Transkript zu: Der Herr der Elemente

2026-06-03

Transkript zur Episode: Der Herr der Elemente

Daniel: Hallo Philipp.

Philipp: Hallo Daniel.

Daniel: Philipp, du hast uns zuletzt ja in weit entfernte Welten gebracht.

Philipp: Ja, die weit entfernten Welten sind zu uns gekommen. Vor allem. Und wir haben auf engstem Raum gelebt.

Daniel: Definitiv. Ich möchte diesen Trend heute fortsetzen.

Philipp: Oh, welchen Stein springst du in die Luft?

Daniel: Es wird alles ähnlich, aber ganz anders. Dafür will ich zu haben.

Philipp: Ich auch.

Daniel: Philip, du bist geboren als Thomas Charles Polter.

Philipp: Thomas Charles Polter.

Daniel: Am 3.3.1897 in Salem, Iowa, in den USA. Dein Vater Mikaya ist Farmer und Schmied und deine Mutter Alberta, die ist Hausfrau.

Philipp: Wieso oft?

Daniel: Das kennt man, das ist eigentlich n relativ klassisches Familienbild, würd ich mal sagen. Du hast Geschwister, 4 an der Zahl, John, Susanna, Robert und Georgia.

Philipp: Wie man so im Familienkreis lebt, ne.

Daniel: Richtig, richtig, dein Leben startet völlig unspannend. Du bist ja das Kind und machst Kinderdinge, dann gehst du zur Schule.

Philipp: Du machst Kinderdinge – auch schön: einscheißen, schreien.

Daniel: Volles Programm.

Philipp: Volles Programm. Aber ist das vorbei?

Daniel: Wenn du zur Schule gehst, dann merkst du ja, du bist gar nicht so schlecht in der Schule. Du bist jetzt nicht ultra hyperintelligent wie der Mann unterm Stein.

Philipp: Ja.

Daniel: Du sprichst jetzt auch keine sechs Sprachen wieder, wie andere unserer Charaktere, aber du hast n gutes technisches Verständnis und bist extrem gut in Physik. Das ist etwas, was mich bei Heldendumm-Charakteren grundsätzlich alarmiert, weil das bedeutet, dass sie entweder irgendwo aus Versehen fast ins Weltall fliegen oder dass sie irgendwelche Dinge sich ausdenken, die Menschen das Leben kosten. Wir schauen mal. Also du, wie gesagt, du bist gut in Physik, und du bist so gut, dass du mit 17 an der Highschool Physik unterrichten kannst. Man lässt dich das machen.

Philipp: Wirklich, das ist tatsächlich dann schon außergewöhnlich, ja.

Daniel: Das machst du so 3 Jahre, bis du 1918 in die US Navy eingezogen wirst.

Philipp: Erster Weltkrieg.

Daniel: Erster Weltkrieg, aber auch das ist für dich eigentlich ziemlich ereignislos, und 1921 bist du wieder an der Schule und du unterrichtest weiter.

Philipp: Also – Glück gehabt.

Daniel: An der Schule lernst du auch Phibi Esta kennen. Sie ist 22, also 2 Jahre jünger als du zu dem Zeitpunkt.

Philipp: Es passt.

Daniel: Ihr heiratet 1922.

Philipp: Ja, bis jetzt ist das doch ein hervorragender Lebenslauf.

Daniel: Du machst 1923 deinen Abschluss in Physik am Iowa Wesleyan College, wo du 1925 zum Leiter der Chemieabteilung wirst.

Philipp: Das war Naturwissenschaften waren früher sehr eng beieinander, scheinbar. Also wenn du das eine kannst, dann kannst du das andere. Auch kannst du das andere auch, ja machst du. Du kannst Physik, ja, dann mach doch Chemie noch mit.

Daniel: Ja, du studierst dann weiter, dieses Mal in der University of Chicago. Dort machst du Mathematik, Physik und Astronomie.

Philipp: Also ich bin n naturwissenschaftlicher Tausendsassa.

Daniel: Ja, mehr oder weniger, oder?

Philipp: Ich bin ja überall unterwegs. Also du bist gut unterwegs, du kennst dich mit Dingen aus, also du bist jetzt wie gesagt nicht so n überkrasser Obertyp, der auch damit rumprahlt, aber du – ich kann es.

Daniel: Du kannst es, genau. Und du bist nicht nur an deiner Frau und deinem Studium interessiert, sondern auch am Weltgeschehen. Und eine Sache, die interessiert dich besonders, und das ist der North Pole Race von 1926.

Philipp: Ist mir mehr n Begriff. Wir reden hier – Moment mal. Wobei – bei wem sind wir da?

Daniel: Das ist Amundsen, ne, das ist doch – Amundsen, OK. Der norwegische Polarforscher und seine Crew möchten als erste mit einem Fluggerät den Nordpol überfliegen.

Philipp: Mit einem Fluggerät – nicht schlecht.

Daniel: Und sie starten 25.1925 mit 2 Flugbooten.

Philipp: Flugboot – ja. Hervorragendes Wort, ist n super – hervorragendes, also Flugboot, muss ich ganz ehrlich sagen, bin ich großer Fan. Ein ganz tolles Wort. Flugboote sollte es mehr geben. Wobei ich sagen muss, ein Flugboot find ich schwierig von der Wortkombination, weil ein Flugboot find ich ist mehr Boot als Flugzeug, aber ein Flugboot ist ja ein Flugzeug mit Bootfüßen, und ich finde, ein Flugboot sollte eigentlich Bootzeug heißen.

Daniel: Nein, da bin ich dagegen. Was also ein Boot, weil Bootzeug kann ja auch etwas sein, was du auf einem Boot transportierst, um ein Boot zu flicken.

Philipp: Beispielsweise. Brücke zum Beispiel.

Daniel: Oder um ne Brücke zu bauen, ganz genau, damit du die so einhängen kannst. Jedenfalls – Amundsen, seine Crew, 2 Flugboote 1925. Die tollkühne Crew startet, die wollen den Nordpol überfliegen, 255 Kilometer vom Nordpol müssen sie aber zwischenlanden, und von dort aus können sie nicht mehr starten, und sie werden als vermisst gemeldet. Sie müssen dann 3 Wochen lang circa 600 Tonnen Schnee zur Seite schaffen, um ne neue Startpiste zu bauen, um wieder nach Hause zu kommen.

Philipp: Das stell ich mir auch als sehr lockere Nachmittagsarbeit vor, ne, da gerät auch keiner in Panik oder so.

Daniel: Nein, niemals. Und dann schmieden die Leute einen neuen Plan, denn sie verkünden 1926, dass sie diesmal mit einem Luftschiff das ganze versuchen werden.

Philipp: Auch n tolles Wort. Ist n super – Flugboot ist quasi ne, also wäre quasi die kleinere Variante von einem Luftschiff. Oder Boot und Schiff ist ja schon relativ klar in der Kategorisierung, aber ich finde auch Flug und Luft ist auch noch mal n Unterschied, ne – Luftschiff, reden wir über Zeppelin oder über…

Daniel: Ich glaube schon.

Philipp: Ich glaube schon, also so ne Richtung Zeppelin genau. Wenigstens haben sie keinen Heißluftballon genommen.

Daniel: Sie wollen es am 11. Mai 1926 in Spitzbergen probieren.

Philipp: Da waren wir auch schon mal.

Daniel: Ja, richtig, richtig. Und die fliegen dort los, und sie landen am 14. Mai 1926 in Alaska, und das würde bedeuten, dass sie am 12. Mai den Nordpol erreicht und überflogen haben müssen, als Erste überhaupt.

Philipp: Ja, aber gut, das siehst du ja auf dem Kompass, oder nicht, wenn du da bist. Musst du gucken auf den Kompass und stellst fest, ah Mensch, egal wohin ich mich drehe, der zeigt nicht mehr nach Norden.

Daniel: Ja, nicht ganz, weil der magnetische und der geographische Nordpol sind 2 – die liegen ja auseinander. Man wollte den geographischen erreichen.

Philipp: Ja, ja, OK.

Daniel: Jedenfalls, das wär so mitgemacht – ungefähr am 12. Mai überfliegen sie den Nordpol und sind die ersten Menschen auf der ganzen Welt, die das jemals geschafft haben. Wär da nicht der Marineoffizier Richard E. Byrd, der den Norweger zwar beglückwünscht, aber kurzerhand seinen eigenen Flug vom 9. Mai 1926 als den eigentlichen ersten Flug über den Nordpol verkündet.

Philipp: Ja gut, aber warum hat er das nicht sofort gemacht? Das ist die Frage, die sich sehr viele Leute zu dieser Zeit noch heute stellen.

Daniel: Ja, also wieso hat er nicht gleich Bescheid gesagt?

Philipp: Hat er denn irgend n Beweis dafür beigebracht?

Daniel: Kann ich dir nicht sagen. Er sagt einfach nur, er behauptet, er und sein Kumpane Floyd Bennett, die sind von Spitzbergen gestartet und kamen nach 16 Stunden wieder, 13 Minuten der 16 Stunden haben sie nach Birds Aussage über den Nordpol gekreist, bevor sie wieder zurückgeflogen sind.

Philipp: Also die wussten, wo er war, oder wie? Der Nordpol. Für mich macht das skeptisch.

Daniel: Dich macht das skeptisch.

Philipp: Ich bin also, ich bin nicht auf seiner Seite.

Daniel: Wen es aber nicht skeptisch macht, ist dein Charakter und die US-Regierung, die Byrd ein Medal of Honor geben, denn der hat Stars and Stripes über den Nordpol gebracht.

Philipp: Na ja gut, wenn ich die US-Regierung wäre, würde ich auch sagen, meiner war zuerst – natürlich, also das kann ich schon nachvollziehen.

Daniel: Zusätzlich haben sie deren Flieger Josephine genannt, in allen Ehren der Enkelin von Henry Ford.

Philipp: OK, die heißt Josephine.

Daniel: Die heißt Josephine. Das hat auch besondere Aufmerksamkeit der Ford Motor Company auf sich gezogen. Verständlich, also jeder hat über die geredet. Ford hat natürlich auch n bisschen Tamtam gemacht – guck mal hier, so n geiles Flugzeug, nach der Enkelin benannt. Ach, hier, Byrd und Crew sind Nationalhelden, und das bekommst du natürlich mit, Thomas, das bekommst natürlich auch du mit, und du hast generell so n besonderes Interesse an Byrd entwickelt, weil dieser Typ echt also krass zu sein scheint. Der ist n Veteran des Ersten Weltkriegs, war 1919 an einer Mission beteiligt, die den ersten transatlantischen Flug hervorbrachte.

Philipp: Da sind wir – da hab ich bei Wesel drüber gesprochen, über Charlotte Berg. Byrd hat nur an der Planung mitgewirkt, aber im Endeffekt – er war dabei.

Daniel: Dann hat Byrd sich freiwillig für den ersten transatlantischen Solo-Nonstop-Flug bereit erklärt, und er wollte das machen. Aber der damalige Secretary of the Navy, der dafür zuständig war, Theodore Roosevelt Junior – der Sohn vom natürlich Präsidenten Roosevelt.

Philipp: Wie häufig haben wir eigentlich US-Präsidenten in irgendeiner…? Also der ist jetzt nicht US-Präsident geworden – oder sind wir bei dem Sohn eines US-Präsidenten? Also die, die sind schon, was Cameo-Auftritte angeht, schon relativ weit vorne, muss man sagen.

Daniel: Ja, das stimmt jedenfalls. Der Sohn des Präsidenten lehnt ab, er lehnt ab, und Byrd denkt sich so: Alles klar, Scheiß drauf, dann flieg ich halt nicht jetzt mit dem Flieger alleine über den Atlantik, dann fahr ich einfach auf dem Luftschiff, da möchte ich stationiert werden. Und Byrd steigt in den Zug ein – oder will da in den Zug einsteigen, der Zug fährt vor seiner Nase weg, er steigt in den nächsten Zug, kommt zu spät, sieht das Luftschiff wegfliegen.

Philipp: Super. Ja, eigentlich nicht so super erstmal, aber doch super – weil er wär an Bord gewesen, als das Luftschiff abgestürzt ist.

Daniel: Oh, Glück gehabt.

Philipp: Glück gehabt, allerdings Glück gehabt. Das ist aber mal da – da kann er aber auf n Schutzengel zählen.

Daniel: Ja, absolut. Oder er zählt auf Flugsicherheit, denn Byrd wird besessen von Flugsicherheit, und er nimmt später an mehreren Expeditionen teil, wo er den Piloten Bennett kennenlernt, der ihn später zum Nordpol fliegt.

Philipp: Flugsicherheit – was heißt, ich bin besessen mit Flugsicherheit, das also – also, was heißt, der Typ ist besessen mit Flugsicherheit?

Daniel: Ihm ist das einfach nur sehr wichtig. Er ist einer der, der zwar waghalsige Dinge tut, der aber immer ein großes Auge auf den Sicherheitsaspekt hat.

Philipp: Er behauptet das. Ach, er behauptet das, das stimmt überhaupt nicht. Er behauptet relativ vieles in der Aufschneidergeschichte, aber dazu kommen wir noch. Ich bin ja sowieso der Meinung, dass das n Aufschneider ist.

Daniel: Aufschneider – sehr stark.

Philipp: Kommt wieder, kommt auch auf unsere Liste.

Daniel: Na ja, aber zurück zu dir. Du studierst weiter, und du liest immer wieder von Byrd, und Byrd macht Schlagzeilen – versucht hat Nonstop-Flug zwischen USA und Frankreich, Absturz mit einer kleinen Maschine, Absturz in der Normandie, von dem alles abgestürzt ist. Da waren andere Leute noch nicht mal – gelandet, aber Flugsicherheit, ne, ganz – der Sicherheitsmann hier.

Philipp: Safety Dance.

Daniel: 1928 – Expedition in die Antarktis, also diesmal runter nach Süden. Byrd erbaut Little America, Antarktis-Basis, von dort operiert die USA in der Antarktis.

Philipp: Die fliegt aber nicht.

Daniel: Nee, nee, es ist ne liegende Basis.

Philipp: Das wär das wär so ne Bioshock-Geschichte dann gewesen, da hätte sich diese Folge schnell gedreht.

Daniel: Auch dazu kommen wir gleich noch.

Philipp: Ach Gottes Willen.

Daniel: Jedenfalls, ja – Little America, das ist die Basis der US-Amerikaner in der Antarktis, dort kommen Leute halt hin und forschen und dann gehen sie halt wieder zurück. Und wieder zurück zu dir – währenddessen machst du Karriere, du bist nicht nur mittlerweile Leiter der Abteilung des Iowa Wesleyan College für Mathematik, Physik und Astronomie. Du machst in Chicago noch einen Doktor, arbeitest an mehreren wissenschaftlichen Projekten, du vernetzt dich mit anderen Wissenschaftlern der ganzen Welt, was dir ermöglicht, Meteore zu triangulieren, also so Sternschnuppen.

Philipp: Ich bin ja, also ich bin wirklich ich, komm viel rum.

Daniel: Du kommst viel rum.

Philipp: Im positiven Sinne, also auch zwischen den Wissenschaften bin ich auch sehr viel unterwegs, ne, wobei da bin ich ja jetzt in der Physik, sehr richtig, ne?

Daniel: Ja, du bist. Du bist flexibel jedenfalls. Du kannst diese Meteore halt von mehreren Orten gleichzeitig beobachten lassen, also von verschiedenen, nicht nur von verschiedenen Menschen am gleichen Ort, sondern von verschiedenen Orten grundsätzlich. Also da sitzt einer in Japan, da sitzt einer in den USA, da sitzt einer irgendwo in Europa, alle gucken in den Himmel, und dann, wenn die ihn gleichzeitig sehen, dann können die sagen: Alles klar, der ist genau an Koordinate XYZ. Und damit kannst du nicht wie gesagt nicht nur die Standortbestimmung machen, sondern auch Geschwindigkeitsbestimmung. Du machst auch noch Experimente mit Seismik.

Philipp: Und da sind wir so n bisschen wieder beim Stein.

Daniel: Also Erdbeben, Plattentektonik, Geschichten, ne.

Philipp: Jein.

Daniel: Du bohrst Löcher, machst da Sprengladungen rein, sprengst diese Sachen – also kleine Sprengladungen – und du gehst quasi… du misst die Schallwellen auf der anderen Seite, des Steins, des Felsens oder auch von Eis, die du angesprenkelt hast, um unterschiedliche Werte quasi zu messen.

Philipp: Dicke, Beschaffenheit.

Daniel: Ja, aber das ist doch schon fast wieder das, wo wir bei der letzten Folge waren, so nach dem Motto, Steine und was kann man – also dieser Riesenstein ja, der dann ja auch vermessen worden ist und die Temperatur wie Temperatur da durchfällt und so ne.

Philipp: Es ähnelt sich ja durchaus. Durchaus. Und es ist generell sehr spannend, finde ich. Also es ist n spannendes Feld.

Daniel: Wir haben viele Sachen jetzt angerissen, die generell sehr, sehr spannend sind. Das ist richtig, und das findet nicht du, das finde ich nur ich. Sondern das findet auch ein Richard Byrd sehr interessant.

Philipp: Ja. Ja, er bekommt 1933 Wind davon, dass ein Thomas Polter da irgendwelche Sachen macht, und der spielt mit Eis – und hör mal, ich hab hier Little America gebaut.

Daniel: Hab den Eishockey erfunden.

Philipp: Ja, das das ist zum Glück nicht – also n gesprengter Puck wäre interessant, trotzdem.

Daniel: Jedenfalls – Byrd möchte, dass du ihn berätst und dass du nach Boston kommst, weil Byrd plant nämlich seine zweite Expedition in die Antarktis, und würde gerne von dort aus Himmelskörper beobachten, und du sollst rumkommen und ihm n paar Sachen erklären, wie du Dinge machst.

Philipp: Verstehe, gut, das ist ja erstmal relativ sinnig.

Daniel: Ja, absolut.

Philipp: Das ist ja erstmal, erstmal noch nicht so waghalsig, wie ich vermuten würde bei Expeditionen dieses illustren Herrn.

Daniel: Alles super entspannt. Du fährst nach Boston im Mai 33 mit vollem Koffer, mit improvisierter Ausrüstung – du hast quasi jetzt noch schnell, kurz bevor dieses Treffen stattfand, hast du irgendwelche Werkzeuge im Labor gebaut, einfach nur um Byrd zu zeigen, dass du das halt ernst meinst.

Philipp: Und du kommst halt nicht nur für Kaffee und Kuchen.

Daniel: Und du kommst an, du zeigst ihm das alles, und Byrd ist sich sicher: du bist nicht der Berater, nach dem er sucht.

Philipp: Oh OK, das wundert mich.

Daniel: Du bist viel zu motiviert für den Berater. Er bietet dir den Posten des Chief Scientists an.

Philipp: Chief Scientist – verstehe. Ich bin also nicht mehr – ich soll nicht Berater sein, sondern ich soll Chefwissenschaftler auf der Expedition sein.

Daniel: Du sollst Chief Scientist werden. Nicht übel. Du sollst mit nach Little America.

Philipp: Ja, aber es wär – mir persönlich wär es n bisschen kühl, aber als Wissenschaftler hab ich bestimmt den besonders großen Drang dann natürlich auch da dabei zu sein.

Daniel: Als Mann der Wissenschaft hast du richtig Bock. Du hast so Bock, dass du in den nächsten Wochen eigentlich schon gar nicht mehr nach Hause fährst, sondern du bist eigentlich die meiste Zeit in Boston. Mit Byrd bereitest du die Expedition vor, und Byrd merkt: Nee, Chief Scientist, der Junge ist viel zu motiviert für so ne nichtige Rolle. Er nennt dich kurzerhand zum stellvertretenden Expeditionsleiter. Du bist seine rechte Hand.

Philipp: OK, also ich bin jetzt schon wenige Tage und Wochen mehr aufgestiegen als andere in ihrem ganzen Leben. Wo kriegt ihr denn das Geld her? Macht bezahlt das die USA alles.

Daniel: Nee, nee, ist alles privat, alles Privatinvestitionen. Byrd organisiert Kohle, aber auch dazu kommen wir – OK, wo kommen die denn jetzt schon wieder her?

Philipp: Freunde, Unbekannte, sag ich nur. Ja, ja, natürlich.

Daniel: Du und Byrd, ihr plant die Expedition, und die Ziele werden relativ schnell klar. Ihr wollt eigentlich alles, was man über die Antarktis entdecken kann, erforschen – also Kartierung, Geologie, Seismologie, Biologie und Zoologie – volles Programm.

Philipp: Ja, aber Antarktis ist jetzt wahrscheinlich biologisch und zoologisch nicht so interessant, oder? Es gibt ja nicht so viele Tiere, oder?

Daniel: Ha. Dazu kommen wir noch.

Philipp: Mir wären ein bekannt, vielleicht zwei, dann hört es aber auch schnell auf.

Daniel: Ja, vielleicht sind doch nur zwei.

Philipp: Lass mich in Ruhe jetzt. Zwei ist schon mal doppelt so viel wie eins.

Daniel: Das ist schon viel wert. Wir werden zur Zoologie noch kommen. Aber das Hauptforschungsfeld soll die lange Polarnacht sein.

Philipp: Ja gut, das kann ich ja auch sogar sehr gut verstehen, weil da wird es ja dann auch zeitweise glaub ich gar nicht hell.

Daniel: Genau, also es wird gar nicht hell und gar nicht dunkel.

Philipp: Ne, das ist ja da unten so diese…

Daniel: Im April geht die Sonne unter und sie geht wieder im August auf.

Philipp: Ja, das ist, weil die Erde so schräg in diese Achse eingesteckt…

Daniel: Genau. Das ist übrigens das astronomische Hintergrundwissen und physikalische Hintergrundwissen, auf das ihr bei Heldendumm bauen könnt.

Philipp: Die Erde ist in der Achse – in den Fakten, die Achse ist schräg eingesteckt.

Daniel: Es ist, aber das Bild hab ich direkt vor Augen mit diesem Stock, absolut gekippt. Jeder weiß sofort, was gemeint ist.

Philipp: Es ist – wir sind im Prinzip Populärwissenschaft.

Daniel: Populär sind wir, vielleicht Wissenschaft – bis na, na ja. Schwierig jedenfalls. Lange Polarnacht also – Polarlichter werden gut gesehen, Meteore werden gut gesehen, das Wetter kann man gut beobachten – das sind alles Sachen, die von Byrd erforscht werden wollen, aber – alleine. Er will das alleine erforschen.

Philipp: Ja, wie, was soll ich denn jetzt dabei? Ich dachte, mit – Chief Executive Officer of Production.

Daniel: Du, du bist Chief Executive Officer of Production, und zwar in Little America. Du sollst Chief – ach so, er geht aber alleine raus. Er schlägt vor, einen Außenposten zu bauen, und in diesen Außenposten geht Byrd rein, wenn der Sonnenuntergang kommt, und er wird täglich an die Basis funken und seine Beobachtungen durchgeben, und der ganze Rest macht seine rechte Hand.

Philipp: Ach, das bist du. Das ist so ne absurde scheiß Idee. Hab ich ja noch nie gehört, das ist ja sowas von ne absurde scheiß Idee – da holst du dir n Wissenschaftler, den karrst du extra runter an den Südpol, und dann sagst du dem: ja, aber mitgucken darfst du nicht, ich werde die Beobachtungen selbst machen, und alles, was wichtig ist, gar nicht wissen, weil ich kein Wissenschaftler selber bin, aber ich werd dir davon erzählen.

Daniel: Nein, aber du musst schon bedenken – es bleibt ja also die ganze Kartierung, Geologie, Seismologie, dieser ganzen Sachen, die machst du dann.

Philipp: Ja, aber es macht doch viel mehr Sinn, wenn ich an der Front bin. Da Little America ist ja nicht nur der Schlafplatz.

Daniel: Ne, ist ja nicht nur die Kaserne – es auch dort kannst du gut forschen, und ihr plant generell viele kleine Außenposten zu bauen und dementsprechend auch viele Ausrüstungen mitzunehmen. Dazu zählen ein Leichtflugzeug, mehrere Traktoren und Bagger.

Philipp: Die sind aber so umgebaute Autos aus der Zeit.

Daniel: Du erinnerst dich so – wir sind jetzt Anfang 30er, wir sind so bei Joyride Johnny – weißt du, diese Mafia-Autos, die aber mit Ketten statt Hinterrädern, also so richtige Raupen.

Philipp: Ne große Schaufel vorne dran und… und vorne statt Räder, also Räder sind immer noch da, aber da drunter sind so Schlitten.

Daniel: Ah, OK. Spannend. Die Autos sind auch noch quasi durchgesägt, dass die zu Pick-ups gemacht wurden, sind also quasi hinten so n Pick-up-Teil noch angesägt, ne, Ladefläche im Endeffekt, also.

Philipp: Gut, das das klassische Fahrzeug für solche Geschichten – so Geländewagen oder so – es wird damals noch nicht so verbreitet gewesen sein, ne.

Daniel: Das ist richtig, das ist auf jeden Fall so das Fahrzeug to go, also wie gesagt dieser umgebaute Mafiawagen.

Philipp: Der umgebaute Mafiawagen.

Daniel: Dann habt ihr noch 153 Schlittenhunde.

Philipp: Ja, auch viele.

Daniel: Und Schlitten natürlich dementsprechend genau. Und das ist so im Groben die Ausrüstung, und natürlich ganz, ganz viele Menschen.

Philipp: Ich würde aber sagen, das ist ne bislang relativ ordentlich aufgebaute Expedition. Also zumindest hab ich nicht den Eindruck, dass das ne Katastrophe ist.

Daniel: Nö, absolut nicht. Also es ist alles super aufgebaut und beziehungsweise geplant. Es wäre das Heldendummste überhaupt – du sagst es schon so auf so ne Art und Weise, ja, du sagst es schon so – es wäre das Heldendummste überhaupt, wenn jetzt kommen würde: Es war alles super geplant, aber du hast deine Jacke vergessen. Das war ne – die haben ja die Leute im Jauklaufpass gemacht, irgendwie ne Wolldecke vergessen. Nee, das Problem ist der Schwarze Freitag 1929 hat das ganze Geld geschluckt.

Philipp: Mhm, das ist schlecht.

Daniel: Finanzkrise. Börsencrash. Wirtschaftskrise, schwierig mit der Finanzierung. Und Byrd hat sich trotzdem nicht lumpen lassen. Er hat sein komplettes Geld ausgegeben für diese ganze Ausrüstung, die wir da aufgelistet haben, und diese Ausrüstung muss jetzt transportiert werden, und zwar – er hat 2 Schiffe gekauft, einmal die Jacob Ruppert, benannt nach dem Hauptsponsoren der ganzen Expedition, und das zweite Schiff: die Bear of Auckland.

Philipp: Bär of Auckland – der Bär von Auckland, fahren wir über Neuseeland.

Daniel: Dazu kommen wir noch. Jacob Ruppert ist so n Stahl-Frachter von 1920, also relativ neu. Ach so, der Jacob Ruppert, der war n Politiker, und der hat sehr viel Geld gesponsert, und wie gesagt, so n relativ neues Schiff, Frachter halt. Und die Bear of Auckland ist anders, das ist n Schiff mit Geschichte – Dampfer, ursprünglich 1874 in Schottland gebaut, in Neufundland registriert, zur Robbenjagd genutzt. Und später hat die alaskanische Küstenwache von Alaska die genutzt, und die schipperte Hilfsgüter nach Frisco, als 1906 das große Erdbeben kam.

Philipp: Ah, nach Frisco – das ist natürlich, da sind wir wieder beim Seewolf, mit tollem – das ist glaub ich n Mehrteiler sogar, mit einem Charakter, der heißt Frisco Kit, und da muss ich sagen, dass halt der Name geht halt auch gottlos hart.

Daniel: Der Name geht gottlos hart, wie – jedenfalls das Schiff wurde, wie gesagt, für die Erdbeben-Opfer quasi genutzt, um denen zu helfen. Und als es später in die Jahre kam, wurde es nur noch jährlich zwischen Auckland und dem Beringmeer geschickt, um dort gestrandete Walfänger zu retten und Jäger ausfindig zu machen, die dort illegal Fang oder Handel betrieben haben.

Philipp: Na ja, aber ich finde, das ist ja also gut – das Schiff ist jetzt zwar schon alt und wirklich lange auch im Dienst, aber es scheint ja in den Gefilden, in denen man sich so bewegt, üblicherweise Auckland, Beringstraße, ja relativ gut noch zu funktionieren – also es ist zumindest kein Schiff, was du jetzt aus dem Mittelmeerraum abziehst.

Daniel: Nein, nein, nein. Es ist schon n Schiff, was da, sag mal, in dem Bereich gut, gut unterwegs und dafür auch gebaut worden ist. Aber 1926 kommt das Schiff dann in Auckland erst mal zur Ruhe, denn dort wird es als Museumsschiff ausgestellt. 1930 wird das aber ausgepackt für ungefähr anderthalb Jahre, denn dort wird es für die Filmproduktion von dem Seewolf benutzt.

Philipp: Das ist ja fantastisch! Der quasi der zweite Hauptcharakter des Films zu sein. Das ist ja fantastisch. Das ist jetzt n Zufall, den hab ich nicht kommen sehen. Ich hatte Seewolf im Kopf, und ich war mir nicht sicher, aber ich hab extra grad nachschauen müssen.

Daniel: Es ist der Seewolf. Das ist ja, das ist ja hervorragend.

Philipp: Aber aber die Geschichte vom Seewolf hat ja nichts mit der Geschichte jetzt zu tun, also.

Daniel: Absolut gar nichts. Es ist wirklich purer Zufall, dass der Seewolf, die Filmproduktion, sich dieses Schiff geliehen hat, weil es als Museumsschiff ausgestellt war. Und da sind wir wieder bei Frisco Kit, da sind wir wieder bei Frisco Kit, der im Seewolf mitspielt.

Philipp: Das ist ja wirklich, das ist wirklich Wahnsinn.

Daniel: Es ist unfassbar – super Klebstoff heute.

Philipp: Das ist Klebstoff aus meiner Kindheit. Vor allem ja.

Daniel: Jedenfalls kommt das Schiff nach der Produktion vom Seewolf zurück, als zurück nach Auckland fürs Museum, und dann 1932 steht Mister Byrd da und kauft es für knapp 1000 Dollar.

Philipp: Ja, also für n Taui – gut, der ist damals n bisschen mehr wert.

Daniel: Ne, es ist ja damals noch ne andere Summe, aber das ist doch ganz angenehm.

Philipp: Ja, das ist doch relativ günstig, aber das klingt auch schon wieder nach Ramschpreis.

Daniel: Ja, es ist aber wie gesagt, es ist n Filmstar, den Byrd gekauft hat.

Philipp: Ja natürlich, das ist richtig. Hallo, da drauf ist Frisco Kit rumgefahren.

Daniel: So, und September 1933 soll es endlich losgehen. Die beiden Schiffe warten schon. Der Plan ist, dass man mit der Bear of Auckland vorfährt, und die Jacob Ruppert kommt mit dem Rest der Ausrüstung hinterher – also ne komplette Crew auf die Bear, und die Jacob mit der Fracht hinterher, weil die Jacob ist n bisschen schneller, dann können die ja in Ruhe beladen werden. Und die Bear kann schon mal vorfahren. 25. September 1933 geht ihr an Bord und ihr schippert los.

Philipp: Wann? Wann gehen wir noch mal? Sagen wir noch mal das Datum.

Daniel: 25. September 1933. Das ist natürlich ne schwierige Zeit, viele, viele hundert Kilometer weiter nordwestlich, sag ich mal, ist ja Unheil im Anmarsch – es brodelt. Und der Fokus liegt auf Marsch.

Philipp: Ja, ja. Aber auch das wird heute relevant werden. Aber man weiß das ja auch zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Daniel: Ja und nein. Jedenfalls – ihr schippert los, es geht nach Süden, die nordamerikanische Küste entlang, dann wollt ihr durch den Panamakanal. Der wurde 1914 eröffnet, übrigens – ich dachte, der wär viel später, aber na ja, 1914 ist ja relativ früh. Da soll es dann nach Westen gehen, also quasi einmal quer durch den Kontinent, und dann runter nach Neuseeland und dann von Neuseeland aus nach Süden zum Eis. Das ist der Plan. OK, und ihr seid so 8 Tage unterwegs, knapp 1000 Kilometer zurückgelegt, Höhe North Carolina, und ihr merkt so: Ja, die See, die wird n bisschen unruhig.

Philipp: Gut, es ist Herbst, wir sind da. Ist das nicht Orkanzeit?

Daniel: Philip, wir sind bei Heldendumm. Natürlich ist es Orkanzeit, ihr bekommt die Warnung, dass ihr auf einen extremen Hurrikan zusteuert.

Philipp: Geil. Geil, das ist so, das ist so super – es ist schon wieder, es ist schon wieder heldendumm-perfekt, treffend. Jemand bereitet diese Expedition wirklich im absoluten Detail vor, an alles gedacht, man hat an alles gedacht, man hat aber nicht daran gedacht, dass wenn man losfährt, man in n riesigen Wirbelsturm gerät – das hat man vergessen, so – die die die größte Problematik, die da sein könnte: Kommen wir überhaupt an, wenn wir durch einen Orkan fahren? Vielleicht nicht. Vergessen, Kachelmann anzurufen.

Daniel: Ja. Ruf doch mal bei Kachelmann an, verdammt noch mal. Das gibt es doch gar nicht.

Philipp: Jedenfalls hab ich aufs Regenradar geguckt.

Daniel: Ihr bekommt grad noch die Warnung. Der Steuermann geht hart Steuerbord Richtung Festland, aber ihr seid zu spät. Ihr kommt mitten in den Orkan, und gute Nacht, Marie. Ihr werdet also weniger von dem Wind, aber mehr von den Riesenwellen erwischt. Es kippt euch ein, zweimal so n bisschen um, und das Schiff sinkt fast. Die Motoren verstopfen durch das ganze Wasser, was da reingeflossen ist, was nichts in den trockenen Teil der Motoren zu suchen hat.

Philipp: Logisch.

Daniel: Schiff hat nur noch minimale Leistung. Das Deck läuft voll Wasser, Eimerkette.

Philipp: Ich wollte gerade sagen, ich sehe vor mir so völlig durchnässte Matrosen, schon so leicht angerissene Hände, weißt du, wie sie in so einer Dauerbewegung, die sich immer wiederholt, einfach einmal entweder rauskippen oder rausreichen? Genau das seh ich vor mir, und irgendwen seh ich mit so einem riesigen Mopp.

Daniel: Erwischt, und er wischt aus. Genau – jedenfalls bei Regenwetter und Eiseskälte die ganze Nacht am Durcheimern, während das Schiff sich irgendwie nach Southport in North Carolina schleppt, und ihr kommt dort tatsächlich an. Am 4. Oktober ankert ihr, sichtet die Schäden und ihr könnt nicht weiter.

Philipp: Ja, natürlich nicht. Also muss man n neues Schiff kaufen.

Daniel: Nee, Trockendock. Reparieren.

Philipp: Ah OK, einfach reparieren.

Daniel: Ja, ja, reparieren. Am 4. Oktober kommt ihr da an, ihr seid ja 7 Stationen weiter. Ich hab auf der Karte gezählt, und ihr müsst also – ihr sitzt da, während euer Schiff repariert wird, und am 1. November guckt ihr so Richtung See, und da seht ihr die Jacob Ruppert vorbeischippern.

Philipp: Was hätte es auch geholfen, wenn die jetzt gewartet hätten?

Daniel: Gar nichts.

Philipp: Ja, lass die schippern, die sollen das Zeug ja rüberbringen.

Daniel: Am Ende ist das pures Glück, übrigens, dass man mit 2 Schiffen gefahren ist, die nicht gleichzeitig unterwegs waren.

Philipp: Ja, na ja, auf jeden Fall.

Daniel: Die schippern weiter zum Panamakanal, und für euch geht es dann ein paar Tage später auch weiter – ihr schippert durch Panama, durch den Panamakanal, dann nach Wellington in Neuseeland, wo ihr am 6. Januar ankommt. Die Jacob Ruppert ist bereits am 20. Dezember in der Bucht der Wale angekommen.

Philipp: Ihr seid gerade in Neuseeland. Na ja, aber das ist ja also beides hilft, weil wir sind mitten im Sommer, und das ist ja, glaub ich, Ziel der Übung, oder – also wir sind noch nicht im Winter, das also geht alles noch.

Daniel: Der Plan war, dass ihr mehr oder weniger gleichzeitig ankommt. Aber gut, die Leute von der Jacob denken sich: OK, was machen wir? Alles klar, machen wir die ersten Testflüge mit dem Flugzeug. Die schicken schon mal n Aufbautrupp los, der am 17. Januar 34 – sind wir mittlerweile – Little America aufbaut, also wieder aufbaut, weil das ist ja verlassen worden nach der Expedition. Sie nennen es Little America 2, weil es ist ja der zweite Aufbau der Basis. Und dann 2 Wochen später, ungefähr plus-minus, am 30. Januar kommt die Bear of Auckland angeshippert.

Philipp: Da ist sie doch, sie lebt, sie lebt!

Daniel: Und die Expedition kann fast losgehen. Es wird über mehrere Wochen ausgepackt, weil es ist schon viel Zeug.

Philipp: Ja, ich kann mir vorstellen, dass es einiges ist.

Daniel: Und gegen Ende Februar werden beide Schiffe wieder Richtung USA schippern, und die lassen dich, Byrd und 54 weitere Menschen zurück.

Philipp: Gut, aber das war ja auch geplant.

Daniel: Alles geplant. Ihr werdet zurückgelassen, ihr werdet in einigen Monaten wieder abgeholt. Ist auch ne Wahnsinnsidee, oder – ist völlig bescheuert.

Philipp: Fifty Six versus Wild.

Daniel: Ja, also du, Byrd und Co. beziehen Little America 2 und fangt da an zu arbeiten, und ihr merkt: Scheiße, Risse im Eis, Risse im Eis – direkt neben Little America 2.

Philipp: Da könnte man auf so ne Scholle geraten, das wär dann ganz übel.

Daniel: Das wär schlecht, das wär schlecht. Deswegen baut man eine Zusatzbasis, quasi so ne Forward Base, die man dort hinstellt irgendwo an einem sicheren Platz, damit man halt von dort operieren kann. Und Little America 2 wird halt nur noch aufrechterhalten, weil wie gesagt, das ist zu gefährlich – wenn es mal brechen sollte, ist es scheiße. Und was noch gebaut wird ist eine Versorgungslinie – es ist ja nicht alles kartographiert in der Antarktis. Und da fahren halt Leute raus mit ihren Mafia-Pickups auf Ketten und Schlitten.

Philipp: Ja, aber wie hab ich mir das denn jetzt vorzustellen?

Daniel: Genauso – also plus-minus wird einfach Pi mal Daumen in die Richtung, wo nicht erforscht ist, wird 40 Kilometer gerade rausgefahren, und dort wird n kleiner Außenposten gebaut mit Rohstoffen, mit Proviant, mit allem drum und dran. Und von dort aus, von diesen 40 Kilometer entfernten Außenposten wird der nächste Außenposten 40 Kilometer weit gemacht, und so weiter und so fort. Das ist so ne Versorgungslinie im Endeffekt. Und nach circa 250 Kilometern, also jetzt mit dem Finger auf der Karte, sagt Byrd: Das ist n guter Platz für seinen Kabuff – 250 Kilometer weit weg von den anderen will der alleine hausen.

Philipp: Ja, 250 Kilometer mitten in der Antarktis. Entschuldigung, ist da noch alles richtig verdrahtet, oder?

Daniel: Das Vögelchen zwitschert auch nicht normal. Ich kann dich aber beruhigen. Es werden keine 250 Kilometer, sondern nur 160, weil diese Versorgungslinien nicht so ganz gut funktionieren, wie du es dir vorgestellt hast.

Philipp: Das ist doch kein bisschen besser. Das ist also… wieviel… also wie viele Tage brauche ich denn, um 160 Kilometer zurückzulegen in der Antarktis?

Daniel: Also ich kann dir sagen: Am 22. März fangt ihr an, das Gebäude zu bauen – oder dann eure Crew. Das heißt, ihr seid ab Mitte Februar, Ende Februar bis Mitte März, also 2 Wochen hat man gebraucht, um dort rauszufahren und diesen…

Philipp: Mal überleg dir das mal, wie weit das weg ist. Stell dir mal vor, irgendwie, du wachst morgens auf und denkst dir: Och, ich hab irgendwie was weh, ich kann nicht richtig laufen, oder ich hab irgendwie – oh war doch n bisschen kalt heut Nacht, mein Bein ist weg. Abgefroren. Bird kommt da nie wieder weg. Du bist einfach tot. Es ist einfach – er hat sein Todesurteil beschlossen. Ich hab kein Mitleid mehr.

Daniel: Um Byrd brauchst dir keine Sorgen machen. Am 22. März wird das Kabuff gebaut, am 28. März wird Byrd zurückgelassen in seiner Beobachtungsbasis. Und du kümmerst dich derweil, dass Little America 2 und Erweiterungsbasis läuft, und sie läuft auch. Und ihr forscht und Byrd forscht auch – der funkt täglich seine Ergebnisse rüber, was er alles gesehen hat, was er beobachtet hat. Der geht manchmal raus, guckt n bisschen im Fernglas rum, da geht er wieder rein, und der hat so n kleines Kurbelfunkgerät, der dreht an dieser Kurbel und erzeugt Strom.

Philipp: Und dann kann er was durchgeben. Der – von der Handbewegung, die du mir hier gerade gezeigt hast, würd ich sagen, das macht er sehr viel da in seinem Kabuff, 160 Kilometer von jedem anderen menschlichen Wesen entfernt.

Daniel: Wenn man ganz alleine ist in der Antarktis, da wird es schon mal einsam – und es ist ja auch kalt. Es geht die Sonne auch noch unter am 19. April.

Philipp: Richtig. Und dann ist ja auch noch – ja, es ist also – im Prinzip wird es dauerhaft dunkel, der Mann ist sehr einsam.

Daniel: Es ist das – also es is, muntert zum Kurbeln auf. Jedenfalls, jeden Abend kurbelt Byrd ein bisschen, und dann kriegt ihr eure Nachricht. Die Informationen werden verschossen.

Philipp: Ich glaube, das läuft auf vielen Dating-Apps ähnlich.

Daniel: Am 31. Mai sendet Byrd gerade eine Nachricht – es ist übrigens ne One-Way-Verbindung, ne, nur damit…

Philipp: Also wir können nicht antworten.

Daniel: Nein. Wir können nicht antworten. Es ist ne One-Way. Byrd schickt eine Nachricht, am 31. Mai schickt Byrd seine Nachricht, aber die Verbindung ist mittendrin weg, und bis zum – also danach kommt nichts mehr. Also hat er wohl die Nachricht verschickt, die Verbindung war schlecht, es kam nicht an, was er gesagt hat. Aber er führt ja Tagebuch, von daher alles gut. Am nächsten Tag ist alles wieder in Ordnung, ihr sendet ganz normal ne Nachricht, OK? Und so geht es auch 2 Monate weiter. 19. Juli bleibt die Nachricht aus, die tägliche Nachricht.

Philipp: OK, komisch. Das ist aber etwas, das verwundert mich jetzt aber, dass da, dass so etwas passieren würde – war ja überhaupt nicht hervorzusehen, ja, aber vorherzusehen, mein ich, dann aber es…

Daniel: Ja, es – manchmal ist das Wetter spielt nicht mit, die Verbindung ist schlecht. Also das letzte Mal, als ich so n Plot gehört habe, dass Leute irgendwo in der Arktis, in der Antarktis unterwegs sind und dann bricht plötzlich die Funkverbindung…

Philipp: …und einer meldet sich nicht mehr. War Alien versus Predator, glaube ich. Ja, oder? Sind die da nicht auch in so einer Arktisbasis? Arktisbasis, und dann bricht plötzlich die Verbindung ab, und dann entscheiden sie zur Schlauheit aller: Wir sollten uns trennen, um auf die Suche nach dem mysteriösen Monster zu gehen.

Daniel: Ja, aber das war auch hier n Ding aus einer anderen Welt. Auf der Berg ist unheimlich. Wie gesagt, 4 Tage Funkstille, und am 23. Juli gibt es ne neue Nachricht.

Philipp: Nach 4 Tagen meldet er sich ganz normal, als ob nie was gewesen wäre – das heißt, er hat Gekurbelt wahrscheinlich 4 Tage lang, und er hat auch Nachrichten gesendet, aber es ist einfach nicht angekommen. Das Problem ist aber diese Nachricht am 23. Juli – ist auch von der Verbindung her sehr schwach irgendwie. Die Verbindung ist also – man hört ihn zwar, aber es rauscht auf der Leitung und ist alles ziemlich schlecht. Ganz, ganz komisch, und dann wieder 4 Tage Funkstille, bis danach wieder so ne extrem schwache Funknachricht rüberkommt – also schwach im Sinne von, wie gesagt, qualitativ schwach.

Daniel: Ihr könnt auch nicht wirklich verstehen, was Byrd sagt, er sagt irgendwas von Laternen und Drachen.

Philipp: Rettungstraktor – ja, ich hab das gesagt: du wirst malle da unten. Das ist, das kann nicht gut sein, jemanden in eine Isolierung von 160 Kilometern zu stecken. Ich hab das von Beginn an – hab ich da meine medizinischen – und ich bin doch so n Tausendsassa eigentlich in dem Bereich, ich müsste das doch eigentlich wissen, ich bin doch da auch für die Zoologie zuständig. Da kommt doch der Mensch auch mit. Also ich bin also, ich find das alles sehr kritisch, ich bin da von Beginn an gegen gewesen, und der Byrd ist sowieso irre.

Daniel: Also du, du hast doch schon den richtigen Riecher, weil du weißt nicht, was genau los ist. Aber entweder stimmt was mit dem Stromgenerator nicht, weil der Stromgenerator nicht genug…

Philipp: Stimmt auch glaub ich einfach was mit seinem Gehirn nicht.

Daniel: Es stimmt tatsächlich, was vielleicht nicht mit Birds Gehirn – vielleicht kurbelt er nicht stark genug.

Philipp: Vielleicht ist Byrd zu schwach.

Daniel: Auch möglich. Also planst du eine Rettungsmission.

Philipp: Ja, das hätte man sich irgendwie – also irgendwie war das von Tag 1 dann absehbar, dass es so kommen würde.

Daniel: Ach Quatsch.

Philipp: Solchen Leuten würde ich die Versicherungsleistungen nicht auszahlen.

Daniel: Ihr plant eine Rettungsmission, die ist aber schwierig. Es ist einfach arschdunkel.

Philipp: Ja, natürlich.

Daniel: Es ist dauernd Nacht, das Wetter spielt nicht mit. Und Byrd sendet immer wieder, diesmal immer öfter schwache Nachrichten – er bittet um Hilfe, fleht. Er bittet, einen Traktor zu schicken um jeden Preis, aber nur, wenn ihr sicher ankommt.

Philipp: Also doch nicht um jeden Preis. Also er braucht n Traktor, einen Rettungstraktor. Also wie n Schneetraktor halt auf Ketten.

Daniel: Drachen – der Drache, was damit gemeint war, ist n Drachen, den er in die Luft setzt, ein Lenkdrache.

Philipp: Ah OK. Aber den kann ja keiner sehen, weil es ist ja dunkel.

Daniel: Ja, deswegen Laternen und so weiter auch noch.

Philipp: Ah, der beschrieb also quasi mit dem, was er da gesagt hat, nur die Möglichkeiten, was er unternehmen wird, damit man ihn findet.

Daniel: Genau – also der Byrd, der scheint irgendwie angeschlagen zu sein, aber noch den klaren Bestand zu haben. Ihr versucht währenddessen mit einem Schneetraktor durchzukommen. Am 4. August fahrt ihr los, am 7. August geht der Motor im Traktor kaputt und ihr müsst umkehren.

Philipp: Zu Fuß super. Traktor bleibt da stehen.

Daniel: Traktor bleibt da stehen. Am 8. August startet ein weiteres Rettungsteam.

Philipp: Ach Gott.

Daniel: Beim du bist mittlerweile wieder angekommen, bei den Zwischenstationen. Du bist mit deinem dritten Rettungstrupp dabei unterwegs, und am 10. August kommt ihr am Außenposten an. Ihr macht den auf – Byrd, völlig abgemagert, hat ne richtig dicke Kohlenmonoxidvergiftung, kann sich kaum auf den Beinen halten, weil scheinbar irgendwas mit der Lüftungsanlage kaputt war, und da war irgendwie noch n Generator, der statt nach draußen nach innen gepumpt hat.

Philipp: Das ist natürlich selten dämlich. Ja, Konstruktionsfehler. Das ist natürlich selten dämlich, da hast du an alles gedacht, außer daran. Also erstmal hast du an alles gedacht, außer daran, dass du mitten in den Hurrikan reinfährst, und dann hast du auch noch nicht daran gedacht, die Zeichnungen richtig anzufertigen, dass das Kohlenmonoxid nicht in deine Bude gepumpt wird, sondern nach draußen. Auf Sinker gelegt – das sind ja schon 2 Fehler, die, sagen wir mal, wenn du die beide überlebst, da hast du schon viel erreicht.

Daniel: Ja, ja, aber gut – Byrd völlig im Arsch, aber ihr bleibt da, um ihn zu pflegen und ihn aufzupäppeln. Am 22. August geht die Sonne auf und es wird gefeiert. Am 12. Oktober ist das Wetter so gut und die Verfassung von Byrd so OK, dass man ihn mit einem Flugzeug abholen könnte. Das heißt, er wird sich also wirklich Wochen und Monate – er ist immer noch völlig erledigt. Und danach ist Byrd so dankbar, als ihr in Little America ankommt, und er geht so n bisschen die Sachen durch, guckt, was die Leute alles so gefunden haben. Und da ist n Gletscher, und der hat noch keinen Namen.

Philipp: Ach, der wird nach mir benannt, der Polter-Gletscher.

Daniel: Ach Mensch, den gibt es wirklich.

Philipp: Den gibt es wirklich! Der Polter-Gletscher.

Daniel: Ja.

Philipp: Dann war die Feier – dann war die Feier zum Sonnenaufgang, ja, vielleicht sogar ein Polter-Abend.

Daniel: Ein Polter – wow, stark, stark. Und jetzt ist wieder Sommer – also wir sind irgendwie Ende Oktober, es ist wieder Sommer, und ihr könnt wieder mit der Forschung loslegen, zumindest mit der Forschung, sag mal, die Tageslicht erfordert. Bedeutet: Weiße Flecken auf der Karte einmal abdecken, quasi durchlaufen und neue Gebiete erkennen, die Tierwelt beobachten – unter anderem Pinguine.

Philipp: Ja, gibt es. Gibt es andere Tiere da unten, andere Pinguine? Gibt es was außer Pinguine? Also außer so Amöben oder sowas? Robben gibt es da?

Daniel: Robben sind auch da, ja.

Philipp: Robben sind auch da, alle!

Daniel: Aber hauptsächlich erst mal Pinguine. Und ihr macht die geologische Forschung so bis Januar, und im Januar sagt ihr: OK, wir packen den Scheiß, dass ihr am 5. Januar wieder zurück könnt, weil da sind die Schiffe geplant für die Abholung. Und im Endeffekt war das bis auf diese Monoxid-Geschichte sehr erfolgreich das Ganze, weil ihr habt viel erforscht, viel erkundet, viel gemacht. Und dann geht es erstmal mit den Schiffen, mit der Bear und mit der Jacob, zurück nach Neuseeland und danach Richtung Panama. Und ihr habt alles, also nicht alles – ihr habt natürlich die verbrauchten Ressourcen nicht eingeladen, ihr habt aber Pinguine eingesammelt.

Philipp: Ja, da waren wir ja – denn ihr wolltet Pinguine sammeln, um die auf die US-amerikanischen Zoos zu verteilen. Und das ist natürlich auch schon vorausgemacht. Die Jacob Ruppert, das war ja das Frachtschiff, die kommt quasi – statt Fracht – mit einem Becken und einer Eiskammer ausgestattet.

Daniel: Die Pinguine werden verladen, die Pinguine merken aber so: Ey, das gefällt uns nicht, wir wollen weder in die Eiskammer noch ins Becken. Die chillen die ganze Zeit am Deck.

Philipp: Das heißt, mal läufst du da rum, und dann kommt plötzlich so n Pinguin langs.

Daniel: Ihr macht da Fotos mit den Pinguinen, die sind Teil der Crew sozusagen. Das große Problem ist aber, dass diese Pinguine auch nicht fressen wollen.

Philipp: Ja, die wollen ja gut – aber die wollen einfach ins Wasser springen und wegschwimmen, wahrscheinlich.

Daniel: Die wollen vor allem wieder nach Hause, weil – die sind halt nicht in ihrem Klima, weil ihr nähert euch langsam Neuseeland. Also es geht noch so, aber es wird langsam n bisschen warm, ne? Ihr merkt: Die fressen nicht. Also wurden die zwangsernährt, also wirklich Schnabel auf, Fisch rein. Und die Hitze und das Schiff, das ist nichts für sie, und die fangen langsam an zu sterben. Und dann denkt ihr euch so: Scheiße, was machen wir denn jetzt, was machen wir denn jetzt? Pinguine wollten wir mitbringen – ach, Galapagosinseln, da gibt es auch Pinguine!

Philipp: Da gibt es auch Schildkröten.

Daniel: Ja, aber die Pinguine sind auch super, weil die können Wärme aushalten.

Philipp: Das sind andere Pinguine.

Daniel: Dann andere Pinguine.

Philipp: Ja, aber die mögen es warm, und USA ist auch warm. Das heißt, wir fahren zum Südpol, um Pinguine einzusammeln, aber die vom Südpol sterben. Das heißt, wir fahren zu den Galapagosinseln, wo wir einfach nur zu den Galapagosinseln hätten fahren müssen, und sammeln da Pinguine ein – das ist ja hervorragend.

Daniel: Was die Zoologie angeht, ja. Das ist ja wie wenn du ins 5-Sterne-Restaurant gehst, dir dort n Steak bestellst, das Beste vom Besten vom Besten, und dann kannst du das aber nicht essen, weil du irgendwie allergisch bist gegen irgendein Gewürz. Und dann fährst du auf dem Rückweg an der Pommesbude vorbei.

Philipp: Ja, das ist also, das ist ja auch geil, ich möchte nicht Pinguine mit Pommesbuden vergleichen, aber doch, eigentlich möchte ich das schon. Also in diesem Speziellen Fall fast schon ganz gut.

Daniel: Eigentlich ja. Na ja, jedenfalls – Galapagos-Inseln, dann in die USA. Es geht alles glatt durch, ihr kommt im Mai 1935 an, es gibt Jubel, ihr werdet als Helden gefeiert.

Philipp: Für die Blödheit als Held gefeiert zu werden, muss man erstmal schaffen. Aber ich sag ganz ehrlich, dafür, dass man sich so schlecht vorbereitet hat, obwohl man gesagt hätte, man hätte sich so gut vorbereitet, ist es ja doch dann noch eigentlich erschreckend glimpflich ausgegangen.

Daniel: Es ist, es ist voll OK ausgegangen. Du bist auf jeden Fall zurück in Chicago, diesmal wieder, und dort wirst du zum wissenschaftlichen Direktor der Research Foundation im Armor Institute of Technology ernannt. Du bekommst ne Medaille für deine Verdienste, und dein Leben ist gut.

Philipp: Na hervorragend.

Daniel: Denn du hast jetzt die Möglichkeit, Projekte aller Art umzusetzen. Du bist ja Chef of Woms, ne? Und als Chef of Woms kannst du machen, was du willst. Und du denkst nach, und denkst darüber nach, was auf dieser Expedition alles schiefgelaufen ist.

Philipp: Da kommt ja einiges zusammen.

Daniel: Da kommt einiges zusammen. Du stellst fest, dass diese zusätzliche Geschichte mit diesem Basenbau durch den Riss im Eis super doof war. Stellst fest, die Versorgungsstationen waren doof. Du stellst fest, dass der Außenposten sehr weit weg war – das war extrem scheiße. Und was auch noch blöd war, war das Starten mit dem Flieger, weil das nicht immer möglich war, weil die Piste durchs Wetter zugeschneit war. Alles doof quasi, und das sind wirklich ne Menge Probleme, die man in deinem Kopf mit einer einzigen Lösung lösen könnte.

Philipp: Treibhaus.

Daniel: Oh, stark, stark. Nein – eine mobile Basis.

Philipp: N Elefant.

Daniel: Ich zeig dir jetzt ein Bild davon, wie du dir das vorgestellt hast.

Philipp: OK, zeig mir ein Bild, ich bin bereit. Oh oh OK, oh – ich hab den Space Shuttle erfunden!

Daniel: Hier nicht ganz ein Shuttle vielleicht.

Philipp: OK, also ich fang mal mit Bild 1 an – würde ich sagen, was ich vor mir sehe, ist ein sehr, sehr, sehr, sehr großes Auto, ein sehr sehr großes Auto, mit einem Flugzeug auf dem Dach. Korrekt. So, und in diesem Fahrzeug, das ist so, also so durchsichtig, dass man da durchgucken kann, was da alles drin ist. Da ist vorne befindet sich der Operator, der hat so n Schiffssteuerrad irgendwie in der Hand, und Gas und Bremse, und der ist da unterwegs. Also der fährt das Ding. Dann ist dahinter direkt so n so ne Art Kartenraum, Kartentisch – n Kartentisch würde ich sagen, ist es – wo man dann gucken kann, wo befinde ich mich gerade. Und danach kann man da rechts runter gehen, da ist dann eben so n Motorraum, und verschiedenes Equipment befindet sich dort, da ist auch ein großer Motor dann unten drin. Und ja, dann geht man weiter hinten durch – und das ist dann leider jetzt nicht mehr so ganz das… Kannst du auch im zweiten Bild sehr gut sehen. Angezeigt, aber Fakt ist: Es können Spalten bis zu 15 Fuß überwunden werden, weil man das Ding absenken kann und aufstellen kann, wenn ich es richtig verstehe. Und in jedem der 4 Räder befindet sich ein eigener Motor, sodass man quasi eine Art Allradantrieb hat. Auch das ist wichtig, ja. Mit 4 Motoren und, wie gesagt, oben drauf ist ein Flugzeug mit Skiern unten dran. Und man hat auch Living Quarters. Man hat nen Darkroom zum Entwickeln von Fotos, und man sieht das dann in dem zweiten Bild im Querschnitt ganz gut, wie die Leute da drin leben. Also es gibt dann so kleine, ja, man kann nicht mal von Kabinen sprechen, es gibt halt Betten, die sind irgendwie überm Feel Tank. Und hinten sind noch n paar Ersatzreifen drin, die ungefähr 80 Quadratkilometer groß sind. Ja, und es gibt sogar Living and Sleeping Quarters, da gibt es sogar so n kleinen Tisch und alles.

Daniel: Ja, du hast sehr, sehr gut beschrieben, was du gesehen hast. Du präsentierst am 29. April 1939 in Washington DC vor Bundesbeamten die Pläne für den sogenannten Antarctic Snow Cruiser.

Philipp: Den Antarctic Snow Cruiser, den ASC.

Daniel: Den ASC. 17 Meter lang, 6 Meter breit, 5 Meter hoch, im Leergewicht 34 Tonnen schwer, pro 8000 Kilometer Reichweite. Das Ding hat 3 Meter hohe Reifen, die von Elektromotoren, die wiederum von Dieselmotoren angetrieben werden. Ein Tank mit 9500 Liter Diesel und ein zweiter mit 3800 Litern Kerosin fürs Flugzeug, wie du schon gesagt hast – Ding ist ein Flugzeugträger. Das Ding ist ausgestattet mit Schlafkabine, mit Küche, mit Fotolabor – alles was du gesagt hast. Ne Heizung für den Innenraum, und auch noch ne Heizung, die quasi auch noch zu den Reifen was sendet, also an Temperatur, damit die Reifen eisfrei bleiben. In dem Cruiser können bis zu 5 Personen ein Jahr lang überleben, denn dafür ist Proviant da, und sie können sich mit diesem Fahrzeug jederzeit mit bis zu 50 km/h bewegen. Und sogar Gletscherschluchten bis zu 4 Meter überwinden – das ist nämlich das mit dem Ein- und Ausfahren, das ist nicht ganz richtig, dass das Ding sich absenkt und aufhört, sondern die Räder können ausgefahren werden, nach unten, nach oben. Das heißt, du rutschst quasi mit – also du fährst die Vorderräder ein, rutschst mit der Schnauze übers Loch, und sobald das Fahrzeug vorgefahren ist über das Loch, fahren die Vorderräder wieder aus und die Hinterräder fahren ein, und dann zieht sich das Fahrzeug über diese Schlucht wieder rüber.

Philipp: Frage.

Daniel: Stell sie nicht.

Philipp: Stell sie. Also es ist ja gar nicht so blöd, aber das Ding ist 34 Tonnen schwer – Leergewicht. Wie Leergewicht, also sehr viel mehr Tonnen schwer. Wie wahrscheinlich ist es, dass ich über eine 15-Fuß-große Felsspalte überhaupt rüberkomme, wenn ich 34 Tonnen wiege – das ist Frage A.

Daniel: Moment, wir sind bei Frage A.

Philipp: Ich bin bei Frage B. Wie transportierst du das Scheißteil dahin?

Daniel: Ich werde dir beide Fragen im Laufe dieser Episode beantworten.

Philipp: Und Frage C, die du hoffentlich auch im Laufe dieser Episode beantworten wirst: Wann genau ist das Ding im ewigen Eis verschollen und musste zurückgelassen werden? Weil das ist noch der – das ist die logische Konsequenz aus allem, was wir bisher besprochen haben.

Daniel: Dazu kommen wir noch.

Philipp: Ja. Ich dachte mir das.

Daniel: Ja, jedenfalls ein Monstrum.

Philipp: Ja, absolut. Aber ich hätte da n cooleren Namen gegeben, ich hätte dem irgendwie Das Krokodil des Südens oder irgendwie sowas – hätte ich das genannt.

Daniel: Auch dazu kommen wir noch. Natürlich du. Du wirst natürlich gefragt – also du trägst das ja nur vor als Blaupausen – du wirst gefragt, was soll der Bau eines solchen Fahrzeugs denn kosten, du sagst 150.000 Dollar.

Philipp: Entschuldigung – ja, total ernst zu nehmend, ja.

Daniel: Heutzutage 3.000.000 Dir wird sofort die Hand geschüttelt, wird gesagt: Alles klar, machen wir.

Philipp: Das Ding kostet doch mehr.

Daniel: Nee, nee, also beim Preis bleibt es. Die Beamten, mit denen du redest, wie gesagt, die stimmen dir zu, aber nur unter Vorbehalt, weil sie nur abklären müssen, ob das denn geht, aber sie sagen auf jeden Fall: Das sollte schon mal – wir klären das, wir regeln das. Die einzige Voraussetzung: Der Cruiser ist dieses Jahr noch fertig, damit man zügig ne Expedition starten kann.

Philipp: Natürlich. Und du bist selbst mal überrumpelt, aber du freust dich, wenn man ehrlich sein will.

Daniel: Die Regierungsbeamten waren gar nicht vom Konzept begeistert, aber der Vorschlag kam zur richtigen Zeit, weil so n halbes Jahr davor – wir sind im Jahr 1939 – gab es Berichte, Gerüchte vielleicht. Die Nazis haben nämlich ein Katapultschiff in die Antarktis geschickt und dort Flugzeuge verschossen. Und die sollten dieses Gebiet nicht nur erkunden, sondern auch für die Nazis gegebenenfalls später beanspruchen. Das Schiff hieß die Schwabenland.

Philipp: Ah, jetzt, jetzt treten wir ein in den Bereich zahlreicher Verschwörungstheorien.

Daniel: Genau, die auch mit fliegenden Untertassen zu tun haben, wo wir ja beim letzten Mal waren.

Philipp: Richtig. Und um da den Antimaterieantrieb aus den Segeln zu nehmen, quasi – auch damit endet das ganze ja: Die Nazis haben dann n Schiff hingeschickt, und das Schiff hat sich n bisschen umgeguckt, und dann ist es wieder zurückgeschippert. Das war es. Keine Nazi-Basen in der Antarktis, keine Nazi-Basen auf der Rückseite des Mondes, alles entspannt.

Daniel: Sorry, Xavier, ich weiß, du hörst zu, aber heute haben wir nichts für dich. Gott, oh Gott, die E-Mails will ich nicht lesen. Jedenfalls – die Nazis waren aber gerade zu dem Zeitpunkt tief in den Vorbereitungen für den Überfall auf Polen. Und warum sie da überhaupt in der Antarktis waren: Sie waren da, um die sogenannte Fettlücke zu schließen. Sie brauchten Fette, sie brauchten Öle und Fette von Walen, hauptsächlich für Nahrungsmittel – jetzt zum Beispiel sowas wie Margarine, aber auch für Sprengstoff, Glycerin-Herstellung. Auf jeden Fall – ach so, und da sind wir bei Dishonored plötzlich.

Philipp: Das stimmt, dafür braucht man Fett. Unter anderem Walfett.

Daniel: Und das haben sie vorher importiert, aber die wussten, dass das vielleicht nicht unbedingt auf Freunde stößt, wenn man in das Nachbarland mit Panzern rüberfährt, und dass die Importe vielleicht einbrechen werden. Oder sanktioniert werden, dass man sich gedacht hat: OK, diese Fettlücke, die müssen wir selber schließen, wir müssen das Fett selber holen.

Philipp: Von der Fettlücke hab ich in meinem Leben noch nicht gehört, aber die Fettlücke schließen ist auch – und da sind wir dann wieder beim Kurbeln, also wieder beim Kurbeln.

Daniel: Bitte nicht. Ich gebe keine Tipps hier an dieser Stelle, dafür bin ich sehr dagegen. Tipps hat man aber der US-Regierung scheinbar gegeben, weil die haben von dieser ganzen Nazi-Antarktis-Sache mitbekommen, und die haben sich gedacht: Alles klar, wir müssen dringend die sogenannte United States Antarctic Service Expedition in die Antarktis schicken. Der Kopf ist mittlerweile Admiral Byrd.

Philipp: Grüße zurück. Wir kennen uns.

Daniel: Und er bereitet gerade alles vor. Und dein Fahrzeug ist das perfekte Werkzeug dafür.

Philipp: Verstehe – ja doch, da hab ich aber sogar Verständnis für, dass man sagt: Moment, das trifft sich – also das ist durchaus sinnvoll, ja.

Daniel: Also geht es für dich zurück nach Chicago. Du lässt wirklich alle Kontakte spielen, damit du schnell jemanden findest, der diesen Cruiser bauen würde, und du findest die Pullman Company, die Firma, die so luxuriöse Schlafwagen für Züge hergestellt hat früher.

Philipp: OK. Die Pullman Company.

Daniel: Die Pullman Company, und sie sieht sich dazu imstande, das Ding bis Ende des Jahres fertig zu bauen. Und im Juni kriegst du auch das Go von der Regierung, und der Bau geht offiziell am 8. August los, und 11 Wochen später, am 24. Oktober, rollt der Koloss zum ersten Mal vom Betriebsgelände los.

Philipp: Ey, nicht schlecht – 11 Wochen für so n Ding, da hätte ich aber länger erwartet.

Daniel: Und dazu noch mal ein Bild. Ich möchte, dass du Dinge beschreibst – falls du Trigger-Worte findest, werd ich die erst mal nicht kommentieren.

Philipp: Es gibt so n schönes Reddit – ich weiß nicht wie der Subreddit heißt, auf jeden Fall Dinge, die aussehen wie Gesichter. Oh ja. Ich, ich, ich fühl mich hier, also da fühl ich mich sehr zu Hause. Also was haben wir hier? Wir haben ein riesenhaftes Fahrzeug – auf dem auch random einfach irgendwelche Leute drauf stehen. Das Flugzeug fehlt, das ist noch nicht da, aber die Reifen sind auf jeden Fall angemessen groß – sind die Reifen wirklich 3 Meter groß? Es sieht mir nicht ganz so groß aus, also das ist schon krass.

Daniel: Ja, es ist ein riesiges Fahrzeug, es hat vorne so ne Art, es sieht halt aus wie n Frosch. Was soll ich sagen, es sieht aus wie n Frosch.

Philipp: Er ist aber rot. Ist rot, ist rot mit einem gelben Strich. Das ist auch sehr giftig. Da ist er giftig, das sieht man. Bei Fröschen ist das immer so n Zeichen. Signalfarbe gefährlich.

Daniel: Signalfarbe ist gefährlich, ja, aber er kann nicht springen, vermute ich.

Philipp: Na ja, wenn du schnell genug diese Räder ausfahren würdest, vielleicht. Das hat, wie früher bei Need for Speed Underground, so ne Hydraulik drin.

Daniel: Aber genau.

Philipp: Hinten ne PlayStation eingebaut. Ja, was sagst du? Ich sage: scheißen hässlich das Teil, aber ich glaube nach wie vor an den Erfolg des Unternehmens, wie die ganze Zeit schon.

Daniel: Sehr gut. Also ab in die Antarktis. So, du hattest die Frage gestellt: Wie schafft man das Ding in die Antarktis?

Philipp: Per Schiff natürlich, gar kein Problem. Davon war ich jetzt ausgegangen, aber kann ein Schiff das problemlos transportieren?

Daniel: Mal eben dieses – ja, es ist alles, alles kein Problem. Das Problem ist, das Schiff steht in Boston.

Philipp: Ist das n Problem – steht es mal wieder im Museum, oder?

Daniel: Nö, das Schiff steht in Boston an der Ostküste, und du bist in Chicago am Lake Michigan.

Philipp: Dann muss ich das mal rüberfahren, mein Gerät.

Daniel: Ja, erstmal denkst du so: Ja, wir haben doch Lake Michigan hier um die Ecke, kann man ja vielleicht nach Norden schippern, und dann fährst du da halt nach Osten über Lake Huron, dann vielleicht nach Süden an Detroit vorbei.

Philipp: So wirklich enge Wasserwege – und dann? Ja, wie lange soll das denn dauern?

Daniel: Na ja, also spätestens bis zu den Niagarafällen wird dann schwierig, entweder hoch oder runter.

Philipp: Ich kann es dir gerade nicht sagen. Aber das wäre mal n Test – wenn das Ding vom TÜV abgenommen werden würde, dann müsste es auch da runterfallen können. Da bin ich mir aber ganz sicher.

Daniel: Schwierig auf jeden Fall. Dann überlegt man sich: Ach, die Pullman Company hat das Ding gebaut, die können das Ding ja auf n Zug packen. 17 Meter lang.

Philipp: Über so ne Brücke. Pass auf, 17 Meter lang, 6 Meter breit, 5 Meter hoch. Typischer Güterwagen ist 3 Meter in der Breite. Das wird nichts, das wird nichts, da bin ich skeptisch, das klappt nicht – ja, aber man kann das Ding doch fahren, fahr das, fahr doch.

Daniel: Genau das. Du denkst hier: Fakt ist Shit. Der Cruiser hat auch Räder – guckst dir egal welche Strecke du nimmst, 1000 Meilen, also circa 1600 Kilometer, ist nachgeguckt, um ne vergleichbare Strecke zu finden, von Hamburg nach Toulouse.

Philipp: Das ist aber auch schon wieder – das ist doch also der nächste dermaßen bescheuerte Denkfehler: Ich muss das Ding verschiffen, und ich kann es nicht gut über Land transportieren, dann baue ich es am besten in Chicago. Ich baue es in Chicago – warum denn nicht gleich irgendwo in der Mojave-Wüste, da bist du noch näher an der Küste dran! Gottes Willen, also die Anzahl von deutlich sichtbaren und frühzeitig erkennbaren Dämlichkeiten ist lang.

Daniel: Sie ist vorhanden, definitiv. Ja, definitiv. Ja, egal, wer ist das Ding. Und dann merkst du so: Ja, Scheiße. Also wir sind jetzt gerade 150 Meter auf dem Betriebsgelände gefahren, vorher haben wir das noch nicht getestet, das Ding ist ja in 11 Wochen zusammengebaut worden, das sind wirklich die ersten 150 Meter, das Ding gefahren ist, und wir sollen jetzt 1600 Kilometer fahren.

Philipp: Vielleicht sollten wir das Ding mal wirklich mal auf Herz und Nieren prüfen.

Daniel: Ja gut, dafür ist das ja jetzt n ganz guter Weg, oder?

Philipp: Nicht. Ja, ja, ja, für die Straßentauglichkeit auf jeden Fall. Aber wie verhält sich das Ding eigentlich auf Eis?

Daniel: Ja gut, das kann man jetzt in Chicago schlecht nachprüfen.

Philipp: Ach, kann man super.

Daniel: Du fährst also deine Crew, also packst deine Crew ein und fährst das Fahrzeug am 26. Oktober 1939 von Chicago in Illinois nach Gary in Indiana.

Philipp: Das klingt erstmal weit – von Chicago, von Illinois nach Indiana, aber wir wechseln den Staat, aber Gary ist 35 Minuten entfernt, weil das ist halt direkt an der Staatsgrenze, also sowohl Chicago als auch Gary.

Daniel: Also es ist, es ist keine Reise.

Philipp: Nein, du fährst eigentlich – na ja, nicht 35 Minuten.

Daniel: Du fährst mehrere Stunden, weil du merkst, als du vom Gelände runter rollst, dass du beide Fahrspuren brauchst, um mit dem Ding in der Straße runterzukommen, und sofort einfach in beide Richtungen Stau.

Philipp: Ich stell mir das großartig vor, wenn das in Deutschland passieren würde. Weißt du, da kommt ja so n Polizeihauptmeister und fragt dich: Ja, haben Sie denn – wo haben Sie denn hier die Papiere für das Ding? Zeigen Sie mal her, ist dat hier auch für die Straße zugelassen? Da will ich aber gerne mal sehen. Zeigen Sie mir doch mal hier Ihre Zulassung. Ja, Warndreieck haben Sie dabei, ja? Wo ist der – hier Verbandskasten haben wir nicht, ja schön, Verbandskasten abgelaufen, wo? Seit 11 Wochen. Haben Sie dat versichert?

Daniel: Jedenfalls – Spaß ohne Ende. Verkehrsteilnehmer müssen runter von der Straße, Beinahunfälle. Aber es geht voran. Du brauchst wie gesagt mehrere Stunden, bis du an der südlichsten Spitze des Michigan-Sees ankommst. Und da ist das perfekte Testgelände für die Fahrtüchtigkeit auf Eis, und zwar – du hast es richtig gesagt – Sanddünen.

Philipp: Sanddünen, close enough. Man benutzt Sand…

Daniel: Man benutzt Sand um Eis zu bekämpfen. Sand, um Grip zu haben auf Eis, damit man auf dem Eis nicht rutscht, benutzt man Sand. Und nicht, weil Sand so ist wie Eis.

Philipp: Apropos Grip – hast du dir das Bild genauer angeschaut? Hast du dir mal die Reifen genauer angeschaut? Hier ist n Slick. Da ist n Slick – gut hier. Das hab ich nicht gesehen. Aber du hast recht. Es ist eine – die Reifen sind komplett ohne Profil.

Daniel: Weil mit Profil würden sich Schnee und Eiskristalle natürlich festsetzen, was die Reifen porös machen würde, und sie würden ziemlich schnell kaputt gehen. Deshalb hast du natürlich auf glatte Reifen gesetzt. Unter dem beladenen Gewicht – und je nach Quelle zwischen 37 und 45 Tonnen, je nachdem wieviel drin ist – wird sich die Fläche der Reifen natürlich vergrößern durchs Gewicht, und der Cruiser wird den Schnee soweit komprimieren, dass du quasi wie auf Beton fährst.

Philipp: Also im Endeffekt dasselbe Prinzip wie bei den Slicks bei der Formel 1. Maximaler Grip.

Daniel: Maximaler Grip. Ja gut, das hilft ja in der Frage vielleicht, aber das hilft ja nur, wenn du festen Boden unter den Reifen hast. Man hat diese Reifen auch schon mal getestet, 1936, bei dem Projekt Gulf Marsh Buggy, das ist so n Sumpfbuggy gewesen, der diese Reifen genutzt hat, und das war halt n Buggy, also so n kleiner Buggy. Und diese 3-Meter-Reifen…

Philipp: Der wiegt ja nichts. Der wiegt nichts – der wurde quasi also fast geflogen.

Daniel: Also fährst du auf die Dünen, und es und es funktioniert genauso, wie du es vorgestellt hast. Du hast dich festgefahren.

Philipp: Ja, natürlich. Das ist natürlich das Erste, was passiert. Du kommst nicht weiter, du fährst einfach. Es muss auch wirklich extrem schlimm aussehen – du fährst da so: OK, wir wir, es ist alles ne große Top-Gear-Challenge, du fährst da – OK, wir fahren jetzt rein, ah OK – und dann gibst du Gas, und dann hast du da so deine Sanddüne, und dann fährst du einfach geradeaus in diese Sanddüne so rein, und kommst nicht weiter. Es ist wirklich nach so nach 3 Sekunden ist alles vorbei, damit ist es beendet.

Daniel: Also so lange hat es tatsächlich nicht gedauert. Aber du denkst: Ach komm.

Philipp: Das ist doch sofort völlig klar. Es ist doch völlig klar, es ist doch wirklich – es braucht doch nicht – also wenn das n Steinzeitmensch gemacht hätte, dann hätte ich gesagt, OK, aber alles ab sagen wir mal 2000 vor Christus muss das drauf haben. Die kennen schließlich Sand.

Daniel: Du kennst auf jeden Fall jetzt die Eigenschaften von Sand. Aber du sagst natürlich: Schließlich, Sand ist nicht stellvertretend für Eis.

Philipp: Wie kommt man denn auf sowas? Ich bitte dich, du hast dir sowas ausgedacht. Kann ich mir auch nicht vorstellen.

Daniel: Dann versuchst du das Fahrzeug irgendwie rauszukriegen – dann wird man dir mit irgendwelchen Trucks und mit n paar Seilen quasi helfen, und du kommst aus den Dünen raus, guckst auf die Uhr, und denkst: Ach ja, der Zeitplan. Crew kommt, steigt ein, wir müssen nach Boston, wir müssen jetzt los, keine Zeit weiter zu testen, das wird schon funktionieren.

Philipp: Kurz mal in die Sanddüne gefahren, und weiter. Kurz haben wir noch mal den Steuerzahler wahrscheinlich irgendwie Millionen gekostet, weil die das scheiß Ding da rausziehen mussten, und dann direkt weiter.

Daniel: Jedenfalls du fährst jetzt nach Boston mit 15 km/h, weil an jeder Kurve muss gehalten werden, weil die Lenkung neu ausgerichtet werden muss. Ständig kommen Autos entgegen, es ist einfach – ne Strecke von nochmal 1600 Kilometern bei 15 km/h. Ich also – das dürfte mit dem Zeitplan schwierig werden.

Philipp: In 8 Tagen seid ihr da, gar kein Problem.

Daniel: Das ist der Zeitplan, gar kein Thema. So, Philip, dir kommen Autos entgegen, aber ihr kommt voran. Und dann kommen wir noch mal zurück zu: Was passiert auf einer Reise immer bei Heldendumm, wenn die Protagonisten gerade los sind?

Philipp: Irgendwas geht kaputt, oder sie stellen fest, sie haben was vergessen. Das, was schon mal passiert ist in dieser Episode. Wie war es schon mal? Ach so, wie sie kommen in einen Sturm rein.

Daniel: Sturm zieht auf. Ein Sturm zieht auf, natürlich. Ein LKW versucht sich an dem Cruiser vorbeizuquetschen. Du versuchst den Cruiser – fährst ja selber – versuchst den Cruiser an der Seite der Straße irgendwie so zu bewegen. Die Räder drehen durch, der Cruiser rutscht unkontrolliert Richtung LKW, der LKW-Fahrer versucht auszuweichen – ihr streift euch. Ganz klassisch natürlich n kleiner Kratzer, aber dem gegenüber, aber man selbst hat nen totalen Schaden.

Philipp: Ja, natürlich – man selbst. Aber mit dem Ding. Wie kann ich denn mit dem Ding n Schaden haben? Das ist ja – weiß ich nicht, Alu draußen, keine Ahnung, das ist ja nicht 14000 Tonnen.

Daniel: Ja, das das Ding ist ja nicht um irgendwie gegen Monstertrucks Kämpfe zu machen, sondern das Ding ist um auf Eis zu fahren. Jedenfalls ist irgendwas Wichtiges kaputt gegangen – ich konnte nicht rausfinden, was. Ihr braucht einige Tage, um das Ding zu reparieren.

Philipp: Oh Gott.

Daniel: Mittlerweile ist es November. Ihr kommt in Goma in Ohio an, eine kleine Brücke, die geht über n Bach. Und ihr überlegt: Es geht n Meter in die Tiefe, dann kommt der Bach, aber es ist nicht so rampig, sondern es ist eher so n bisschen treppig zum Bach. Und ihr überlegt: Vielleicht da runterfahren – oder wieder hoch – ist es zu weit auseinander, um diese Gletscherüberführungsautomatik auszuprobieren?

Philipp: Ja, was machen wir denn da? Also ich würde nicht über die Brücke fahren.

Daniel: Du fährst über die Brücke.

Philipp: Nein, natürlich.

Daniel: Thomas, du fährst die Kiste ganz vorsichtig an, und du traust dich einen Meter vor die Brücke, hältst. Du hast einen Kollegen auf dem Dach, der guckt sich das von oben an, und der gibt grünes Licht.

Philipp: Ja, was soll er denn noch tun? Was soll das Zeichen sein, dass es nicht geht? Die Brücke ist ja noch da, offensichtlich.

Daniel: Also gibst du Gas, und es klappt auch. Selbstverständlich ist alles gut – die Lenkung macht nicht mehr mit. Und ihr seid so ganz leicht um die Kurve, so ganz leicht – einer der Räder rutscht vor ne Brücke, der Rest rutscht nach, Kollege fällt vom Cruiser in den Bach, der Cruiser kippt um. Je nach Berichte entweder auf die Seite oder komplett 180 Grad aufs Dach, das Ding landet im Bach von dieser paar Meter Brücke. Komplette Katastrophe, kriege ich den Cruiser nicht mehr umgedreht, weil – wie denn auch?

Philipp: Wie denn auch? Das schwerste Ding, was je gebaut worden ist. 3 Tage und Nächte dauert das.

Daniel: Ihr spielt mit dieser Hydraulik, ihr stupst euch so n bisschen von dieser Brücke ab, mit Planken wird angehoben, es versammeln sich 105 und 125000 Schaulustige.

Philipp: Ja, das kann ich verstehen. Da würde ich auch hingehen. Einfach. Also wie gesagt, ich habe heute schon mal in dieser Folge schon eines gesagt: Diesen Menschen würde ich keinen Versicherungsschutz gewähren, und ich bleibe dabei. Wenn ich Versicherungsmakler wäre, ich würd das Ding nicht versichern.

Daniel: Die 125000 Leute haben es auch gesehen, und die Zeitung natürlich auch. Und die Zeitungen geben dem Fahrzeug einen Namen: Der Tortois – die Landschildkröte, passenderweise.

Philipp: Sehr passenderweise, ja.

Daniel: 3 Tage und Nächte arbeitet ihr, das Ding ist umgedreht, das Ding ist wieder auf der Straße, wie auch immer das funktioniert – dieses Mal ist nichts Schwerwiegendes kaputt gegangen, also geht es weiter.

Philipp: Na ja, außer wahrscheinlich das Flussbett und 120 Lachse.

Daniel: Das ist gut möglich, aber egal. Ich sag mal so, ihr habt offensichtlich einen Fehler gemacht. Da ist irgendwas schiefgelaufen – deshalb neuer Versuch, Philip, die nächste Brücke kommt.

Philipp: An diesem Punkt bin ich noch OK. Moment mal. Also bis jetzt ist alles schiefgelaufen. OK, wieviel Kilometer haben wir noch? 1000 irgendwas.

Daniel: Wir haben noch, warte – ich guck mal nach, warte, wir haben ein Fünftel der Strecke hinter uns. 20% der Strecke zurückgelegt. Das heißt, wir haben noch 80% der Strecke vor uns.

Philipp: Wir sind bei dieser Brücke jetzt hart ins Wasser gefallen. Wie viele Brücken werden wohl noch kommen auf einer Strecke von über 1000 Kilometern? Was haben wir noch zu erwarten – gibt es also wie ist die Fortführungsprognose für diese Geschichte? Der auch der Zeitplan ist ja sicherlich komplett im Arsch, kann das noch überhaupt irgendwie funktionieren? Das wäre jetzt das, was ich als Frage stellen würde, und dass die Antwort von irgendwem ja lauten könnte, würde mich als Beteiligten schon n bisschen sauer machen.

Daniel: Ja, ist richtig, aber jetzt denkt das aus der anderen Perspektive: 150.000 Dollar sind da reingeflossen, und die Nazis sind in der Antarktis.

Philipp: Ja, das ist n noch viel größerer Grund, endlich damit aufzuhören. Es ist ein besserer Grund – also das stärkt meinen Punkt: Nutzt die Ressourcen doch endlich für was Ordentliches.

Daniel: Auf jeden Fall, Brücke Nummer 2. Dieses Mal, wenn ihr herunterfällt, dann ist Feierabend. Es ist so ne Brücke mit tief unten runter.

Philipp: Mit tief unten runter. Ja, ihr könnt euch das nicht erlauben. Es ist nicht mehr so: Ich bin ausgerutscht und bin n Bach gefallen, einen Meter, sondern – Tod. Feierabend. Rip, Game over.

Daniel: Verstehe. Ihr entscheidet euch, die Brücke auszumessen und die Lage richtig einzuschätzen. Ihr messt noch mal den Cruiser aus, ihr messt die Brücke aus. Ihr habt, wenn ihr gerade auf dieser Brücke steht und die Reifen perfekt aufliegen, ein Spiel von 10 Zentimeter auf beiden Seiten.

Philipp: Woah. Mhm.

Daniel: Es klappt.

Philipp: Oh ist klar.

Daniel: 3 Stunden habt ihr gebraucht, über diese Brücke zu fahren.

Philipp: Das glaub ich sofort.

Daniel: Ihr braucht 3 Stunden, aber ihr kommt rüber. Aber auch hier haben sich Menschen versammelt, die Zeitungen schreiben: Penguin One ist wieder unterwegs.

Philipp: Penguin One – ich, das Krokodil fand ich n bisschen besser, aber Penguin One ist auch nicht schlecht. Im Übrigen, das ist auch geil, ne – so Geheimdienstinformationen: Die Nazis sind in der Antarktis, und so weiter und sofort, und die kommen, wir sind mit dem Schiff da unterwegs und allem möglichen drum und dran, und die Antwort der US-Amerikaner ist: Ja, wir haben auch was – unser großes Gefährt kommt jetzt erst, fällt zweimal irgendwo in den Bach, kommt nicht von der Stelle, braucht 3 Stunden ne Brücke zu überqueren – super. Da ist also wirklich, dass die am Ende den Krieg gewinnen würden, war an der Stelle glaube ich nicht absehbar.

Daniel: Auf gar keinen Fall. Na ja, wir haben es – es ging voran, es gibt drunter und drüber, was so des Wortes ist, aber ihr kommt voran. Dann sind wir irgendwann mal am Morgen des 12. Novembers, und ihr sucht irgendwo n Platz, um den Cruiser zu parken und Rast zu machen. Auf der bisherigen Strecke gab es immer irgendwo so Felder am Wegesrand oder irgendwelche Parkplätze, wo ihr dann keine Ahnung 17 Parkplätze geblockt habt oder sowas, aber wo ihr Rast machen konntet und schlafen konntet. Das Problem ist jetzt aber, ihr seid jetzt mittlerweile schon an diesem 12. November auf Höhe Framingham in Massachusetts, knapp 34 Kilometer vor dem Ziel.

Philipp: Oh, das geht ja. Wir sind ja richtig vorangekommen. Aber ihr braucht dringend eine Pause. Das Team ist müde, du bist müde, und ihr habt schon 2 Wochen Verspätung.

Daniel: Ja gut, aber dafür bietet dieses Fahrzeug ja einzigartige Arrangements. Du kannst ja fahren, und andere können schlafen.

Philipp: Richtig, aber du bist der einzige, der das Ding fahren kann und darf. Was ist der Sinn hinter diesem ganzen Scheiß? Das ist doch sowas von bekloppt.

Daniel: Ja, das ist doch sowas von – also ach Gott, aber – ist nicht schlimm, ihr seid gerade eh auf dem – jetzt sind wir wieder auf dem Worcester Turnpike, einem Super Highway, wie man das damals nannte, vierspurig – heute ist das die Interstate 90. Und da kann man doch mal für n Vormittag mal 2 Spuren blockieren und Nickerchen machen, oder nicht?

Philipp: N Kleines. Ja, einfach stehen bleiben.

Daniel: Ja, einfach stehen bleiben. Natürlich, einfach stehen bleiben.

Philipp: Ich finde, da könnte die Lokalpresse jetzt aber auch noch mal links kommen.

Daniel: Ja, vielleicht. Nach wenigen Stunden merkt ihr so: Irgendwie, der komplette Highway steht still – warum denn? Guckt ihr euch um?

Philipp: Oh. Autos. Irgendein Arschloch hat schon wieder auf der Fahrbahn geparkt. Geparkt, vor allem in die eine Richtung Autos, in die andere Richtung Autos.

Daniel: Es sind viele, es sind so viele – also du kannst die Erdkrümmung sehen anhand der Autos, es sind 70000 Autos, ein Stau von 32 Kilometern.

Philipp: Bitte. Ja, man schläft ja auch nicht einfach auf der Autobahn.

Daniel: Ihr bekommt den Spitznamen die Dicke Berta.

Philipp: Ja, zurecht, völlig zurecht.

Daniel: Und noch paar andere, die wir uns heute sparen. Nee, Entschuldigung – nicht die Dicke Berta, The Bouncing Betty.

Philipp: Ist auch nicht schlecht.

Daniel: Und natürlich der Beste: Der MC Chemical King Kong of the Ice and Snow.

Philipp: Der MC Chemical MC Chemical King Kong. Ach Gott, oh Gott, oh Gott. Der MC Chemical King Kong braucht einen ganzen Tag, bis sich der Stau wieder auflöst.

Daniel: Und damit er weiter kann – währenddessen habt ihr eine Polizeieskorte bekommen, die den Weg frei macht, damit ihr nach Boston kommen könnt. Und ihr schafft es noch in derselben Nacht, ihr kommt an. Und ihr kommt an am Bostoner Hafen, und dort wartet seit Tagen schon die USCGC North Star, ein Expeditionsschiff, welches am 15. November auf die Reise gehen soll. Wir sind 3 Tage davor, und eigentlich hat man erwartet, dass ihr schon seit 14 Tagen da seid, dass man eure Ausrüstung auf den Cruiser packt. Und ja, das muss jetzt alles in 48 Stunden erledigt werden.

Philipp: Ja, und das Ding muss ja auch da drauf gefahren werden.

Daniel: Ja, das ist ja kein Problem.

Philipp: Ja, das wurde mir schon über vieles gesagt in dieser Geschichte. Das ist ja alles kein Problem.

Daniel: In der Nacht machst du erst mal gar nichts – erstmal ausschlafen, und am nächsten Morgen triffst du deinen alten Kumpel Byrd. Jedenfalls, du triffst deinen alten Kumpel Byrd, und ihr habt jetzt die Aufgabe, das ja alles zu beladen. Das läuft schon alles ne – also quasi unterm Deck werden die ganzen Ressourcen alles eingepackt. Und jetzt ist wie gesagt das Fahrzeug – wie du schon sagst – das muss oben drauf. Ich schick dir n Foto.

Philipp: Ohje. Auf diesem Foto steht das Fahrzeug und die North Star nebeneinander. Das Fahrzeug ist größer als das Schiff.

Daniel: Nein, ist es nicht, aber also – ich hatte bei der North Star, die mir ja angepriesen worden ist, nicht erwartet, dass es ein Schiff ist, das so klein ist.

Philipp: Es ist doch schon, also. Es ist doch schon arg klein. Viermal so groß wie der Cruiser, ungefähr. Aber der Cruiser passt ja nicht in einen Freiraum dort, oder? Also der Cruiser ist 17 Meter lang, das Ladedeck ist keine 17 Meter lang.

Daniel: So sieht das für mich nämlich auch aus. Also da sind ja relativ große Aufbauten und alles – das kann doch gar nicht.

Philipp: Wie willst du das Ding denn da drauf klicken? Also du kannst ja auch nicht quer drauf, weil das ist ja sicherlich auch länger als das Schiff breit. Das Ladedeck ist auch keine 17 Meter breit. Sag mal, hat irgendjemand auch nur eine Sekunde sich Gedanken darüber gemacht, was er da tut?

Daniel: Ja. Man hat doch dieses Schiff ausgewählt.

Philipp: Ja, also man man – man setzt sich zusammen und sagt: OK, wir verschiffen das Ding dann in Boston, und dann fahren wir damit – welches Schiff können wir denn nehmen? Und dann hat keiner gesagt: Ja, wir nehmen eins, das groß genug ist.

Daniel: Ist doch groß genug. Ich weiß nicht was du hast.

Philipp: Ich muss tief durchatmen.

Daniel: Anderthalb Tage bis zum Aufbruch, und ihr geht verschiedene Ideen durch.

Philipp: Das ist eine solche Blödheit, die ist nicht in Worte zu fassen. Heute putten wir wirklich das Dumm in Heldendumm, das muss man wirklich mal sagen. Eieiei, so blöde Protagonisten hatten wir jetzt auch schon ne ganze Weile nicht mehr.

Daniel: Das sind Physikprofessoren.

Philipp: Die Kette der Fehleinschätzungen ist auch massiv. Physikprofessoren, Philipp, Mathematik – alles. Aber ich hab in meinem Leben schon Erfahrungen mit Physikern und Physikerinnen gemacht, und ich muss sagen, das war alles nicht so schlimm, wie das jetzt hier.

Daniel: Ach, Philipp, anderthalb Tage bis zum Aufbruch. Ihr geht verschiedene Ideen durch, bis du dich entscheidest – einfach mal pragmatisch denken. Du holst die Flex, und dann sägt ihr einfach ein Stück vom Heck ab.

Philipp: Das hätte ich selber drauf kommen müssen. Das ist die Lösung, das ist die Lösung. Ich säge jetzt einfach ein Stück vom Heck ab. Man hätte es wissen müssen. Man hätte es wissen müssen. Ich hätte einfach damit rechnen müssen, dass man das Schiff einfach komplett zerstört – dass das die Lösung ist. Das hätte ich eigentlich im Schirm haben müssen.

Daniel: Du bist der Chefingenieur von diesem Ding. Du wirst schon wissen, was gut für das Ding ist. Und ihr sägt das Heck ab, und dann kommen halt die Ersatzreifen – die müssen dann halt raus, die werden halt irgendwo unter Deck gelagert, das Stück Heck auch. Und dann muss das Ding nur noch aufs Schiff. Und ja, man hat sich dann gedacht: Wie kriegen wir das da rein? Also man war schlau genug, um nicht einfach drauf zu fahren.

Philipp: Gut.

Daniel: Also hat man sich gedacht: Alles klar, wir nehmen jetzt einfach so n Hafenkran, der hier rumsteht, packen das Ding und heben es aufs Schiff.

Philipp: Das ist ja erstmal gar nicht so blöd.

Daniel: Richtig. Und dann ist schon der Morgen des 15. Novembers, und die North Star zieht den Anker hoch, und es geht los.

Philipp: Und das hat funktioniert. Jetzt ja, also das ist alles unfallfrei geblieben.

Daniel: Ereignislos.

Philipp: Philip, ereignislos.

Daniel: Ich würde nicht sagen ereignislos, ich würde sagen unfallfrei. Ihr seid auf dem Weg zur Bucht der Wale, und es passiert wirklich gar nichts. Also du und Byrd, ihr könnt planen – ihr habt nämlich große Pläne für die Expedition.

Philipp: Da bin ich mir leider sicher.

Daniel: Little America muss wieder aufgebaut werden. Ihr wollt mit dem Cruiser den ganzen Kontinent erforschen. Ihr wollt zum Südpol, ihr wollt ein Jahr dort herumcruisen und wieder zurückfahren. Ihr wollt mit dem Bordflieger Forschungsflüge machen, der noch später eingepackt wird in Neuseeland. Das wird alles richtig, richtig gut. Und am 12. Januar 1940 kommt ihr in der Bucht der Wale an.

Philipp: Ich hab so n bisschen den Eindruck, das ist alles wie so ne große Klassenfahrt, wo man sagt: Boah geil, wir fahren nach Berlin und dann gehen wir richtig, wir gehen Club und so, und dann – nein, und dann lässt man es halt.

Daniel: Nein, das wird super, das ist super. Arbeiter fangen an, die Güter zu entladen und Little America 3 aufzubauen. Ja, mittlerweile. Und nach 3 Tagen, also 15. Januar 1940, ist der Cruiser dran – der muss jetzt runter. Also einfache Sache: Man lädt den einfach so aus, wie man ihn eingeladen hat – man nimmt den Hafenkran.

Philipp: Und Hafen?

Daniel: Runter.

Philipp: Oh. Das ist alles nicht zu glauben. Ist alles nicht zu glauben, ich – das geht doch nicht, das kann doch alles wohl nicht mehr wahr sein.

Daniel: Kein Problem, du bist Ingenieur und Physiker – das heißt, ich weiß sogar schon, wie das Schiff quasi umfällt, in welche Richtung, wenn ich das Ding da runterfahre.

Philipp: Genau deswegen denkst du dir: Ach komm, kein Problem – wir haben doch hier Little America gerade aufgebaut, wir haben ja noch so aus Kisten so Holzbretter und irgendwelche Balken und so weiter.

Daniel: Du baust eine Rampe.

Philipp: Das kann nicht wahr sein.

Daniel: Und du steigst in den Cruiser ein. Du machst die Motoren an. Und, Philip – ich zeig dir jetzt Liveaufnahmen.

Philipp: Alter, es gibt Liveaufnahmen davon! Ein Video!

Daniel: Es kommt n YouTube-Link, du musst den Ton nur ausmachen, weil er sehr laut ist. Den brauchst du nicht zu hören. Philip, genieße die Jungfahrt des Antarctic Snow Cruisers in der Antarktis, wie er aufs Eis gefahren ist.

Philipp: Ha ha ha ha ha ha. Natürlich. Ich wusste genau, dass es so ausgehen würde, aber ey, er hat es runter geschafft! Einer winkt noch freudig – ey, die haben es echt runter geschafft. Also ich meine, sie sind fast umgefallen dabei, aber ey, sie haben es runter geschafft.

Daniel: Der Cruiser fährt die Rampe entlang, ein Holzbalken bricht durch, der Cruiser kippt Richtung Meer. In dem Moment gibst du Vollgas, Pedal to the metal, das rettet den Cruiser, und es rettet dir das Leben, weil hättest du nicht durchgedrückt, wärt ihr hier beide einfach nach links gekippt – und der Typ auf dem Dach auch, aber du, du wärst jetzt auf Meeresgrund. Aber ihr habt es geschafft, und die Menge jubelt.

Philipp: Ja, alles wie geplant. Niemand soll mehr sagen, das würde nicht funktionieren. Funktioniert doch super.

Daniel: Es funktioniert super, es funktioniert super. Solange der Cruiser auf dem Holzbalken noch runter rollt. Und dann merkst du in der Fahrerkabine irgendwie, du wirst langsamer, der Jubel verstummt. Und du denkst: OK, warum, warum bist du denn so langsam auf einmal? Und du drückst da immer noch mal Gas, und die Motoren jaulen auf, und irgendwie der Horizont, den du siehst, der kommt immer höher irgendwie.

Philipp: Genau das, was ich schon vor einer Dreiviertelstunde in diesem Podcast gesagt habe, passiert genau das, was ich schon gesagt habe – dass dieses Scheißteil mit seinen, was auch immer 1000 Tonnen es wiegt, nicht auf Eis fahren kann.

Daniel: Zumindest nicht in Küstennähe. Cruiser sinkt, die Reifen drehen durch, bis die Räder schließlich ein Drittel eingesunken sind, und der Cruiser bewegt sich kein Stück mehr. Er sitzt fest.

Philipp: Lass mich raten, das tut er bis heute.

Daniel: Nein, ja, immerhin. Du lässt dir die zusätzlichen Reifen, die quasi in dem abgesägten Heckstück waren, die lässt du dir vorne dran montieren – das heißt, das Fahrzeug hat jetzt 4 Vorderreifen. Das ist quasi aneinander, um mehr Kontaktfläche auf n Eis zu bekommen – bringt n Scheißdreck. Hinten macht ihr Schneeketten dran.

Philipp: Es ist zu schwer.

Daniel: Es liegt nicht an der Traktion, es ist einfach viel, viel, viel zu schwer. Es bewegt sich kein Stück. Und dann entscheidest du dich quasi, dich frei zu rütteln – also Gas, Rückwärtsgang, Gas, Rückwärtsgang, Gas, Rückwärtsgang – und du merkst: Oh, wenn die Räder sich abwechselnd bewegen, ihr bewegt euch also.

Philipp: Ihr kommt raus. Also horizontal bewegen wir uns nicht, vertikal, ja.

Daniel: Nee, also sowohl vertikal, weil ihr rausfahrt, bewegt ihr euch auch noch nach hinten. Weil durch die Gewichtsverlagerung durch das Eis, durch den Schnee, durch die Ketten, durch die Zusatzräder hat das Fahrzeug Traktion bekommen, aber nur wenige Zentimeter pro Stunde und nur rückwärts.

Philipp: Ja, super. Die großen Pläne, sie werden sicherlich in Umsetzung kommen, mit wenigen Zentimetern pro Stunde.

Daniel: Philip, Bewegung ist Bewegung. Und ihr macht in den nächsten 10 Tagen… ihr kriegt auch mehr Grip und ihr kriegt auch mehr Power irgendwie. Ihr schafft in den nächsten 10 Tagen 150 Kilometer.

Philipp: Alles im Rückwärtsgang, oder wie?

Daniel: Alles im Rückwärtsgang, einer muss oben drauf sitzen und Durchsagen, welche Richtung.

Philipp: Und ja, ihr probiert da rum. Allein die Vorstellung, dass man in der Antarktis sitzt und feststellt: Wir haben das ganze Fahrzeug komplett falsch rum gebaut – das ist komplett das Ganze, das ganze Fahrzeug ist falsch rum.

Daniel: Es ist alles, es ist alles kacke. Die North Star ist ja übrigens schon abgefahren, ne, die kommt aber am 24. Januar wieder. Und du gehst zu deinem besten Mann, zu Doktor Wade – du sagst ihm: Mein Junge, der Cruiser ist jetzt dein Problem. Du steigst auf das Schiff und machst dich aus dem Staub.

Philipp: Oh Gott, auch noch n Arschloch noch dazu.

Daniel: Du sagst natürlich der Crew: Du gehst jetzt in die USA, um Gelder zu sammeln für andere Reifen.

Philipp: Ja, natürlich, weil die Reifen das einzige Problem sind, und nicht, dass das Ding komplett falsch rum gebaut worden ist und generell eine scheiß Idee ist.

Daniel: Du bist weg. Der Cruiser bewegt sich seit diesem Tag keinen Millimeter mehr, bis heute nicht – wobei gelogen, aber zumindest in dem Sinne hat er sich noch nicht bewegt. Er wird zu einem feststehenden, beheizten Labor.

Philipp: Also man hat das dann tatsächlich im Nachhinein noch benutzt, ja.

Daniel: Ja, es ist quasi das, was Byrd damals in seiner zweiten Expedition da gebaut hat, das Kabuff weiter weg, nur mit der Heizung in die richtige Richtung pustend. Das Ding steht da also bis heute.

Philipp: Nein, aber dazu kommen wir noch.

Daniel: OK. Doktor Wade hört nie wieder was von dir.

Philipp: Natürlich nicht.

Daniel: Im Dezember 1940 läuft ein Schiff in der Bucht der Wale an, sammelt die restliche Crew von Little America 3 und vom Snow Cruiser, und die Forschungsgelder sind gestrichen. Die USA ist kurz davor, in den Zweiten Weltkrieg einzutreten – das heißt, die Gelder sind erstmal woanders wichtiger. Wade und sein Team stecken, kurz bevor sie ins Schiff einsteigen, Bambusstangen in den Schnee um den Cruiser herum, damit, falls die irgendwann mal wieder kommen sollten oder er eingeschneit werden sollte, damit man den Cruiser leichter findet. Diese Stangen sind halt extrem hoch. Und ja, dann hauen sie ab. Und du meldest Patente an – Patente für ne hydraulische Pumpe, ne Vorrichtung zum Gießen von Metall. Cruiser ist kein Thema mehr, also.

Philipp: Also ich erreiche sogar noch etwas in meinem Leben.

Daniel: Ja, ja. Du patentierst irgendwelche Sachen, aber niemand mehr spricht über den Cruiser. Du sprichst nicht darüber, die Regierung spricht nicht darüber, die Leute, die beteiligt waren – keiner sagt mehr ein Wort. Dann kommt der Zweite Weltkrieg, und dann ist der Zweite Weltkrieg wieder vorbei. 1946 ist Richard Byrd wieder im Rampenlicht.

Philipp: Natürlich, der Tausendsassa.

Daniel: Der Tausendsassa soll Little America 4 aufbauen, nur diesmal nicht im Rahmen einer Expedition, sondern im Rahmen der Operation High Jump – ne Militäroperation mit 13 Schiffen inklusive eines U-Boots und eines Flugzeugträgers und 4700 Mann starker Mannschaft. Und zwar weil dieses Mal sind es nicht die Nazis, dieses Mal sind es die Sowjets, die in der Antarktis unterwegs sind, und man möchte vorbereitet sein, falls sie kommen. Jedenfalls – na ja, die Sowjets sind nicht da, aber die Amis, die haben Stärke gezeigt. Also landen US-Soldaten im Dezember 1946 in der Antarktis und finden die Überreste von Little America 3. Und sie finden den Cruiser, sie begutachten ihn, stellen fest – Zitat: Luft ist raus in den Reifen, ansonsten fahrbereit. Und sie lassen ihn wieder zurück und gehen weiter.

Philipp: Und dann fällt natürlich dein Name so: Der hier, der Polter, der war doch der, der mit dem Cruiser – was macht der Polter eigentlich?

Daniel: Ja, was macht er denn?

Philipp: Gusseiserne Patente anmelden? Nee.

Daniel: Nee, der poltert mit Sprengstoff rum. 1948 wirst du stellvertretender Direktor im Stanford Research Institute. Dann publizierst du deine Forschungsergebnisse mit Bezug auf die Experimente im Polareis, die du gemacht hast. Aber der Cruiser wird mit keinem Wort erwähnt.

Philipp: Natürlich nicht. Würd ich auch nicht, wär mir n bisschen peinlich.

Daniel: Dann machen wir einen Sprung in 1958 – eine internationale Expedition in der Antarktis. Sie finden die Überreste von Little America 3.

Philipp: Little America 4 ist woanders, also nicht mehr aufgebaut worden, oder?

Daniel: Ich bin mir gar nicht sicher, ich glaube, wenn dann nicht dort gewesen. Und sie finden auch Bambusstangen im Schnee, und sie graben – sie graben 7 Meter tief, und sie finden den roten Koloss, unangetastet. Wenig Luft in den Reifen, ansonsten fahrtüchtig. Sie graben ihn komplett aus, sie gehen rein – Zeitkapsel. Da liegen noch Dokumente und entwickelte Fotos, alte Zigaretten, alles wie gehabt.

Philipp: Ja gut, wer soll auch da gewesen sein, ne? Die Russen waren es nicht.

Daniel: Die Russen waren es nicht. Sie machen die Kiste zu und ziehen weiter. Aber was macht der Polter eigentlich?

Philipp: Polter macht Urlaub!

Daniel: Du machst Urlaub, du machst Urlaub auf einer Insel vor der Küste Kaliforniens, und siehst dort Seerobben.

Philipp: PTSD – bloß weg da.

Daniel: Nee, findest du super, du bist begeistert. Dein Leben widmet sich nur noch der Forschung der Seerobben – das ist deine neue Lebensaufgabe. Du willst erforschen, wie sie leben, du willst erforschen, wie sie kommunizieren.

Philipp: Ja, was auch sonst? Was auch sonst? Vielleicht ich würde, ich würde vorschlagen, dass ich eine Seerobbe 160 Kilometer weit wegschicke, und dann die mit einem Kurbelgerät mir durchgibt, wie es ihr geht.

Daniel: Ja, so kommunizieren Seerobben. Februar 1963 – der Eisbrecher Edisto ist im Polarmeer unterwegs und sieht einen Eisberg an sich vorbeiziehen. Und die Crew sieht auch, dass auf den Eisbergbauten zu sein scheinen, und sie machen Fotos. Sie vergleichen die mit alten Aufzeichnungen, und sie sind sich sicher: Das, was ihnen vorbeizieht, ist Little America 3.

Philipp: Oh. Und sie schauen sich auch alte Karten an, um zu verstehen, wieviel Eis da scheinbar weggebrochen ist.

Daniel: Und sie merken schnell: Rand des Eisberges gleich letzter Standort vom Cruiser. Sie gucken noch mal hin. Nichts Rotes zu sehen, keine Bambusstangen zu sehen, und die Stelle, wo er also quasi wo das Eis abgebrochen ist, die andere Seite existiert auch nicht mehr. Das heißt, er ist wahrscheinlich gesunken.

Philipp: Er ist wahrscheinlich gesunken. Das Eis ist gebrochen, und ja, Thing One hat den Fall gemacht. Das heißt, irgendwo auf dem Meeresboden im Südpolarmeer liegt dieses Ding. Ein roter Koloss. Eine Landschildkröte. King Kong of Ice and Sea – ach, Ice and Snow – der MC Chemical King Kong of Ice and Snow, the Penguin One, the Bouncing Betty – such dir aus.

Daniel: Jetzt stell dir mal vor, ja – Kevin Costner, Waterworld, apokalyptisches Szenario, die Welt steht unter Wasser, und irgendwann findet eine zukünftige Zivilisation oder irgendwelche Aliens diesen Planeten wieder vor. Und das erste, was sie finden, in so einem Shocking Reveal, ist dieses Ding auf dem Meeresboden. Und sie fragen sich, diese Zivilisation, die hier gelebt hat: Was, warum steht das da, was ist das, warum bist du so hässlich, und was war der Zweck dieses Geräts? Und sie werden es niemals herausfinden, weil man kann es sich nicht ausdenken.

Philipp: Man kann es ja aufmachen, potentiell, und da noch mal reingucken, aber ich glaube, daraus werden die auch nicht schlau.

Daniel: Wahrscheinlich nicht.

Philipp: Tja, wahrscheinlich nicht. Aber, Daniel, die wichtigste Frage – was macht eigentlich Doktor Polter?

Daniel: Ja. Was macht Polter eigentlich? Du setzt dich aktiv und mit Erfolg dafür ein, dass die Insel, auf der du die Robbenkolonien damals entdeckt hast, als biologisches Schutzgebiet ausgewiesen und bewahrt wird.

Philipp: Das ist ja schon mal ne gute Tat, würde ich sagen.

Daniel: Du hast n Robbenreservat erschaffen, und du forschst so weiter bis zum 4. Juni 1978, wo du im Alter von 81 Jahren, während du in deinem Labor arbeitest, stirbst.

Philipp: Also quasi direkt vom Arbeitsschreibtisch in den Sarg. In den Sarg. Wie man sich. Ob sie dich im Südpolarmeer einfach ins Wasser geschmissen haben?

Daniel: Am Ende des Lebens – weiß ich am vermuteten Standort des Geräts, ja. Könnt ich tatsächlich nachgucken, weil es gibt ja dieses FindaGrave-Ding – mal gucken, welche Koordinate es mir ausspucken würde. Nein, keine Ahnung, wo er vergraben ist. Auf jeden Fall, das war die Story vom Antarctic Snow Cruiser, von Mister Byrd, von Mister Polter.

Philipp: Magisch. Also seitdem dem Killdozer hab ich eine große Sympathie für Maschinen, die total bescheuert sind.

Daniel: Ja, in dem Fall war es so ne – wie würde man sagen – so n Ausraster, ein psychischer Ausnahmezustand. Und in diesem Fall war es auch n psychischer Ausnahmezustand, aber Blödheit in völliger Blödheit. Und Leute haben sich das angeguckt und haben ernsthaft gesagt: Das ist ne gute Idee.

Philipp: Vor allem, das ist ein Physiker, der muss das doch mal alles durchgerechnet haben, und ist aber nie auf einen Weg gekommen, dass es nicht klappen könnte.

Daniel: Ach Leute. Die Fettlücke, Philipp.

Philipp: Die Fettlücke, ja. Die Fettlücke, die Fettlücke ist das Problem. Ja, Hashtag Helden der Fettlücke.

Daniel: Lücke, ich werd Lücke machen.

Philipp: Hashtag Heldendumm-Lücke ist sehr gut, ja.

Daniel: So, an dieser Stelle muss ich noch meinen lieben Freund und Kollegen Greg grüßen, der mir dieses Thema nicht nur vorgeschlagen hat, sondern konsequent 2 Jahre lang mich gefragt hat, wann ich es endlich mache.

Philipp: Hervorragend. Greg, du hast gute Arbeit geleistet. Daher, liebe Grüße, protokollarische Grüße gehen aus.

Daniel: Ja, und wie gesagt, das war das Thema – ja, ich weiß selber nicht mehr, wie ich es nennen soll, es hat so viele Namen, es ist alles schlimm.

Philipp: Pech gehabt. Ich frage mich halt, wenn man die Reifen aufgeblasen hätte, quasi als die letzten Leute da waren, ob er so quasi auf Wasser taumeln würde?

Daniel: Du vielleicht. Vielleicht ist er ja auch – vielleicht ist er ja noch irgendwo, vielleicht gibt es noch den großen Reveal und wir sehen ihn in Alien versus Predator 4 oder sowas als Cameo-Auftritt, in dem ewigen Eis.

Philipp: Also es gibt natürlich Verschwörungstheorien und Gerüchte und keine Ahnung was – dass die Russen das Ding geklaut haben, dass die Nazis aus ihrer Neu-Schwabenland-Basis kamen und das Ding jetzt als mobiles Kommando irgendwie genutzt haben.

Daniel: Ja klar, weil das ja so gut funktioniert und jeder das haben will. Wie gesagt, wenn ihr Versicherungstipps braucht, ich gebe sie euch gerne – das Ding würde ich also, das würde ich nicht machen.

Philipp: Das ist ein gutes Schlusswort.

Daniel: Ich glaube auch. Wie beim letzten Mal auch. I want to leave.

Philipp: I want to believe und I want to leave.

Daniel: In diesem Sinne – Dankeschön für die Geschichte, und Tschüss.

Philipp: Bis dann.

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