Transkript zu: Super Smash Bros. Brawl

2026-06-24

Transkript zur Episode: Super Smash Bros. Brawl

Philipp: Hallo Daniel.

Daniel: Hallo Philipp.

Philipp: Daniel, heute machen wir mal zur Abwechslung ganz was anderes.

Daniel: Ach, was ist denn noch anders, noch mehr anders als das, was wir sonst immer machen?

Philipp: Wir – es ist überhaupt nicht anders.

Daniel: Naja, ich wollt schon sagen.

Philipp: Es ist überhaupt nicht anders, denn wir gehen heute nach Ohio.

Daniel: Ohio.

Philipp: Wie immer.

Daniel: Eigentlich befinden wir uns in Ohio.

Philipp: Ich weiß auch nicht, was der Staat Ohio so Besonderes an sich hat, aber er ist auf jeden Fall irgendwie immer Thema bei uns.

Daniel: Ein Magnet.

Philipp: Ein Magnet. Ein Schmelztiegel.

Daniel: Der Kulturen und der Dinge, die dort passieren.

Philipp: Ich weiß es nicht so genau, es ist auf jeden Fall das Zentrum, das Epizentrum des Heldendumm-Wahnsinns, und auch heute findet der Heldendumm-Wahnsinn wieder in Ohio statt – sowas aber auch. Lass uns loslegen, und zwar nicht in Ohio erstmal, sondern in Minnesota.

Daniel: Oh, Minnesota find ich gut.

Philipp: Dort gehen wir hin: Am 9. April 1944 ist nämlich dein Geburtstag, und zwar in der Stadt Little Falls in Minnesota.

Philipp: Wie stellst du dir Little Falls in Minnesota vor?

Daniel: Oh, ist die Frage, wo der Name herkommt. Haben wir da irgendwie Wasser und n bisschen so kleine Mini-Wasserfälle?

Philipp: Also würd ich so nicht sagen, ehrlicherweise keine Ahnung allerdings, sah nicht so aus, zumindest. Ich sag mal so, wenn es Little Falls heißt, dann muss es demnächst oder irgendwo in der Gegend in der Nähe ein Big Falls oder nur Falls geben, und wenn Little Falls da sind, ist irgendwas n bisschen kleiner, n bisschen gemütlicher – wir hatten das ja schon vor kurzem so Twin-Peaks-mäßig, alles n bisschen enger beieinander.

Daniel: Es ist absolut Twin Peaks.

Philipp: Es ist absolut Twin Peaks: riesige Wälder, Nadelwälder rund um die Stadt, relativ kleine Stadt, 9000 Einwohner. Die größte Stadt im Umkreis ist nämlich auch Verwaltungssitz des Counties, Morrison County ist das, und wir befinden uns also – wenn man sich jetzt auf einer USA-Karte befände – nordwestlich von Minneapolis. Minneapolis ist ja so im Südosten von Minnesota, und im Norden befinden sich dann die Reservate.

Daniel: Mhm.

Philipp: Und davon befinden wir uns südlich, also wir befinden uns genau quasi im Zentrum des Bundesstaats, also genau wie man es sich vorstellt. Wir haben über Twin Peaks gesprochen, genau das ist es am Ende im Prinzip, und es ist auch noch was anderes – das hat zwar nichts mit der Geschichte zu tun, aber ich glaube, das ist wichtig, noch mal darzulegen an dieser Stelle: Aus dieser Stadt kommt Charles Lindbergh, und du…

Daniel: Und ich?

Philipp: Du wirst – kann ich dir jetzt schon jeglichen Wind aus den Segeln nehmen? Du wirst in dieser Geschichte nicht zum Helden.

Daniel: Ja, soll es auch geben, solche Momente.

Philipp: Du wirst nur in eine extrem dumme Geschichte hineingezogen, zu der wir gleich kommen. Aber wir kommen jetzt erstmal dazu, wie, sagen wir mal, wie der Weg dahin ist, und wir sind also im Jahr 1944: Du wirst geboren. Henry und Rose sind deine Eltern, auch Namen, die ich glaube sehr klassisch sind für die Zeit und gerade auch für den Teil der Welt, in dem wir uns befinden.

Daniel: Ist das nicht einfach Silent Hill? Rose ist die Tochter, glaub ich, oder die Ehefrau, und Henry hieß – hieß der nicht Henry?

Philipp: Ja, er heißt Henry.

Daniel: Ja, ich glaub schon, ja.

Philipp: Ja.

Daniel: Aber nee, nee, nee, also in Silent Hill 2 ist es James, im Ersten ist es…

Philipp: Weiß ich nicht mehr, aber könnte Henry sein, ja.

Daniel: Ich glaube, Henry ja. Könnten Henry und Rose sein?

Philipp: Ja, halte ich für denkbar, aber wer nicht dabei ist, ist Joseph Norbert.

Daniel: Joseph Norbert, schön, Norbert, Deutsch oder Northbird.

Philipp: Also du bist eigentlich Joseph Norbert Brinkman.

Daniel: Ah ja.

Philipp: Aber natürlich ist relativ klar, aus welchem der Staaten deine Vorfahren eingewandert sind, die damals nach in die Vereinigten Staaten kamen, nämlich eher so n Staat, wo man sagen würde: Da heißt die Person Josef Norbert Brinkmann.

Daniel: Stark, find ich gut, mag ich.

Philipp: Deine Eltern besitzen damals, Mitte der 40er, Ende der 40er Jahre, eine Farm, natürlich mit 80 bis 90 Rindern.

Daniel: Oh, natürlich.

Philipp: Und vertreiben hauptsächlich Milch.

Daniel: Das ist so n bisschen das Ding, also ist unser Familiengeschäft – unser Familiengeschäft ist Milchbauer sein.

Philipp: Ja, ihr seid Bauern.

Daniel: Schön, also das ist ja mal gemütlich und mal so echte Arbeit.

Philipp: Echte Arbeit, und echte Arbeit haben deine Eltern auch noch häufiger verrichtet, denn du hast 8 Geschwister.

Daniel: Jawohl.

Philipp: Und zwar 7 Schwestern und einen Bruder.

Daniel: Oh.

Philipp: Durchaus eine Unwucht.

Daniel: Ich würd grad sagen, da ist ja ne starke, starke Tendenz in den Genen.

Philipp: Da können die Eltern nichts für. Aber ja, ist so, natürlich – was auch klar ist: Deine Eltern sind sehr, sind sehr gläubig, römisch-katholisch, so werdet ihr erzogen, und ja, das würd ich sagen, sind erstmal die Grundfakten darüber, wie du ins Leben startest. Du gehst dann ganz normal zur Schule, gehst auf die High School, wo du alle möglichen Sportarten spielst. Du bist eine Sportskanone: Football, Basketball, Baseball, Leichtathletik, du machst alles.

Daniel: Alles, Hauptsache Bewegung.

Philipp: 1962 bist du da fertig, mit 18, dann gehst du ein Jahr zur Saint Cloud State University, dort spielst du Football und Basketball.

Daniel: Also ich lerne jetzt schon daraus, Leute: Trinkt eure Milch.

Philipp: Trinkt eure Milch, da werdet ihr groß und stark.

Daniel: Das ist auch gut für die Knochen, hat meine Mutter früher immer gesagt – Milch, ich glaube, es ist alles widerlegt mittlerweile, ne, das macht die Knochen weich, glaub ich.

Philipp: Ich würde mich nicht ganz dagegen aussprechen, wenn niemand sagen würde: Na ja, Milch und Knochen sind ja beide weiß, das muss gut füreinander sein.

Daniel: Wow.

Philipp: Stark. Das gibt es bestimmt, also halt wieder sehr wahrscheinlich. Du spielst Football an der Saint Cloud State University und wirst am 20. Oktober von der Ersatzbank in der letzten Spielminute eingewechselt und bist dann nach der Held der Schule, denn du erzielst ein Field Goal, obwohl der Typ, der diesen Ball festhält, ihn irgendwie nicht so richtig festhält und irgendwie fallen lässt.

Daniel: Und du triffst den trotzdem richtig und schießt Field Goal.

Philipp: Das entscheidende Field Goal zum Sieg.

Daniel: Für 4 Touchdowns in einem Spiel hat es nicht gereicht, aber auch das macht dich zur Legende.

Philipp: Das muss reichen. Am Ende 15 zu 14 für deine Truppe. Du bist dann dort noch ne Weile und gehst dann von der Saint Cloud State weg und ziehst nach Westen, in den Nordwesten der USA, nach Oregon, wo du nach Roseburg gehst, zu deinem Onkel, der auch den US-amerikanischen Namen hat, den man sich vorstellen kann.

Daniel: Er heißt nämlich Ted.

Philipp: Oh, also er ist wirklich amerikanisch.

Daniel: Also klingt klingonisch, würd ich sagen.

Philipp: Klingt amerikanisch.

Daniel: Also Eltern Henry und Rose und Onkel Ted.

Philipp: Onkel Ted, super.

Daniel: Find ich gut.

Philipp: Du bist übrigens mittlerweile nicht mehr Josef Norbert, sondern man nennt dich einfach Joe.

Daniel: Ja gut, manchmal ist weniger mehr.

Philipp: Manchmal ist weniger mehr. Du gehst zu Onkel Ted, und Onkel Ted arbeitet dort bei der Roseburg Lumber Company, das ist eine so wie wir das nennen würden forstwirtschaftliche Sache, also irgendwie Holz.

Daniel: Also jetzt so, so vom Bauern zum Holzmann ist jetzt auch nicht weit weg, ne.

Philipp: Es ist nicht weit. Du bist in der Natur, aber es ereilt dich irgendwann dann doch die Einberufung in die US Army, und zwar im Jahr 1965.

Daniel: Was ist das? Ne, Korea?

Philipp: Du hast großes Glück. Du musst nämlich in gar keinen Krieg, sondern wirst stattdessen – sagen wir mal, an den schlimmsten Ort, der nur möglich ist – versetzt.

Daniel: Wahrscheinlich 30 Meilen weiter südlich in so n Ford oder so – Deutschland, nach Deutschland?

Philipp: Ach ja, ach. Hallo, Grüße, Grüße Brinkmann, Grüße Herr Brinkmann. Ich habe nicht herausfinden können, wo in Deutschland du stationiert warst – das wäre sehr interessant gewesen, ich hab es nicht rausgefunden. Falls irgendjemand diese Recherche betreiben möchte und das herausfinden kann, ich bitte sehr darum – ich hab es nicht hingekriegt. 1965 bis 1967 bist du in Deutschland stationiert.

Daniel: Ich glaube, das ist ja relativ entspannt.

Philipp: Ich glaube auch, dass das relativ entspannt ist, und ich glaube auch, dass das Soldatenleben in Deutschland relativ angenehm ist, so im Vergleich zu allen anderen möglichen Orten, wo man so stationiert sein konnte in den Sechzigern. Aber du hast in der Armee nicht nur Armeesachen gemacht, sondern natürlich auch mit deinen Kameraden bei der Armee Sport gemacht, wie man das tut, auch und insbesondere Mannschaftssport, und wieder alles quer durch: Football, Basketball, ihr hattet einen Baseballplatz, ihr habt Leichtathletik gemacht, und da warst du häufig dabei. Und du hast schon früh entdeckt, Baseball ist eigentlich das, was ich so am besten finde, aber du hast deine Rolle nicht gefunden: Mal hast du geschlagen, mal warst du der Catcher, also der, der die Dinger fangen soll, mal warst du der Werfer, also der Pitcher, und irgendwie hast du deine Rolle nicht gefunden und wusstest nicht so richtig, was du machen willst.

Daniel: Und Don – den Don triffst du nicht, das wäre n bisschen früher gewesen.

Philipp: Dann triffst du Barney Deary, und Barney Deary unterhält in Deutschland eine Schule für Militärangehörige, wo er Soldaten ausbildet zu sogenannten Umpires – ein Umpire ist das, was man in Baseball den Schiedsrichter nennt.

Daniel: Ach, kommt das von den Unparteiischen? Der Unparteiische, der Umpire.

Philipp: Ich weiß das nicht.

Daniel: Aber klingt so?

Philipp: Ich weiß es wirklich nicht, es heißt jedenfalls so.

Daniel: Cool, wieder was gelernt, und obwohl wir schon mal ne Baseball-Folge hatten…

Philipp: Und genau das machst du: Mit Barney Deary bist du dann relativ eng, und Barney Deary bildet dich nicht so richtig aus, sondern sagt dir nur: So und so musst du handeln, wenn du jetzt Umpire wärst, müsstest du dich so und so um die Situation kümmern. Und für die, die sich gerade in Ausbildung befinden, bist du dafür zuständig, quasi die Spielsituation nachzustellen: Du hast die Aufgabe, schlag mal so und so, denn dann passiert folgende Situation, und dann muss der Schiedsrichter das bewerten, und dann erklärt er ihm, wie er das richtig macht.

Daniel: OK, das heißt, er ist eher so n Mentor für mich, für mich – und ich mach dann also ich bin dann der Hampelmann auf dem Feld, oder was?

Philipp: Genau, im Moment ist das so. Du bist dafür da, dass die Schiedsrichter ordentlich ausgebildet werden, und musst allerhand Regelbrüche begehen.

Daniel: Ja, das ist also Regelbrüche und Heldendumm, das sind so, weißt du, so Hand in Hand, das passt.

Philipp: Das ist so n bisschen Arnold Schwarzenegger und Carl Weathers.

Daniel: Ja, absolut, absolut.

Philipp: Aber du bist ja eigentlich ein Regelhüter, und das erkennt Barney Deary auch. Und deswegen sagt er dir: Pass auf, deine Zeit in der Armee ist bald vorbei, aber wenn du da raus bist, ruf mich an, hier ist meine Telefonnummer, wenn du irgendwann mal dran denkst, selber vielleicht Umpire zu werden, ruf mich an, ich bilde dich aus.

Daniel: Ja, ist fair, ist n gutes Angebot, kann man sich merken, Visitenkarte wird mitgenommen und eingetütet.

Philipp: So ist es. Und 1967 bist du dann raus bei der Armee, bist wieder zurück in den Vereinigten Staaten, wohnst in Holdingfort und weißt nicht so recht wohin mit dir. Und du rufst Barney Deary an.

Daniel: Ja, ich mein, dafür hat er mir die Nummer ja gegeben. Ich bin bereit, ich bin bereit, unparteiisch zu werden.

Philipp: Und Barney Deary befindet sich gerade in Daytona Beach, als er rangeht, und sagt dir: Pass auf, hier ist relativ warm, in Holdingfort ist es arschkalt – komm noch mal hier runter, und dann machen wir gemeinsam ne Ausbildung im aktuellen Lehrjahr an der Al Somma’s Umpire School.

Daniel: Ja, soweit so gut.

Philipp: Und somit wirst du Schiedsrichter. Du bist zwar n bisschen nach dem Start des Schuljahrs, aber das ist nicht so schlimm. Du wirst Baseball-Schiedsrichter und leitest schon die ersten Spiele, und 1968, also im nächsten Jahr schon, bist du fertig ausgebildet und darfst schon in der Class A Midwest League – also noch nicht bei den ganz Profis – das ein oder andere Baseballspiel leiten.

Daniel: Ja, klingt ja soweit ganz OK, ne? Also nach so einer Bauernkindheit, nenn ich jetzt einfach mal, dann zur Armee, und dann – also ich stell mir das Leben als Schiedsrichter eigentlich relativ entspannt vor.

Philipp: Ne, du gehst dahin, machst deinen Job, am Ende des Tages hast du nicht gewonnen, du hast nicht verloren, aber du bist einfach glücklich, dass du dein Geld damit verdient hast.

Daniel: Ist so OK, wenn du Sport auch magst, ne. Sollte man meinen, dass das relativ unproblematisch ist.

Philipp: Aber dazu kommen wir noch. Na ja, du gehst nach Sankt Petersburg in Florida, wohlgemerkt.

Daniel: Kennt man.

Philipp: Und dort findet n Ausbildungscamp statt für die Major League Umpires. Das sind dann quasi die, die in die Major League Baseball kommen, wo auch unser Roop natürlich sehr viel unterwegs war, und du lässt dich dort quasi ausbilden und darfst dann tatsächlich 1972 in die Major League Baseball aufsteigen, also ein paar Jahre später wirst du angerufen, und es wird gesagt: Pass auf, du hast so gute Leistungen gebracht, du darfst ab der Saison in der Major League Baseball spielen.

Daniel: Aber auch da muss ich sagen, jetzt wo du gerade sagst, also so wie du es formuliert hast: Du hast gute Leistungen erbracht – als Schiedsrichter gibt es gute Leistungen also?

Philipp: Ja, du machst keinen Fehler.

Daniel: Genau, ja. Aber du, also, bei aller Liebe, ne, ich stell mir das als n entspannten Job vor, und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie man diesen Job auch schlecht machen könnte. Also ich meine, im Endeffekt ziehst du dir den Hass mindestens einer Mannschaft immer auf dich während des Spiels.

Philipp: Ich glaube, unabhängig davon, ob du es gut machst oder nicht.

Daniel: Ja, wenn du es gut machst… Ich weiß, Don’t hate the player, hate the game, beziehungsweise Don’t hate the Schiedsrichter in dem Fall. Aber trotzdem: Ich kann mir halt vorstellen, dass kein Schiedsrichter der Welt nach einem Spiel nach Hause geht und sich dann denkt: Ja, OK, jetzt hab ich alles so gut gemacht, ich hab die Regeln so gut durchgesetzt, dass mich jede Mannschaft dafür lobt, dass ich so total korrekt war.

Philipp: Es ist am Ende kein dankbarer Job, sag ich jetzt mal.

Daniel: Ja. Das ist wohl so, also schon entspannt, aber dann am Ende ist es vielleicht doch unentspannt.

Philipp: Aber für dich ist das egal, denn du wirst ja dafür bezahlt auch. Und du hast eine große Ehre: Du darfst bei deinem ersten Spiel jetzt pfeifen, und zwar an der zweiten Base bist du eingeteilt – es gibt bei den Schiedsrichtern da immer so ne gewisse Einteilung, wer sich um was kümmert – und du bist an der zweiten Base beim Spiel in Cleveland, Ohio. Dein erstes Spiel ist Cleveland Indians gegen Milwaukee.

Daniel: So weiter noch mal. Es passiert auch nicht viel.

Philipp: Übrigens, dazu muss ich noch n bisschen Kontext erbringen, glaub ich: Die Cleveland Indians heißen heute nicht mehr Cleveland Indians, die heißen heute Guardians, ich glaube, aus nicht ganz so schwer nachvollziehbaren Gründen. Außerdem spielen sie in einem Stadion, das heißt Progressive Field.

Daniel: Also macht das auch irgendwie Sinn.

Philipp: Gut, man hat quasi keine Wahl.

Daniel: Hieß das Stadion schon immer so oder wurde das umbenannt?

Philipp: Nein, die sind umgezogen.

Daniel: Tatsächlich?

Philipp: Ach ja, so die sind umgezogen in das Progressive Field, also sie haben sich gedacht: OK, wir möchten nicht mehr die Indians sein, wir möchten jetzt was anderes sein, also gehen wir jetzt mal ins Progressive Field, um uns zu progressen.

Daniel: Richtig?

Philipp: Ja, und dann wurden sie die Guardians. Seit 5 Jahren heißen sie jetzt, glaub ich, Guardians, aber das Problem mit den Indians, wie sie damals noch hießen, Anfang der 70er Jahre, ist folgendes: Es geht mit ihnen ganz schön schlecht, denn sie sind katastrophal schlecht.

Daniel: Oh, OK.

Philipp: Also die Indians haben – wir sind jetzt Mitte der 70er, also so 72 – seit 1969 in jedem Jahr mehr Spiele verloren als gewonnen. 1971 haben sie 60 mal gewonnen und 102 mal verloren, das macht schon – ist schon n relativ großer Unterschied.

Daniel: Ja, das stimmt.

Philipp: Zielquote liegt bei 37%, 1954, also fast knapp 2 Jahrzehnte vorher, waren sie noch bei 71% der Spiele, die sie gewonnen haben.

Daniel: Also es ging schon sehr deutlich bergab. Haben sie versehentlich irgendwie beim Umzug n Indianerfriedhof umgeschmissen, oder?

Philipp: Ich weiß nicht, was sie gemacht haben. Auf jeden Fall haben sie nicht dafür gesorgt, dass die Leute sehr glücklich waren mit ihnen, und das spiegelte sich dann relativ schnell auch wieder in den Zuschauerzahlen.

Daniel: Ja klar, wenn die nur am Verlieren sind, dann kommen wahrscheinlich weniger Zuschauer, oder die, die da sind, beschweren sich, wenn die immer noch nicht gewonnen haben.

Philipp: Richtig. 1959 beispielsweise kamen pro Spiel knapp 20.000 Leute, und jetzt, wo wir uns in der aktuellen Saison befinden, kommen so ungefähr 7.000 im Durchschnitt.

Daniel: Das ist ein krasser Einbruch.

Philipp: Auch das, ja, wow. Das sorgte nicht nur dafür, dass man quasi während der Spieler auch schlechtere Stimmung hatte – ne, die Mannschaft wird nicht so angefeuert, wie man sich das wünscht – es fehlt auch einfach kurz gesagt am Geld, weil man verkauft ja keine Karten mehr, natürlich. Und in das Stadion passten eben auch deutlich mehr Leute rein als diese 7.000 – das sieht dann auch nach, also jetzt von der Perspektive des Spielers: Wenn man auf seine eigene Tribüne guckt und dann sieht man da, anstatt so irgendwie keine Ahnung Loch zwischen den Leuten zu sehen, siehst du eher so kleine Inseln, wenn überhaupt.

Daniel: Mal n Mensch.

Philipp: Genau, mal n Mensch, und das macht also gut, 7.000 Leute sind trotzdem viele Menschen, ne, aber dennoch, je nach Größe des Stadions – und es ist ja auch, wenn ich mich nicht irre, psychologisch ja bewiesen, dass das n Riesending auf die Leistung macht.

Daniel: Ne, also auch so losgeweis… absolut.

Philipp: Und jetzt kommen wir zu Marketing One-o-One, ach Heldendumm.

Daniel: Mhm.

Philipp: Daniel, was ist deine Idee: Wie kriegt man mehr Leute ins Stadion, auch wenn die Mannschaft scheiße spielt?

Daniel: Ich stelle Schilder an die Straße und mache Reime.

Philipp: Ja, das hat nicht geklappt.

Daniel: Schade. Ja, ich biete irgendwas kostenlos oder günstig an, damit die Leute kommen, und vielleicht nicht wegen des Spiels, aber sie kommen einfach, um da zu sein. Also wir hatten das schon mal, Philipp, als du mir empfohlen hast, ein Fußballticket zu kaufen, damit ich günstig Bahn fahren kann.

Daniel: War ne gute Idee.

Philipp: Richtig, richtig, du hast völlig recht. Ich biete etwas kostenlos an und etwas sehr günstig, und die haben sich gedacht: OK, wir machen beides.

Daniel: Ach, schön.

Philipp: Wir bieten etwas kostenlos an und etwas sehr günstig, und deswegen haben die Cleveland Indians den sogenannten Nickel Beer Day ausgerufen.

Daniel: So, hier kommen wir in ein Territorium, wo ich Schlagzeilen gelesen habe, die in die Richtung des Themas gehen, und ich hab nichts davon gelesen, weil ich mir gedacht habe: Das ist ein Philipp-Thema.

Philipp: Also ein Nickel sind 0,05 Dollar. Ja, du kriegst 0,35 Liter Bier für 0,05 Dollar.

Daniel: Jawohl.

Philipp: Wenn man das hochrechnet auf heute, wären es ungefähr 0,40 Euro.

Daniel: Damit kann man arbeiten, also als Kunde.

Philipp: Damit kann man als Kunde sehr gut arbeiten, und es gibt nur Leitbier für den Preis. Aber es gibt noch mehr, denn wenn ein Vater mit seinem Sohn oder seiner Tochter kommt und sich ein Bier kauft, kriegt das Kind einen echten Cleveland Indians Helm geschenkt.

Daniel: Oh, so einen, wie die Spieler sie tragen, ne.

Philipp: So einen, wie die Spieler tragen.

Daniel: Ja, schön, also das ist also – unabhängig davon, dass wenn man drüber nachdenkt und das hochrechnet und dann doch am Ende Leute kommen, dann ist das kein Werbung, das ist n fettes Minusgeschäft, auch mit dem Bier. Aber so grundsätzlich find ich das ne schöne Idee.

Philipp: Ja, und du hast ja auch – man zielt ja eher auf die langfristigen Effekte ab.

Daniel: Du hast da ein Kind, das hat n Cleveland Indians Helm zu Hause, das war da schon mal im Stadion – es ist natürlich sehr viel wahrscheinlicher, dass dieses Kind irgendwann mal, wenn es älter ist, ins Stadion kommt.

Philipp: Genau. Also es ist im Prinzip ein großes Zukunftsversprechen.

Daniel: Ja, find ich gut, find ich stark.

Philipp: Und es funktioniert auch noch: Die Zuschauerzahl verdoppelt sich bei diesem Spiel auf knapp 13.000.

Daniel: Da sind wir doch schon mal.

Philipp: Vielleicht nicht bei den Zahlen wie vorher, aber schon mal auf jeden Fall gut dabei.

Daniel: Spiel wurde natürlich verloren.

Philipp: Klar, ja.

Daniel: Güte haben wir auch nicht anders erwartet. Wir haben ja jetzt Marketing gesteckt, aber nicht in die Spielerleistung, zumindest von den Indians.

Philipp: Richtig, zurück zu dir. Du hast das alles mitbekommen, warst aber zu dieser Zeit noch gar nicht in der Major League Baseball – es war ein Jahr bevor du losgelegt hast. Du hast jetzt losgelegt, du gehst jetzt zu den Cleveland Indians ins Stadion und schaust: Hat diese Aktion was gebracht, sind mehr Leute ins Stadion gekommen, funktioniert diese Aktion auf lange Sicht und nicht nur an einem Tag? Knapp ein Jahr später nach diesem Nickel Beer Day gehst du zu den Indians ins Stadion, stehst an der zweiten Base, guckst dich um: 3.700.

Daniel: Das ist nicht so viel.

Philipp: Das ist überhaupt nicht viel, das ist noch mal die Hälfte von dem niedrigen was vorher.

Daniel: War ja ja, das ist tatsächlich schwach. Aber woran hat die gelegen?

Philipp: Ja, die Organisatoren sagen: Na ja, ich glaube, es hat daran gelegen – wir haben den Leuten zu wenig Bier gegeben.

Daniel: Das wird es sein, find ich gut, heißt n Kunde natürlich.

Philipp: Der Marketingstratege der Indians war wirklich – er muss ein Bierfan gewesen sein, anders kann ich es mir nicht erklären, denn man macht jetzt eine weitere Sonderaktion, und zwar im Jahr 1974, also 2 Jahre später: Die sogenannte Ten Cent Beer Night. Das Bier ist zwar doppelt so teuer, aber es hat vorher nicht so viel gekostet – es wurde auf 5 Cent gesenkt, und jetzt kostet es n bisschen mehr, und jetzt wird es auf 10 Cent gesenkt, von 0,65 Dollar auf 0,10 Dollar wird der Preis gesenkt, für ein Bier, 0,35 Liter.

Daniel: Mal angenommen, du gehst jetzt heute zu einer Veranstaltung, da kostet der 0,33er Becher vielleicht 4 Euro.

Philipp: Also man muss heutzutage n bisschen mehr als 1 Euro für 0,1 rechnen.

Daniel: Das ist teuer, also ich treib mich nicht in Sportveranstaltungen rum, deswegen kann ich es nicht wissen, aber ist das – erleben wir eine Bierflation oder eher nicht?

Philipp: Ne, es kommt drauf an, wie man fragt. Also bei mir in der Stammkneipe: Halber Liter, 4,20 Euro.

Daniel: Ist auch das…

Philipp: Find ich okay.

Daniel: Ja, es ist nicht günstig, aber es ist wahrscheinlich in Ordnung.

Philipp: Einen günstigeren Kurs kriegst du nicht, und heutzutage bei großen Veranstaltungen bist du schon locker mal bei halber Liter 6 Euro.

Daniel: Oh, das tut weh.

Philipp: Auch tut weh, ich habe auch schon mal 7 bezahlt, glaube ich, auf einer Veranstaltung. Also das ist tatsächlich so. Angenommen, du nimmst n 0,33er Bier heute für 4 Euro bei einer Großveranstaltung – also nicht mal bei einer Sportveranstaltung zwingend, sondern bei einem Konzert oder sowas, ähnliche Preise – dann wären das von der Senkung her heute 0,60 Euro für n 0,33er Bier.

Daniel: Mhm.

Philipp: Stell dir mal eine Veranstaltung vor, wo 0,33er Bier 0,60 Euro kostet.

Daniel: Eskalation. Daher dürfte einiges los sein, würd ich behaupten. Also ich sag mal so, ich wär auf jeden Fall nicht nur einmal zum Spiel gekommen.

Philipp: Und das ist nämlich genau der – es gibt jetzt, es gibt also diese Ten Cent Beer Night zwar nur einmalig, aber du darfst dir 6 Bier gleichzeitig kaufen.

Daniel: Da hab ich ja also – so viele Hände hab ich nicht.

Philipp: Das ist n Problem, aber du kannst ja jemanden mitnehmen, der dann die anderen 3 trägt.

Daniel: Aber der kann auch 6 kaufen, richtig?

Philipp: Der kann auch 6 kaufen, also das ist exponentiell problematischer.

Daniel: Richtig. Also ich sag mal so, ich jetzt, rein psychologisch, ich geh da hin und kann 6 Bier für günstig kaufen, dann kauf ich 6 Bier, und ob ich sie tragen kann oder nicht – sag mal, da hingeschickt ist ja egal.

Philipp: Ja, du kannst ja auch dort direkt vor Ort austrinken.

Daniel: Genau, also ich kann so viele mitnehmen, wie du tragen kannst. Ich würd gern sagen, ich trinke 3 Stück und 3 andere nehm ich mit – ist ja 0,33er, also nicht, dass ich jetzt so n Biertrinker wäre, der so extrem gut die Biere verschwinden lässt.

Philipp: Ne, ich bin ja kein Bierdini, aber…

Daniel: Oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, Bierdini, ey, ja – aber 3 Bier, 3 Bier sind n Liter, ne.

Philipp: Ja, die Marketingstrategen gehen davon aus, dass ungefähr so viele ins Stadion kommen wie damals zu Nickel Beer Night, also so ungefähr 13.000 Leute, was ja dann auch schon das Vierfache wäre.

Daniel: Der Personen, die jetzt neulich zum Spiel gekommen sind. Ja, also das ist jetzt natürlich auch – ne, hängt davon ab, wen du fragst, ne, aus welcher Perspektive zählt man Erfolg.

Philipp: Bevor wir zu den Ereignissen dieses wichtigen Abends kommen, müssen wir die Vorgeschichte kennen, denn du erhältst eine Nachricht vom Verband, von der Liga, dass du für dieses Spiel, an dem die Ten Cent Beer Night stattfindet, angesetzt wirst. Du bist dort Schiedsrichter zusammen mit Nestor Chylak. Nestor Chylak ist einer der bekanntesten Baseball-Schiedsrichter gewesen zu dieser Zeit und auch noch ein paar Jahre später, und ist auch in der Hall of Fame als Schiedsrichter, also ganz besonderer Typ, und du bist mit ihm gemeinsam dort angesetzt. Ihr beide redet so miteinander darüber, wie die Partie wohl werden wird – die findet jetzt so in anderthalb Wochen statt – und ihr wisst: Na ja, gucken wir uns mal an, wie sie dieses Wochenende spielen, und dann werden wir ja wissen, ungefähr wie die beiden Teams so drauf sind, denn an dem Wochenende spielen sie auch gegeneinander.

Daniel: OK, das heißt, wir können dieses Spiel quasi schon, sagen wir mal, testen.

Philipp: Ja, sie spielen zweimal in Folge gegeneinander. Einmal müssen die Indians nach Texas zu den Texas Rangers, das ist ihr Gegner, und eine Woche später folgt quasi der Gegenbesuch, dann spielen die Texas Rangers in Cleveland. Und wir schreiben den 29. Mai und sehen das erste Spiel, und zwar das in Texas, und Nestor Chylak und du, ihr schaut euch das an und stellt während des Spiels fest: Das wird nächste Woche keine allzu einfache Aufgabe, die wir da vor uns haben, denn ihr seht etwas, und das zeige ich dir jetzt.

Daniel: Oh! Was ihr da in diesem Spiel so seht? Oh, okay, Moment, also – ich habe gerade das Video gestartet, und ich habe erstmal: what the fuck, okay – erstmal wurde ein Spieler abgeworfen, dann gab es einen Zusammenstoß, und jetzt sind wir plötzlich bei einem NHL-Spiel. Also ich sehe auf jeden Fall eine Massenschlägerei, ja, wobei sie deeskaliert, aber dennoch es sieht nach Spannungen aus.

Philipp: Es sieht nach Spannungen aus.

Daniel: Warte ab. Es wird gebootet – es werden Spieler vom Feld geschickt, beziehungsweise – oh, jetzt werden Stöcke, also Baseballschläger Richtung Publikum geworfen. Jemand versucht gerade ne Wand zu erklimmen und fällt runter, und es gibt fast ne – ja, die Indians prügeln sich untereinander so halb. Also ich würd sagen, es ist eskaliert, und es liegt nicht am Bier.

Philipp: Nein, es liegt nicht am Bier, das ist sehr richtig. Was passiert ist, ist folgendes – also das haben wir gesehen: Erst haben sie versucht, einen abzuwerfen, da waren die Indians schon sauer, und dann ist der Indians-Spieler halt in den anderen Spieler da reingelaufen, was dann zu dieser Prügelei auf dem Feld zwischen den beiden Mannschaften geführt hat. Und die Zuschauer waren auch sauer und haben dann angefangen, die Spieler mit Bier und Hotdogs zu bewerfen.

Daniel: Und ja – Hotdogs waren es, OK, ich konnte nicht genau identifizieren, um was es sich gehandelt hat, aber ja, Hotdogs geh ich mit. Man sieht das hier so n bisschen auf dieser Tribüne – ja, da die einige sozusagen im Zeug rum, einige längliche Gegenstände liegen dort, aber es scheint Hotdogs gewesen zu sein.

Philipp: Ja, es waren in dem Fall eher so Becher, aber sie wurden auf jeden Fall beworfen mit Essen und Getränken. Und ja, dann wollte eben Dave Duncan, der Spieler, in den Zuschauerraum klettern und sich dort mit einem Fan prügeln, der ihn irgendwie provoziert hat.

Daniel: Den er vorher mit dem Schläger abgeworfen hat, also um den Hose mehr.

Philipp: Das ist richtig. Also wie so n Speerwerfer hat er den genommen und wirklich in die Tribüne geworfen, aus nächster Nähe, so 2-3 Meter Entfernung, also…

Daniel: War mal sein Kollege, das war tatsächlich nicht er selber. Wenn du auf die Szene noch mal gehst, es ist sein Kollege, der ihn da wirft, und dann duckt er sich ganz schnell weg, damit man nicht sieht, dass er es war.

Philipp: Ah ja, also sind wahrscheinlich – also wie gesagt, im Hockeysport sieht man sowas, denk ich mal.

Daniel: Ah ja, jetzt seh ich den Wurf, ja, ja, ja. Sowas siehst du eher auf n Eis als auf n Diamanten.

Philipp: Das ist so. Was ich aber besonders toll finde, ist dieser glatzköpfige Typ, zu dem er ja offensichtlich hin will – den überhaupt nicht interessiert, der nur so ne “komm her”-Geste macht und einfach ganz ruhig da stehen bleibt.

Daniel: Ja, und dann fällt der Spieler einfach von diesem Tribünending runter. Also ich muss nochmal dazu ne – also der Werfer des Schlägers, der wirft den Schläger nach den Zuschauern, dann fällt der Spieler runter, und dann ist der Schlägerwerfer der, der plötzlich von hinten an dem Spieler, der klettern wollte, zieht und zerrt, als ob er ihn wieder da hoch zerren möchte, damit er bitte hochklettert und die Schlägerei anfängt, weil er unbedingt die Schlägerei haben möchte.

Philipp: Der gute Afroman. Inzwischen war aber die Polizei da, und die hat tatsächlich auch was gemacht – hat nämlich diesen Fan mit einer Geldstrafe belegt, weil er irgendwas gemacht hat, und zwar halt eine Geldstrafe von 27,50 Dollar.

Daniel: OK.

Philipp: Hab ich damals keine Ahnung, warum.

Daniel: Ja, find ich ja – also ich sag mal so, der Videobeweis sagt was anderes, der Videobeweis sagt ganz klar: Afroman ist schuld. Der hat zumindest, der war am gefährlichsten von allen.

Philipp: Der hat den ersten Schläger geworfen. Nun ja, die Rangers gewinnen das Spiel am Ende mit 3 zu 0 und reisen quasi mit einem Sieg im Rücken nach Cleveland. Bevor sie aber nach Cleveland reisen, ist natürlich noch mal das Spielthema auf diversen Pressekonferenzen, in den Zeitungen und so weiter – der Manager der Texas Rangers, der leider nicht Walker heißt…

Daniel: Das wäre extrem lustig gewesen.

Philipp: …wird gefragt nach dem Spiel, ob in Cleveland die Fans sich auch so verhalten würden wie jetzt in Texas – also wenn irgendwie was Kontroverses passiert, dass sie dann auch ausrasten und irgendwie mit Getränken und Ähnlichem nach den Spielern werfen. Und der Manager der Rangers sagte den verhängnisvollen Satz: Ach komm, eh nicht genug Leute, dass wir uns Sorgen machen müssten.

Daniel: Autsch.

Philipp: Ja, das – ich meine, ich verstehe, warum er es gesagt hat, es ist die Erwartungshaltung, aber das ist auch eine Herausforderung.

Daniel: Das ist eine Herausforderung, und man fühlte sich durchaus provoziert in Cleveland.

Philipp: Und ich sage dir auch, wie provoziert, denn du kriegst jetzt von mir eine Karikatur, und bei der bitte ich dich mir zu sagen, was du auf dieser Karikatur, die in der Woche vor dem Spiel abgedruckt worden ist in einer Clevelander Zeitung, was du dort siehst.

Daniel: Also ich sehe einen Indianer mit einem Baseballhandschuh und mit Boxhandschuhen. “The Rangers are in Town, so playball, but we’re ready for anything.” Also der Indianer ist bereit, auch Schläge zu verteilen, je nachdem, welche Handschuhe er anziehen sollte.

Philipp: Richtig.

Daniel: Also find ich stark. Also klar, zu der Zeit – natürlich ist es n sehr, sehr gutes Bild, heutzutage würde man wahrscheinlich dafür komplett gecancelt werden, aber ja, ist sehr eindeutig, was damit gemeint ist.

Philipp: Ich glaube auch. Übrigens, an dieser Stelle möchte ich für dich, für die zukünftigen Newsletter, Werbung machen. Für die Zuhörer und Zuhörerinnen und die Leser und Leserinnen des Newsletters vielleicht schon was Bekanntes: Ich habe Tonja Bescheid gegeben, dass sie unsere Bilder und Videos aus den Podcasts – Dinge, die wir besprechen, die zwar meistens auch verlinkt sind in den Shownotes – einmal in den Newsletter packt, einfach nur mal quasi zu der “schon gehört”-Rubrik, dass das so n bisschen quasi die letzte Folge in Erinnerung gerufen wird, und nebenbei noch so n bisschen hier und da Dinge gezeigt werden. Und dort findet ihr sowohl das Video als auch die Karikatur. Zuletzt hat man dort den Snow Cruiser in Aktion gesehen.

Daniel: Sehr schön.

Philipp: Wir sehen auf dieser Zeitungsseite noch n paar Zitate, noch n paar Informationen zu dem Spiel – das ist so ein Bericht, der sich mit dem am Abend stattfindenden Spiel beschäftigt. Der zweite Absatz ist besonders wichtig: “All seems peaceful again for tonight’s rematch.”

Daniel: Ah ja, ruhevolle Stimmung.

Philipp: Und der letzte Absatz ist auch sehr wichtig: Der General Manager der Indians, Phil Seghi, sagt: Ein paar extra Security-Leute werden schon da sein, nur für den Fall.

Daniel: Ja sicher, sicher, ne – also man kann sich ja auf nichts vorbereiten, aber man soll zumindest n paar Sicherheitsvorkehrungen treffen.

Philipp: Ja, ist schon, ist schon alles vernünftig soweit.

Daniel: So OK, ich erwarte völlige Eskalation.

Philipp: Es ist der Abend des Spiels. Wir sind im Cleveland Stadium, und es sind n paar mehr Leute da als beim letzten Spiel im Cleveland Stadium.

Daniel: Wie viele? Wie viele waren denn beim letzten Spiel dabei, wo es die Schlägerei gab? Plus minus, hast du ne Zahl?

Philipp: Müsst ich live recherchieren.

Daniel: Ist nicht schlimm. Ich schätze mal, wenn in Texas – also in Texas waren es bestimmt mehr, ne, und boah, ich schätze mal so gute 30.000, einfach mal übertrieben gedacht, aber ich erwarte eigentlich eine Masseneskalation. Also beim Hinspiel waren – Moment, wenn ich das jetzt richtig hier…

Philipp: In Texas waren 9.059 Zuschauer.

Daniel: Oh, also – oh ja, das macht es natürlich jetzt – 9.000 Zuschauer. Ich weiß, natürlich, so ein Spiel besteht ja aus den Zuschauern, was den Fans beider Teams und noch so paar Unbeteiligte, die einfach hingehen, weil sie sich denken: Ja, ich möchte jetzt n Spiel gucken. So, jetzt angenommen ist es so 70-30: Ne, wieviel war das, was du sagst, knapp 10.000, 9.000 waren da?

Philipp: Ja, oder knapp 9.000.

Daniel: 9.059, OK, dann sind wir bei – keine Ahnung – 6.500 Texas-Fans und der Rest ist dann die Fans von Ohio, so plus minus. Aber da find ich dann dürfen die Texaner nicht so ne große große Fresse haben, von wegen “Oh, da kommt ja eh niemand hin” in Ohio, wenn die selber ja ihre Fans, da, keine Ahnung.

Philipp: Also ich dachte jetzt, die kommen selber mit ihren 20-30 um die Ecke, also das ändert ja alles, die Perspektive ändert sich. Und deswegen, wenn diese 6.000 – wie gesagt, ich überschlage jetzt einfach, random, 6.000 Leute, die aus Texas mitkommen – da haben wir schon mal 6.000 Leute, die dabei sind, dann diese 3.000, die übrig waren von den Ohioans, die sind dann dabei. Da haben wir die 9.000 auf jeden Fall schon mal dabei, weil die wollten ja das Rematch sehen, und dann motiviert und mobilisiert das Ganze die Ohio-Leute, und ich denk mal da kommen noch mal 10 bis 15.000 drauf.

Daniel: Also ich schätze so grob überschlagen 25.000.

Philipp: Daniel, es sind 25.134.

Daniel: Stark. Sehr stark, sehr stark. Ich bin sehr stolz auf mich selber, tut mir leid, ich klopf mir selber kurz auf die Schulter – das ist das Bier, sag ich dir, ich hab es gefühlt, ich hab es durch den Hopfen gefühlt, ich war verbunden mit diesem…

Philipp: Da kommt das hatte ich im Urin ne ganz neue Bedeutung.

Daniel: Ja.

Philipp: 25.134 Zuschauer kommen ins Cleveland Stadium, doppelt so viele, wie man erwartet hatte. Ja, wie gesagt: Man durfte 6 Bier kaufen für jeweils 0,10 Dollar, bekam also für 0,60 Dollar 6 Bier, bekam also für 0,60 Dollar 2 Liter Bier. Und eine potenzielle Schlägerei zwischen Spielern und Zuschauern, das muss man bedenken.

Daniel: Ne, du kommst ja nicht nur fürs Spiel, du kommst nicht nur fürs Bier – also du kommst fürs Rahmenprogramm, du kommst für eine potenzielle Eskalation.

Philipp: Das richtig. Es gab n Problem: Relativ früh am Abend ergab sich n Problem, das Leitbier war leer.

Daniel: Verdammt, ich hab es wirklich befürchtet.

Philipp: Man hat dann überlegt: Was machen wir jetzt? Und hat gesagt: Ja gut, dann schenken wir halt das normale aus. Das heißt, zur damaligen Zeit 5 bis 6% Alkohol in einem normalen Bier – also fast knapp doppelt so viel wie bei einem Leitbier, sagen wir mal.

Daniel: Es wurde n lustiges Spiel.

Philipp: Ja, ja. Und du stehst unten auf dem Rasen und bekommst mit: Irgendwie ist die Stimmung heute anders als sonst. Irgendwas ist anders, ich weiß nicht was, aber irgendwas ist anders – diese Leichtigkeit ist weg im Publikum. Das Spiel beginnt, und relativ schnell gehen die Rangers in Führung. Es steht relativ schnell schon 5 zu 1.

Daniel: Mhm.

Philipp: Und es ist klar: Die Rangers sind besser, die Rangers haben auch das letzte Spiel ja schon 3 zu 0 gewonnen, jetzt liegen sie schon 5 zu 1 vorne.

Daniel: Passt schon. Ja, was zu erwarten?

Philipp: Jetzt geht das Spiel ganz normal weiter. Du stehst da und passt auf, was so passiert, und dann passiert auch tatsächlich etwas: Laron Lee von Cleveland tritt an zum Schlagen, und der Ball kommt, und er schlägt ihn, und er ballert ihn mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit, die ihm irgendwie körperlich möglich war, direkt in den Bauch des Werfers.

Daniel: Oh! Ich hab jetzt gedacht, du haust jetzt so n Homerun raus.

Philipp: Aber nein, es war eher so n Krankenhausrun wahrscheinlich. Der Pitcher von den Rangers, Ferguson Jenkins, bekommt das Ding voll in die Magengrube, geht sofort zu Boden, und normalerweise ist die Reaktion, die man von einem Stadion erwartet, ja, dass es ruhig wird, wenn da einer sich verletzt hat.

Daniel: Ja, natürlich nicht.

Philipp: Aber du hörst, es ist nicht so wie sonst. Heute ist etwas anders. Und deshalb hörst du aus dem Zuschauerbereich den Sprechchor: “Hit him again, hit him again.”

Daniel: Ja, die haben also das Publikum hat eine gewisse Erwartungshaltung mitgebracht, denk ich mal.

Philipp: Und das Bier auch. Es wurde nicht einfacher, denn nach einer gewissen Zeit – das Spiel geht weiter, 2., 3., 4. Inning – irgendwann merkst du: Ist richtig komisch. Irgendwas riecht hier komisch, und drehst dich um und guckst auf die Tribünen.

Daniel: Aber du siehst nichts.

Philipp: N paar Minuten später fällt dir das wieder auf, es riecht komisch, und dann siehst du Menschen, die einfach so Marihuana-Zigaretten rauchen auf der Tribüne.

Daniel: Och, ist einfach ja auch egal, sie sind einfach völlig besoffen, haben sich eine angesteckt – durchaus penetranter Geruch.

Philipp: Ja, absolut. Ein penetranter Geruch tritt auch kurz später wieder in deine Nase. Du drehst dich wieder um und siehst: Menschen haben auf der Tribüne Rauchbomben gezündet.

Daniel: OK, es ist also – ich erwarte jedes Mal, wenn du sagst “du riechst was”, erwarte ich, dass die Flutgates open sind.

Philipp: Es ist eine, es ist alles offen. Ja, das Spiel läuft erstmal weiter, weil das stört ja jetzt erstmal noch nicht.

Daniel: Ne, das Stadion ist ja oben offen, Rauch zieht ab.

Philipp: Ja, aber zu den Flutgates kommen wir noch. Ihr steht da, ihr wartet auf den nächsten Schlagmann, der sich hinstellen soll, aber der Schlagmann kommt nicht. Stattdessen kommt eine nackte Frau.

Daniel: Grüße. Eine nackte Frau rennt auf das Spielfeld, also nackt, nackt?

Philipp: Ja, ja, so n Flitzer-Mädel. Ja, und versucht deinen Schiedsrichterkollegen zu küssen.

Daniel: Ja, OK, das ist jetzt alles noch wahrscheinlich spannend.

Philipp: Es ist nur überliefert, dass dein Kollege Nestor Chylak nicht in Kusslaune war, was auch immer das bedeutet.

Daniel: Ja, ist halt die Frage, ob er Fäuste ausgestreckt hat oder andere Dinge. Ich weiß nicht, was er gemacht hat.

Philipp: Auf jeden Fall war die Frau dann relativ schnell wieder entfernt.

Daniel: Ja gut, da greifen ja hoffentlich normalerweise Ordner ein und erledigen das Thema.

Philipp: Kurz später hast du einen komischen Geruch in der Nase, und diesmal ist er ein bisschen intensiver, und du drehst dich um und siehst: Hinter dir brennt es, da liegt ein Feuerwerkskörper einfach mitten auf dem Rasen. Noch mal kurz später tritt Tom Grieve von den Rangers an zum Schlagen. Ball wird geworfen, Tom Grieve schlägt, der Ball fliegt, Home Run.

Daniel: Schön.

Philipp: Tom Grieve rennt los – aber nicht nur Tom Grieve rennt los, sondern auch ein nackter Mann.

Daniel: Grüße an dieser Stelle.

Philipp: Rennt von der Zuschauertribüne. Tom Grieve rennt über die 3 Bases, und auch der nackte Mann rennt über die 3 Bases und springt – und das musst du dir jetzt als Mann vorstellen, weil es ist unangenehm – springt, macht in der Luft beide Beine auseinander, also spreizt sie maximal, und springt nackt in die zweite Base.

Daniel: Rein, ich glaube, das ist für alle Beteiligten, die dort stehen würden, unangenehm. Aber ja, es ist – ich seh deinen Punkt.

Philipp: Ist ein Ascheplatz.

Daniel: Ja. Ja, es ist Asche. Es ist Ärsche, Asche, Ärsche, Asche – also da da kratzen ja einige Dinge aneinander. Er hat, glaub ich, überall – also der Verbrennung, also wenn er noch – wenn er noch lebt, hat er immer noch Staub irgendwo in irgendwelchen Körperstellen.

Philipp: Ja, ja, glaub ich. Ja, ja. Weißt du noch damals – der geht heute zur Krebsvorsorge, zum Proktologen, und der fragt ihn: Entschuldigen Sie, was ist das denn?

Daniel: Kennen Sie die Penny Night?

Philipp: Nee, die Ten Cent Night war das.

Daniel: Die Ten Cent Beer Night, ja. Es kehrt wieder ein bisschen Ruhe ein nach dem Zwischenfall, bis dann ein Vater und sein Sohn plötzlich auf den Platz laufen und den Zuschauern ihren Arsch zeigen.

Philipp: OK, das zuletzt in der Heldengeschichte hatten wir das, auf dem Buckingham Palace glaub ich.

Daniel: Bei James, ja, richtig.

Philipp: Da wurd es aber grün da.

Daniel: Wurde es grün? Hier ist es tatsächlich also naturbelassen, würd ich sagen. Ja, und es wird immer schlimmer – es laufen immer wieder Leute aufs Spielfeld, weil sie das lustig finden, es schmeißen immer wieder Leute irgendetwas aufs Spielfeld. Also ein Spieler der Rangers wurde auch wieder, dann haben sie wieder mit Hotdogs geworfen, dann haben sie mit einem richtigen fetten Krug, so n Gallonenkrug, nach dem geworfen, der knapp an ihm vorbeiflog.

Philipp: Und das Spiel geht ja noch weiter. Also es geht ja tatsächlich sportlich noch um was, denn Cleveland Indians holen langsam aber sicher auf.

Daniel: Oh, da stell ich mir jetzt die Frage: Als Schiedsrichter muss ja entscheiden, ob das Spiel fair bleibt, so – und die Regeln durchsetzen. In dem Sinne ist es aber noch fair, wenn das Auswärtsteam – also die Texaner sind in Ohio – sie spielen da, und sie werden quasi beworfen mit Hotdogs und Ähnlichem von den Tribünen. Also ich denke, alle werden in irgendeiner Art und Weise beworfen worden sein, aber es werden wahrscheinlich eher die Indians-Fans da gewesen sein, die geworfen haben. Und ist es dann, aus der Perspektive des Schiedsrichters, noch n faires Spiel – darf ich das noch als n faires Spiel behandeln, oder sind die Texaner in dem Moment im Nachteil?

Philipp: Das ist ne berechtigte Frage, und die ist schwer zu beantworten: Klar, manche Einschränkungen in diesem Spiel betreffen beide, ne – also der Rauch, das Marihuana und so weiter – aber klar, manches richtet sich auch explizit natürlich gegen die Rangers.

Daniel: Ja, wenn du so n Hotdog ins Gesicht kriegst, das ist dann eher ne gezielte Wurfwaffe gewesen.

Philipp: Die Wurst als so ne Rauchgranate, die betrifft ja alle, wie du gesagt hast. Genau, im Moment ist aber ja noch nichts passiert. Also bis jetzt wurden alle immer verfehlt, es war nichts Schlimmes. Klar, du hast n bisschen Sorge, aber wirklich geschehen ist nichts. Dann kommt Laron Lee wieder – über den haben wir schon gesprochen – und Laron Lee tritt aus Versehen Ferguson Jenkins mit seinen Spikes, beim Versuch auf die dritte Base zu kommen, also er springt dann da so rein, und springt mit seinen Spikes in Ferguson Jenkins, und Ferguson Jenkins geht zu Boden.

Daniel: Also, im Regelfall wär das ja n ganz normales Spiel und n ganz normaler Spielzug so gesehen, aber in dieser Situation kann man das schon als Absicht vielleicht sehen.

Philipp: Das ist genau die Frage: War das quasi noch fair? Dann ist natürlich an der – dann darf quasi Laron Lee an der dritten Base stehen bleiben? Oder war es ein Foul? Dann muss er natürlich raus.

Daniel: Ja, so, die Entscheidung: Es wird Safe gewertet, also es passt.

Philipp: OK.

Daniel: Und die Fans der Indians rasten völlig aus über diese Entscheidung und schmeißen Gegenstände aufs Feld und brennende Feuerwerkskörper auf die Bank der Rangers und so weiter.

Philipp: Unmut war zu spüren. Ja, der Unmut war sehr spürbar, und langsam aber sicher lassen alle Leute das Stadion, die nicht völlig besoffen sind, weil sie keinen Bock mehr haben, weil es ne bedrohliche Stimmung ist.

Daniel: Ja, aber sind wahrscheinlich nicht so viele, nehm ich mal an.

Philipp: Ja, aber das Problem ist: Es gibt jetzt kein Korrektiv mehr. Es gibt nicht mehr die Leute, die sagen: Hör mal, hier sind Kinder anwesend, oder sowas – sondern es gibt jetzt nur noch eine völlig durchgedrehte, besoffene Meute von Personen.

Daniel: Ja, ist doch n super Cocktail.

Philipp: Es ist ein super Cocktail, und apropos super Cocktail: Das Bier ist alle.

Daniel: Das ist n super Cocktail.

Philipp: Aber wir haben ja das Marketinggenie von den Cleveland Indians.

Daniel: Was gibt es umsonst?

Philipp: Besser: Es gibt Bier schon jetzt, denn das Marketinggenie hat bei der Stroh’s Brauerei angerufen und hat gesagt: Was könnt ihr machen? Und die Stroh’s Brauerei sagt: Kein Problem, wir haben einen Tankwagen.

Daniel: Und da sind wir wieder bei Roop und “I Love Fire Trucks”.

Philipp: Und so kommt die Stroh’s Brauerei und kommt mit einem Tankwagen, und bevor die irgendwas überhaupt in die Verkaufsstände bringen können, stehen die Leute schon Schlange vor diesem Lastwagen, und deswegen wird direkt aus dem Tankwagen heraus das Bier ausgeschenkt.

Daniel: Sehr schön – die, die größte Zapfanlage der Welt.

Philipp: Die größte Zapfanlage der Welt, also wirklich: Die Leute sind alle schon völlig besoffen und trinken direkt aus dem Bierlaster.

Daniel: Find ich gut, find ich stark. Also das ist mal die definitive Beer Dedication.

Philipp: Während die Leute schwankend vor diesem industriellen Zapfhahn da stehen, machen die Indians das 5 zu 5.

Daniel: Oh auch noch, Ausgleich.

Philipp: Also ich sag mal so, es klingt jetzt alles nicht nach so einem einladenden Spiel für die Texaner – also es ist alles sehr, sehr unangenehm, glaub ich.

Daniel: Und ich denke mal, also A – wie gesagt, ne, das haben wir schon mal gesagt, die Stimmung ist sehr wichtig fürs Psychologische in so einem Spiel – aber gleichzeitig ist es einfach: Du denkst ja so: Ich will hier weg.

Philipp: Dazu kommen wir noch. Also so “Ich will hier weg”, denn jetzt passiert folgendes: Es steht jetzt 5 zu 5, und auf der Tribüne sitzt zu diesem Zeitpunkt noch der Neunzehnjährige Terry Jorgich, und Terry Jorgich ist n bisschen angetüdelt.

Daniel: Ach ja, was man halt so macht, ne, bei so einem Spiel.

Philipp: Und denkt sich: Boah, guck mal, was die für tolle Mützen haben, ich hätt auch gern so ne Mütze – und springt über die Bande und rennt los auf Jeff Burroughs zu, der für Texas dort steht, und klaut ihm die Kappe.

Daniel: Gut, ich sag mal so, im Kontext des ganzen Spiels gar nicht so aufregend.

Philipp: Gar nicht so aufregend, aber Jeff Burroughs hatte die Schnauze voll. Und Terry Jorgich ist nicht mehr so ganz Herr seines Körpers und legt sich nämlich direkt, nachdem er die Mütze geklaut hat, auf die Schnauze.

Daniel: Schön.

Philipp: Und der Spieler ist nicht weit weg, und Terry Jorgich steht da, oder sitzt da – er sitzt da – und Jeff Burroughs tritt ihm ins Gesicht.

Daniel: Aua. Gut, auch da, im Kontext des Ganzen, der ganzen Situation, vielleicht nicht richtig, aber nachvollziehbar.

Philipp: Er tritt ihm ins Gesicht, fällt dabei aber selber hin. Ach schön, und die beiden liegen dann da. Und die anderen Spieler von Texas und auch die ganze Bank denken: Der Zuschauer hätte gerade den Spieler attackiert – und rennen aufs Feld mit ihren Baseballschlägern.

Daniel: Ohje.

Philipp: Und die Zuschauer sehen das und denken sich: Ey, die rennen mit ihren Baseballschlägern auf unseren Zuschauerfreund hier zu – und rennen auch aufs Feld.

Daniel: Ja, das geht so nicht. Ja, alles klar. Reißen die die Sitze raus?

Philipp: Ja, die reißen die Sitze raus und werfen die Sitze nach den Leuten, reißen Stangen raus aus dem Tribünengestänge und gehen damit auf andere Leute los, nehmen irgendwelche Ketten, womit Bereiche abgesperrt waren, und rennen mit denen auf die Leute los.

Daniel: Ich war kurz davor zu sagen, es ist jetzt Wrestling, aber nein, es ist einfach Streets of Rage.

Philipp: Es ist Streets of Rage, absolut, und die anderen Leute legen los und werfen mit Flaschen, und 200 Leute sind jetzt auf dem Feld: 25 Rangers-Spieler mit Baseballschlägern und 200 Fans mit improvisierten Waffen und Wurfgeschossen. Dann kommt der Trainer von Cleveland, und der hat jetzt natürlich 2 Möglichkeiten: Entweder er fordert seine Spieler auf, sich in Sicherheit zu bringen, oder er fordert seine Spieler auf, die anderen Spieler in Sicherheit zu bringen.

Daniel: Mhm.

Philipp: Er entscheidet sich für Letzteres. Und jetzt laufen auch die Indians-Spieler aufs Feld, stellen sich an die Seite der Rangers-Spieler und kommen auch mit ihren Baseballschlägern und fangen an mit ihren Baseballschlägern auf die eigenen Fans einzuhauen.

Daniel: Die Fans denken sich: “This is not even my final form.”

Philipp: Und du als Schiedsrichter stehst die ganze Zeit auf dem Platz und denkst dir: Was passiert hier um mich herum?

Daniel: Ich würd grad sagen, es ist ja als Schiedsrichter – da bist du irgendwann mal einfach raus, ne, also so, es ist ja kein Spiel mehr – ich würd sagen hier: Nicht meine Affen, nicht mein Zirkus, da will ich raus.

Philipp: Wirklich?

Daniel: Da will ich raus.

Philipp: Das Problem ist: Du willst gerade sagen “Ich bin raus, ich geh nach Haus”, da fliegt über dich hinweg ein Stahlklappstuhl auf die Tür zu und trifft auch noch einen Spieler tatsächlich am Kopf.

Daniel: Also die Leute beginnen mit Klappstühlen zu werfen, die nehmen alles, was nicht niet und nagelfest ist.

Philipp: Also es ist schon kein Spaß mehr.

Daniel: Es ist schon ernst, ja.

Philipp: Es ist jetzt richtig ernst, ne, also es geht teilweise in den 1-gegen-1-Faustkampf zwischen den Zuschauern und den Spielern, bis dann irgendwann die beiden Mannschaften sich quasi in diese Bank zurückziehen und sich gegenseitig mit Baseballschlägern verteidigen.

Daniel: Also so n Kreis bilden und sich gegen die anstürmenden Zuschauer verteidigen.

Philipp: Das klingt ja so n bisschen wie eine Zombieapokalypse.

Daniel: Es ist ein bisschen Zombieapokalypse.

Philipp: Die Mannschaften können dann durch so n Tunnel zurück in ihre Kabinen gehen, so ist dann draußen so 2 kleine Hütten und die Zuschauer folgen ihnen aber nicht, sondern beginnen, das Stadion zu zerlegen.

Daniel: Ja gut, ich meine, am Ende des Tages, was hat man dann erwartet nach dieser Situation da? Also man kann eigentlich schon davon ausgehen, da bleibt nichts mehr heile – dann lieber noch die Menschenleben schützen, und der Rest ist einfach nur Material.

Philipp: Und die haben dann einfach zum Beispiel die Base geklaut.

Daniel: Ja gut, so ne Base zu Hause zu haben ist auch schon schick, vor allem wenn du sagen kannst, ist von da an.

Philipp: Es ist wirklich der absolute Wahnsinn, der dort abgeht. Du, wenn du nach dem Spiel da durchläufst, siehst du nur was da alles geworfen wurde – unter anderem Batterien aus Radios, die sind genommen worden und nach den Leuten geworfen worden.

Daniel: Kreativ. Ne, du kannst ja das Radio werfen, aber du kannst ja auch die Batterie, 2 bis 4 Batterien werfen, und dann das Radio. Also es ist automatisch mehr Wurfgeschosse.

Philipp: Es sind auch Steine geworfen worden sogar und Ähnliches. Ne, du und dein Chefschiedsrichter, ihr beratet euch: Was machen wir denn jetzt? Und ihr seid euch einig: Nicht meine Affen, nicht mein Zirkus – wir brechen das Ding hier ab. Und die Rangers gewinnen am grünen Tisch, weil Cleveland seine Fans nicht im Griff hatte, obwohl sie ausgeglichen haben.

Daniel: Ja, fair – also ganz ehrlich, ich meine, du kannst ja nicht immer für die Fans gerade stehen, aber in so einer Situation, wer sonst?

Philipp: Richtig. Ihr habt euch in diese Schiedsrichterkabine gerettet, und du siehst: Dein Kollege Nestor Chylak ist verletzt.

Daniel: Oh.

Philipp: Er hat einen Klappstuhl an den Kopf gekriegt, und er hat auch einen Stein abbekommen.

Daniel: Oh, unangenehm.

Philipp: Ja, und er wird dann natürlich – also kommt dann n Rettungswagen und so – kümmert sich. Später sagt er dann in einem Interview: “Die Zuschauer waren unbeherrschbare Bestien, und er habe so etwas noch nie erlebt außerhalb eines Zoos.”

Daniel: Nicht meine Affen, ich mein Zirkus, sag ich doch.

Philipp: Ganz, ganz, ganz genau. Jetzt kommen wir dann zu dem Punkt, wo die Rangers-Spieler zu ihrem Mannschaftsbus zurück wollen, und die wütende Meute das aber nicht zulassen will, sodass die Spieler der Indians mit ihren Baseballschlägern die Leute zurückschlagen und so ne Schneise bilden, damit die da durchkommen.

Daniel: Es tut mir leid, aber ich hab wirklich so Zombieapokalypsen-Vibes in dem Moment, ne, im Kopf – das ist ja wirklich, du bist ja – oder so ne Massendemo, die komplett eskaliert ist, nur ohne Schutzschilde, aber dafür halt mit Rüstung und halt Schläger, ne.

Philipp: Also es ist nicht schön. Nein, es ist überhaupt nicht schön, und es betrifft tatsächlich auch andere, nicht nur Leute, die mit dem Spiel zu tun haben. Es gibt ja einen Sportjournalisten, nämlich Dan Coughlin, der versucht nach dem Spiel irgendwie Stimmen einzufangen, wie man das halt so macht.

Daniel: Ne, und die Leute sind aber auch auf ihn sauer, aus irgendeinem Grund, schlagen ihm ins Gesicht.

Philipp: Und er sagte dann später in einem Interview: Na ja, gut, die konnten sich so schlecht noch bewegen, dass die Schläge so schwach waren, dass ich sie quasi gar nicht mitbekommen habe.

Daniel: OK, das ist eine Aussage.

Philipp: Ja, aber das war schon hart. Und im Nachgang gibt es eine Pressekonferenz, und dann sagt der Manager von Cleveland: Die Schiedsrichter waren schuld.

Daniel: Also ich bitte nicht. Also irgendwo – Schiedsrichter, ja, der hat die Spielregeln zu kontrollieren, die Fans sind nicht Teil des Spiels. Also ich würd ja – was kann ich, ich meine, wenn ich mich jetzt schlecht benehme als Zuschauer auf einer Tribüne, was kann mir der Schiedsrichter ne rote Karte geben oder was? Dann bin ich im nächsten Spiel nicht frei oder was?

Philipp: Platzverweis kann er dir geben, aber dann eher nicht als Schiedsrichter, sondern eher als Hausherr, was er ja auch nicht ist. Also eigentlich muss da n Ordner sein.

Daniel: Ne, ja genau, also eigentlich – wenn man jemanden schuld geben möchte, dann ist es der Marketingmann, der Bier besorgt hat.

Philipp: Definitiv der, und dann noch mal mehr Bier besorgt hat, und natürlich darf man natürlich auch nicht aus der Verantwortung nehmen die Leute selbst, die einfach sich nicht unter Kontrolle hatten.

Daniel: Selbstverständlich, brauchen wir nicht drüber reden, es sind ja keine wilden Bestien.

Philipp: Also die Zeitschrift The Sporting News sprach über “mit Messern bewaffnete, Flaschen werfende, Stühle schleudernde und um sich schlagende Betrunkene”.

Daniel: Also Frankfurt Hauptbahnhof, Grüße.

Philipp: Grüße an dieser Stelle. Ja, diese Nummer geht dann zu Ende, die Polizei bringt die Lage unter Kontrolle, einige Leute müssen am nächsten Morgen n bisschen länger schlafen.

Daniel: Ja, ja, n bisschen.

Philipp: Und die Cleveland Indians diskutieren am nächsten Tag: Wie gehen wir damit um, was machen wir? Und das ist damit auch das Ende dieser Geschichte – sie entscheiden sich: In 2 Wochen machen wir noch mal Ten Cent Beer Night.

Daniel: Nee, doch.

Philipp: 2 Wochen später haben sie das noch mal gemacht, aber da ist nichts passiert.

Daniel: Andere Umstände?

Philipp: Aber die Idee, allein an einem die Idee zu kommen: Wir machen das in 2 Wochen noch mal – find ich übrigens absolut fantastisch.

Daniel: Also Philipp, großartige Geschichte. Ich hab tatsächlich von Ten Cent Beer Night schon mal gehört, im Kontext von der – von der ich auch noch nicht weiter weiß, aber ich sag mal so, scheinbar machen wir jetzt neue Tradition: Jedes Jahr ne Baseball-Episode.

Philipp: Dann machen wir nächstes Jahr ne Baseball-Episode. Ich glaube, es war ne Baseball-Geschichte, und zwar die Disco Demolition Night.

Daniel: Absolut, die hab ich wiederum gesehen und habe nicht drauf geklickt, weil ich mir gedacht habe: Lass das noch mal.

Philipp: Die Folge hier reicht.

Daniel: Absolut. Und da werd ich mal hingehen, weil da hab ich mich, wie gesagt, ich hab es so angelesen, und das geht in ne ähnliche Richtung. Vielleicht machen wir das dann nächstes Jahr, aber jetzt erst mal – Philipp, vielen lieben Dank, es war ein Fest, und zwar wahrscheinlich für alle Beteiligten außer die Leute, die Stühle, Steine und sonstige Gegenstände ins Gesicht bekommen haben.

Philipp: So n Hotdog ist ja noch OK, solange er vorher nicht den Boden berührt hat.

Daniel: Das ist übrigens n Teaser, das Hotdog-Würstchen-GIF, das –

Philipp: Hotdog-Würstchen-GIF, oh ja, stark, muss ich, muss ich mir merken.

Daniel: Nee, wirklich, vielen lieben Dank. Also ich hab, wie gesagt, von der Story schon mal gehört, aber nicht – ich wusste den Kontext nicht, und ich wusste, dass das eskaliert ist, und ich hätte niemals gedacht, dass es so eskaliert. Und dementsprechend bin ich sehr, sehr glücklich gerade.

Philipp: Ich schulde dir noch den Lebenswandel von dir. Ja, nach diesem Spiel: 27 Jahre lang bist du insgesamt in der American League und bist dann quasi in der Major League Baseball ganz lange aktiv bis 2006, und mit 62 hörst du auf. Und du lebst noch und hast auch n Buch geschrieben, wie man n guter Umpire ist, und so, und warst auch Ausbilder für jüngere Schüler, hast das dann aber 1998 auch schon aufgegeben. Also ein normales Leben der – ja, dein Schiedsrichterkollege ist in die Hall of Fame gekommen, das hab ich ja schon gesagt. Dafür hat es bei dir nicht gereicht, aber sowas passiert ja häufig auch dann erst posthum.

Daniel: Ja, das stimmt. Und außerdem, ich sag mal so, jetzt klar, er lebt noch, und er kann sich jetzt wahrscheinlich noch sehr, sehr, sehr gut an die Ereignisse erinnern.

Philipp: Das glaube ich allerdings auch.

Daniel: Sehr lebhaft auf jeden Fall.

Philipp: Wie gesagt, vielen lieben Dank, tolles Ding, tolles tolles Ding.

Daniel: In diesem Sinne Goodbye und bis zum nächsten Mal.

Philipp: Bis zum nächsten Mal.

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