dich. In dieser Hütte, und sie bezeichnen sich mittlerweile selbst als Outlaws.
Philipp: Nee, also sorry, da muss ich n Veto einlegen, so funktioniert das nicht. Du bezeichnest dich nicht selber als Outlaw – das geht so nicht. Das ist aber gegen das Gesetz. Du kannst dich nicht einfach selber als Outlaw bezeichnen – du kannst ja auch nicht, also du musst schon was geleistet haben um Outlaw zu sein, und du musst schon, das muss schon auf irgendsowem Abreißverhandlungsplakat stehen: “Outlaws Wanted” oder sowas. Du kannst ja nicht sagen: Wir sind die Outlaws.
Daniel: Ja super, ey, du bist jetzt auch n Outlaw.
Philipp: Outlaws nennen sich so – so Jungs, die mit 14 Jahren hier mit dem Mountainbike durch meine Straße fahren. Die nennen sich ja auch Outlaws.
Daniel: Also du hast – unabhängig davon, was du jetzt gesagt hast, vollkommen richtig – muss man noch bedenken: Oklahoma ist seit 1907 der 46. Staat der USA, also offiziell auch schon kein Wilder Westen mehr auf dem Papier.
Philipp: Ja, die Realität ist da tatsächlich schon n bisschen anders, weil auch dort ist das alles noch nicht so ganz in der Realität angekommen. Die ganzen Gesetzlosen, die nehmen sich alles was sie wollen, notfalls auch mit Gewalt.
Daniel: Also es gibt ihn noch, den Wilden Westen, dort, mehr oder weniger.
Philipp: Ja, auf dem Papier nicht mehr, aber in der Realität schon.
Daniel: De facto, de facto gibt es den Wilden Westen noch. Jedenfalls, wie gesagt, die Outlaws – und du bist jetzt einer von denen, ja, du bist der Gruppe der Outlaws beigetreten.
Philipp: Krieg ich n Clantec?
Daniel: Kriegst n Clantec. Und OLTLW.
Philipp: Ja, super. O-L-T-W McCurdy. Oder Frank Curtis. Super.
Daniel: Und ihr habt auch schon einen Gig vorbereitet.
Philipp: Oh – ein Gemischtwarenladen in Centralia.
Daniel: Allein die Vorstellung ist so wirklich – du bist jetzt bei den Outlaws, ja geil ey, wir sind die Outlaws, was machen wir als Erstes: Überfallen einen Gemischtwarenladen.
Philipp: Ja, das ist dann doch schon n bisschen underwhelming. Ich hatte mir irgendwie n Postraub erhofft oder sowas, irgendwas Cooles, irgendwas, wofür es sich lohnt den Begriff Outlaw – das ist was wir machen, ist so ne kleinkriminelle Scheiße, also wirklich, es lohnt sich doch überhaupt nicht.
Daniel: Anfang März überfällt ihr den Laden, März 1911, und ihr stiehlt Munition und Werkzeuge. Die stiehlt ihr aber nicht einfach so.
Philipp: Ihr habt Großes vor, ihr könnt einen – heißt?
Daniel: Aha, so, jetzt kommen wir der Sache nämlich näher.
Philipp: Wo ist der Postzug?
Daniel: Der Postzug ist ein Expresszug, der von der Saint Louis Mountain Line gestellt wird, und zwar der fährt zwischen der Grenze, also der fährt von Kansas nach Oklahoma so, und am 24. März, also wirklich 3 Wochen später, versteckt ihr euch an einer Gleiskurve, wo der Zug langsamer wird.
Philipp: Und in dem Moment, wo er zu langsam wird, springt ihr alle auf die Waggons.
Daniel: Geil, jetzt bin ich zu Hause, jetzt bin ich zu Hause.
Philipp: Jetzt noch ein guter Soundtrack dazu und es ist schon erledigt. Ich hör das Banjo spielen.
Daniel: Ich höre das Banjo spielen, aber laut. Lee, Walter und Albert, die halten dir den Rücken frei. Du bist der Main-Protagonist aus Maine.
Philipp: Mal wieder.
Daniel: Denn du bringst dein Expertenwissen mit.
Philipp: In was jetzt? In Zügen?
Daniel: Du bist der Sprengmeister der Truppe.
Philipp: Ah.
Daniel: Sie haben einen Tresor an Bord. Sie haben ein Safe an Bord.
Philipp: Ja.
Daniel: Und du hast Nitroglycerin dabei, wie du es in der Army gelernt hast. Du legst alles an – ihr habt die Info übrigens, dass im Safe 4000 Silbermünzen liegen.
Philipp: 4000 Münzen? Kann man ja mal eben so mitnehmen.
Daniel: Du bringst deine Sprengladung an, ihr geht in Deckung, die Bombe geht hoch.
Philipp: Ja, das hat schon mal geklappt.
Daniel: Minimales Problem: Der Waggon ist weg.
Philipp: Es ist nur noch ich. Stell mir das ganz so vor wie in so einem Cartoon, wo einfach so die Wände und das Dach wegfliegen und nur noch so der Boden da ist. Oder nur noch so ne Wolke, und die sich verzieht es einfach weg.
Daniel: Ja, und dann – aber wichtig ist, in dieser Wolke dann kurz erstmal so nach unten gucken und dann runterfallen.
Philipp: Ja, ja.
Daniel: Nein, du sprengst den Wagen komplett in seine Atome. Den Wagen hat es zerfetzt, und ihr findet nur noch Trümmer von dem Safe, und an an Bruchstücken von dem Safe sind die Münzen festgeschmolzen.
Philipp: Ach du Scheiße, OK, ja, Mhm – bisschen viel.
Daniel: Ihr kriegt ja nicht so viel Beute raus, aber zum Glück haben Walter, Lee und Albert noch paar Leute überfallen, quasi im vorderen Teil des Zuges, und sie haben 450 Dollar Beute erlangen können.
Philipp: Ey, das ist für die Zeit nicht wenig, glaub ich.
Daniel: Dazu eine Taschenuhr, ein Mantel, ein Revolver und n bisschen Whisky.
Philipp: Muss man haben, muss man haben.
Daniel: Es ist auch wichtig, dass man auf der Flucht gleich noch irgendwie ne Schusswunde mit einer Flasche Whisky betäubt.
Philipp: Ja, dazu kommen wir gleich noch, weil ihr seid nämlich 3 Tage auf der Flucht, und ihr benutzt den Whisky, aber nicht um Wunden zu versorgen, sondern erstmal um euch zu besaufen.
Daniel: Gut, das ist mir ja auch wichtig.
Philipp: Das Problem ist aber nicht aus Freude oder aus Erfolg, sondern eher weil ihr unzufrieden seid mit dem Ausgang der Situation, weil 450 Dollar und Taschenuhr, Mantel, Revolver und bisschen Whisky ist jetzt nicht das, was ihr haben wolltet. Ihr wollt diese 4000 Silbermünzen, und vielleicht wird dir auch die Schuld zugeschoben.
Daniel: Wieso?
Philipp: Weil – ja gut, ich verstehe warum, ich bin auch schuld, genau genommen. Ich hab mich ja offensichtlich irgendwie verrechnet.
Daniel: Du hast dich n bisschen verrechnet. Und dann kommen wir tatsächlich zur Wundenversorgung: Der Walter zieht ein Messer und versucht dich abzustechen. Du machst quasi n bisschen CQC, wehrst den Angriff ab, wirst aber am rechten Handgelenk verletzt, entreißt ihm das Messer und rammst ihm das Messer ins Gesicht, was sehr – sagen wir mal – explizit ist. Aber Walter überlebt das Ganze, und mit bisschen Whisky wird auch versorgt. Im Endeffekt, was überbleibt, ist ne Narbe, von der du aber nichts erfahren wirst – denn ihr geht im Streit auseinander.
Philipp: Also du und der Rest?
Daniel: Das war es dann jetzt – das war es.
Philipp: Du hast ne verletzte Hand, OK. Wollte ein verletztes Cover.
Daniel: Ey, immerhin keinen umgebracht.
Philipp: Hey, niemanden umgebracht.
Daniel: Du bist safe. Du verlässt die Bande, und du reitest mal wieder – du bist wieder zu Brett – unterwegs nach Pawhuska, wird es glaub ich ausgesprochen, in Oklahoma.
Philipp: Mhm.
Daniel: Und dort tauchst du erst mal unter.
Philipp: Na gut, ich werd ja wahrscheinlich immer noch gesucht.
Daniel: Ne, du wirst wahrscheinlich gesucht, richtig. Du tauchst dort unter und du machst verschiedene Gelegenheitsjobs im Straßenbau – tatsächlich, dort wird viel Straßenbau betrieben. Du bist so n Straßengrabengräber, du nennst dich Charles Davis.
Philipp: Natürlich.
Daniel: Bei einem anderen Job nennst du dich Frank Davis. Du nennst dich aber auch Frank Davidson und natürlich auch Frank Curtis.
Philipp: Mhm.
Daniel: Das sind so deine Namen.
Philipp: Ja, man muss ja – man muss ja, sagen wir mal, mehrgleisig unterwegs sein, ne?
Daniel: Ja, absolut. Alter, alter Gag, der mir einfällt, funktioniert aber nur auf Englisch: “I’m always Frank and earnest with women – in Chicago I’m Frank, and in New York I’m Ernest.”
Philipp: Stark.
Daniel: Was ist mit Amos und Elijah? Amos Hayes und Elijah Higgins – das sind 2 Dudes, die lernst du kennen beim Straßenbau.
Philipp: Klingt mir eher so wie die, die hier unseren Kollegen da aus dem All angeschrieben haben.
Daniel: Ja, die hatten auch so n Namen. Das stimmt. Nein, Amos Hayes und Elijah Higgins sind 2 Tunichtguts.
Philipp: Ah, Oh, Rumtreiber. 2 Rumtreiber.
Daniel: 21. September 1911, genau um Mitternacht, hört man eine Explosion in der Stadt Chautauqua in Kansas.
Philipp: Natürlich tut man das, und natürlich weiß ich auch, wer dafür verantwortlich ist.
Daniel: Elijah, Amos und du sprengen ein Loch in die Rückwand der Citizens State Bank.
Philipp: Jetzt kommen wir zu den wahren Geschichten hier.
Daniel: Ein kleines Problem: Du hast beim Sprengen der Außenmauer der Bank vielleicht den Vorraum des Tresors in die Luft gejagt. Die Tresortür wurde durch die Druckwelle so stark eingedellt, dass ihr die Tür nicht mehr aufbekommt.
Philipp: Also ich muss sagen, ich scheine ja sehr schlecht – also das Sprengen an sich scheint ja technisch, also vom Ablauf her zu funktionieren, aber der ganze Rest ja nicht. Es funktioniert sonst nichts, also weder die Zusammensetzung des Sprengsatzes ist offensichtlich korrekt, noch die Menge. Ich sag mal so – du hast ja wahrscheinlich schon n bisschen reduziert. Also ich mein, du hast – die Bank hat danach noch existiert, also das Gebäude.
Daniel: Gut, die Bank kommt ja jetzt selber nicht mehr in den Tresorraum. Jetzt haben die n Problem.
Philipp: True. Wenn du deiner Bank was Schlechtes tun willst, spreng doch einfach mal die Tresorraumtür, dass man sie nicht mehr aufkriegt – einfach mal, anstatt was zu klauen, einfach mal es schwerer machen, ans Geld zu kommen. Also die Jungs oder Mädels in Gelsenkirchen haben es besser gemacht.
Daniel: War das nicht Gelsenkirchen?
Philipp: Gelsenkirchen. Ja, ja, ja. Ja, ja, das ist auch übrigens etwas. Es gibt noch Bankräuber, ich hab auch nicht gedacht – und man hat noch keinen gefasst, glaub ich, also die haben das schon taktisch klug hingekriegt, das stimmt. Aber hey, nicht machen, nicht machen, nicht machen – keine gute Sache.
Daniel: Wer es wie gesagt nicht klug gemacht hat, warst du – war Amos und Elijah, denn ihr haut wieder ab ohne Beute, und ihr trennt euch.
Philipp: Also diese Posse war relativ schnell wieder zerlegt.
Daniel: Beendet. Ja, du tauchst wieder unter. Diesmal kommst du auf einer Ranch an, du nennst dich Frank – da hast du sogar: Frank Davidson war ich schon, ich war Frank Davis, ich war Frank Curtis, ich brauch n Namen, ich brauch schnell n Namen – Frank Ames, wie der Kollege von gerade eben.
Philipp: Wer könnte das nur sein. Frank und Ames haben versucht, ne Bank zu überfallen, aber sie haben damit ja nichts zu tun – sie heißen ja Frank Ames, da wäre ja mal schön blöd, wenn man sich den Decknamen von beiden Vornamen geben würde.
Daniel: Jedenfalls, du bist bei einer Ranch und du fragst nach einem Job, und der Ranchbetreiber sagt so: Ja, ja, du kannst ja alles machen, wir haben ganz, ganz viel zu tun, pack einfach mit an. Und während du das fragst und wenn du dieses Gespräch führst, dann hustest du so n bisschen. Also dann sagt der Betreiber so: Aber schlafen – der Heuhaufen da hinten, ne, nicht bei uns in der Lodge.
Philipp: Ich kann es verstehen, für jemanden, der Tuberkulose hat.
Daniel: Denkst du so: Ja, ja, OK, Heuhaufen ist OK – also eher so n überdachter Heuhaufen, das ist so ne wo man halt Heu stapelt. Bleiben wir bei einem Heuhaufen, weil ich find die Idee ganz gut für die Zukunft. Jedenfalls, man hat so n bisschen Angst, dass du vielleicht ne anstrengende Krankheit hast. Tuberkulose vielleicht, vielleicht irgendwas Schlimmeres. Deswegen sagt man so: Halt dich von uns fern, du kriegst Geld, arbeite für uns, aber halt dich von uns fern.
Philipp: Ich find es also, ich sag mal so, gerade als ein angehender Bandit ist das vielleicht ganz fair. Aber bin ich denn in der aktuellen Situation, in der ich mich befinde, überhaupt noch angehend, oder würdest du nicht sagen, ich bin schon mittendrin?
Daniel: Ich weiß nicht, du warst noch nie erfolgreich.
Philipp: Das ist richtig. Also ich nenn mich auch nicht Arzt, wenn ich nur verpfuschte Operationen gemacht hab, weißt du?
Daniel: Ja, das würd ich – ich, das kann ich so nicht bestätigen, ich hab da schon anderes gelesen, aber – ja, ich würde sagen, der Versuch ist strafbar.
Philipp: Ja, und deswegen bin ich n Bandit.
Daniel: Ja, ja, gehen wir mit, dann bist du n Bandit. Jedenfalls – n bisschen Bandit, der mit Tuberkulose zu kämpfen hat, der in den letzten Tagen nur Whisky getrunken hat und Jerky gegessen hat. Du siehst dementsprechend auch n bisschen heruntergekommen aus.
Philipp: Entschuldigung, das ist bei mir jedes Wochenende.
Daniel: Ist das denn hier für ne Diskriminierung? Und diese Rancharbeit ist auch nicht unbedingt das, was dir gesundheitlich hilft.
Philipp: Klar, nachvollziehbar. Ist ganz klar – was du jetzt brauchst, ist ein Bier.
Daniel: Einen gelungenen Heißen.
Philipp: Ach so, ja, OK, auch das.
Daniel: Ich hätte jetzt Arzt gesagt, aber nee, ich war eher bei – im Stile unseres bisherigen Erlebnisses: Wir brauchen Bier, zu viel Whisky getrunken, jetzt brauchen wir –
Philipp: N Konterbier, genau. Nein, du brauchst einen gelungenen Heißen, und danach denkst du dir, kannst dich zur Ruhe setzen, einfach das Leben genießen. Also nimmst du dir nach paar Tagen Arbeit auf der Ranch sagst du: Ey, ich hätte gerne n Tag frei, oder 2. Ich muss paar Sachen erledigen.
Daniel: Ja, du hörst dich um und du findest einen Kumpanen, der dir sagt: Pass auf, da gibt es diese Missouri-Kansas-Texas-Linie, die am 4. Oktober 1911 um 01:00 Uhr nachts Tantiemenzahlungen für die Osage-Indianer in Okfuskee vorbeifährt, und die haben 400.000 US Dollar dabei.
Philipp: Oh, das ist sympathisch. Und das wissen Leute einfach so.
Daniel: Auch interessant, ja.
Philipp: Ja, der neue Kumpane sagt: Pass auf, ich hätte da gerne was gestartet – bist du denn dabei? Weil du sagst: Ja, ich bin Sprengmeister.
Daniel: Ich spreng den Shit, wir sprengen den Shit! Also, 4. Oktober 1911, 01:00 Uhr nachts, ihr steht da und ihr haltet diesen Zug auf. Ich weiß nicht, ob ihr irgendwas auf die Gleise gelegt habt oder ob ihr euch auf die Gleise stellt, aber auf jeden Fall, der Zug bleibt stehen. Du legst eine Sprengladung an die Waggontür.
Philipp: Ohje.
Daniel: Du zündest, und die Tür fliegt weg, die fliegt aus den Angeln, der Rest bleibt.
Philipp: Ziel erreicht! Ey, ich hab’s drauf.
Daniel: Ziel erreicht. Ihr steigt ein. Und ihr merkt: Es gibt ein kleines Problem – 8 bewaffnete Leute stehen euch gegenüber.
Philipp: Es ist der falsche Zug.
Daniel: Ach Gott im Himmel.
Philipp: Es ist ein Passagierzug.
Daniel: Ach Gott im Himmel.
Philipp: Also wieder 450 Dollar und ein Revolver und ne –
Daniel: Also dein Kumpel zieht einmal durch die Passagiere und sammelt –
Philipp: Whisky, eine Taschenuhr, ein Mantel und 46 Dollar diesmal.
Daniel: Oh, das war aber deutlich unerfolgreicher – die waren nicht so gut betucht.
Philipp: Du setzt dich an einen Tresor, du steckst eine Sprengladung an den Tresor, du zündest – es passiert nichts. Du holst eine zweite Sprengladung raus, du zündest – es passiert nichts. Du holst eine dritte Sprengladung ran, du zündest – es passiert nichts.
Daniel: Und dann explodieren alle gleichzeitig.
Philipp: Es passiert gar nichts. Ihr seid frustriert und ihr verpisst euch.
Daniel: Und dann bin ich wieder 3 Tage auf der Flucht.
Philipp: Dann reit ich mit dem Pferd nach sonst wohin, und dann treff ich da wieder irgendwen, und dann sag ich: Pass auf, ich kann sprengen.
Daniel: So ähnlich. Nein, erstmal schreibt die Zeitung: Von dem schlechtesten Zugraub der Weltgeschichte.
Philipp: Das ist genau das, was du über dich lesen willst, oder? Da fühlst du dich ja –
Daniel: Das ist aber vielleicht auch ne Strategie der Polizei, einfach zu sagen: Pass auf, wir schreiben einfach, das ist der schlechteste Zugraub der Geschichte, und dann sind die so beleidigt, dass die vorbeikommen, um es richtig zu stellen.
Philipp: Wäre stark.
Daniel: Tatsächlich gibt es ne lustige Geschichte, die also bei der Recherche bin ich völlig auf was anderes gestoßen: Ich hab in einem Zeitungsartikel gelesen, dass einer der Mitarbeiter, der auf dem Zug war – der von entweder dir oder von deinem Kumpel irgendwie an den Pranger gestellt wurde, mit einer Pistole bedroht, hat irgendwo ne Tür geöffnet, wo wahrscheinlich der Tresor hinter war, und er hat quasi den Weg geöffnet. Er wurde danach verhaftet und in U-Haft gesetzt, und ihm wurde also vor Gericht quasi der Prozess gemacht, dass er ja n Komplize von dir sein gewesen könnte. Und er hatte auch tatsächlich Vorstrafen – zumindest nicht Vorstrafen, sondern Verdacht darauf, dass er jemanden umgebracht hat, der seinen Bruder umgebracht hat. Also so ne richtig krasse Geschichte.
Philipp: Ja, ja und?
Daniel: Dann hab ich den Typen gegoogelt – stellt sich raus, ist n späterer Senator oder sowas gewesen. Also er ist nah am US-Präsidenten, aber schon dran.
Philipp: Also sie waren schon irgendwo hoch in der politischen Geschichte der USA.
Daniel: Der wurde freigesprochen und ist dann später in die Politik gegangen. Aber du – du steigst auf dein Pferd und du reitest erst mal Richtung deines Heuhaufens, denn dort versteckst du dich 2 Tage und besäufst dich.
Philipp: Natürlich, was auch sonst. Ich hab ja sonst nichts zu tun.
Daniel: Und deine Leute von der Ranch – haben wir gesehen, du kommst da irgendwie angeritten, und dein Pferd steht neben dem Heuhaufen, und dann fragen die so: Hey, was machst du da? Und du liegst da quasi in diesem ausgehöhlten Heu – stell ich mir es so vor – und du sagst: Ah, hier – ach alles Scheiße, ich hab n Zug überfallen, war der falsche, jetzt suchen die mich bestimmt.
Philipp: Ja, das ist super – das sollte man möglichst vielen Leuten erzählen. Das ist ne gute, n guter Einstieg – n guter Conversation-Starter – genauso wie damals: Ich hab hier mal jemanden umgebracht.
Daniel: Kommt vor allem richtig gut, wenn die Polizei 2000 Dollar Kopfgeld auf dich ansetzt.
Philipp: Besonders geil, ja.
Daniel: Was du aber nicht weißt: 7. Oktober 1911, Morgengrauen.
Philipp: Hey, mein Geburtstag – also nicht 1911, aber.
Daniel: Du wachst auf und du merkst, dass dein Heuhaufen von Polizisten umstellt ist.
Philipp: Hm, das ist schlecht jetzt.
Daniel: Jetzt müsste man eine Nadel sein.
Philipp: Jetzt müsste man ne Nadel sein.
Daniel: Du bist es leider nicht, wobei vielleicht n bisschen – aber dazu kommen wir gleich noch. Ein Sheriff und seine 2 Deputies stehen im Dreieck um den Heuhaufen, also so ne Umstellung ist das.
Philipp: Da geht nicht viel.
Daniel: Da geht nicht vieles – ist aber auch n Heuhaufen.
Philipp: Ja, es ist n Heuhaufen, ist am Ende jetzt auch nicht Fort Knox.
Daniel: Sie wollen, dass du rauskommst. Also ich steh mit gehobenen Waffen und sagen: Hey Elmer, wir wissen, dass du da bist. Komm raus.
Philipp: Komm raus aus dem Heuhaufen.
Daniel: Komm raus aus dem Heuhaufen. Du diskutierst ne Stunde mit denen, und um 07:30 Uhr morgens fällt ein Schuss aus deiner Richtung, Richtung des Sheriffs.
Philipp: Oh, ich hatte ne Knarre mit da drin.
Daniel: Du hattest einen Revolver – diesen einen Revolver, den ihr irgendwo gestohlen habt, da irgendwie 2 Züge vorher. Die Polizisten erwidern das Feuer und gehen in Deckung, und wir haben eine Schießerei, die 30 Minuten andauert.
Philipp: Ich bin in einem Heuhaufen. Wie kann der aufhalten – also sind das so Stormtroopers, die nie was treffen, jemand daneben?
Daniel: Ich glaube ne Mischung aus beidem, tatsächlich. Es gibt nach 30 Minuten ne Schießerei – die Deputies haben jeweils Revolver, der Sheriff hat ein Gewehr, und der trifft da mit dem Scheiß Heuhaufen nicht. Oder ja, du bist irgendwo, du liegst irgendwo in dem Heuhaufen, man sieht dich nicht – da kommt wahrscheinlich so Revolverläufe, weißt du, gucken da so raus.
Philipp: Dieses Meme, wo – weißt du – dieses wo einer so reinguckt, dann kommt da so n Typ raus und wir haben so viele schöne Teaser für diese Episode. “All I lose that I must kill.”
Daniel: Auch stark.
Philipp: Hinter diesem – wo er, wo er komplett in dieses Ding eingebaut ist. 30 Minuten lang geht die Schießerei, bis du merkst, dass du getroffen wurdest.
Daniel: Ja, für wie viele Patronen hab ich denn auch in diesem Heuhaufen überhaupt, dass ich 30 Minuten schon richtig bannern kann?
Philipp: Also in einem Interview mit der Zeitung hat der Sheriff gesagt: Jedes Mal, wenn nach denen geschossen wurde, haben sie zurückgeschossen. Also eigentlich kann ich mir vorstellen: 30 Minuten, 6 Schuss in der Barrel, ein Schuss, 3 zurück, 10 Minuten Ruhe oder 5 Minuten Ruhe.
Daniel: Genau, du machst erst mal dein Heu aus dem Gesicht, weißt du.
Philipp: Ich kann ja auch überhaupt nichts sehen. Ich find das toll, auch diese Vorstellung, dass da einfach nur so ne Stimme aus dem Heuhaufen kommt: Nein, ich komm nicht raus, ich komm nicht raus, ich bleib jetzt hier im Heuhaufen – so wie früher bei so Hauspartys, wo sich dann Leute auf der Toilette eingeschlossen haben. Nein, ich komm nicht raus.
Daniel: Ich bleibe, bleib jetzt hier.
Philipp: Der Igel wohnt jetzt hier.
Daniel: Das denk ich ja genau. Naja, jedenfalls, 30 Minuten vergehen.
Philipp: Du wirst getroffen.
Daniel: Schöne Vorstellung.
Philipp: Ja, ja, OK, keine schöne Vorstellung.
Daniel: Eine Gewehrkugel trifft dich in die Brust. Du liegst. Du musst dir vorstellen: Du liegst, die trifft dich rechts in die Brust, geht durch deinen Körper durch, wandert in deine Hüfte.
Philipp: Hm.
Daniel: Du merkst erstmal Schmerz, dann merkst du, dass es dir schwummrig wird. Du nimmst einen Schluck Whisky, und dein Licht geht aus. Elmer. Ende.
Philipp: Ach was.
Daniel: Es ist vorbei.
Philipp: Das wundert mich jetzt aber.
Daniel: Vorbei. Du bist tot, du bist tot. Und an dieser Stelle geht die Geschichte von Elmer zu Ende, und wir machen gleich einen Sprung. Aber einige Leute sollten jetzt hier an dieser Stelle einen Abschnitt machen – das ist eine kleine Warnung an alle Leute, die mit ihren Kindern hören: War schön mit euch, aber die Kinder sollten jetzt abschalten, denn wir bewegen uns jetzt in Staffel 1, Folge 1-Territorium, und da sollten Kinder nicht zuhören.
Philipp: In diesem Sinne unser He-Man-Moment, vielleicht um den auch noch mal aufzugreifen.
Daniel: Ich meine gut, die Kinder wissen nicht, wer He-Man ist, aber egal. Unser He-Man-Moment ist: Kinder, stehlen ist nicht gut, es lohnt sich nicht, Verbrechen lohnt sich nicht, sauber bleiben und nicht so viel trinken.
Philipp: Dann ist alles gut.
Daniel: Dann ist alles – das zeigt diese Geschichte ja sehr toll. Also es funktioniert ja – sein Leben funktionierte ja, als er nicht sich irgendwelchen Fantasiebanden angeschlossen hat, sondern als er noch ordentlich gesagt hat: Pass auf, hier, ich geh jetzt arbeiten, ich kümmere mich. Da hatte er sogar ne Frau.
Philipp: Das Trinken war auch schlecht.
Daniel: Und Trinken war auch schlecht, und Tuberkulose – ja, also.
Philipp: Chemie meiden.
Daniel: Nein, und auch nicht bei einer Tombola mitmachen, weil man könnte die Tuberkulose ziehen.
Philipp: Stark. Ja, jedenfalls ihr hattet jetzt genug Zeit, um abzuschalten.
Daniel: Philipp, wir gehen jetzt in das Jahr 1976.
Philipp: Oh, das ist jetzt 60 Jahre quasi in der Zukunft, oder – oder 50?
Daniel: Ja, ungefähr 65 Jahre. Philipp, wir gehen zum 7. Dezember 1976 in Long Beach in Kalifornien.
Philipp: Ist bekannt.
Daniel: Dort wird eine Episode der Serie Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann gedreht.
Philipp: Kenn ich. Wie ist der Plot? Kriegst du es zusammen?
Daniel: Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann.
Philipp: Nee, ich glaube ich krieg es nicht zusammen, aber der – der Sechs-Millionen was hatte der denn noch mal?
Daniel: Der hatte denn noch mal einen Unfall.
Philipp: Der war bei einem Flugzeugabsturz, der war n Astronaut und Testpilot für das Militär, und der Flugzeugabsturz – und er kriegt jetzt nach dem Unfall, weil er fast gestorben ist, kybernetische Körperteile wie RoboCop.
Daniel: Ja, richtig, richtig, richtig, der Sechs Millionen, genau, ja, das ist richtig.
Philipp: Es sieht richtig geil aus, auch heutzutage. Das muss man sagen, das sieht richtig geil aus. Ich find das immer – das hat n schönes Flair, kann man nirgendwo mehr sehen, aber lief früher glaub ich mal bei Kabel 1 Classics, und ich habe viel Zeit vor dem Fernseher verbracht.
Daniel: Jedenfalls, der Sechs-Millionen-Dollar-Mann – der soll für einen Geheimdienst fungieren und da irgendwelche so James-Bond-Geschichten machen – und am 7. Dezember 1976 wird in einem Vergnügungspark für eine Episode gedreht. Ganz klassische Routine: Ein Team kommt, Kulissen werden aufgebaut, Requisiten werden aufgestellt, und eine der Szenen soll in einer Geisterbahn spielen. Deswegen hat man das Ganze gemietet. Möchte übrigens auf eine Sache noch hinweisen: Dass man irgendwann sich entschieden hat, der Sechs-Millionen-Dollar-Mann läuft so gut, wir machen jetzt die Sieben-Millionen-Dollar-Frau.
Philipp: Aufgemacht? Ja, ist glaub ich auch nicht so gut gelaufen.
Daniel: Das weiß ich. Nie gesehen.
Philipp: Ja, wahrscheinlich geht ich – deswegen.
Daniel: Ja, wahrscheinlich hat Kabel 1 Classics nicht die Rechte dafür gekauft. In der Geisterbahn hängt eine rote Wachsfigur an einem Galgen. Man möchte diese Figur umstellen, weil sie an eine andere Stelle n bisschen besser – sagen wir mal – aussehen würde. Und da geht n Setarbeiter, und die hängt da halt ne, man hebt die an und merkt so: Oh, die ist ja ganz leicht, 25 Kilo. Ja, sieht sie n bisschen stabiler aus. Er versucht sie so n bisschen wegzuschieben und verbiegt dabei ihren Unterarm am Ellbogen.
Philipp: Und der Unterarm fällt ab, und denkst du: Scheiße, jetzt hab ich da noch was kaputtgemacht von der Geisterbahn.
Daniel: Ja, ich krieg gleich richtig auf den Sack. Also holt der Klebstoff und Panzertape, und er merkt schon: Oh, das ist halt nur schnell, da wurd schon mal geklebt – fällt nicht auf, wenn ich da so n bisschen Panzertape drumache. Und er fängt an zu kleben und zu reparieren. Und er merkt so: Moment, in diesem Arm steckt irgendwas. Und er merkt: Oh, sieht ja aus wie n Knochen. Und er merkt es.
Philipp: Es ist ein Knochen.
Daniel: Es ist ein verdammter menschlicher Knochen.
Philipp: Ja. In der – die, der Wachsmensch ist ein Mensch – das hab ich schon erwartet, ehrlicherweise schon von Beginn an.
Daniel: Er ruft die Polizei, der Park wird abgesperrt, Gerichtsmediziner kommen. Man untersucht diese Wachsfigur, rote Wachsfigur, wohlgemerkt – das ist ganz wichtig – und man merkt: Das ist gar keine Wachsfigur, das ist auch gar kein Wachs.
Philipp: Das ist ne Mumie?
Daniel: OK, ne echte Mumie. Eine Mumie, die einbalsamiert wurde, wie man es bis in die 1910er gemacht hat.
Philipp: Mhm.
Daniel: Und zwar mit jeder Menge Arsen.
Philipp: Auch, glaub ich, ein Stoff, den man heutzutage nicht mehr benutzt, aus Gründen.
Daniel: Aus guten Gründen – es ist alles ultragiftig, und jeder, der mit dieser Puppe, vermeintlichen Puppe, hantiert hat, hat sich damit schon n bisschen was geholt, was man nicht haben will. Aber das ist jetzt gerade unwichtig – man nutzt da auf jeden Fall Arsen, um einen Körper zu mumifizieren, indem man ihn steif gemacht hat. Und der zersetzt sich halt nicht – also es hat alle Vorgänge im Körper im Endeffekt verlangsamt und gestoppt. Und man guckt rein und man findet im Mund dieser Figur, dieser Mumie, Tickets für ein Museum und Pennys aus dem Jahr 1924.
Philipp: OK, das ist schon wild, das ist schon wild – da, da geht kranker Shit ab.
Daniel: Da geht kranker Shit ab. Und man untersucht die Leiche weiter und man findet eine Einschusswunde in der rechten Brust. Eine Kugel an der Hüfte. Eine Narbe am rechten Handgelenk. Und Ballenzehen.
Philipp: Und – ich meine, die Frage ist nicht, wer – ne, es ist Elmer McCurdy.
Daniel: Natürlich.
Philipp: Die Frage ist, wie und vor allem warum.
Daniel: Warum ist in erster Linie die Frage. Also um diese Frage zu klären, Philipp, da müssen wir zurück in den Oktober 1911 gehen, also an den besagten 7. Oktober, wo du getroffen wurdest und wo du n guten Schluck Whisky genommen hast zum Feierabend.
Philipp: Soll ich dir eine Sache sagen, die das hier auf ein ganz neues Niveau hebt?
Daniel: Weißt du, wer am 7. Oktober Geburtstag hat?
Philipp: Ja, du, du hast es schon erwähnt.
Daniel: Richtig.
Philipp: Und weißt du, wer noch? Wladimir Putin. The truth is out there.
Daniel: Das hab ich nicht kommen sehen.
Philipp: Ich weiß es tatsächlich auch nur, weil ich mal meinen Geburtstag irgendwann gegoogelt habe, wann also ob ich mit bekannten Persönlichkeiten gleichzeitig Geburtstag habe, und ich habe am gleichen Tag Geburtstag wie Wladimir Putin, und der Mensch, der aussieht wie Wladimir Putin, wurde am 7. Oktober auch erschossen.
Daniel: OK, das ist jetzt n Twist, den ich nicht habe kommen sehen.
Philipp: Das ist auch das erste Mal, dass ich als Zuhörer so einen Twist zur Geschichte beitragen konnte.
Daniel: OK, stark, stark – OK, ja gut, jetzt muss ich – wir versuchen das jetzt zu ignorieren, diesen Twist.
Philipp: Er ist wieder da.
Daniel: Elmer, du wurdest getroffen, du hast n Schluck Whisky genommen, und du bist gestorben. Im Anschluss hat man deinen Körper auf n Pferdewagen gehievt und man hat dich zum Bestatter gebracht. Der Bestatter hieß Joseph L. Johnson, und Johnson hat diese Arsenbehandlung gemacht. Und normalerweise ist es das Prozedere, so dass ein Familienmitglied kommt, die Leiche beansprucht und für die Beerdigung finanziell aufkommt.
Philipp: Klar, das kennt man.
Daniel: Das kennt man. Es meldete sich aber niemand, und das ist eigentlich ungewöhnlich. Also normalerweise kommen immer irgendwelche Leute, und Johnson dachte sich so: OK, was mach ich jetzt mit dem? Und hat dich erst mal ins Hinterzimmer gebracht, und na ja, dann lagst du da halt so rum, versteift.
Philipp: Super toll, klasse. Gab es wahrscheinlich noch kein Kühlhaus damals.
Daniel: Soweit ich weiß nicht, aber durch die ganze Arsenbehandlung war es auch nicht nötig.
Philipp: Mhm. Problem ist aber – was hat denn der Bestatter bitte für ne Lebenserwartung, wenn die jeden damit mit Arsen einbalsamiert haben?
Daniel: Ja, das ist ja der Punkt. Normalerweise kommen die Leichen ja auch direkt weg.
Philipp: Ja, OK.
Daniel: Und er hat dann auch gemerkt so: Ja, Moment, das wird n bisschen stickig hier mit diesen ganzen Arsendämpfen im Hinterzimmer. Und da hat er sich gedacht: Boah, jetzt steht er hier schon seit Wochen – oder liegt er hier schon seit Wochen rum? Es kommt keiner.
Philipp: Der ist doch gestorben im Feuergefecht.
Daniel: Ich hab ja noch hier seine alten Klamotten. Also hat er dir deine alten Klamotten, in denen du gestorben bist, angezogen, hat das Gewehr in die Hand gedrückt, und hat dich am Eingang des Bestattungsinstituts hingestellt, dass du wie ein Wachposten da gestanden hast.
Philipp: Das ist komplett wilder Shit, das ist komplett irre. Möchtest du n Bild sehen?
Daniel: Hab ich ne Wahl?
Philipp: Du hast die Wahl.
Daniel: Ja, schon.
Philipp: Natürlich möcht ich das Bild sehen – also das ist ja – das ist ja Wahnsinn, das kannst du doch nicht, das kannst du doch nicht machen.
Daniel: Du hattest sogar n Hut an.
Philipp: Das sieht ja fast aus wie so ne Totenmaske, ne – so als wär ich quasi irgendwie – ja, als hätte man da irgendwie ne harte Oberfläche, sieht nicht aus wie Haut.
Daniel: Nee, es sieht nicht aus wie Haut, aber es ist auch –
Philipp: Also es sieht noch sehr menschlich.
Daniel: Generell nicht.
Philipp: Nicht viel mehr von mir, da ne – so die Hände und so sieht schon nach sehr wenig aus.
Daniel: Es ist n schlechtes Bild. Du hattest Handschuhe an zu dem Zeitpunkt – ich werd dir nachher ein anderes Bild zeigen, wenn du es möchtest, wo du n bisschen –
Philipp: Ja, ich würd –
Daniel: Behaupten, wo du n bisschen besser aussiehst.
Philipp: Bisschen fitter.
Daniel: Bisschen fitter. Wenn ihr es möchtet – jedenfalls, die nächsten 5 Jahre stehst du in der Eingangshalle vom Bestattungsinstitut.
Philipp: Das ist unfassbar. Also stell dir mal vor, du kommst irgendwie – du hast gerade sagen wir, du kommst als trauernder Witwer – du hast gerade deine Frau verloren, du musst ins Bestattungsinstitut und musst da halt diesen Papierkram erledigen, du kommst da rein, da steht da so ne Leiche –
Daniel: Das willst du doch nicht.
Philipp: Das stimmt. Das ist n bisschen makaber. Aber was auch makaber ist: Nachts schleichen sich in dieser Zeit Jugendliche ins Bestattungsinstitut, ziehen dir Rollschuhe an –
Daniel: Und fahren mit dir durch die Gegend.
Philipp: Das ist – ich find das so wahnsinnig, das ist so völlig distanzlos, ne – das ist so, das ist ne Leiche. Ja, OK, kann er trotzdem Rollschuhe anziehen.
Daniel: Ja, es steht ja nur rum.
Philipp: Die Vorstellung alleine – ich würd da nicht so gerne mit einer Leiche in Berührung kommen, und ich würd schon gar nicht Rollschuhe anziehen und mit der irgendwie durch die Gegend fahren.
Daniel: Ja gut, ich sag mal so, wenn er seit 5 Jahren da rumsteht, dann denkt man sich auch irgendwo: Ja gut, der tut ja niemandem weh.
Philipp: Nein, ich möchte trotzdem nicht mit Leichen in Berührung kommen. Ich möchte das gerne vermeiden, so grundsätzlich – ich weiß nicht, ob da ich alleine mit stehe mit dem Wunsch, aber.
Daniel: Ich, ich glaube tatsächlich, zu dieser Zeit würde ich behaupten schon, denn es kommen ständig Leute bei Johnson an und sagen: Pass auf, ich möchte diesen Mann da mit dem Gewehr, ich möchte den kaufen.
Philipp: Wie? Kaufen?
Daniel: Ja, kaufen – die möchten –
Philipp: Gerne Leiche zu Hause, oder was?
Daniel: Ja, nicht ganz. Das sind alles so Aussteller, weißt du, so fahrende Kirmes und so weiter, die denken sich so: Oh Gott, den könnten wir gut gebrauchen.
Philipp: Als Attraktion.
Daniel: Als Attraktion. Und Johnson denkt sich jedes Mal so: Mach ich nicht, mach ich nicht – weil er steht da und er lockt Leute an. Leute kommen ständig – also wenn Leute denken, jemand ist gestorben, dann so: Ach, der Bestatter Johnson –
Philipp: Guck mal, wie gut der seine Leiche erhalten hat.
Daniel: Der mit der Leiche – guck mal, wie gut seine Leiche erhalten ist. Das ist alles nicht zu glauben.
Philipp: Ich frage mich, ob ich der Komische bin in dieser Geschichte.
Daniel: Du bist der Tote gerade.
Philipp: Ich bin der Tote – ist auch nicht schön.
Daniel: Nee, nee. Johnson wehrt sich jedenfalls, Johnson wehrt sich, und sagt: Ich verkaufe ihn nicht, der Gute – der gute Elmer bleibt bei mir. Bis – gut, im Oktober 1916 – tauchen 2 Männer auf: Mister Avon und Mister Wayne.
Philipp: Mister James Bond.
Daniel: Mister Avon und Mister Wayne sagen: Hör mal, wir haben hier mit der Behörde gesprochen. Wir sind jetzt hier, um unseren Bruder Elmer abzuholen. Hier ist das Schreiben von der Behörde, ist alles geregelt, die Behörde hat zugestimmt. Unsere arme Mutter, sie wartet die ganze Zeit auf die Rückkehr ihres verlorenen Sohns. Wir möchten Elmer endlich wieder nach Hause bringen.
Philipp: Das ist ja offensichtlich Quatsch. Wie wir ja wissen, weil wir ja seine Geschichte verfolgt haben bis hierhin: Seine Mutter lebt ja schon gar nicht mehr, und seine Tante – wobei, seine Tante, die könnte ja immer noch behaupten, sie sei seine Mutter, und das ginge ja dann doch noch. Aber da wären die Brüder natürlich – die würden nicht reinpassen in die Geschichte.
Daniel: Richtig, stellt sich raus – also erstmal Problem Nummer 1: Johnson muss die freigeben, weil es ist ne behördliche Anordnung. Die Papiere sind echt. Es stellt sich raus: Mister Avon und Mister Wayne sind die beiden Brüder vom Great Patterson Carnival.
Philipp: Ja. Der eine ist tatsächlich einer der Pattersons – sie sind, glaube ich, gar keine echten Brüder, aber auf jeden Fall einer von denen ist der namensgebende Patterson, ein riesen Tycoon quasi, was so Karnevalgeschichten angehen, so fahrende Zirkus.
Daniel: Und ein Rollercoaster-Tycoon quasi.
Philipp: Quasi.
Daniel: Und du wirst nach Kansas gefahren – und zwar nicht nur nach Kansas, sondern auch durch die ganzen Staaten, denn du bist seit neuestem eine Attraktion beim Fahrenden, was auch immer. Und das geht so bis 1922, die nächsten 6 Jahre.
Philipp: Ah ja, also 5 Jahre stehe ich im Schaufenster, 6 Jahre werde ich von A nach B kutschiert.
Daniel: Du bist kutschiert, du wechselst auch mehrmals die Besitzer. Und irgendwann mal endest du als Pfand für einen 500-Dollar-Kredit bei einem Ex-Polizisten und Schausteller, der jetzt sein eigenes Ding aufmacht. Der macht nämlich jetzt ein sogenanntes Sonny’s Wax Museum of Crime.
Philipp: Alter, er ist der erste True-Crime-Mensch.
Daniel: Er macht ein Wachsfigurenkabinett, eine Wandershow, wo er die Wachsfiguren von berühmten Gesetzlosen wie zum Beispiel Jesse James ausstellt. Und er kauft dich. Er kauft einen Sarg, er stellt dich da rein und sagt: Das hier ist Oklahoma Outlaw Elmer McCurdy, die Wachsfigur.
Philipp: Und er stellt also quasi mich als Wachsfigur vor.
Daniel: Ich bin aber gar keine.
Philipp: Ich sag mal so: Es steht nirgendwo, dass du keine bist, aber du stehst zwischen mehreren Wachsfiguren.
Daniel: Mhm, OK.
Philipp: Also ist es eigentlich selbstverständlich, dass man denkt, dass du ne Wachsfigur bist? Oder geht es die nächsten Jahre so weiter?
Daniel: Ihr tourt durch die Staaten. Sonnys Bruder ist federführend für eine Tournee durch Oklahoma, und er besteht darauf, dass man den Sarg nicht ausstellt, aus Sorge, dass man dich vielleicht wiedererkennen könnte. Und deswegen denkt man sich so: Ach komm, nicht, dass sie ihn zurückfordern wollen. Also wirst du erst mal irgendwo verpackt für 1928, und danach geht es wieder weiter quer durch die Staaten, bis man merkt, dass diese ganzen Shows nicht so gut ziehen. Aber ab 1933 hat man einen neuen Gig für dich: Wachsfigur des Oklahoma Outlaws – der mittlerweile den Namen Elmer McCurdy verloren hat – wird in Kinos in Kalifornien ausgestellt.
Philipp: In Kinos.
Daniel: In Kinos – so wie du Spider-Man heutzutage an der Wand siehst, irgendwo stand Elmer einfach da rum.
Philipp: Ja, gleich cool. Wie hieß der noch mal?
Daniel: Elmer, Elmer McCurdy.
Philipp: Ja, ja, ja, McCurdy hieß der doch, oder? Und was hat er noch mal gemacht?
Daniel: Ach, der war doch so n Junkie, oder nicht? Der ist verrückt geworden durch seine Drogen und er hat Säure getrunken und ist deswegen gestorben.
Philipp: Das war doch die Story von ihm, oder nicht? Hörensagen so.
Daniel: Ja, absolut nicht. Aber OK. Irgendwie sowas, und man kann ihn doch als Wachsfigur – weil ist ja ne Wachsfigur von McCurdy, ist ja ne Wachsfigur, hab ich auch abgekauft hier.
Philipp: Ja, sicher.
Daniel: Kann man die für den Film “Narcotic” also Ausstellung bewerben, wo es um einen Medizinstudenten geht, der abhängig wurde, und wo man im Film seinen Niedergang sehen kann – also quasi so n Film, wo es um – und das –
Philipp: Passt ja schon wieder, das passt ja schon wieder aus Versehen.
Daniel: Das stimmt. Und man stellt dich halt aus, und da stehst du da halt nach “Narcotic”, und da drunter stehst du. Und auch da hab ich n Bild.
Philipp: Wo keiner weiß, dass ich n echter Mensch bin.
Daniel: Ja, ich möcht das Bild gerne sehen – das sieht tatsächlich noch n bisschen besser aus als das davor.
Philipp: Da erkennt man jetzt n bisschen mehr von diesem Menschen. Sieht halt – das ist aber noch dasselbe, ne.
Daniel: Sieht weniger wie Putin aus.
Philipp: Wahrscheinlich wurde er ausgetauscht, damit er halt in Russland weiterleben kann. Aber ich finde ehrlicherweise, der ist gestorben auch mit dem Rückenschaden, glaub ich, oder – das ist keine gesunde Körperhaltung.
Daniel: Nee, der sich wie der Oberkörper so nach rechts weggeht. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das nicht von oben in einem Sarg fotografiert ist.
Philipp: Es könnte nämlich sein, oder zumindest so schräg steht. Das ist trotzdem nicht gesund.
Daniel: Trotzdem – guck dir mal an, welche Bewegung die Wirbelsäule machen muss.
Philipp: Nee, nee, das ist – da bin ich ganz skeptisch, das ist, das wäre sowieso nicht mehr lange gut gegangen, der wäre mit seinem Rücken aus dem Heuhaufen nie wieder raufgekommen.
Daniel: Ja, ist problematisch. Also – zwischen – also du wirst nicht nur wieder ausgestellt, sondern zwischendurch packt man dich weg und stellt dich für andere Filme noch aus, und irgendwo zwischendurch sägt einer deinen Arm ab, um mit dem n Prank bei seiner Frau zu machen.
Philipp: So haha, guck mal hier, ein Arm von einem Menschen, und dann kleben die ihn wieder mit Klebeband fest.
Daniel: Ja, das haben wir dann aus 1976 ja kennengelernt, diese Situation.
Philipp: Richtig.
Daniel: Bis in die 40er bist du diese Kinorequisite, bis man dich wieder einlagert, um in den Sechzigern – 20 Jahre später – dich wieder rauszuholen für verschiedene Filmdrehs als Requisite.
Philipp: Ach was, ich tauche in Filmen auf?
Daniel: Du hast ne eigene IMDB-Seite.
Philipp: Ja, das ist ja fantastisch.
Daniel: Du tauchst mehrmals in so Gore-Movies auf, im Endeffekt. Also es ist ja keine – so diese typischen, wie man früher im Internet sie gesehen hat – sondern halt Filme, wo es halt um tote Menschen geht, Horrorfilme. Body-Horrorfilme, das ist glaub ich am besten. Tauchst dort auf, und dann wirst du wieder weggepackt. Das ganze Inventar von diesen Wachskabinett wird irgendwann mal verkauft an Spoony Singh, der ist nämlich der Gründer des Hollywood Wax Museums. Einige Requisiten, die dort in diesen Laden fahren, findet er gut, aber diesen McCurdy da, den findet er eklig, und der wird wieder eingelagert.
Philipp: Und Zufall – aber auch, kann er gar nicht verstehen, warum.
Daniel: Da gibt es ne Geschichte, die konnte ich nicht verifizieren. Das Museum zieht nach Mount Rushmore, da wären wir über den Präsidenten. Wenn du transportiert wirst, gerätst du natürlich – Heldendumm – in einem Sturm, wo es gewisse Dinge gibt, dass du ein Ohr verlierst und dass du Teile deiner Haut verlierst. Aber das konnte ich nicht verifizieren. Was ich verifizieren kann, ist: 1971 möchte ein Partner von dem Spoony ein Gruselkabinett in einem Freizeitpark in Long Beach eröffnen, und dann kommt denen in den Sinn: Man kann durch diesen Wachs-McCurdy, den hat man ja auf Lager, den kannte man – den könnte man dort auch ausstellen. Der liegt doch in so einem Sarg. Und es ist doch naheliegend, dass man – man kann ja heutzutage, also 1971, man kann ja so Bewegungssensoren, so Lichtschranken bauen, und wenn jemand durch diese Lichtschranke durchläuft, dann wär es so mega cool, wenn diese Wachsfigur sich bewegen würde, als ob sie zappeln würde, als ob sie zucken würde.
Philipp: Oh ja, ein Klassiker.
Daniel: Das kann man sehr gut mit einer Nockenwelle machen, die man an deinen Nacken und deinen Füßen befestigt. Nachdem man Löcher reingebohrt hat und ne komische Flüssigkeit rauskam, die man aber nicht zuordnen konnte.
Philipp: Die war sehr klebrig.
Daniel: Nockenwelle trag ich ja als Frisur.
Philipp: Ist ne tolle Attraktion jedenfalls.
Daniel: Mhm, super. Die Leute, die da diese Nockenwelle gesetzt haben, die sind richtig glücklich, die haben n gutes Leben gehabt.
Philipp: Ich glaub auch. Arsenkörpersanierungsflüssigkeiten.
Daniel: Das ist n deutsches Wort.
Philipp: Das ist mal ein deutsches Wort. Können wir das bitte – kann das bitte jemand mal in die Kommentare schreiben auf Spotify unter diese Folge: Arsenkörpersanierungsflüssigkeiten? Ich glaube, das passt bei Scrabble gar nicht aufs Brett.
Daniel: Zusammen mit der Videospielgenre-Bezeichnungs-Renaissance, die –
Philipp: Du immer eingefordert hast.
Daniel: Ja, die Videospielgenre-Bezeichnungs-Renaissance – auch das bei Scrabble, Instant Win. Ja, na ja – wie gesagt, tolle Attraktion, dachte man sich, ein Jahr lang, bis man merkt, dass das Kabinett gar nicht so gut läuft. Und man war im Endeffekt nur eingemietet in dieses Long-Beach-Ding, und die Betreiber – Spoony Singh hat sich dann gedacht: Alles klar, ich lass es alles stehen, ich verpiss mich.
Philipp: Und hat sich abgesetzt.
Daniel: Komplett – Schulden stehen lassen, alles stehen lassen. Und die Betreiber des Parks merken so: Oh ja, da steht so diese Nockenwellenpuppe, was machen wir damit? Oh – ach, der Elektriker vom Park, der hat so ne Abstellkammer, stellen wir sie wieder da rein. Und da standst du ein Jahr lang, bis eine neue Geisterbahn geöffnet hat – und zwar “Laff in the Dark” – also “Laff” mit LAFF geschrieben, aber quasi Lachen im Dunkeln. Da denkt man sich: Boah, diese Nockenwellenpuppe im Elektrikerschrank, die wär doch super. Aber die mechanischen Teile brauchen wir nicht, ab damit weg. Und vor allem diese Puppe, die ist schon heruntergekommen – lass uns die mal rot anmalen mit einer fluoreszierenden Farbe, die im Dunkeln leuchtet. Und man macht so n blauen Scheinwerfer, der angeht, wenn man durch diese Bewegungssensoren rennt, und die Gäste rennen da durch, dann leuchtet es einmal kurz auf, und dann leuchtet diese Puppe, die am Galgen hängt mittlerweile, einmal kurz auf – die Leute erschrecken sich, lachen, und dann ist alles cool.
Philipp: Und da sind wir am 7. Dezember 1976, wo eine rote Wachsfigur am Galgen hängt und umgestellt werden möchte für den Sechs-Millionen-Dollar-Mann. Und da schließt sich der Kreis.
Daniel: Und da schließt sich der Kreis – Wahnsinn. Ein Jahr später identifiziert man dich – oder im nächsten Jahr halt, ne, weil es war im Dezember – so 1977 identifiziert man dich. Man stellt eine offizielle Sterbeurkunde aus, man überführt dich nach Oklahoma, wo man dich am 22. April 1977 in Guthrie – wo auch immer das ist – am sogenannten Boot Hill Cemetery beerdigt. Dort wurden traditionellerweise Outlaws aus der Region beerdigt.
Philipp: Ach Mensch, guck, wo du bei all den Walters bist.
Daniel: Bei allen Walters bist du dort gelandet. Und wie es bei einem solchen Helden und Charakter üblich ist und nicht fehlen darf: Eine Menge Beton, die man auf deinen Sarg gießt, damit man deine Totenruhe nicht stören kann.
Philipp: Damit man mich nicht quasi wieder rausholt, ja.
Daniel: Damit Putin nicht wieder herrschen darf.
Philipp: Ach, was für eine fantastische Geschichte. N bisschen makaber hinten raus, muss man sagen, aber.
Daniel: Absolut.
Philipp: Also hochgradig dumm – also gefällt mir sehr gut.
Daniel: Was wir noch haben: Eine kleine Anmerkung, die ich noch ranwerfen will. Ein Restaurantbesitzer in LA verkaufte zu der Zeit – hab ich nämlich n Artikel gesehen in der Zeitung – T-Shirts mit deinem Mugshot, deinem Namen, deinen Lebenszeiten. Fälschlicherweise stand da als Geburtstag 1869 statt 1880, also jedenfalls stand da 1869 bis 1911, und auf der Rückseite stand 1911 bis 1976.
Philipp: Von wegen “Der Untötbare Outlaw” oder sowas in der Art stand da drauf, das konnte ich nicht genau nachvollziehen.
Daniel: Auf jeden Fall ist n schönes T-Shirt, was wir vielleicht mal designen könnten für die Zukunft.
Philipp: Tonja hat es auch überlebt – alles egal was, ja. Egal was – das war die Geschichte, das war fantastisch.
Daniel: Ich bin ein großer Fan.
Philipp: Also nicht davon, was man mit dieser Leiche gemacht hat. Aber von der Geschichte an sich – ich find es hochgradig schwierig, hochgradig komisch. Vor allem, dass das keiner gemerkt hat, also dass sich das keiner mal genau angeguckt hat und gesagt hat: Moment mal, ist doch n echter Mensch.
Daniel: Ja, es – aus Elmer wurde der Outlaw, aus Outlaw wurde McCurley, aus McCurley wurde die Nockenfigur, aus der Nockenfigur wurde die Wachsfigur, und aus der Wachsfigur wurde der Geigenmann.
Philipp: Ja, und aus dem Geigenmann wurde dann wieder Elmer.
Daniel: Richtig.
Philipp: Wahnsinn – der – das ist der Kreis des Lebens.
Daniel: Das ist der Kreis des Lebens. Der Elmer stirbt am 7. Oktober 1911, und am 7. Oktober einige Jahre später wird Wladimir Putin geboren.
Philipp: Das ist der große Kreis des Lebens, und was mit Wladimir Putins Leiche passiert, wenn der mal stirbt, das werdet ihr von zukünftigen Heldendumm-Generationen dann erfahren.
Daniel: Schönes Schlusswort, Philipp.
Philipp: Schönes Schlusswort. Wenn wir in 40 Jahren diesen Podcast noch machen, dann werden wir darauf zurückgreifen.
Daniel: Erinnert ihr euch noch damals 2026, als wir über die Leiche gesprochen haben? Wie will sie – sag ich nur. Wie will sie, Philipp?
Daniel: Das war es. Das war Elmer. Das war der Rote Baron, hätte ich bei mir gesagt.
Philipp: Er fliegt nicht, immerhin – immerhin das nicht. Er liebt.
Daniel: Aber Dinge flogen in die Luft.
Philipp: Aber Dinge flogen in die Luft, und zwar nicht zu knapp.
Daniel: Ich danke dir sehr.
Philipp: Ich danke auch Daniel. Wir sehen uns beim nächsten Mal, bis dann, ciao ciao, bis dann.
