Transkript zu: Die gelben Engel

2026-03-11

Transkript zur Episode: Die gelben Engel

Daniel: Heldendumm – historisch, gefühlsecht. Hallo Philipp!

Philipp: Hallo Daniel.

Daniel: Philipp, ich habe es ja schon mehrmals in den vorherigen Episoden angedeutet: Heute geht es um Alchemie. Und heute geht es auch darum, dass wir Gold herstellen. Also so viel schon mal vorweg.

Philipp: Da freue ich mich, das ist super. Dann wären wir nämlich reich.

Daniel: Wir werden sowas von reich heute. Also puh, kannst du dir gar nicht vorstellen. Also wirklich.

Philipp: Also ich finde ja das Konzept der Alchemie immer noch großartig. Nach dem Motto: Wir suchen einen Weg, um Gold herzustellen. Aber dass Gold überhaupt nichts mehr wert ist, wenn man das einfach so herstellen kann, das scheint niemandem in den Sinn gekommen zu sein.

Daniel: Das habe ich mir auch schon öfter gedacht, beziehungsweise die letzten Tage, als ich recherchiert habe. Deswegen gehe ich mit, aber so weit können wir heute nicht gehen, sage ich dir.

Philipp: Na ja gut, ich bin mal gespannt.

Daniel: Heute gehen wir dafür nach Mortlake.

Philipp: Das klingt makaber.

Daniel: Also Mortlake mit „t“. Wenige Kilometer südwestlich von London. Und zwar ins Jahr 1582. Mein lieber Scholli, werden wir eine gute Zeit haben, weil wir mal wieder zwei Folgen am Stück aufnehmen.

Philipp: Ich freue mich, ich freue mich. Hau raus!

Daniel: Also heute ist der 8. März 1582. Da bist du nicht geboren, aber da bist du ungefähr 27 Jahre alt und du klopfst an die Tür von John Dee. Sagt dir John Dee etwas?

Philipp: John Dee… der Name sagt mir was, ja. In der Tat sagt er mir was. Der ist… was ist der denn? Der Name sagt mir was, weil ich den aus meiner Episodenrecherche kenne.

Daniel: Pass auf: John Dee gilt zu dem Zeitpunkt als der kompetenteste Wissenschaftler am englischen Hof.

Philipp: Ja, ja, sowas, ne? Absolut.

Daniel: Persönlicher Berater der Queen Elizabeth I. Und ihm wird nachgesagt, er hätte den Ausdruck „British Empire“ erfunden, weil er die Königin dazu drängte, eine Marine aufzubauen und die Schiffe in die neue Welt zu schicken. Damit du erst mal ein Bild von John Dee hast.

Philipp: Ich möchte mich dazu nicht äußern.

Daniel: Sehr gut. Er war auch einer der ersten Engländer, die den Weltraum verstanden haben – so mehr oder weniger. Er unterstützte das Weltbild von Kopernikus, dass die Erde um die Sonne kreist. Er unterrichtete Kapitäne und Navigatoren und brachte ihnen bei, wie man anhand von Sternen navigiert. Er war wirklich Wissenschaftler durch und durch.

Philipp: Ist mir bekannt. Ich bin sehr gespannt, wo es hingeht bei dir.

Daniel: John hatte auch eine extrem große Bibliothek. 4000 Bücher, Schriftstücke aller Art. Das ist insgesamt größer als Cambridge und Oxford zusammen in dieser Zeit. Es wird auch vermutet, dass dieses Voynich-Manuskript in Johns Besitz gewesen ist.

Philipp: Grüße an den Newsletter!

Daniel: Genau. Dass dieses Buch, das in einer unbekannten Sprache verfasst wurde, durch seine Hände gegangen sein könnte. Im Prinzip war John Dee der damalige Stephen Hawking. Aber erst mal zurück zu dir: Wie gesagt, du stehst an der Tür und klopfst. John öffnet die Tür und er sieht dich: Du bist ein Mann mit auffällig langen Haaren und du hast eine noch auffälligere Mütze auf dem Kopf, unter der deine Haare hervortreten. Diese Mütze ist sehr eng – wie so ein enger Sack, den du auf dem Kopf trägst.

Philipp: Ich trage einen sehr engen Sack auf dem Kopf?

Daniel: Jedenfalls stellst du dich vor als Edward Talbot. Zumindest sagst du das.

Philipp: Na ja gut, ich habe ja einen engen Sack auf dem Kopf, deswegen gehe ich davon aus, dass ich auch Engländer bin. Edward Talbot… schon doch der Eddie.

Daniel: Der Eddie. Du stehst vor der Tür, John macht auf, du guckst ihn an und sagst: „Ich habe gehört, du hast das gesamte irdische Wissen in deinen Büchern studiert und trotzdem verstehst du die letzten Geheimnisse des Universums nicht. Tja, du suchst jemanden, der mit Engeln sprechen kann – und hier bin ich.“

Philipp: Alter, wir sind schon wieder sowas von unterwegs! Endlich wieder jemand, dem im Traum Dinge erscheinen. Das hatten wir länger nicht.

Daniel: Es wird noch nicht mal nur geträumt, heute erleben wir Dinge bewusster.

Philipp: Also so wie du ihn beschrieben hast, würde ich sagen, er sieht ein bisschen nach Drogenjunkie aus. Aber gut, von mir aus. Ein kleiner Junkie steht da und sagt: „Hallo, ich kann mit Engeln reden, lass mich rein.“

Daniel: John ist aber überhaupt nicht überrascht, dass du aufkreuzt. Er ist nämlich tatsächlich sehr frustriert, weil er noch mehr wissen will. Er weiß quasi schon alles und er dachte sich, wenn man das Übernatürliche anzapfen könnte, das wäre doch super.

Philipp: Super Idee! Andererseits ist alles, was man nicht erklären kann, ja erst mal übernatürlich. Früher dachte man ja auch, Zeus schleudert Blitze, weil jemand seinen Teller nicht leer gegessen hat.

Daniel: John hätte sich aber gewünscht, dass es bei ihm ein bisschen rumblitzt. Er hat es schon versucht: Er hat eine Kristallkugel, einen Obsidianspiegel – er hat mit dem geredet, aber der hat irgendwie nicht geantwortet. Ein Arschlochspiegel.

Philipp: Nicht mal eine Antwort auf eine Frage? Was für ein komisches Arschloch.

Daniel: John sieht ein, er ist ein lausiges Medium.

Philipp: Aber ich habe ja den Junkie vor meiner Tür stehen, der hilft.

Daniel: John hatte vorher schon quasi eine Anzeige am schwarzen Brett: „Suche Medium“. Es kam tatsächlich einer, John hat ihn bezahlt, aber der Typ konnte es gar nicht. Der hat ihn verarscht.

Philipp: Stell dir das mal vor, was für ein Arschloch. Kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.

Daniel: Jetzt ist die Frage: Wie würde ein richtiges Medium mit der Kristallkugel reden, damit man ihm glaubt? Da muss man Trickspiele beherrschen, würde ich sagen.

Philipp: Oder es einfach können! Entschuldigung, dass ich diese Option außer Acht gelassen habe.

Daniel: Ich bitte dich! Na ja, John ist trotzdem skeptisch. Da steht dieser Obdachlose vor seiner Tür…

Philipp: Jetzt ist er plötzlich auch noch obdachlos? Am Anfang waren es lange Haare, dann Drogenjunkie, jetzt obdachlos. Es geht bergab. Wir sind acht Minuten drin und der Mann hat schon drei Leben gelebt.

Daniel: John ist skeptisch, weil da eben dieser Dude mit seiner Mütze steht. Aber du sagst ihm, du könntest ihm helfen. Also bittet er dich herein – und zwar in seinen Keller.

Philipp: Das ist auch total vertrauenswürdig von Anfang an. Von allen Beteiligten.

Daniel: In seinem Keller hat John einen Gebetsraum und einen Raum für sonstige übernatürliche Dinge. Da hat er seine Kristallkugel, seinen Spiegel und zig andere Artefakte. Er wollte erst mal mit Geistern sprechen. Man muss ja klein anfangen. Und du sagst: „Pass auf, ich kann das.“ Die Abmachung ist: Ihr betet beide heftig.

Philipp: Wie betet man denn heftig?

Daniel: Dass die Engel die Weisheit zu John runtersenden. Und dann merkst du, dass sich etwas tut. Es kribbelt ein bisschen – und plötzlich siehst du in dieser Kristallkugel den Erzengel Uriel.

Philipp: Natürlich, wer kennt ihn nicht: Erzengel Uriel. Für Ariel hat es wohl nicht gereicht.

Daniel: Uriel sagt, John sei an die Grenzen des menschlichen Wissens gekommen und es sei Zeit, dass die Engel ihm helfen. Und sie wählen dich als Medium.

Philipp: Wie passend, dass ich gerade da bin. Hervorragend! Vielleicht gibt er mir das Geheimnis der Frischhalte-Pods.

Daniel: John ist natürlich begeistert. „Oh wow, guck mal, es funktioniert!“ Er kann es zwar nicht hören, aber du wiederholst quasi, was die Engel sagen. Er ist völlig aus dem Häuschen.

Philipp: Wie bescheuert muss sich das andere Medium angestellt haben, dass er darauf nicht reingefallen ist?

Daniel: Du merkst richtig: Oh, das war sehr anstrengend. Dieses Gespräch mit dem Engel, diese Energie…

Philipp: Ich würde sagen, ich muss mich aber erst mal auch finanziell auskurieren.

Daniel: Auf jeden Fall. Du sagst: „Oh, das hat mich so viel Energie gekostet, ich weiß nicht, ob ich das ein zweites Mal machen kann.“ Aber Geld könnte dich wieder aufladen.

Philipp: Absolut. Ich ernähre mich in erster Linie von Münzen. Kupfer ist super, aber ich nehme auch Papier. Das erzeugt so eine Symbiose, da fühle ich mich richtig gut.

Daniel: John hat beste Verbindungen zum Königshaus, das ist kein Problem. Wir haben viel Kupfer, Papier, Diamanten, Edelsteine… Geschmeide, wie man so schön sagt.

Philipp: Geschmeide und Seide! Oh ja.

Daniel: John bietet dir gleich an: „Komm, wohn doch bei mir! Zieh ein, bring Kind und Kegel mit.“

Philipp: Hab ich natürlich nicht, bin ja offenbar ein obdachloser Drogenjunkie.

Daniel: Nicht mehr! Jetzt bist du ein obdachvoller, arbeitsloser Drogenjunkie.

Philipp: Perfekt. Arbeitslos bin ich ja jetzt auch nicht mehr. Alle meine Probleme sind gelöst!

Daniel: Du ziehst bei ihm ein und er fängt an, dich zu bezahlen. Über die nächsten Wochen und Monate chillt ihr in dieser paranormalen WG. Du hast fast täglich Visionen von Erzengeln – Uriel, Michael, Gabriel. Die erklären dir, wie das Universum funktioniert. John schreibt alles nieder. Sie erzählen von den Elementen oder davon, dass Adam im Garten Eden die göttliche Originalsprache vergessen und dann eine Art Vorläufer des Hebräischen erfunden hat.

Philipp: Moment, was?

Daniel: Ja, das erzählen dir die Engel.

Philipp: Wahnsinn. Okay, der ist auch noch Linguist geworden.

Daniel: Dazu kommen wir noch. Am 26. März 1583 sagst du während einer Séance, dass die Engel dir ein Alphabet zeigen möchten. 121 Buchstaben lang. Die Engel sagen, das sei eine vereinfachte Form – quasi „Engel-Platt“.

Philipp: Oh, da hast du aber lange dran gesessen an dem Gag!

Daniel: Ja, die einfache Variante, damit ihr Menschen damit klarkommt.

Philipp: Verstehe. Gab es keine Option, das in ein normales Alphabet zu übersetzen?

Daniel: Nee, erst mal sind es nur Zeichen. Du schreibst sie auf Zettel und John kopiert sie in sein Tagebuch. Ein paar Tage später sagst du: „Die Engel haben ein Font-Update geschickt. Hier sind die richtigen Zeichen, die funktionieren besser und sind magisch.“

Philipp: Ah, natürlich. Das heißt, ich befinde mich langsam im Bereich von Sammelkarten. Gibt es die jetzt auch in Glitzer? Boosterpack gekauft!

Daniel: Du nennst das Ganze „Henokisch“. Das ist die Sprache der Engel.

Philipp: Das ist einfach ausgedacht, oder?

Daniel: Die Engel haben dir das alles gesagt! Ein paar Tage später diktieren sie dir ein ganzes Buch.

Philipp: Ein ganzes Buch? Dafür, dass es am Anfang nur für drei Sätze gereicht hat und ich danach fertig war… Dann werde ich mit Geld angefüttert und plötzlich diktieren die mir ein Buch. Als Finanzier würde ich langsam skeptisch werden.

Daniel: John ist begeistert! Die Engel diktieren das „Buch der göttlichen Sprache“. Es hat 98 Seiten und besteht aus Rastern – 49 mal 49 Zeichen. Wie Sudoku. Ein Rätselbuch. Die Engel sagen, das sei die Sprache, mit der Gott das Universum erschaffen hat. Und weil sie so mächtig ist, diktieren sie das erste Drittel rückwärts. Damit du oder John das nicht aus Versehen aussprecht und plötzlich mächtige Sprüche loslasst.

Philipp: Und was spricht dagegen? Ich wäre Gott, wenn ich das könnte! Kommt das zweite Drittel dann vorwärts oder seitwärts?

Daniel: Das zweite und dritte Drittel sind nicht so mächtig. Vielleicht stehen die nur im Glossar. Jedenfalls ist das sehr anstrengend.

Philipp: Kann ich mir vorstellen, ich muss mir dauernd neue Buchstabenfolgen ausdenken!

Daniel: John ist bereit, alles für dich zu tun: Mehr Geld, besseres Essen, Geschenke. Du wohnst in seiner WG, das ist ganz nett. Er scheint ja Asche zu haben. Aber es ist eigentlich eine Dreier-WG, denn John ist verheiratet. Seine Frau Jane ist in ihren späten Zwanzigern, John ist schon Mitte 50. Du schielst ab und zu mal auf Jane, aber du respektierst die Ehe.

Philipp: Außerdem habe ich ja meinen Draht zu den Engeln, das muss reichen. Gibt es bestimmt auch einen Bums-Engel, der was möglich machen kann.

Daniel: Dazu kommen wir noch. Oh Gott… Am 5. Mai 1583 hast du eine Vision: Eine Frau wird enthauptet und du siehst viele Schiffe auf dem Meer.

Philipp: Okay, das ist in der Geschichte schon 780-mal passiert.

Daniel: Du sagst aber, die Frau sei die schottische Königin und die Schiffe seien eine ausländische Bedrohung für England.

Philipp: Die Spanier! Es sind die Spanier. Ich weiß, dass es die Spanier sind.

Daniel: Diese Visionen zerren an dir. Deine Kräfte schwinden, du willst das alles nicht mehr. Aber John sagt: „Ach komm, ich kann noch ein bisschen mehr Geld organisieren.“

Philipp: Sicher, ich brauche das Geld ja dringend für… meine Versicherung!

Daniel: Ja, falls du bei den Séancen umkippst. Krankenversicherung bei der „London Manchester“. Die Engel sprechen bei den nächsten Séancen über eure Sünden.

Philipp: Schade, ich dachte, sie wollen über meinen Versicherungsschutz diskutieren.

Daniel: Du sagst: „Es ist Zeit auszupacken.“ Es stellt sich heraus: Du bist gar kein Medium. Du hast gelogen. Du bist nicht Edward Talbot, du bist Edward Kelley.

Philipp: Das ändert alles!

Daniel: Du sagst, du gehörst eigentlich zum irischen Adel und die Engel hätten dich geschickt, um John als bösen Dämonenfreund zu entlarven. Aber du hast festgestellt, dass John ein Guter ist, und hast ein gutes Wort für ihn eingelegt. Uriel ist überzeugt.

Philipp: Ah, jetzt verstehe ich! Ich war als Spion da und habe ihm jetzt die Absolution erteilt. „Uriel, das ist ein Guter, erzähl ihm alles.“ Logisch.

Daniel: Du erzählst noch mehr von dir: Geboren am 1. August 1555 um Punkt 16 Uhr. John erstellt sofort ein Horoskop für dich.

Philipp: Ich habe gehört, man soll sich fernhalten von Leuten, die einen fragen, um wie viel Uhr man geboren ist.

Daniel: Hätte er sich bloß von dir ferngehalten! Du sagst, du hättest in Oxford studiert, dann eine Apothekerlehre gemacht und danach als Notar gearbeitet. Später sagst du, du warst Anwalt.

Philipp: Erst Anwalt, dann Notar, dann Apotheker? Ich glaube, ich habe mich versprochen.

Daniel: Das sind die Engel, die geben dir so viele Informationen, da kommt man durcheinander. Aber John ist dankbar für deine Offenbarung. Ihr seid jetzt krasse Bros. Pech und Schwefel.

Philipp: Der John weiß, was er an mir hat. Und ich weiß endlich, was ich an ihm habe.

Daniel: Du sagst: „John, ich habe kurz mit den Engeln geplaudert, als du nicht dabei warst. Kennst du den Stein der Weisen?“ Damit könne man Metalle „erwachsen“ machen, so dass Silber und Gold daraus entstehen. Ein rotes Pulver.

Philipp: Klasse! Das hat man dann natürlich sofort versucht, nehme ich an.

Daniel: John ist gar nicht an Reichtum interessiert. Ihm ist nur Wissen wichtig. Jetzt weiß er, dass es geht, und das reicht ihm.

Philipp: Das ist wiederum blöd. Ich hätte da eine Marketingidee: Der Stein der Weisen als Badebombe! Wenn er mit Wasser in Berührung kommt, wird alles goldig.

Daniel: Du verschwindest für ein paar Tage und kommst mit einem Buch und ein bisschen rotem Pulver wieder. „Hier, Stein der Weisen!“

Philipp: Ich war auf dem Markt und habe Chili gekauft.

Daniel: Du sagst, mit Hilfe des Buches könntest du die Transmutation beherrschen. Du hättest das Zeug bei Northwick Hill ausgegraben – da sei jemand mit dem Buch und dem Stein beerdigt worden.

Philipp: „Juhu, ich hab’s!“

Daniel: Später heißt es, du hättest es einem Händler in einer Kneipe abgekauft. Aber John glaubt dir. Er fragt aber: „Haben die Engel was zur politischen Lage zu sagen? Turm von Babylon?“ Du bekommst sofort Kopfschmerzen. „Das ist kein Wunschkonzert hier!“

Philipp: Migräne! Es geht mir auf den Sack. Ich kriege einen Sack voll Kohle dafür, dass ich nichts tue, und dann stellt der auch noch Ansprüche!

Daniel: Du sagst, du überlegst aufzuhören. Du würdest lieber die Alchemie-Sache machen, das sei weniger anstrengend als die Engel. John erhöht sofort die Bezahlung. Dann geht es plötzlich wieder.

Philipp: Ein Wunder!

Daniel: Aber John merkt, dass sein eigenes Geld knapp wird. Er war lange nicht mehr am Hof, und die Krone hat kein Interesse an „Engel-Unfug“. Die sagen, das klingt nach Magie, und Magie mögen wir nicht.

Philipp: Niemand erwartet die spanische Inquisition!

Daniel: John bringt eines Abends einen polnischen Adeligen mit: Olbracht Laski.

Philipp: Ich dachte kurz, das wäre ein Getränk. „Olbracht Whisky“.

Daniel: John hat ihm erzählt, dass du Gold herstellen kannst. Olbracht ist hellhörig. Er sagt, er habe eine Chance auf den polnischen Thron und sei selbst eine Art Alchemist. Er lädt euch in sein riesiges Labor in Krakau ein und will euch beide finanzieren. Da John keine Kohle mehr hat, heißt es: Armutsmigration nach Polen.

Philipp: Das ging jetzt fix.

Daniel: Die Engel geben grünes Licht. Du musst Olbracht aber sagen, dass er sicher König von Polen wird.

Philipp: Sehr uneigennützig. Wichtig, dass das mal neutral mitgeteilt wird.

Daniel: John packt seine Frau ein, du den Krempel und die halbe Bibliothek. Ihr macht euch auf den Weg und kommt im März 1584 in Krakau an. Auf der Reise stellt sich heraus: Olbracht hat gar keine Chance auf den Thron. Er hat auch kein Anwesen und kein Labor. Er hat nur Schulden.

Philipp: Jetzt bin ich als Hochstapler einem Hochstapler aufgesessen? Das ist ja zweiter Stock vom Stapeln her!

Daniel: Ihr steht vor den Toren Krakaus: Mittellos, arbeitslos, obdachlos.

Philipp: Aber ich kann mit Geistern reden, das muss sich doch vermarkten lassen!

Daniel: Zum Glück ist gerade eine Frau in ihrer Wohnung gestorben. Ihr dürft da einziehen.

Philipp: „Wir tragen die Leiche kurz raus, dann könnt ihr rein.“ Was ist das denn?

Daniel: Du verfällst in eine krasse Trance und empfängst 48 Schriften. Die Engel senden die „Henokischen Schlüssel“ – der Rosetta-Stone für ihre Sprache. Du kannst jetzt simultan übersetzen.

Philipp: Ich habe den Skilltree geupgradet! Ich habe tatsächlich ein Alphabet erfunden. Kann nicht jeder von sich behaupten.

Daniel: Du gehst damit in Polen auf die Straße, aber es interessiert niemanden. Es ist ja auch alles auf Englisch.

Philipp: Schwierig. In Krakau im 16. Jahrhundert zu erwarten, dass die Leute Englisch sprechen.

Daniel: Du wirst wütend. John schreibt in sein Tagebuch, dass du die Engel als „Dämonen im Engelsgewand“ beschimpfst und die Schriften verbrennen willst. John hält dich auf: „Kaiser Rudolf II. in Prag fährt total auf Esoterik ab, wollen wir dahin?“

Philipp: Eine esoterische, mittelalterliche Drückerkolonne! Kaltakquise!

Daniel: Die Engel sagen: „Rudolf ist ein Sünder, aber er könnte euch unterstützen.“ Ihr kommt am 1. August 1584 in Prag an. John bekommt eine Audienz, du nicht. John kommt grinsend zurück. Er hat dem Kaiser aber nicht Alchemie verkauft, sondern ihm eine Standpauke gehalten, dass er weniger sündigen soll, sonst klickt Gott ihn vom Thron.

Philipp: Der verkackt es! Den können wir in der Drückerkolonne nicht gebrauchen.

Daniel: Du fasst dir an den Kopf. Du bittest John, noch mal wegen Alchemie zu fragen, aber die nächste Audienz ist erst in Monaten. Also gehst du selbst auf die Straße und veranstaltest Shows, in denen du aus Blei Gold herstellst.

Philipp: Wieviel Farbe brauche ich dafür?

Daniel: Es ist echtes Gold, das am Ende im Topf bleibt – es war aber vorher schon welches drin. Ganz Prag ist begeistert, auch der Kaiser bekommt Wind davon. Er will jetzt wissen, was mit dem „Goldjungen“ ist. Aber John faselt bei der Audienz wieder nur von Buße.

Philipp: Immer dieser Spielverderber!

Daniel: Dann kommt Germanico Malaspina ins Spiel, der päpstliche Gesandte. Du bist mit ihm aneinandergeraten, ihr hättet euch fast geprügelt. Er findet deinen okkulten Scheiß schrecklich.

Philipp: Da habe ich Verständnis für. Also für den Nuntius.

Daniel: Germanico sagt dem Kaiser: „Das sind Ketzer, die betreiben Magie!“ Am 29. Mai 1586 unterschreibt Rudolf eure Ausweisung. Ihr habt sechs Tage Zeit.

Philipp: Das Bizarrste ist, dass der Vertreter der katholischen Kirche hier am sinnvollsten agiert.

Daniel: Ihr geht zurück nach Krakau in eure alte Wohnung, aber die ist besetzt. Es gibt einen Rechtsstreit, den ihr gewinnt. Kaum seid ihr wieder drin, heißt es: Der Kaiser hat es sich anders überlegt, ihr dürft zurück ins Reich.

Philipp: Völliger Quatsch.

Daniel: Der Kaiser schickt euch nach Trebon zu Graf Wilhelm von Rosenberg, einem riesigen Unterstützer der Alchemie. Dort wirst du zum Star. Du stellst Gold aus Quecksilber her. John guckt zu und kann es sich nicht erklären.

Philipp: Der John ist sowieso blind.

Daniel: Wilhelm schenkt dir Landgüter, Dörfer, Mühlen und Brauereien.

Philipp: Jetzt ist der Weg einfach! Ich nehme Steuern in Münzen ein, schmelze sie ein, mache Gold draus und sage: „Hier, ich hab Gold gemacht!“

Daniel: Du kaufst zwei Luxusvillen in Prag und lebst das Jetsetter-Leben. Du bist ständig auf Elite-Partys. In einem Wirtshaus triffst du Jiri Hunkler, einen kaiserlichen Beamten. Ihr könnt euch nicht leiden, es fließt Alkohol, die Stimmung kippt. Es kommt zum Handgemenge – und deine Mütze fällt dir vom Kopf.

Philipp: Und da ist Gold drin?

Daniel: Nein. Alle starren dich an und sehen: Du hast keine Ohren. Nur zwei Löcher. Es ist eine Verstümmelung.

Philipp: Mir sind mal die Ohren abgeschnitten worden?

Daniel: Das hat man damals gemacht, um Betrüger zu markieren. Jiri schreit: „Warum versteckst du deine Ohren? Bist du ein Betrüger?“ Es werden Schwerter gezogen, es kommt zum Duell. Das ist illegal und darauf steht die Todesstrafe. Du bringst ihn um.

Philipp: Oh je. Dann ist es eh egal.

Daniel: Du gehst nach Hause und siehst einen Berg Briefe von der Queen. Sie will dich unbedingt sehen.

Philipp: Ich habe einen ganz dringenden Termin in London!

Daniel: Die Queen verspricht, dich für deine früheren Taten nicht zur Rechenschaft zu ziehen. Du hattest nämlich früher Münzen gefälscht – Hochverrat. Man hatte dir die Ohren abgeschnitten, aber bevor sie den Kopf abnehmen konnten, bist du als „Edward Talbot“ untergetaucht.

Philipp: Da werden sie mich nie suchen!

Daniel: Aber bevor du fliehen kannst, stehen kaiserliche Wachen vor der Tür. Du wirst verhaftet und in den Kerker geworfen. Nicht wegen des Duells, sondern weil der Kaiser endlich das versprochene Gold sehen will. Er lässt dich am Leben, in der Hoffnung auf das Geheimnis.

Philipp: Na ja, wie einfach ist das denn, zu fliehen?

Daniel: Du hast eine Wache, mit der du quatschst. Du versuchst nicht ihn zu bestechen, sondern bittest ihn, eine Nachricht an John Dee nach London zu schicken. John zeigt der Queen eine Probe deines „roten Pulvers“. Sie schickt Agenten, die den Wärtern Opium ins Getränk mischen. Ein Prison Break!

Philipp: Sylvester Stallone ist zurück!

Daniel: Du schleichst dich raus, kletterst auf die Burgmauer und willst dich an einem Seil abseilen. Aber das Seil ist zu kurz. Du hängst in der Luft.

Philipp: Das ist die Minimalüberlegung! Wie lang ist das Seil?

Daniel: Du fällst, brichst dir das Bein so fies, dass man es amputieren muss. Du kriegst ein Holzbein und landest wieder im Kerker.

Philipp: Ach Gott, auch das noch.

Daniel: Du versprichst dem Kaiser wieder alles und schreibst ein Buch mit dem Titel „Der Stein der Weisen“. Rudolf sagt aber: „Du wirst diesen Kerker niemals verlassen.“ Weihnachten 1597 wartet deine Frau mit einer Kutsche vor der Mauer. Du versuchst, durch ein Abort-Erker – also das Plumpsklo – zu entkommen.

Philipp: Ich kann mir ja nur noch ein Bein brechen.

Daniel: Du fällst und brichst dir so viele Knochen, dass du nur noch wie eine atmende Ruine aussiehst. Deine Frau ruft die Wachen, damit sie dir helfen. Du stirbst kurz darauf mit 42 Jahren. Entweder an den Verletzungen oder durch Gift, das du deine Frau gebeten hast, dir zu geben.

Philipp: Da wären noch zehn gute Jahre im Tank gewesen! Aber wer aus Plumpsklos springt, darf sich nicht wundern.

Daniel: John Dee stirbt übrigens 1609 in Armut. Seine Bibliothek wurde geplündert, er bekam seinen Job bei der Queen nicht zurück, weil ihn alle für einen Scharlatan hielten – Kontaktschuld wegen dir.

Philipp: Die Mützenträger, die sind die Gefährlichen! Hütet euch vor Mützenträgern.

Daniel: Schönes Schlusswort. Dankeschön, Philipp. Bis zum nächsten Mal.

Philipp: Tschüss!

Kommentar verfassen