Transkript zur Episode: Messing-Madness
Philipp: Hallo Daniel.
Daniel: Hallo Philipp.
Philipp: Wie ich schon angekündigt habe, sind wir heute sehr nah daran, wo wir beim letzten Mal waren.
Daniel: Sehr schön. Ich find’s auch sehr schön, dass deine Episode einfach genauso anfing wie meine zuletzt.
Philipp: Ja, absolut. Wir sind echt nicht weit weg, und heute ist ein ganz besonderer Tag, Daniel.
Daniel: Heute ist der 1. April.
Philipp: Oh ja, stimmt ja, du warst ja… ja, natürlich ist es das. Ich bin sowas von bereit. Heute ist der 1. April, und das bedeutet: Wir haben eine Folge, in der ein Streich gespielt wird.
Daniel: Wann wurdet ihr das letzte Mal n Streich gespielt?
Philipp: Zum 1. April, weißt du das noch?
Daniel: Oh, ist aber schon lange her. Also ja klar, natürlich irgendwie. Da hat mir jemand irgendwas gesagt und gesagt “oh, stimmt gar nicht”, so verarscht – aber das ist kein Streich, also ein richtiger Streich ist schon lange her bei mir.
Philipp: Ich bin mal gespannt, ob du – also ich glaube, einen Streich von dem Ausmaß, wie wir ihn heute haben, hat es selten gegeben. Also ich glaube, die Bedeutung dieses Streichs sucht international ihresgleichen.
Daniel: Also große Worte, ne. Für gut, wir hatten ja damals das Streichquartett, wir hatten natürlich den Vulkanausbruch, ja, ich bin sehr gespannt, wo das jetzt hingeht.
Philipp: Heute hätten wir fast die Vereinigten Staaten von Amerika gekillt. Insofern, wir warten mal ab, was so passiert.
Daniel: Ich, my body ist ready.
Philipp: Dein Body ist ready, und das dachtest du dir auch, als du damals aus dem Body von deiner Mutter kamst. Und zwar im Jahr 1540.
Daniel: Stark. Stark.
Philipp: Wir sind in 1540 in England, und zwar in Crowndale.
Daniel: Wo ist Crowndale?
Philipp: Crowndale ist im Südwesten von England, England hat ja diesen südwestlichen Zipfel, der so n bisschen nach unten links rausgeht. Auf der Weltkarte kann man das so n bisschen sehen, da unten in diesem Zipfel ist Plymouth, die Hafenstadt, und ein bisschen nördlicher davon ist Crowndale, und zwar die Stadt Tavistock. Die gibt es auch heute noch, Crowndale, so richtig weiß man nicht, wo das jetzt ist. Da Dartmoor, das ist dann so ne Sumpflandschaft, auf jeden Fall wirst du da geboren in diesem Südwesten von England.
Daniel: Ich, ich glaub, Plymouth ist ja eh schon sehr sehr gerne für so Cthulhu-Geschichten verwendet, und alles, Crowndale und alle diese Worte, die du da gerade verwendet hast, die klingen alle so, als kommt gleich irgendwas aus dem Wasser und frisst Menschen, weil sie verrückt geworden sind.
Philipp: Beim Wasser sind wir gar nicht so weit weg, denn wer dort groß wird, der hat natürlich mit dem Wasser auch zu tun, denn man ist ja dann doch sehr nah am Meer, und wir beginnen deine Geschichte dort. Wir beginnen heute noch eine weitere Geschichte. Also wir haben heute 2 Protagonisten, ausnahmsweise, weil sich unsere Geschichte über ziemlich genau 430 Jahre streckt. Insofern werden wir in mehreren Epochen unterwegs sein.
Daniel: Du haust wieder raus hier. Ich seh schon.
Philipp: Wir sind in Tavistock, und dort wirst du geboren. Nicht nur du, sondern auch noch deine 11 Brüder und Schwestern. Große Familie damals im 16. Jahrhundert, aber gar nicht so unüblich. Und deine Eltern taufen dich auf den Namen Francis. Da dein Bruder Thomas von deinem Vater Edmond als Erbe vorgesehen war, obwohl du der älteste Sohn warst, wusstest du: Es gibt nichts zu holen, ich hab nirgendwo was zu erben, und musstest relativ schnell und relativ jung bereits dich darum kümmern, irgendwie über die Runden zu kommen. Das heißt, du musstest sehr früh anfangen zu arbeiten.
Daniel: Was bedeutet sehr früh?
Philipp: Mit 13.
Daniel: OK, also hat ja gut – Zeitung austragen hab ich auch mit 13 gemacht, das ist alles im Rahmen.
Philipp: Ja, aber wir reden über einen Fulltime-Job, weil im 16. Jahrhundert gibt es noch keine Schulpflicht. Dein Vater, der als Pastor arbeitet, bringt dir zwar lesen und schreiben bei, aber mit 13 Jahren geht es dann für dich aus dem elterlichen Haushalt dann auch schon relativ schnell raus, denn du musst dich um dich selbst kümmern. Was wird man im Südwesten Englands in dieser Zeit?
Daniel: Weiß nicht, Engländer bleiben, weiß nicht. Seemann, natürlich.
Philipp: Wir haben’s schon, ja, OK.
Daniel: Ja, ja, gut, ich dachte, das war zu einfach. Ich dachte, jetzt gerade kommst du mit irgendwas, ich denk schon wieder, das ist kompliziert, nicht Alchemist.
Philipp: Du beginnst damals mit 13 Jahren als Schiffsjunge, machst so Aushilfstätigkeiten auf Schiffen, du entlädst Schiffe, du belädst Schiffe, du kletterst in irgendwelche Ecken, wenn es was zu dübeln gibt oder so, arbeitest dich mehr oder weniger hoch, wirst etwas später Matrose und darfst dann sogar Steuermann werden. Nach gewisser Zeit darfst du also auch mal am Ruder drehen. In den nächsten Jahren, in deinen heranwachsenden Jahren, machst du dir einen ganz guten Namen in Südengland, und das ist natürlich auch so ein bisschen dein Vorteil, weil du eben quasi alleine dort bist.
Daniel: Nimmt dich der Schiffsmeister so ein bisschen unter seine Fittiche?
Philipp: Der hat sich nämlich gedacht: Mensch, sind das viele Schiffe hier, fast dreimal so viele wie meine paar Schiffe. Und der sah in dir so n bisschen sowas wie nen Adoptivsohn.
Daniel: OK.
Philipp: Ja, so n bisschen so n Ziehvater, und der hat dir auch beigebracht, wie man navigiert, zum Beispiel auch in der Nacht bereits, oder wie man anhand des Horizonts abschätzen kann, in welche Richtung man fährt, wie man sich mit dem Wind bewegt – also du lernst sehr, sehr viel über die Schifffahrt.
Daniel: Sagen wir, das ist es. Klingt auf jeden Fall nach einer ordentlichen Ausbildung, ne, da muss man ja schon n bisschen Grips mitbringen, und ja, es klingt definitiv nach etwas, was jetzt nicht jeder kann.
Philipp: Genau, genau so ist es, und du bist also in deinem jungen Alter – du bist jetzt etwa 20, schon bestens ausgebildet, das muss man überhaupt sagen.
Daniel: Hab ich noch 20 Jahre, so in der Regel ist überhaupt bis dahin zu schaffen. War damals schon viel wert.
Philipp: Ja, das stimmt auch, ja. Wir sind also jetzt 1560, und der Schiffsmeister verstirbt.
Daniel: Ja, Scheiße, ja, werd ich jetzt der Schiffsmeister?
Philipp: Genau so ist es. Er vermacht dir sein Schiff, also das, was dein Vater dir nicht vererbt hat, nämlich Haus und Hof, vererbt dir jetzt dieser Schiffsmeister. Du hast jetzt also n Schiff, es ist 1560, du hast n Schiff, die Welt steht dir offen – du hast aber auch vor allem n Problem. Denn ganz so offen ist die Welt dann doch nicht, denn du darfst mit dem Schiff nicht mehr England verlassen, zumindest nicht auf der Route, wie du es bisher getan hast. Du hast dieses Schiff immer gesteuert, denn du hast eine ziemlich klassische Handelsroute bedient, so in so einem Dreieck: Plymouth, dann französische Kanalküste, Niederlande und wieder zurück.
Daniel: Also quasi der Hinterhof.
Philipp: Genau, also wirklich jetzt nichts Großes, aber eben Nordsee, n bisschen rumgefahren.
Daniel: Mama sagt, geh nicht zu weit weg, ne, wenn die Lichter ausgehen, kommst du nach Hause, und du sollst in Rufweite sein.
Philipp: So ist es, ganz, ganz simpel eigentlich. Jetzt gibt es aber ein Problem, denn es gibt die Spanier. Wir haben da beim letzten Mal bereits drüber geredet: Spanien und England damals – ein bisschen, sagen wir mal, mäßig grün gegenseitig.
Daniel: Ja, Meinungsverschiedenheiten hatten sie.
Philipp: Genau, sie hatten Meinungsverschiedenheiten vor allem über religiöse Fragen, und da kommen wir ja her, gerade die Reformation, quasi durch oder in vollem Gange, mehr oder weniger im Prozess, der ja länger lief, und die Spanier sagen: Also liebe Leute, was ihr da – ihr fahrt da nach Holland, da wohnen doch nur so komische Leute, die wollt ihr alle missionieren, zum Protestantismus bekehren – Seeblockade, machen wir nicht mit. Holland ist ab jetzt Sperrzone, schön, und ja, damit ist deine Handelsroute im Arsch.
Daniel: Sagen wir es mal so.
Philipp: Das stimmt. Also da ist nicht mehr viel zu handeln, da muss man doch jetzt handeln.
Daniel: Da muss man jetzt definitiv handeln.
Philipp: Und du hast das große Glück, dass dein Vetter, also dein Cousin, würde man heute sagen, John Hawkins, ebenfalls im Geschäft ist. Und ihr tut euch zusammen, und du verkaufst dein Schiff und trittst quasi bei ihm so ein bisschen der Flotte bei. Und fährst auf diesem Handelsschiff deines Vetters beispielsweise nach Spanien und bist dann quasi in den Gewässern, jetzt ein bisschen größer, ein bisschen weiter darüber hinaus, unterwegs. Und damals war es so, dass durch dieses spanische Embargo, durch diese Seeblockade, eine Gegenreaktion gesucht wurde seitens der Briten. Man hat sich gefragt: Was können wir machen, um den Spaniern quasi zu sagen, liebe Leute, so geht es nicht, das lassen wir mit uns nicht machen – und hier kommen wir jetzt wieder zu Queen Elizabeth der Ersten.
Daniel: Ach schön. Ja, die wird gut beraten, glaub ich, zu dieser Zeit.
Philipp: Die wird sehr gut beraten zu dieser Zeit, und die wird beraten, eine Sache umzusetzen, die die Spanier schwächen soll. Und zwar werden an die Handelsschiffe der Engländer, die so durch die Gewässer reisen, Kaperbriefe verteilt.
Daniel: Was ist n Kaperbrief in dem Kontext?
Philipp: Ein Kaperbrief erlaubt dir, mit dem Siegel der Majestät, Schiffe, die unter einer anderen Flagge segeln, in Besitz zu nehmen.
Daniel: Ah okay, ja, ja, das macht Sinn, alles klar, also quasi den Freifahrtschein für – erstmal nur belagern?
Philipp: Nee, du darfst die auch im Zweifel auch wegmetzeln, wenn die sich wehren.
Daniel: OK, ich hab jetzt aber eher ans Plündern gedacht, also im Sinne von: du kannst die kapern, und quasi musst du die dann an die eigenen Port schippern und dann sagen, pass auf, hier, wir haben die gefangen – oder darfst du die direkt plündern? Weil das ist ja jetzt immer die Frage: Gehört es der Krone, gehört es dir?
Philipp: Es gibt beide Varianten. Natürlich muss es sich auch für die Leute lohnen, die da ihr Leben aufs Spiel setzen, deswegen machst du da natürlich auch n bisschen Kasse mit, aber natürlich auch die Krone, die das dann entsprechend auch bekommt. Und die Schiffe werden dann häufig natürlich auch in die britischen Häfen zurückgefahren und sind damit natürlich auch Beute, die was wert ist, weil jedes Schiff, das du im Hafen stehen hast, brauchst du nicht zu bauen. Das ist richtig in dieser Zeit, wo du unterwegs bist und mit deinem Kaperbrief kaperst – als Pirat quasi kann man ja sogar sagen, ja, quasi von der Krone ausgesendeter Pirat.
Daniel: Sind das die Privateers im Englischen, kann das sein?
Philipp: Ja, es sind Privateers, ha. Die mit der Erlaubnis der Krone Piraterie betreiben im Endeffekt, ne. In dieser Zeit lernst du im Übrigen auch James Lovell kennen. James Lovell ist ein anderer Kapitän.
Daniel: Dann hab ich auch schon mal gehört.
Philipp: Bei dem du Offizier wirst. Und so geht es für dich und James Lovell am 9. November 1566 auf eure erste, etwas größere Reise. Ihr fahrt mit eurem Schiff nämlich auf die Kapverden, die Kapverden, Westküste Afrikas, Inselgruppe. Ihr fahrt dorthin, ihr kapert auf dem Weg n paar spanische und portugiesische Schiffe, die euch so unterkommen.
Daniel: Ihr seid ganz gut ausgestattet, sag ich jetzt mal.
Philipp: Gekapert werden da Dinge.
Daniel: Ja, gekapert werden, was ihr dann macht, ist allerdings – also bis jetzt ist das ja n ziemlich cooler Lifestyle.
Philipp: Ja, bis jetzt ist das ja n ziemlich cooler Lifestyle, du fährst mit deinem Schiff über die See und kaperst andere Schiffe, und so, super.
Daniel: Im Endeffekt ist das schon so, fast – ja, fast.
Philipp: Mit, mit, ja.
Daniel: Wieso ein Freifahrtschein? Im Endeffekt ne, so ein Freifahrtschein fürs Brandschatzen im Endeffekt, vielleicht nicht Brandschatzen selbst, aber du darfst schon einiges machen, glaube ich.
Philipp: So ist es. Was ihr jetzt macht, ist aber eher die Kategorie uncool. Denn wir befinden uns – muss man vielleicht ganz kurz noch dazu sagen – wir befinden uns in einer Zeit, wo die Spanier schon Mittel- und Südamerika besiedelt haben. Nordamerika ist zwar entdeckt, aber noch nicht besiedelt, aber Mittel- und Südamerika sind durch die Spanier bereits besiedelt, und wir befinden uns auch schon in der Zeit, wo im ganz großen Stil afrikanische Sklaven in die Karibik verschifft werden. Das ist im Moment ein Monopol der Spanier. Die Spanier sind die einzigen, die das quasi dürfen, Sklaven, die nicht von Spaniern angeliefert werden, dürfen eigentlich in den Häfen Süd- und Mittelamerikas nicht verkauft werden.
Daniel: Also es ist ganz schön lukrativ für die Spanier.
Philipp: Es ist ganz schön lukrativ für die Spanier, wobei es im Prinzip – also es ist linke Tasche, rechte Tasche, weil da sind ja auch Spanier am Ende, ne, ja.
Daniel: Ja, ja klar, aber ich meine, im Endeffekt ist es im Endeffekt kostenlose Workforce für die Spanier.
Philipp: Daher ist das für die so oder so Win-Win, was wer da alles hinten runterfällt, brauchen wir nicht drüber reden, ne.
Daniel: Ja, für die Sklaven ist es eher ne Loose-Loose-Situation, und ihr wollt dieses Embargo, dass nur Spanier das dürfen, brechen.
Philipp: Ihr wollt nämlich gerne Süd- und Mittelamerika n bisschen destabilisieren und denkt euch: Na ja, gut, Spanier, ja, die scheiß Spanier, dem zeigen wir aber, wir können das auch so, und vielleicht kauft uns ja einer in Südamerika oder Mittelamerika die Sklaven ab und bricht das Embargo der spanischen Krone.
Daniel: Das heißt, wir sprechen einfach von – es ist immer so blöd, ich meine, das war ja damals nichts als Ware, ne, aber wir sprechen jetzt von Sklaven, die halt unter der Krone irgendwie aufgegabelt, eingekauft wurden, wie auch immer, und die nehmen die einfach mit und schippern die dann nach Südamerika, ja.
Philipp: Ja, ihr seid – es ist ganz einfach: ihr seid auf die Kapverden gefahren, habt 250 Leute gefangen und seid abgefahren.
Daniel: Ja, gut wär’s, wär’s nicht so traurig, hätt ich jetzt gesagt: Ja, du schmeißt mal einfach so n Netz über die Insel – aber, ja, der Joke, muss kurz eine popkulturelle Referenz machen. Das kann doch jetzt wohl nicht wahr sein, da brauch ich einmal schnell was, und dann krieg ich’s nicht. Das ist bei uns allen so, Philipp.
Philipp: OK, hier – je älter du bist, desto länger dauert’s. Das ist doch nicht richtig.
Daniel: Ah doch, auch das. Die galaktische Republik wird von Unruhen erschüttert, die Besteuerung der Handelsrouten zu weit entfernten Sternensystemen ist der Auslöser. In der Hoffnung, die Angelegenheit durch eine Blockade mit mächtigen Kampfschiffen zu beseitigen, hat die unersättliche Handelsföderation jeglichen Transport zu dem kleinen Planeten Naboo eingestellt. Während der Kongress der Republik endlose Debatten über diese beunruhigende Kette von Ereignissen führt, entsandte der oberste Kanzler insgeheim 2 Jedi-Ritter, Wächter des Friedens und der Gerechtigkeit, um den Konflikt beizulegen. Francis – und wie heißt der andere, James, James?
Philipp: Sie meinen die Jedi-Ritter?
Daniel: Jawoll.
Philipp: Einer von den beiden ist Liam Neeson.
Daniel: Ich finde, Francis müsste Liam Neeson sein.
Philipp: Sehr schön. Ja, die Geschichte wiederholt sich, ne.
Daniel: Geschichte wiederholt sich, Star Wars Episode 1 ist wirklich hier vorhanden.
Philipp: Ihr fahrt also rüber nach Kolumbien mit euren kapverdischen Sklaven, ihr verkauft sie auch, aber der Zahlmeister vor Ort weigert sich, euch zu bezahlen, weil das darf er nicht.
Daniel: OK, ja gut, er hat seine Regeln, also Richtlinien.
Philipp: Klar.
Daniel: Tja, also, was mach ich jetzt mit 250 Mann?
Philipp: Seid ihr schon los? Die habt ihr schon – ihr habt die schon verkauft, ihr kriegt nur die Kohle nicht.
Daniel: Ach, das macht es ja noch schlimmer.
Philipp: Ja, genau, jetzt hab ich’s – hm, schwierig.
Daniel: Das ist wirklich schwierig.
Philipp: Ihr denkt euch: Scheiße, Spanier, ja, gr, Spanier, das lassen wir nicht auf uns sitzen, ihr fahrt wieder zurück und fahrt nach Sierra Leone und holt noch mal 250 und versucht es woanders.
Daniel: Ey, es ist so traurig, schon wieder.
Philipp: Diesmal versucht ihr es in Venezuela und auf Dominica.
Daniel: Weißt du, es ist einfach – wir hatten ja den Timothy Dexter, der seine Bratpfanne da irgendwie an irgendwelche Leute vertickt hat und irgendwelche Handschuhe, so fühlt sich das gerade an, wenn du das so erzählst, ne, aber ja, keiner möchte die Bratpfanne sein.
Philipp: Wir kommen zur Bratpfanne jetzt, denn es will wieder keiner eure Sklaven haben. Es sagt wieder jeder: Nee, Leute, ihr seid keine Spanier, geht nicht.
Daniel: Natürlich nenn ich mich jetzt Franco statt Francis, mit so nem Schnäuzer, mit so nem Zwirbelbart. Ja, ich bin Franco hier, meine Sklaven.
Philipp: Ja, aber das funktioniert leider auch nicht. Du legst dich auf das fest, was die Engländer halt am besten können: Du stellst dich in den Hafen und beschießt das Haus des lokalen Gouverneurs.
Daniel: Oh, OK, das klingt – weißt du, du hast das letzte Mal gesagt, dass meine Story wieder so ne Sidequest irgendwo geklungen hat. Das, was du jetzt machst, klingt ja von Monkey Island.
Philipp: Du feuerst von deinem Schiff auf das Haus des Gouverneurs. Im Übrigen hieß der damals Miguel de Castellanos, und er sagte dann irgendwann: Ja, okay, aufhören, ich kauf dir…
Daniel: Mit so einem Megafon am besten: Weißt du was, okay, ich nehm sie. So ne kleine weiße Fahne, ja.
Philipp: Ja, Miguel. Lief nicht so. Du versuchst es weiter, bist mittlerweile sogar mit 2 Schiffen unterwegs, die Sklaven geladen haben, und einen Monat später geht es für dich nach Santa Marta, und dort macht ihr es auch sehr, sehr geschickt: Nämlich dein Kollege Hawkins stellt n paar Soldaten an Deck, die holen ihre Musketen raus, feuern einfach einmal in die Luft, und die anderen haben so ne Sorge, dass jetzt die Engländer einmarschieren, dass sie sagen: Na gut, OK, wir kaufen noch mal 110 Sklaven.
Daniel: Ist das die “Letzte-Preis”-Variante von 1500, weiß ich, 80?
Philipp: Ja, das ist überhaupt nicht “letzter Preis”, das ist einfach nur eine Kaufpflicht, durchinstalliert, ja. 57 Sklaven habt ihr noch, ihr versucht es in Cartagena loszuwerden, klappt nicht – ich weiß ehrlicherweise nicht, wie ihr sie sonst losgeworden seid, ich halte es für denkbar, dass ihr die einfach ausgesetzt habt.
Daniel: Ja, die Orte sagen mir jetzt nicht so viel, also wir befinden uns weiterhin irgendwie alles Südamerika?
Philipp: Südamerika, OK.
Daniel: Mhm, alles Südamerika, also…
Philipp: Cartagena ist zum Beispiel Kolumbien, ist ne Stadt in Kolumbien, wir befinden uns ja immer auf der nördlichen bis östlichen Seite Südamerikas, also nicht auf der Seite, wo wir Peru und Chile haben, sondern auf der anderen Seite: Brasilien, Venezuela, Kolumbien, insbesondere Venezuela, Kolumbien, und dann Mittelamerika, ja, und eben sowas wie die Antillen oder sowas.
Daniel: Also so dieser Karibikbereich halt da, ja.
Philipp: Ja, natürlich.
Daniel: Das macht natürlich voll Sinn, weil das erreichbar ist, und ja.
Philipp: Ja, und damals auch eben nicht so weit. Ne, also wenn du zum Beispiel nach Argentinien willst, dann musst du noch richtig viele Kilometer da unten runter, bis du an Kap Horn bist.
Daniel: Und das war dir zu weit zu seiner Zeit. Macht ja auch Sinn, du musst ja auch die Leute, die du dabei hast, irgendwie am Leben halten, wenn du sie verkaufen willst.
Philipp: Richtig, und das kostet alles Geld und Nahrung.
Daniel: Ne, Proviant, du bist unterwegs mit deinem Schiff – mittlerweile ist es ein anderes Schiff?
Philipp: Es ist nicht mehr dein ursprüngliches Schiff, das hast du ja verkauft, das ist die Judith, und dein Cousin Hawkins ist unterwegs auf dem wunderschön benannten Schiff Jesus of Lübeck.
Daniel: Jesus of Lübeck? Die… Jesus of Lübeck. Oder war es Rhesus?
Philipp: Nein, es war nicht Rhesus, weil das Schiff war damals tatsächlich von der Hanse gekauft worden, also von den Deutschen.
Daniel: Ah ja, der gute Jesus von Lübeck.
Philipp: Der gute Jesus von Lübeck, im Prinzip ganz genau. Ihr habt also erfolgreich geschafft, mit mehr oder minder redlichen Mitteln eure Sklaven zu verkaufen in Südamerika und wollt zurück nach England. Ihr kommt allerdings in einen ganz, ganz schweren Seesturm, natürlich, Karma kickt rein, und ihr landet in San Juan de Ulúa – da sind wir in Vera Cruz, okay, Vera Cruz, kurzer Checkup: Mexiko, Golf von Mexiko, Hafenstadt, absolut zentraler Atlantikhafen von Mexiko, und dort legt ihr an, und dort ist ein spanischer Hafen, und ihr kommt dort an, und dort ist der stellvertretende Gouverneur Martín de Marcana. Und zufälligerweise warten die auf den Vizekönig von Spanien, Martín Enríquez de Almansa.
Daniel: Wissen wir das?
Philipp: Ihr erfahrt das, als ihr dort ankommt.
Daniel: Okay.
Philipp: Denn die bereiten dort gerade den ganz großen Bahnhof vor und haben jetzt eigentlich überhaupt gar keine Zeit dafür, dass da irgendwelche Engländer kommen, die sagen: Liebe Leute, dürfen wir bitte unser Schiff hier reparieren, wir sind zwar Feinde, aber wir kommen sonst nicht mehr nach Hause.
Daniel: Also ich sehe da viele Möglichkeiten, die man jetzt aus dieser Situation nutzen könnte.
Philipp: Aus welcher Sicht jetzt, aus der Sicht der Spanier oder aus der Sicht der Engländer?
Daniel: Aus der Sicht der Engländer – also wir hatten ja schon mal, wenn Leute jemanden erwarten, das war, glaub ich, sogar beim Streichquartett: Wenn Leute jemanden erwarten und gegebenenfalls vielleicht nicht mal wissen, wie die Person aussieht, da kann man ja einiges drehen, nur so n Gedanke.
Philipp: Das ist richtig. Hawkins, als der Kapitän quasi der Flotte – du bist ja nur sein Offizier – Hawkins als Kapitän macht nen Deal mit den Spaniern, und zwar den Deal: Passt auf, wir nehmen euch hier keinen Platz weg, ihr legt an, wir machen nichts, ihr kriegt auch n paar spanische Geiseln, die wir quasi aufgegriffen haben, als wir die Schiffe geplündert haben, die kriegt ihr zurück, wir tauschen die quasi aus. Dafür dürfen wir unsere Schiffe reparieren, und ihr könnt da unbehelligt euren Vizekönig empfangen, und wir stören das nicht.
Daniel: Ja, okay, das ist die einfache Variante und die eigentlich faire Variante.
Philipp: Das ist die faire Variante. Aber die Spanier haben sich nicht dran gehalten, sie haben es zugesagt, aber sie haben sich nicht dran gehalten, die kamen mit 120 Soldaten und haben in der Nacht plötzlich aus allen Rohren gefeuert.
Daniel: Schweine, Spanier, gr.
Philipp: Und die Jesus of Lübeck wird versenkt.
Daniel: Oh nein.
Philipp: Zum Glück habt ihr noch n drittes kleines Schiff dabei, nämlich die sogenannte Minion. Die Minion und die Judith können entkommen, die beiden, während der Jesus noch mal getauft wird.
Daniel: Der Jesus wurde richtig getauft?
Philipp: Aber wer auch getauft worden ist, ist das spanische Admiralsschiff, mit dem quasi der Vizekönig gekommen war – was auch über 30 Spanier den Tod gekostet hat. Also insofern – nein, das Leben gekostet hat, nicht den Tod, das hat sie das Leben gekostet – ihr könnt fliehen, Hawkins auf dem einen Schiff, du an Bord deines Schiffes, und kommt dann im Januar 1569 zurück nach England. Ihr seid insgesamt dann noch irgendwie so n knappes Dutzend Besatzungsmitglieder, die noch übrig sind – als ihr losgefahren seid, waren es mal 408.
Daniel: Ja, das sind nicht so viele Leute.
Philipp: Und all die, die in Vera Cruz in diesem Gefecht gelandet waren und das überlebt haben, die landeten – und deshalb sprach ich in der letzten Folge regelmäßig davon – bei dem, von dem man niemals erwartet, dass sie kommen, nämlich bei der spanischen Inquisition.
Daniel: Sehr schön. Oder auch nicht.
Philipp: Für dich ist das aber ne Zäsur in deinem Leben. Also es ist n ganz besonderer Moment, weil du bist jetzt hart eingestellt auf eine einzige Agenda für den Rest deines Lebens.
Daniel: Ja, töten. Gr, Spanier, ja. Also ganz ehrlich, die haben mein Schiff versenkt – oder nicht ganz meins, aber ja, doch – die haben mich verarscht, also das ist ja Rache, also Rache ist Blutwurst, sowas von.
Philipp: Aber hallo, insbesondere der Vizekönig Martín Enríquez de Almansa – ich hab schon von ihm gesprochen – und der König, witzig, toller Königsname, Philipp der Zweite. Die findest du beide dermaßen scheiße, dass du dir sagst: Wir machen ab jetzt den Spaniern alles streitig und kaputt, was nur irgendwie geht.
Daniel: Oh, ich finde, und jetzt fangen nämlich die guten Geschichten an im Leben eines Protagonisten bei Heldendumm.
Philipp: Du wendest dich der Freibeuterei zu.
Daniel: Ah ja, also nicht mit Privet hier.
Philipp: 1570 geht es für dich los, und du fährst in diversen Konstellationen mit diversen Flotten in die Karibik und versenkst und plünderst alles, was dir unter den Nagel…
Daniel: Rollt? Jetzt aber, Brandschatzen?
Philipp: Es wird hart gebrandschatzt, ja, aber es kommt das Jahr 1577, 7 Jahre hast du geplündert und gebrandschatzt, was das Zeug hält. Du bist da rumgefahren, du kennst alles, du warst überall, die Spanier sind aber noch weiter, die sind ja im Inland quasi, die kommen ja – wenn du so Südamerika vor dir siehst – die sind ja quasi, also auf so einer klassischen Landkarte, rechts gelandet, die kommen ja links wieder raus, das gibt es ja wohl nicht, da muss man was gegen machen.
Daniel: Oh, schippern wir jetzt auch unten drunter, du also südlich, und…
Philipp: Wir graben einen Tunnel.
Daniel: Du nimmst dir eine Sache vor, und ich weiß tatsächlich nicht genau, was jetzt der endgültige Beweggrund war.
Philipp: Aber die britische Krone sendet dich aus, die Welt zu umsegeln.
Daniel: Ah, wir kommen von der anderen Seite!
Philipp: Du wirst ausgesendet, die Welt zu umsegeln. Wir wissen nicht, ob es jetzt der Grund war, dass du Hass auf Spanier hattest und denen alles streitig machen wolltest, oder ob du einen neuen Kontinent entdecken solltest oder Ähnliches. Das ist nicht so ganz überliefert. In jedem Fall sendet die britische Krone, die britische Königin, Herrn Francis Drake…
Daniel: Ah, in die Welt hinaus!
Philipp: Sehr schön, ich so n Gedanke, hat mir den – ist mir durch den Kopf geschossen, dass es vielleicht Drake sein könnte, aber nein, da hab ich mich nicht drauf vorbereitet, schön.
Philipp: Du bist unterwegs, Francis Drake, und stichst 1577 in See, und zwar in Großbritannien. Und dafür bekommst du jetzt von mir eine Karte.
Daniel: Jawohl, Karte ist offen, ich bin bereit.
Philipp: So, wir starten am 13. Dezember 1577 unsere Weltumsegelung im Königreich England, in Plymouth.
Daniel: Ja.
Philipp: Von dort geht’s 2 Wochen lang durch den Atlantik nach Marokko, und von dort aus dauert es einen Monat, dann sind wir auf den Kapverden.
Daniel: So weit, so ja, normal, wahrscheinlich so regelmäßig.
Philipp: Genau, dann dauert es knapp zweieinhalb Monate, dann sind wir in Río de la Plata, da sind wir dann schon im Bereich Argentinien, und dann kommen wir in Port St. Julian an, und dann passiert was. Sag mir mal, was du auf der Karte jetzt siehst.
Daniel: Wir gehen unten drunter? Nein, wir gehen irgendwie auf den Landweg, um wieder auf der anderen Seite zurückzukommen, dann drehen wir eine 8, um in Kap Horn irgendwie rauszukommen – aber haben wir das Schiff getragen?
Philipp: Die Magellanstraße ist vom ersten Weltumsegler Ferdinand Magellan, von Portugiesen, entdeckt worden.
Daniel: Ist tatsächlich ein Seeweg? Ach so, OK.
Philipp: Weil zum Schiffe-Tragen kommen wir diese Staffel noch.
Daniel: Oh, freu dich drauf, das wird dir besonders Spaß machen, glaub ich, also Schiffe über den Landweg tragen.
Philipp: Aber ja, Boote, Boote, Boote, Boote. Ich hab gar nicht gesagt, dass die Magellanstraße…
Daniel: Darmstadt?
Philipp: Ja, nee, vollkommen richtig, klar, das sieht ja nach Seeweg aus.
Daniel: Ihr fahrt durch die Magellanstraße und fahrt dann erstmal in Richtung Westen und stellt fest, hier ist ja gar nichts.
Philipp: Die Landkarte, die ein gewisser Herr Mercator gezeichnet hat – der eine oder andere wird den Namen kennen, denn jede Weltkarte, die man sieht, ist die sogenannte Mercator-Projektion – von den größten Verhältnissen der Länder und sowas gibt sie das ja auch alles nicht richtig wieder, brauchen wir nicht drauf eingehen, auf jeden Fall heute noch n bekannter Name, weil verantwortlich fürs Weltkartendesign – der hatte, sagen wir mal, Südamerika n bisschen falsch angeordnet.
Daniel: Wo kam es raus auf seiner damaligen Karte?
Philipp: Na ja, normalerweise wärst du durch die Magellanstraße gefahren und weiter westlich gefahren, und die Küste wäre da weitergegangen.
Daniel: Aber die Küste war da nicht?
Philipp: Ach so, stimmt ja, weil wenn du nicht weißt, wie es aussieht, dann baust du einfach Land auf der Karte ein. Genau südlich wäre übrigens da, wo sich jetzt die Drakestraße befindet, ein weiterer Kontinent gewesen, den man aber nicht kannte. Der hieß Terra Australis, stellte sich später heraus, dass es Australien war, aber ungefähr um gefühlte 20.000 Kilometer verschoben, n Stückchen weiter.
Daniel: Ja, jedenfalls drehte man dann um und sagte: Moment, das kann so nicht stimmen, wir fahren zurück und fahren einfach von Anfang an die Küste lang.
Philipp: Ja, das macht – dann kommen wir ja irgendwo raus.
Daniel: Und außerdem wollte man schauen, ob man quasi um Südamerika und Mittelamerika obenrum kann, also wie weit man fahren muss, dass oben wieder aufhört, dass oben wieder Seeweg kommt – und das Problem ist, du kommst dann im heutigen Kanada raus, irgendwo, wo es am Arsch kalt ist.
Philipp: Also zumindest heutzutage wird’s schwierig, glaub ich, für so ne Weltumrundung, wenn du irgendwann mal wieder zu Hause rauskommen willst.
Daniel: Dazu kommen wir noch.
Philipp: Jedenfalls fahrt ihr zurück zum Kap Horn, dann wisst ihr wieder, wo ihr seid, und fahrt dann von dort aus weiter die Küste hoch, und dann, ja, wie sieht das aus?
Daniel: Man arbeitet sich so die Küste rauf, ne, man tankt zwischendurch irgendwie.
Philipp: Genau, als ihr dort unterwegs seid – wir befinden uns ja jetzt gegen Ende, Mitte/Ende des ersten Jahres – gibt es auf deinem Schiff n bisschen Stress.
Daniel: Ja, gut, man ist ja schon länger unterwegs, man ist ja in unbekannte Gewässer fast schon unterwegs, kann schon mal passieren.
Philipp: Ja, du hast dabei Thomas Doughty – und Thomas Doughty war mit dir an einer Expedition beteiligt, die du mal nach Irland gemacht hast. Da sind wir jetzt nicht näher drauf eingegangen, ist in nem riesigen Massaker geendet, war ein kompletter Reinfall, bevor ihr euch um die Weltumsegelung gekümmert habt, aber Thomas und du seid Freunde geworden, und du hast Thomas Doughty mitgenommen. Und Thomas war jetzt nicht unbedingt ein Verfechter deiner Politik, die du auf deinen Schiffen, mit denen ihr unterwegs wart, betrieben hast. Du hast nämlich gesagt: Jeder, der hier auf meinem Schiff mitfährt, hat sich um alles zu kümmern. Es gibt keinen, der besser ist als der andere und der nicht mithelfen muss, wenn irgendwie Wasser reinkommt oder wenn Essen gekocht werden muss oder wenn wir Fisch angeln.
Daniel: Jeder muss immer mithelfen, es gibt keinen, der irgendwie irgendjemandem übergestellt ist. Alle packen überall an, ja.
Philipp: Genau. Und Thomas Doughty sieht das ein bisschen anders, und sagen wir mal, er versucht, seine Meinung durchzusetzen, aber er wird regelmäßig verprügelt.
Daniel: Oh, von – mir nee.
Philipp: Von anderen Besatzungsmitgliedern, die sagen: Nein, du bist nichts Besseres, das gibt hier jetzt auf die Mütze.
Daniel: OK, also Socken, Seife, Vollgas?
Philipp: Genau, und der Thomas ist aber auch einer, der dann irgendwann feststellt: OK, so geht es nicht weiter, ich versuche hintenrum ne Meuterei auf den Weg zu bringen.
Daniel: Ah ja, OK.
Philipp: Quasi, er klopft sich nicht mehr, sondern er versucht jetzt gegen dich zu agitieren.
Daniel: Von hinten, ganz blöd, von der Seite, wie man so schön sagt, ja, so als es dann auf die kurze Rippe…
Philipp: Auf die kurze Rippe.
Daniel: Ja, sehr schön.
Philipp: Als es dann ein weiteres Mal Stress gibt und dir wieder, als Francis, berichtet wird: Ja, sag mal, hier ist schon wieder Stress an Bord, weil der Thomas erzählt schon wieder Quatsch – gehst du da hin, knallst ihm eine, knockst ihn aus, schleifst ihn zum Großmast und bindest ihn am Mast fest.
Daniel: Och, ja, jetzt ist er doch was Besseres als alle anderen?
Philipp: Jetzt ist er dauerhaft Navigator – nicht Navigator, hier, Außenposten, hier, der Mast…
Daniel: Junge, wie heißt denn das? Das hat doch nen Namen, der im Krähennest sitzt, der Ausguck, der Ausguck.
Philipp: Genau, er ist jetzt sauer – Ausguck.
Daniel: Ja, er ist leider unten.
Philipp: Ja.
Daniel: Schade, aber besser als blank.
Philipp: Er ist da auch nicht lange, denn ja, warte mal, dazu kommen wir noch. Er ist da auch nicht lange, denn bei der nächsten Ankunft an Land gibt es ein Gerichtsverfahren, das dir quasi das Recht zugesteht, als Kapitän darüber zu befinden: Was machen wir mit dem Thomas? Denn du hast ja n Kaperbrief, und damit darfst du im Namen der Krone entscheiden. Und die Krone darf ja auch Gerichtsurteile fällen, und das ist dir entsprechend dann erlaubt.
Daniel: OK, das heißt, ich halt mich an die Gesetze der Krone und entscheide im Namen quasi der Krone und im Sinne der Krone?
Philipp: Dann, ne, genauso ist das. Du kommst also zu dieser, sagen wir mal, Gerichtsverhandlung.
Daniel: Ja, wo dann alle zusammenstehen, und du dem Thomas quasi sagst, was mit ihm jetzt passiert.
Philipp: Und der eine oder andere sagt: Sag mal, wo ist denn der Kaperbrief, den musst du ja vorweisen können, wenn du hier jetzt n Urteil sprechen willst. Stellt sich heraus, du hast gar keinen, du hattest auch nie einen, also zumindest nicht auf dieser Expedition, und du hast eigentlich gar kein Recht, hier n Urteil zu fällen.
Daniel: OK, das ist schlecht. Wie hast du das früher gemacht? Als du die Hausaufgaben vergessen hattest – ich hab sie abgeschrieben, oder?
Philipp: Einfach gesagt: Wir hatten keine Hausaufgaben. Das ist die einfachste Variante. Die andere Variante, die auch viele Leute immer gemacht haben, ist, ganz lange in den Sachen kramen und gucken: Irgendwo hab ich es doch, ich muss es da haben, moment, ich guck noch mal – und dann hoffen, dass alle anderen es vergessen. Genau das hast du gemacht.
Daniel: OK, die Alternative wäre, tatsächlich noch den nächst-Schwächeren zu verprügeln und seine Hausaufgaben zu nehmen, das wär dann potenziell auch möglich, auch mit Schiffen, auf hoher See.
Philipp: Also du machst es dir einfach, du sagst: Ja, Moment mal, ich hab das – ich hab das auf dem Schiff gelassen, tut mir sehr leid, aber hier, tut es zur Sache – ihr wart doch alle dabei, und so weiter und so fort – und du sprichst das Urteil und sagst: Thomas, du darfst jetzt entscheiden, wie du umgebracht werden willst.
Daniel: Oh, also gleich Todesstrafe, ich hätte jetzt gesagt: Pass auf, Thomas, du darfst jetzt entscheiden, ob du hier bleibst oder ob du bei den Fischen bleibst, wenn wir dich einfach auf ne Planke schmeißen.
Philipp: Sollen wir dich schmeißen?
Daniel: Weißt du, verstehe, aber gut, wenn sogar die Entscheidung, wie er umgebracht wird… schön, also das zumindest. Ja, was wäre deine Lieblings-, deine Lieblingsvollstreckung?
Philipp: Boah, ist ne verdammt gute Frage, ist ne sehr philosophische Frage auch.
Daniel: Finde auch ich.
Philipp: Glaube, aus dem Weltraum fallen, aus dem Weltraum fallen.
Daniel: Und wir glühen ja, wie, oder erstickst, nein, du wirst ja schnell bewusstlos und erstickst halt.
Philipp: Ich glaube, wenn du einfach nur – oder einfach, vielleicht nicht aus dem Weltraum, bleiben wir in der Atmosphäre – einfach fallen, du wirst irgendwann, die Luft ist da oben so dünn, wirst bewusstlos, du kriegst gar nichts mit, ja, aber vielleicht unten dann doch wieder.
Daniel: Schon, ja, vielleicht. Ich möchte aber das – hab ich ja schon mal erzählt, ich mein, es ist völlig on topic, ne – aber ich möchte zu einem Edelstein verarbeitet werden, dann in ein Schwert reingegossen, und dieses Schwert wird versteckt, und ein Schreiben wird an meine Urenkel rausgeschickt, dass sie das Seelenschwert suchen müssen. Und wenn sie dann jemanden mit diesem Schwert umbringen, die können immer noch sagen: Ja, Urgroßvater hat es gesagt, im Grunde genommen.
Philipp: Kommen wir dazu noch. Ach, du Scheiße. Vom Konzept her – Thomas Doughty entscheidet sich übrigens für die Enthauptung.
Daniel: Ja, gut, wenn das Werkzeug scharf genug ist – eigentlich keine Guillotine dabei, ne?
Philipp: Weiß ich nicht, glaube nicht, aber bestimmt ne Axt, und außerdem habt ihr glaub ich genug Waffen dabei, falls euch Spanier begegnen.
Daniel: Insofern, das wird man schon klären.
Philipp: Thomas Doughty wird geköpft, hat dich aber vorher noch mal umarmt und hat gesagt: Du warst n guter Captain.
Daniel: Also, Glückwunsch, Dankeschön, ich geb mein Bestes, da hat sich jemand um Kopf und Kragen geredet.
Philipp: Geredet. Für uns geht es weiter die Amerikas rauf.
Daniel: Ja, gut, wie rauf, ey, wir haben jetzt Proviant für mehr Leute.
Philipp: Das ist richtig, es sind auch noch 2 andere gestorben, übrigens, weil sie von Einheimischen überfallen worden sind, denn ihr stellt fest, an der Westküste sind ja kaum Spanier, da sind ja Indianer.
Daniel: Ja, ja, da sind ja Ureinwohner, und mit denen kommt ihr mal mehr, mal weniger gut klar – einer klaut dir deine Mütze, das findest du aber eher lustig, also ihr tut denen nichts, ihr kommt gut klar, noch, ja, ja.
Philipp: Es kommt allerdings auch während eurer Umsiedlung zu unschönen Vorfällen mit Ureinwohnern. Es gibt nämlich einmal den Fall, dass ihr auch Ureinwohner trefft, in einem unbesiedelten Gebiet, trefft ihr auf die, und die sind sehr interessiert an dem Bogen eines deiner Mitstreiter, und der zeigt denen das dann so, spannt mal so den Bogen und zeigt denen, wie dieser Bogen funktioniert, und dabei reißt dann…
Daniel: Aber das Seil, der Bogen wurde überspannt?
Philipp: Der Bogen wurde wirklich überspannt, denn die Sehne reißt. Dabei erschrecken sich die Ureinwohner so sehr, dass sie ihrerseits ihre Bögen nehmen und die Leute in unmittelbarer Nähe einfach alle erschießen.
Daniel: Unangenehm für die Toten.
Philipp: Unangenehm für die Toten, auch für alle anderen, denn ihr müsst fliehen, und du kriegst sogar bei der Flucht einen Pfeil unter das rechte Auge. Gerade noch mal Glück gehabt. Es geht die Westküste der amerikanischen Kontinente weiter nach oben, und nachdem ihr in Guatulco Halt gemacht habt, am 13. April 1578, geht es für euch nach Norden, in dieses unbekannte Nordamerika, und dort landet ihr am 5. Juni an den Sankt-Jakob-Inseln, das ist Kanada, fahrt aber relativ schnell wieder nach Süden zurück, weil ihr feststellt, also so richtig n Weg an Nordamerika vorbei scheint es nicht zu geben, das Land hört hier niemals auf, das ist einfach nur…
Daniel: Ja, steinig, und…
Philipp: Ja, viel, genau, ihr findet keine Nordwestpassage, die dann ja später bewiesen wird, weil man kann ja oben drüber an Kanada vorbeifahren, aber damals halt noch nicht bekannt ist.
Daniel: Beringstraße dann, ne?
Philipp: Ihr fahrt nach Süden zurück, um dann den Pazifik zu überqueren, aber vorher macht ihr noch mal Halt, und zwar am 17. Juni in Drakes Bucht. Die hieß damals noch nicht Drakes Bucht, logischerweise, hab ich das vorhin schon mal kurz gesagt.
Philipp: Gibt noch keine Menschen dort, die zugewandert sind, es gibt die Ureinwohner, die da schon seit Jahrzehntausenden leben, aber es gibt noch keine ernsthaften Zuwanderungsbemühungen aus dem Rest von Europa, auch nicht aus England, das kommt erst – wir befinden uns gerade in der Zeit, wo das so langsam anfängt, aber es geht eigentlich erst in den 1600ern so richtig los. Wir schreiben den 17.6.1579, ihr geht in Drakes Bay an Land, und ihr begegnet relativ schnell Einheimischen, vermutlich Angehörige des Miwok-Stammes. OK, ihr habt in Südamerika die ein oder andere unangenehme Erfahrung gemacht, ich habe über den überspannten Bogen erzählt, und geht kein Risiko ein, und ihr ankert und lasst auch gleich direkt n kleines Fort errichten, nur zur Sicherheit, damit man sich in Sicherheit bringen kann.
Philipp: Aber die Einwohner sind sehr, sehr freundlich, in den allermeisten Fällen sind sie das. Ihr habt eigentlich keine Begegnung, wo die von Beginn an bösartig sind, es gibt da ganz wenige Erfahrungen, wo das so ist, aber eigentlich sind die immer nett, und ihr stellt relativ schnell fest, die tun uns nichts, ihr gebt denen Geschenke, die geben euch Geschenke. Und eines Tages kommen die sogar mit ihrem Häuptling, der euch gemeinsam mit ganz vielen anderen Menschen zusammen noch weitere Geschenke überreicht.
Daniel: Also es kommt quasi eine Delegation zu euch, ich würd grad sagen, das klingt ja sehr, sehr…
Philipp: Ja, fast schon politisch. Sie kommen zu dir als Leiter der Expedition und setzen dir eine Krone auf.
Daniel: OK, ist das so n Brauch bei denen, oder wie können wir uns das erklären?
Philipp: Das könnt ihr euch nicht erklären. Für euch bedeutet das, wenn jemandem eine Krone aufgesetzt wird…
Daniel: Du bist jetzt der König, ja, klar.
Philipp: Ne, sodass das in anderen Kulturen ne andere Bedeutung haben kann, ne Krone aufzuhaben, als vielleicht in der eigenen – ist jetzt bei euch nicht so ganz in den Sinn gekommen.
Daniel: Ist das vielleicht dieses typisch Amerikanische, wenn du so ne Hähnchenkeule hast und so ne kleines Krönchen draufmachst, bedeutet das: Wir haben euch zum Fressen gern?
Philipp: Nein, ich will natürlich jetzt nicht diese Leute als Kannibalen darstellen, das sind sie auch nicht. Sondern, tatsächlich, rückblickend weiß man das heute, dass das eine Trauerzeremonie war, und die amerikanischen Ureinwohner vom Miwok-Stamm euch damals für zurückgekehrte Verstorbene gehalten haben. Die quasi über das riesige Meer, das sie selbst ja auch noch nie überquert hatten, Verstorbene zurückkamen. Und deshalb behandelt man die natürlich besonders und freut sich, dass die wieder da sind, weil die eigenen Angehörigen könnten dann ja auch irgendwann mal zurückkehren, und darauf freut man sich, und das ist ein Anlass zur Freude.
Daniel: Ach, krass, OK, das ist – gut, so hab ich das noch nie gesehen. Also, wie du schon sagtest, ne, man hat ja nie im Kopf, was andere Kulturen irgendwie für Bräuche und für Ideen haben, und das ist natürlich jetzt – also ich wär niemals drauf gekommen, dass es quasi Tote, die man auch anfassen kann, weil die waren ja dann wieder – also sind ja keine Geister, sondern wirklich Menschen, dann, ne.
Philipp: Hier versteht das natürlich völlig falsch, klar.
Daniel: Ich bin der König der Welt.
Philipp: Du bist der König, und als König darfst du jetzt natürlich dieses Land auch dann formal in Besitz nehmen.
Daniel: Ja, klar, ich hau irgendwo n Stock rein, schreib da in Stein “ich war hier”, mal da so n Kreis rein, oder dieses… weißt du, dieses, dass man immer ein Kästchen in der Schule gemalt hat, ja, wie nennst du dein Neues…
Philipp: Land?
Daniel: Drakonia.
Philipp: Drakonia? Viel, viel blöder. Du kommst aus England, wie nennst du das Land, Britannia 2?
Daniel: Du kommst aus dem alten England, wie nennst du das Land, England?
Philipp: Ja, keine Ahnung, neu England?
Daniel: Ja, Nova…
Philipp: Albion, genau, Nova Albion.
Daniel: Oh, Nova Albion nennst du das?
Philipp: Land. Und du meißelst eine Botschaft in eine Messingtafel, die da lautet: Hiermit sei es allen Menschen kund, 17. Juni 1579, durch die Gnade Gottes und im Namen Ihrer Majestät, der Königin Elisabeth von England und aller ihrer Nachfolger, ergreife ich Besitz von diesem Königreich, dessen König und Volk aus freiem Willen ihr Besitzrecht an dem ganzen Lande Ihrer Majestät übertragen haben, und dem ich jetzt zur Kenntnis aller den Namen Nova Albion gegeben habe.
Daniel: Sehr schön, gezeichnet Francis Drake. Weißt du, was ich mich frage: Wenn der gute Francis da angekommen ist und sagt, ja, hier, das ganze Land gehört jetzt uns, weil die haben das ja freiwillig abgegeben an die Krone, an die Königin – wo hört das Land auf?
Philipp: Die Frage hab ich mir auch gestellt, ich hab keine Antwort dazu, nein, ich kann es dir nicht sagen.
Daniel: Weil ich meine, potenziell, wenn das Land ja bis nach oben geht – wir wissen von der Beringstraße noch nichts – das geht ja bis nach Norden in die Unendlichkeit, krass, ne, und bis nach Süden, ich meine, geht’s bis an die Magellanstraße, da wo quasi n Wasserweg die Spitze abtrennt?
Philipp: Tja, es ist nicht klar zu sagen, tatsächlich, es ist nicht klar zu sagen, wo dieses Land jetzt aufhört.
Daniel: Wahrscheinlich da, wo der Stamm das nicht mehr kontrolliert.
Philipp: Ja, das wird es wohl sein. Aber für euch ist das sowieso erstmal egal, denn ihr lasst ja niemanden zurück, ihr fahrt ja wieder in kompletter Besatzung wieder weg. Deshalb lasst ihr diese Platte da, wo du das eingemeißelt hast, die lasst ihr zurück, die legt ihr da hin, irgendwo am Strand – oder ihr nagelt die an den Baum, tatsächlich ist das sehr wahrscheinlich, dass ihr das tut, weil die hat oben und unten so ne Aussparung, wo man das einhängen kann quasi, und dann fahrt ihr wieder.
Daniel: Ja, es ist ja jetzt verbrieft, gehört euch ja, klar, das ist ja wie im Yukon, paar 100 Jahre später, einfach paar Fähnchen dahin, und gehört mir alles, meins jetzt.
Philipp: Fährt die ganze Weltumsegelung also einmal über den Pazifik, kommt an in Palau, bahnt sich den Weg durch Südostasien, endet in Java, fährt dann durch den Indischen Ozean zum Kap der guten Hoffnung, fährt wieder die afrikanische Westküste rauf nach Sierra Leone und kommt dann nach gut fast 3 Jahren wieder in Plymouth an. Hat die Welt umsegelt, und genannt wird das in Großbritannien der damaligen Zeit: The Famous Voyage.
Daniel: The Famous Voyage, ich find’s krass, ne, du sagst sogar 3 Jahre, 3 Jahre, das ist ne scheiß lange Zeit. Also ganz ehrlich, ich meine, wenn ich mir so Strecken angucke, wie bis nach, weiß ich nicht, Sierra Leone, und darunter Kap der guten Hoffnung, ne, das ist ja, ey, das ist ja einfach nur gerade ausgefüllt, ne, aber und du weißt, dass du von Land zu Land fährst. Aber wenn du dann irgendwann mal nach Westen fährst und dann ist einfach nichts mehr, ja, und vor allem da weißt du ja nicht, ob da noch…
Philipp: Wir haben ja heutzutage den Vorteil – das ist immer wieder krass, ne, da muss man sich ja vor Augen halten – wir haben den Vorteil, wir wissen, wie die Welt aussieht. Ja, wir wissen, dass oben unten halt kalt ist, wir wissen, dass wenn du links rausfährst aus der Karte, kommst du rechts wieder rein, so nach dem Motto, das ist uns allen klar.
Daniel: Wir wissen klar, wie du sagtest, ne, bei der Projektion der Karte stimmen die größten Quellen nicht, und die Entfernungen stimmen auch nicht ganz richtig, mein Gott, aber du weißt, ne, wenn du jetzt in Deutschland sitzt, gehst du nach Osten, kommst du in Polen raus, und wenn du weit, weit, weit, weit korrigierst, durch Russland, China und was weiß ich, kommst du in Japan raus. Und wenn du dann dich ins Schiff setzt, dann kommst du irgendwann mal in USA, Kanada raus.
Philipp: So, ne, oder halt weiter südlich, das ist uns klar, das muss man sich mal bewusst machen, dass das damals nicht so war, und dann kommst du auf dein Holzschiff, tuckerst da los, und du weißt – keine Ahnung, du hast keine Ahnung, ob du jemals lebendig wieder rauskommst.
Daniel: Du weißt ja nicht – einer, genau, einer ist vor dir rund um die Welt gefahren.
Philipp: Das war mal geredet – na, der könnte auch gelogen haben, stell dir mal vor, der könnte auch gelogen haben.
Daniel: Der könnte auch gelogen haben, könnte gesagt haben: Ja, wie, sind wir jetzt außer Sichtweite? OK, wir drehen um, ja, oder wir schippern hier n bisschen, 3 Monate einfach nur so quer auf dem See rum.
Philipp: Ja, also du bist erst der zweite überhaupt, der das macht.
Daniel: Unfassbar für uns. Endet hier deine Geschichte? Also ich nehme an, nicht mit dem Tod, sondern mit dem Erfolg.
Philipp: Mit dem Erfolg – der relevante Teil der Geschichte von Francis Drake endet mit diesem Erfolg, denn wir springen jetzt großzügig, und zwar mal eben mehr als ein Vierteljahrhundert weiter, ins Jahr 1857. Wir gehen in die Vereinigten Staaten von Amerika, die ja mittlerweile existieren und florieren, und da gründet sich ein Männerbund.
Daniel: Wieso, häufig zu den damaligen Zeiten? Also es gibt ja zahlreiche, ja, Freimaurer, was es nicht alles gibt, das ist der Einzige, der mir eingefallen ist, Ku-Klux-Klan, aber das passt nicht ins Bild, die Illuminaten soll es ja auch gegeben haben.
Philipp: Ah ja, natürlich, Entschuldigung, von den Illuminaten.
Daniel: Natürlich, ja, sicher.
Philipp: Also es gibt damals ganz viele Männerbünde, sogenannte Fraternities, und es gründet sich ein neuer, und zwar The Ancient and Honorable Order of E Clampus Vitus.
Daniel: E Clampus Vitus.
Philipp: Ist…
Daniel: Kein echtes Latein, hab ich vorhin fast schon gedacht.
Philipp: Beschreibt auch relativ gut, worum es in dem sogenannten ECV, E Clampus Vitus, eigentlich geht, das ist nämlich mehr oder weniger eine Truppe von Spaßvögeln, die finden sich selbst extrem lustig und machen eigentlich den ganzen Tag nur irgendeinen Quatsch, sind aber durchaus renommierte Leute dabei, unter anderem Ulysses S. Grant.
Daniel: Oh, der soll wohl dabei gewesen sein?
Philipp: Man weiß es nicht, man weiß es nicht, aber natürlich einer der wichtigsten Personen der US-amerikanischen Geschichte.
Daniel: Ja, also einmal im Sezessionskrieg der große General gewesen, auf der einen Seite, und dann natürlich US-Präsident auch später, also ganz berühmter Mann soll damals dabei gewesen sein in dieser Gruppe von Spaßvögeln. Nach wie vor immer wieder lustig, wie wir irgendwie in unsere Geschichten irgendwelche zukünftigen Präsidenten der USA reinkriegen. Wir hatten schon – wir hatten im Moneypit hatten wir n Präsidenten, wir hatten auf irgendeinem der Schiffe hatten wir n Präsidenten, der sich irgendwo verfahren hat, da irgendwo fast was abgeknallt wurde.
Philipp: Also stimmt, stimmt, wir wissen nicht ganz genau, welchen Titel Ulysses S. Grant in dieser Truppe geführt hat, ob es Noble Grand Humbug war, oder Grand Imperturbable Hangman, oder Clamps Vitrix – man hat sich wirklich bescheuerte Namen gegeben.
Daniel: War n Spaßvogel, war n Spaßvogel.
Philipp: Grundsätzlich hießen sie einfach die Clampers.
Daniel: Die Clampers.
Philipp: Waren die Clampers. Und die haben natürlich auch ne Satzung, die legt explizit fest, diese Satzung – uns ist das soziale Engagement sehr wichtig, für Witwen und Waisen, wobei der Schwerpunkt auf den Witwen liegt, also wirklich, ja…
Daniel: Absolut, lustige Truppe, im Übrigen auch Mark Twain soll dabei gewesen sein.
Philipp: Ja, ja, komplett durcheinander, jedenfalls ist diese Truppe in Kalifornien unterwegs hauptsächlich, und ist dann aber relativ schnell wieder – also irgendwann Anfang der 1900er wird die Truppe mehr oder weniger aufgelöst, weil der Goldrausch ist vorbei, so n bisschen kehrt Ruhe ein, und die Clampers haben jetzt nicht mehr so den Stellenwert, den sie früher hatten, weil sie hauptsächlich aus Bergleuten bestanden hat, sie ausgeklampert.
Daniel: Es hat sich ausgeklempert.
Philipp: Aber es wurde wieder angeklempert, denn Anfang der 30er, 1931 – das heißt, wir springen noch mal ein bisschen nach vorne, 1931 – gründen 3 Männer den ECV neu. Diesmal sind es aber keine Minenarbeiter, sondern Intellektuelle, die einfach die Idee geil finden, also der Historiker Carl Wheat ist dabei und 2 Freunde von ihm, nämlich Leon O. Whitsell und Ezra Dane. Ezra Dane wird jetzt sehr wichtig, Ezra Dane begleitet uns nämlich jetzt noch eine ganze Weile, und Ezra Dane ist auch, sagen wir mal, derjenige, der das mit dem Streichespielen beim ECV am ernstesten nimmt.
Daniel: Ich verstehe, ich verstehe.
Philipp: Aber wir sind ja jetzt eine Stunde 6 in unserer Aufnahme, es ist Zeit, unseren zweiten Charakter kennenzulernen in dieser heutigen Folge. Wir springen nämlich noch einmal ganz kurz zurück ins Jahr 1870, dort wirst du geboren, und zwar auf einer Farm zwischen 2 Städten in Wisconsin. Wir legen uns einfach mal auf die größere Stadt fest: Thoma, in Wisconsin, Monroe County, knapp 10.000 Leute wohnen da – ist klein, ne, also heute wohnen da 10.000 Leute, damals wird es deutlich weniger. Du bist der Sohn von Edwin Latham und Rosaline Bolton, die beiden taufen dich Herbert Eugene Bolton.
Daniel: Der Herbert.
Philipp: Ein Name, der heute wenigen Leuten was sagt, damals allerdings sehr vielen, denn du genießt ne hervorragende Schulbildung, du gehst zur Universität, und dein großes zentrales Fach ist die amerikanische Geschichte, die süd-, mittel- und nordamerikanische Geschichte.
Daniel: Soweit, so schlau, ja, natürlich.
Philipp: Kommst du auch das ein oder andere Mal mit Francis Drake in Berührung in diesem Kontext, aber dich interessieren zunächst eher andere Sachen. 1902 zum Beispiel fährst du auf ne große Expedition nach Mexiko, da suchst du Schriftstücke, die damit zusammenhängen, wie damals diese Landstriche besiedelt worden sind. 1904 schreibst du n Buch über die Geschichte von Texas, ganz viele Artikel in Zeitschriften und Magazinen, immer wieder zu deinen großen Themen Nord- und mittelamerikanische Geschichte. Du wirst Professor auf dem Gebiet, und jeder, der etwas auf sich hält als Student, der sich mit Geschichte auseinandersetzt, weiß: Wenn ich eine Frage zum historischen Amerika habe, wende ich mich an dich, an Herbert Eugene Bolton. Und du hast, wie alle Forscher, ein großes Ziel, was du in deinem Leben erreichen möchtest.
Daniel: Ja, für manche ist es dann irgendwie: Ich möchte n neues Element entdecken, ich möchte endlich dieses mathematische Problem lösen.
Philipp: Und für einen Historiker ist es: Ich möchte ein historisches Artefakt finden, und zwar ein ganz bestimmtes. Es ist nicht der Heilige Gral, es ist nicht die Bundeslade, sondern es ist die Platte, auf der Francis Drake vor über 300 Jahren Nova Albion für die britische Krone in Besitz genommen hat. Das ist dein großes Ziel, und du sagst all deinen Studenten, falls jemand über irgendeinen Hinweis auf diese Platte stolpert, sag mir Bescheid, ich will es wissen. Insofern bringst du dein Leben ungefähr ab Anfang der 1900er-, 1910er-Jahre, und du wirst nebenbei auch Mitglied beim ECV, wo du auch Ezra Dane kennenlernst.
Daniel: Mhm, soweit so gut.
Philipp: Und Ezra Dane denkt sich: Wir sind hier doch ne Truppe, die aus der Tradition der Streichespieler kommt, wir spielen dem Eugene Herbert einen Streich.
Daniel: Auch, ich hab jetzt gerade schon überlegt, weißt du, das ist so – ich finde, wenn man Streiche spielt, sollte man anderen Leuten Streiche spielen, nicht untereinander, das finde ich unfair, weil man denkt, man ist unter einem Team. Und ich ahne, wo es hingeht.
Philipp: Also Ezra heuert n paar Freunde an, und Ezra kontaktiert zunächst George Barron, einen anderen Historiker, denn er braucht, sagen wir mal, ein paar historische Informationen, und er sagt zu ihm: Ich hab ne super Idee, geh mal bitte zum nächstgelegenen Hafen und kauf von einem möglichst alten Schiff dort Messing für mich. Und George geht und kauft Messing, und Ezra geht weiter zu einem anderen Freund, zu George Clark, anderer George, der hat nämlich ne Werkstatt, und der meißelt in das Messing eine Botschaft. Und George Clark setzt auch seine eigenen Initialen ein, weil er hat es ja gemeißelt, ne, unter die Botschaft, und macht außerdem noch 3 Löcher in das Metall, ein Loch oben, ein Loch unten zum Aufhängen, und ein Loch in Höhe einer alten britischen Münze. Und zu guter Letzt schreibt er auf die Rückseite der Platte, in einer nur unter UV-Licht sichtbaren Farbe: ECV. Ich habe ein Bild von dieser Platte für dich, erzähl mir, was du dort siehst.
Daniel: Ja, by the Grace of Gold and the name of for Majors, a Majors, die Queen Elizabeth, wie du gesagt hast, eine wahrscheinlich Messingplatte, aber die sieht extrem alt aus, zumindest auf dem Foto halt, ne. Also man hat sich echt große Mühe gegeben, man hat da noch mal Patina drauf gemacht, so n bisschen, ne, man hat das einmal durch den Dreck gezogen.
Philipp: Ja, klar, dass es möglichst alt und so aussieht, es ist natürlich – man hat Rechtschreibfehler eingebaut, man hat die Art und Weise, wie damals geschrieben worden ist, imitiert, man hat da einiges gemacht.
Daniel: Ah, ich find’s großartig, ich – übrigens möcht ich drauf hinweisen, dass die “B”s hier einfach Fenster sind.
Philipp: Ja, das stimmt.
Daniel: Und die “E”s haben auch so Striche durch.
Philipp: Interessant. Also, es sieht wirklich, ich meine, gut, ich hab jetzt keine Ahnung, aber hättest du mir gerade eben erzählt: Hey, das ist die Platte, die Francis Drake da hinterlassen hat – hätte ich es dir geglaubt, du bist Laie, aber dazu kommen wir noch.
Philipp: Der Plan von Ezra ist klar: die Platte fälschen, die nie gefunden worden war, natürlich, und in Umlauf bringen, und irgendwann, wenn sie ihren Weg zu Herbert Eugene Bolton findet…
Daniel: Natürlich wird sie das, ach so, oh Mann, das ärgert mich, also ärgert mich jetzt schon.
Philipp: Die Platte wird wohin gebracht? Natürlich nach Drakes Bay.
Daniel: Ja, klar, das konnte man – jetzt mal ganz kurz, entschuldige, aber ganz kurzer Einwurf, n bisschen ne Frage: Man weiß jetzt, wo Drakes Bay gewesen ist, obwohl man die Platte nie gefunden hat – konnte man trotzdem jetzt sagen, OK, da war Drakes Bay, ja, oder wurde das mitkartiert, als er unterwegs war?
Philipp: Es wurde einerseits mitkartiert, ein Stück weit, aber es haben auch ganz viele Leute aus der Besatzung, die schreiben konnten, Tagebücher angefertigt und Reiseberichte mitgeteilt. Und da wurde das überliefert, auch, dass es diese Platte gab, und so weiter, alles, was auf dieser Reise passiert ist, ist überliefert durch Schiffslogbücher und Ähnliches.
Daniel: OK, alles klar, weil ich hab mir jetzt so gedacht, weißt du, wenn du da mal vorbeigetuckert bist, und dann sagst du, ja, ich lass jetzt ne Platte liegen, und dann irgendwie 300 Jahre später, oder von mir aus 50 Jahre später, 3 Jahre später, Leute da irgendwann mal ankommen, dann ist denen natürlich nicht sofort klar, dass es ja dieser Ort ist, ne.
Philipp: Außerdem wird die Platte – ich sage dir, dazu kommen wir noch.
Daniel: Ach, verdammt, ihr legt die Platte in Drakes Bay ab?
Philipp: Ja, was übrigens in Kalifornien ist, ja, bei San Francisco, also San Francisco Bay, unmittelbar…
Daniel: Ach so, OK.
Philipp: Na, die Platte wird dort abgelegt, und 1933 findet ein Chauffeur einer Jagdgesellschaft, mit dem Namen William Caldeira, diese Platte. Der legt die sich ins Auto und denkt: Mal gucken, was ich damit mache, weiß ich noch nicht. N paar Tage später stellt er fest: Oh, ich hab diese Platte in meinem Auto vergessen, dieses hässliche Teil brauch ich nicht mehr, schmeißt sie weg in den Graben.
Daniel: Ach, du Scheiße. 3 Jahre lang ist die Platte dann verschwunden?
Philipp: Und dann findet die Verkäuferin Beryl Shinn die Platte wieder, weil sie irgendwie auf dem Weg zur Arbeit das Ding findet und denkt sich: Was ist das denn? Ich kenn doch diesen Studenten von der Berkeley-Universität, den frag ich mal, was es damit auf sich hat. Francis Drake, den Namen kennt man ja schon, ne, ist ja spannend, ne, gucken wir mal. Und der Student denkt sich: Ja, das ist doch mal n Ding für Professor Bolton, das ist der Heilige Gral jetzt. Läuft damit zu Professor Bolton und kommt zu dir ins Büro mit dieser Messingplatte, und du sagst: Das kann doch nicht sein – das ist ja, und das ist ja Heureka, und du rufst unmittelbar bei der California Historical Society an und sagst: Leute, ich brauch Kohle, ich kauf dem Jungen diese Platte ab, ich hab n Riesending vor mir, ich brauch 3500 Dollar, heute etwa 80.000, bisschen mehr.
Daniel: Ja, es ist das Geld wert, wenn es echt gewesen wär.
Philipp: Ja, du kaufst diese Platte von dem jungen Mann, der das Geschäft seines Lebens gemacht hat, und gibst unmittelbar danach, gemeinsam mit dem Vorstand der California Historical Society, eine Pressekonferenz und stellst vor: Wir haben die Platte von Francis Drake gefunden, in Drakes Bay. Und spätestens jetzt ist das Kind ganz tief in den Brunnen gefallen, denn die Leute vom ECV können den Streich ja jetzt nicht mehr auflösen, weil sie damit ja nicht nur einen Streich bekannt geben, sondern auch die komplette Integrität von dir als Professor und von der California Historical Society auch noch aufs Spiel setzen. Das heißt, es ist nicht nur n lustiger Spaß, sondern es ist ernsthaft jetzt n Problem, weil sie stellen da gerade eine riesige Fälschung vor.
Daniel: Ja, natürlich, und vor allem mit vollkommener Sicherheit, dass es das echte Ding ist. Ne, und wann sind wir, 19, was, 30?
Philipp: Wir sind 36.
Daniel: 36, ich weiß nicht, ob es da irgendwelche Datierungen, was weiß ich, schon alles – wahrscheinlich gar nichts davon.
Philipp: Nein, es gab noch gar nichts davon, es gab ein metallurgisches Gutachten.
Daniel: Ja, ist Messing von früher, so, danke, genau, das war’s.
Philipp: Die Echtheit wurde bestätigt.
Daniel: Scheiße, fuck, ey.
Philipp: Jetzt ist uns etwas noch nicht aufgefallen, beziehungsweise uns ist das aufgefallen, aber wir haben noch nicht darüber gesprochen: Der Clark, George Clark, hat seine Initialen darauf eingeritzt – ist das das Loch unten rechts, wo man quasi “GC” lesen könnte, wenn das Loch nicht dazwischen gewesen wäre?
Daniel: Das Loch unten rechts, wo man GC lesen könnte? Nee, ich glaube nicht, ich wüsste ehrlich gesagt gar nicht, wo das hier auf dem Bild jetzt unmittelbar zu finden ist.
Philipp: In jedem Fall sind es G und C, seine Initialen, die er auch eingeritzt hat auf diesem Ding.
Daniel: Horche, horche, Jesus, Jesus of Lübeck.
Philipp: Nein, man hat sich das einfach so erklärt: Ja, das steht für Captain General.
Daniel: Captain General, Captain, ja, fuck my life.
Philipp: Der ECV gerät ein bisschen in Aufruhr, weil sie denken sich: Scheiße, wir können das ja jetzt keinem sagen, dass das ne Fälschung ist.
Daniel: Natürlich nicht, aber wir können Zweifel streuen.
Philipp: Lass uns Zweifel streuen, wir müssen irgendwie versuchen, dass die auf den Trip kommen, dass das gar nicht stimmt. Und jetzt wird es richtig absurd: 1937, ein Jahr nach dem Fund, gibt der ECV ein Buch heraus, es nennt sich “Proposteris Book of Brass”, also ein absonderliches Büchlein zum Messing. Da steht drin: Nun, es könnte ja sein, dass bei einer alten gefundenen Messingplatte, dass die gar nicht so alt ist, weil das zum Beispiel von einem Schiffsbeschlag ist, was einfach nur verwittert ist.
Daniel: Ne, das wäre ja eine Möglichkeit, da muss man drauf aufpassen, wenn man so was prüft, genauso wie man darauf aufpassen sollte, dass nicht unter UV-Licht geschriebene Botschaften auf so einem Ding sind, auch so.
Philipp: Was sollte man prüfen? Man sollte das mal unter UV-Licht halten, also man sollte sich das doch noch mal ganz genau angucken, wenn man so Funde hat.
Daniel: Also man hat jetzt keinen mehr genannt, aber wenn man so nen Fund hätte, dann müsste man sich das ja mal ganz besonders genau angucken.
Philipp: Aber das hat der ECV veröffentlicht.
Daniel: Und ich bin Teil des ECV, und ich krieg das nicht mit, oder was, genau?
Philipp: Aber es wird noch bescheuerter: 29. Mai 1937, der ECV macht eine große Veranstaltung mit William Fuller. William Fuller ist der damalige Häuptling der Miwok-Indianer, die Indianer, die damals angeblich Francis Drake das Land geschenkt haben, und der nimmt diese Schenkung einfach zurück.
Daniel: Die haben den ernsthaft irgendwie rangeholt und gesagt: Pass auf, wir machen eine Pressekonferenz, du nimmst das jetzt zurück, weil wir haben Angst, dass Kalifornien aus der Union austreten muss, weil es gehört nicht…
Philipp: Also die Briten hatten schon, waren schon dabei, Ansprüche anzumelden.
Daniel: Ach, du Scheiße.
Philipp: Jetzt wurde diese Schenkung durch William Fuller offiziell zurückgenommen. Franklin D. Roosevelt, damals US-Präsident, gibt ein öffentliches Statement ab und sagt: Ich bin sehr glücklich, Kalifornien kann ja Mitglied der USA bleiben, gut, dass das abgewendet ist.
Daniel: Was, also – also, Rückgaberecht ist also gut, ne, Schenkung zurücknehmen, macht man das? Weil Geschenke zieht man nicht zurück, Philipp.
Philipp: Macht man nicht, es wird noch blöder: Edwin Grabhorn, ebenfalls ECV-Mitglied, bekommt auch noch ne Aufgabe, nämlich einen Werbebrief herzustellen, von einer angeblichen Consolidated Brass Novelty Company, die anbietet…
Daniel: Passen Sie auf…
Philipp: Wir kümmern uns für Sie darum, wir stellen Ihnen serienmäßig historische Messingplaketten her, die so aussehen, wie Sie das gerne hätten – wenn Sie so eine Plakette wollen wie die Drake’s Plate, dann kommen Sie zu uns, wir machen Ihnen genau das gleiche. Es gab Zweifel, es gab Zweifel, aber zumindest bis 1944, als du aufgehört hast, als Professor für amerikanische Geschichte, und bis 1953, als du in Berkeley stirbst, ist nicht bekannt, dass das Ding ne kolossale Fälschung ist.
Daniel: OK, immerhin, du stirbst in dem Glauben daran, dass du das große Ding entdeckt hast.
Philipp: Man hat den Mann im Frieden sterben lassen, immerhin.
Daniel: Himmel, ey.
Philipp: In den Fünfzigern beginnt Lawrence Noal, letzter Überlebender aus der Truppe der Fälscher, so langsam, aber sicher, die Details preiszugeben und dann auch zu dokumentieren. Allerdings ist das noch nicht so bekannt zu dem Zeitpunkt, und Queen Elizabeth die Zweite bekommt diese Platte sogar einmal vorgetragen, und da wird gesagt: Hier, das ist das verbriefte Ding, dass deine Vorgängerin im Amt – also nicht unmittelbar, aber eine deiner Vorgängerinnen im Amt – hier das Land verschenkt hat, und sowas, also das geht bis zur Queen.
Daniel: Ach, du Scheiße.
Philipp: Und dann kommen aber die 70er-Jahre, und dann gibt es die Zeit der metallurgischen Untersuchungen, wo man aber dann auch Gammaspektroskopie und Ähnliches machen konnte, und dann stellte man fest: Na ja, also hier stimmt gar nichts, ne, man konnte sehen, das Metall ist modern gewalzt worden, da gibt es moderne Werkzeuge, klare Bearbeitungsspuren von heutigen Werkzeugen, nichts ist gerostet, die Patina mäßig…
Daniel: Das hätte viel rostiger an viel mehr verschiedenen Stellen sein müssen.
Philipp: Also es hätte viel mehr korrodieren müssen, nichts passt, ja, und man stellte fest: es ist eine Fälschung. Man hat übrigens diese UV-Spuren auf der Rückseite nie gefunden.
Daniel: Ja, gut, womit auch immer das – wo das mit Zitronensaft hingemalt, oder was?
Philipp: Ne, das ist – ich weiß es nicht, das speist sich ja mit dem ersten Ding weg, in jedem Fall ist das die Geschichte der Messingplatte und der Weltumsegelung von Francis Drake. Dazu muss man noch sagen, es gibt heute immer mehr Menschen, auch aus der Wissenschaft, die daran zweifeln, dass Francis Drake überhaupt in Nordamerika war, es gibt da diverse Publikationen, die sagen, der war niemals da, die haben das alle erstmal – wir haben erstmal 10 Grad sowieso nach oben korrigiert, also 10 Breitengrade nach oben korrigiert, um quasi zu zeigen, wir waren viel weiter, als wir eigentlich waren, ne. Entschuldigung, 10 Grad nach unten korrigiert, 10 Grad nach unten gerechnet, und da hat man noch versucht, mit Sprachanalysen, Karten und anderen Hinweisen zu belegen, der ist nur bis Mexiko gekommen, und so.
Daniel: Ja, also es ist heute nicht zu 100% belegt, dass Francis Drake tatsächlich in Drakes Bay war, bis in die 70er hat man das aber als belegt angesehen, weil ein Streich ein bisschen den Rahmen des Streichs verlassen hat, und 40 Jahre lang dafür gesorgt hat, dass die Welt dachte, Francis Drake hätte Kalifornien in Anspruch genommen.
Philipp: Unfassbar, also hier ist es, heißt ja, aus großer Macht…
Daniel: Volle große Herausforderung, würd ich grad sagen, Verantwortung, das ist ja, das ist ja wieso n kleiner Spaß, hey, wir schmeißen da irgendwas hin und gucken, was passiert, so, solche Runden zieht das – ist ja, ich weiß nicht, ob du es mitbekommen hast, da haben vor nicht langer Zeit irgendwelche Leute eine Statue von so einem muskulösen Mann, wie man den quasi aus diesen Olympia weißt, du diese Olympia-Diskuswerfer-Statue, weißt du, muskulöser Mann, und haben aber von dem – von den hübschen Thaddäus, doch, von den hübschen Thaddäus – das Gesicht draufgemacht und haben das Ding irgendwo auch vor Kalifornien versenkt.
Philipp: Mhm, ja, das hab ich mitbekommen, und haben gesagt, so, ja, hoffentlich finden das Leute irgendwie in 600 Jahren, die nicht mehr wissen, was Spongebob war, so wie wir nicht wissen, wie vor 600 Jahren…
Daniel: Keine Ahnung, die damaligen – weiß nicht, Memes waren, nenn ich es jetzt einfach mal.
Philipp: Oh ja, aber ich meine, das muss ja noch nicht mal so weit gehen, offensichtlich, nein, es ist auch mit viel weniger zu schaffen.
Daniel: Es ist ne ne wahnsinnig bescheuerte Geschichte.
Philipp: Es ist natürlich ausschweifend, weil du musst ja erst mal erklären, was hat der Francis Drake da überhaupt gemacht, natürlich, um dann quasi diesen ganzen Prank da drauf aufbauen zu können. Also es ist ja schon ein Prank für kluge Leute am Ende, weil du ja sehr tief reingehen musst in die Ursprungsmaterie, um den Prank überhaupt zu verstehen, aber die Quintessenz des Pranks ist ja am Ende: Oh, Kalifornien muss vielleicht aus den Vereinigten Staaten austreten, wir haben n echtes Problem hier, und das macht schon n Unterschied. Ich meine, sie sind am Ende nicht ausgetreten, und alles war OK, aber man stelle sich vor, das hätte jetzt irgendwie zu einem Bürgerkrieg oder zu einer Sezession oder sowas geführt, das hätte den Lauf der Geschichte massiv verändert, obwohl nichts davon stimmt.
Daniel: Ja, gut, solche Dinge passieren immer wieder, ne, da…
Philipp: Ja, wir haben das ja auch mit anderen Dingen, ja, auch gerade mit antisemitischen, ja, Problem-Verschwörungstheorien immer zu tun gehabt, ne, die auch für wahr wahrgenommen worden sind, jahrzehntelang, und viele Menschen das Leben gekostet haben. Aber in diesem Falle, wenn das dran vorbeigeschlittert wär, wär’s deutlich weniger schlimm.
Daniel: Aber deutlich blöder gewesen, glaub ich.
Philipp: Ja, kannst du dich erinnern, ob wir bei der Episode über den Moneypit auch Francis Drake mit dabei hatten?
Daniel: Ich glaube schon, dass das auch potenziell am Rande irgendwo mal ne Rolle gespielt hat, ne, dass er als potenzieller Schatzverstecker galt.
Philipp: Wenn ich mir jetzt nur – gut, ich meine, das war ja, wird wahrscheinlich nicht seine letzte Fahrt gewesen sein, die er da mit der Umrundung gemacht hat, und wer weiß, wo er überall hingefahren ist.
Daniel: Aber ich find’s, ich find’s krass, also man kann ja die Geschichte von Francis Drake ja in vielen verschiedenen Aspekten erzählen, glaub ich, aber das war jetzt einer, sie ist so riesig, wir haben auch so viel weggelassen, wir haben so viele Momente mit Einheimischen weggelassen, die irgendwie passiert sind, nur diesen einen gemacht.
Philipp: Wir haben sämtliche Themen, die mit – wir mussten irgendwelche Schiffe zurücklassen, wir haben n spanisches Schiff auf See verfolgt, wochenlang, bis wir das dann gefunden und gekapert haben, wir haben Leute, die ihrer Ämter enthoben wurden auf hoher See, weil sie nicht geeignet waren, wir mussten Leute zurücklassen, Leute sind beim Trinkwasserholen gelyncht worden von Einheimischen, und so was – wir haben ganz viele Facetten dieses Pfads von Francis Drake außen vor gelassen, weil dafür einfach kein Platz gewesen wäre.
Daniel: Ja, weil wenn ich nur die Expedition gemacht hätte, OK, aber wir haben ja noch diesen Appendix, quasi den Streich, der ja auch noch sehr wichtig ist.
Philipp: Also das hätte das hätte es überzogen, aber wirklich ne hoch interessante Geschichte, diese Story von Francis Drake, weil natürlich auch die Welt damals eine so andere war, ja.
Daniel: Ne, also du hast es gerade schon gesagt, mit dem – die wussten gar nicht, wo sie hinfahren, so richtig, die sind dann nach Westen, ach da, hier ist ja die Karte falsch, OK, dann fahren wir mal wieder lieber zurück – also das ist ja heute sowas von undenkbar, eine noch mal eine so neue Welt in diesem Maße zu entdecken. Philipp, wir ärgern uns heutzutage, wenn du irgendwie mit GPS irgendwo hinfährst, und dann ist die Straße einfach noch nicht eingezeichnet, weil die vor 2 Wochen gebaut worden ist, da ist schon: Boah, fuck, hier, scheiß Google Maps, Google Maps, Google Maps. Nee, unfassbar, also ich find’s – also Philipp, erstmal vielen lieben Dank fürs Aufbereiten, weil das ist echt viel, und du musst wahrscheinlich sehr viel, also wie du schon gesagt hast, ne, sehr viel weglassen, sehr viel filtern, und du musst vor allem erstmal den Überblick darüber verschaffen, worüber du überhaupt reden willst, und das bedeutet zwangsläufig, dir das alles zumindest einmal grob anzugucken – unfassbar, unfucking-fassbar.
Daniel: In diesem Sinne, ich hoffe, wir haben viele, viele Episoden, wo es am Ende heißt “unfassbar”, das ist ja unser Ziel.
Philipp: Wie gesagt, ich hoffe, ich versuch’s mal, gucken, ob ich es zeitlich schaffe, die nächste Episode thematisch an manche Episoden von Francis Drake ja anzuknüpfen.
Daniel: Ich bin gespannt, ich freue mich, ich hoffe, ihr freut euch auch, wir sehen uns beim nächsten Mal.
Philipp: Oder wir hören uns eher beim nächsten Mal wieder, macht’s gut, schönen 1. April, lasst euch nicht verarschen, und erstellt keine Messingplatten von anderen Leuten.
Daniel: Das kommt nicht so gut.
Philipp: Nee, herzliches Goodbye, ahoi, bis dann.
